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Seiten-ID: 1433 Das richtige Werkzeug auswählen A) Abteilung »  04. Werkzeuge B) Inhalt »  05. Methodik

Die Systematik der Werkzeuge

Passend zur Mediation sind auch die Werkzeuge dementsprechend komplex. Eine Systematisierung soll helfen, die passenden Werkzeuge zu finden.

Die Interdisziplinarität der Mediation wirkt sich auch auf die Verwendung der Werkzeuge aus. Viele Werkzeuge werden aus unterschiedlichen Disziplinen und Professionen adaptiert. Die Liste Im Werkzeugverzeichnis ist deshalb noch lange nicht abgeschlossen.

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Grundsätzlich kann sich die Mediation aller Hilfsmittel bedienen, die dazu beitragen, ihren Zweck zu verwirklichen.

 Merke:

Leitsatz 3248 - Werkzeuge aus allen Disziplinen und Berufen können in der Mediation verwendet werden, wenn sie sich in die Mediation methodisch einfügen und dem Wesen der Mediation entsprechen.

Begrifflichkeiten

Bitte beachten Sie, dass der Begriff Werkzeuge verschiedentlich konnotiert wird:

  1. Einmal wird er in einem sehr weiten Verständnis verwendet, wo alle Hilfsmittel, die zur Unterstützung der Mediation verwendet werden als Werkzeuge bezeichnet werden.
  2. Zum anderen gibt es ein enges Verständnis, wo nur die Techniken als Werkzeuge bezeichnet werden.

In dem weiten Verständnis kann schon das Verfahren als ein Werkzeug betrachtet werden, dessen sich die Mediation zu ihrer Verwirklichung bedient. Das Verfahren ist ein Werkzeug, mit dem sich die Rahmenbedingungen der Mediation und ihr Ablauf festlegen lassen. Allerdings genügt das Verfahren nicht um die Mediation zu verwirklichen. Es bedarf weiterer Werkzeuge, die aufeinander abzustimmen sind. Die zur Erläuterung der Funktionalität der Werkzeuge erforderliche, systematische Erfassung unterscheidet deshalb zwischen dem Verfahren, den Methoden, den Techniken, den Interventionen und dem Setting.

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Zusammenhänge

Die Verwendung der Werkzeuge sollte keinen Selbstzweck verfolgen.

Beispiel - Werkzeugverwendung: Ein aktives Zuhören beispielsweise macht ein Gespräch noch lange nicht zu einer Mediation. Damit das Werkzeur die Mediation unterstützt, muss es sich in die Mediationslogik einfügen. Auch kommt es darauf an, dass Werkzeuge im richtigen Zeitpunkt verwendet werden1 . Eine Frage beispielsweise verliert ihre Wirkung, wenn sie zum falschen Zeitpunkt gestellt wird.


Die Werkzeuge des Mediators stehen in einem interaktiven Zusammenhang. Sie führen Reaktionen herbei, wenn sie nicht selbst Reaktionen darstellen. Sie werden benutzt, um prozessuale Veränderungen herbeizuführen. So wie das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile sind die Werkzeuge stets im Zusammenspiel mit den Elementen zu sehen, die Einfluss auf den Prozess nehmen. Der Mediator benutzt also nicht nur ein einzelnes, sondern eine Vielzahl an Werkzeugen2 , die miteinander zusammengehen müssen, damit sie das gewünschte Ergebnis produzieren können.

 Merke:

Leitsatz 3261 - Jedes einzelne Werkzeug ist für sich gesehen völlig wirkungslos. Auf das Zusammenspiel kommt es an!

Die Mediation ist ein systematischer Prozess, der sich in der Komplexität konflikthaften Verhaltens und Denkens wiederfindet. Es wäre anmaßend zu glauben, dass eine einzelne Frage oder eine einzelne geschickte Paraphrase des Mediators die Lösungsweg herbeiführen kann. Sicherlich kann er es schaffen, einen Gedanken zu ermöglichen; oder einen fruchtbaren Boden zu schaffen, auf dem Gedanken möglich werden. Aber erst in der Kombination wird der Gedanke bei der Partei zum Tragen kommen. Um etwas zu bewirken sind mehrere Interventionen erforderlich, die sich in den Prozess und seinen Bedingungen einbeziehen lassen, damit sie eine Wirkung entfalten.

Die Ausrichtung der Werkzeuge

Bitte beachten Sie, dass die Werkzeuge professionell und nicht willkürlich eingesetzt werden. Sicher hilft ein Bauchgefühl dabei, sich für das "richtige" Werkzeug zu entscheiden. Trotzdem kann es nicht gelöst von seinem Verwendungszweck eingesetzt werden. Der Verwendungszweck folgt einer inneren Logik, die dazu beiträgt, dass alle Werkzeuge auf das gleiche Ziel ausgerichtet werden können. Die Grafik zeigt die logische Verknüpfung und die sich daraus ergebenden Abhängigkeiten.

Werkzeuge

Um die Werkzeuge auf ein gemeinsames Ziel ausrichten zu können, bietet sich die Unterscheidung nach Verfahren, Methoden und Techniken an.

Verfahren

Das Verfahren ergibt das Ziel und den äußeren Rahmen, an dem sich die Methoden ausrichten müssen.

Methoden

Die Methoden beschreiben das Know how. Sie sagen, wie die Etappenziele der Mediation zu erreichen sind.

Techniken

Die Techniken ergeben das Doing. Sie sind die Werkzeuge, mit denen sich die Methoden verwirklichen lassen.

Die Ordnung der Werkzeuge

Die Metapher des Werkzeugkoffers soll dem Mediator helfen, die Werkzeuge zu ordnen, um schnell darauf zugreifen zu können. Ein Werkzeugkoffer hat verschiedene Fächer und Abteilungen, in denen die Werkzeuge sortiert werden können. Die Anordnung der Fächer Dient nicht nur zum schnellen Auffinden der Werkzeuge. Sie erlaubt auch eine Sortierung nach deren Wichtigkeit. Werkzeuge die oft genutzt werden und wichtig sind liegen in einem Fach, auf das schnell zugegriffen werden kann. So gesehen ergeben sich für die Mediation die folgenden, nach Wichtigkeit und Bedeutung ausgerichteten Unterscheidungen:

1.Ordnung

Wesen

  1. Mediation ist anders!
  2. Das Wesen ergibt die Eigenschaften
  3. Die Mediation ist ein Kognitionsprozess, der es den Parteien ermöglicht, selbst die Lösung zu finden.
  4. Es geht um die Suche, bei der die Nutzenerwartung im Vordergrund steht.
  5. Alle Aspekte der Komplexität werden in die Lösungsfindung einbezogen.
  6. Ihre Grundlage ist keine Lösungs-, sondern eine Vermittlung.
  7. Die Mediation ist ein Meta-Prozess. Der Mediator personifiziert die Metaebene.
  8. Systemisch betrachtet steht der Mediator außerhalb des Streitsystems

2.Ordnung

Haltung

  1. Die Haltung beschreibt die sich aus den Anforderungen der Mediation ergebende geistige Einstellung
  2. Der Mediator muß zur Mediation passende Haltungsmerkmale vorweisen.
  3. Die Vermittlung erfordert eine stabile Metaebene, die der Mediator repräsentieren muss.
  4. Die Metaebene ist neutral und wertfrei.
  5. Die Autonomie der Parteien erwartet Verantwortlichkeit.
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Struktur

  1. Die Struktur ergibt sich aus der Systemik
  2. Der Ablauf ergibt sich aus der Phasenlogik.
  3. Die Phasen geben dem Mediator und den Parteien den Auftrag, was zu tun ist.
  4. Die Mediation strukturiert nicht nur das Verfahren, sondern auch das Denken.
  5. Im Konfliktgeschehen bildet die Mediation eine strategische Exklave.
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Prinzipien

  1. Die Prinzipien sind die Bedingung für eine korrekte Mediation.
  2. Die wichtigsten parteiseitigen Prinzipien sind: Freiwilligkeit, Eigenverantwortlichkeit, Offenheit, Informiertheit, Vertraulichkeit
  3. Die wichtigsten mediatorseitigen Prinzipien sind: Neutralität, Indetermination.
  4. Die Prinzipien sind von den Eigenschaften zu unterscheiden.
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3.Ordnung

Methodik

  1. Die Methodik ist vom Verfahren zu unterscheiden
  2. Das Verfahren ist der Container in dem die Methodik zur Anwendung kommt
  3. Die Methodik beschreibt die Ausrichtung der Techniken
  4. Die Mediation verwendet mehrere Methoden, mit denen sich die Etappenziele verwirklichen
  5. Methodenverzeichnis
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Techniken

  1. Die Techniken sind die Werkzeuge des Mediators
  2. Sie sind Tools zur Verwirklichung der Methodik.
  3. Verzeichnis der Techniken
  4. Ratgeber und Verzeichnis der Interventionen
  5. Regeln der Kunst und Fehlerverzeichnis
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4.Ordnung

Das Verfahren bildet den Container, der den Rahmen und den Weg festlegt. Diese Werkzeuge werden in der 2. Ordnung erfasst. Natürlich orientiert sich der Container an dem Typ. Das ist das Wesen der Mediation und der Kontext. Diese Werkzeuge werden als 1. Ordnung erfasst.Der Container selbst wird durch die Werkzeuge der 2. Ordnung, also die Struktur und die Prinzipien abgebildet. Weil die Art und Weise des Denkens in der Mediation wesensbestimmend ist, bildet der gedankliche Rahmen, also die Haltung, ein weiteres Charakteristikum des Rahmens. Die Methoden dienen dazu, dass der Weg auch zurückgelegt werden kann. Sie gehören der 3. Ordnung an und beschreiben, wie die den Weg ausmachenden Etappenziele (Phasen) zu erreichen sind. Die Techniken sind die Hilfsmittel, mit denen die Methoden verwirklicht werden. Das Setting ergibt die konkreten Arbeitsbedingungen, in denen die Techniken zur Anwendung kommen.

Bedeutung für die Mediation

Wenn der Werkzeugkoffer des Mediators mit den zuvor genannten Bausteinen oder Elementen der Mediation in Fächer unterteilt wird, lassen sich die Fächer vier Ordnungen zuweisen. Die 1. Ordnung betrifft die Eigenschaften der Mediation. Die 2. Ordnung betrifft die Verwirklichung ihres Charakters. Die 3. Ordnung enthält die Fächer für ihre Umsetzung. Die 4. Ordnung ergibt die Rahmenbedingungen.

Die Hierarchie der Ordnungen stellt sicher, dass sich alle Werkzeuge an dem Wesen der Mediation und der Haltung des Mediators ausrichten lassen. Die Unterscheidung nach Ordnung führt zu der folgenden Faustregel:

 Merke:

Leitsatz 3263 - Kommt es zu Störungen bei den Werkzeugen der 1. Ordnung, müssen Sie mit Haftungsansprüchen rechnen. Kommt es zu Störungen in der 2. Ordnung, droht die Mediation zu scheitern. Bei Störungen in der 3. Ordnung wird sie erschwert und verzögert. Bei Störungen in der 4. Ordnung verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2020-11-18 07:03 / Version 54.
Aliase: Fächer
Siehe auch: Mediation-Bausteine
Diskussion: Fragen zur Mediation
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An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator und Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Mittwoch November 18, 2020 07:03:48 CET von Administrator.