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Seiten-ID: 1433 Das richtige Werkzeug auswählen 3-Abteilung »  Werkzeuge

Die Systematik der Werkzeuge

Passend zur Mediation sind auch die Werkzeuge dementsprechend komplex. Eine Systematisierung soll helfen, die passenden Werkzeuge zu finden.

Die Interdisziplinarität der Mediation wirkt sich auch auf die Verwendung der Werkzeuge aus. Viele Werkzeuge werden aus unterschiedlichen Disziplinen und Professionen adaptiert. Die Liste ist noch lange nicht abgeschlossen. Als Faustregel gilt:

 Merke:

Leitsatz 3248 - Alle Werkzeuge können verwendet werden, wenn sie sich in die Mediation einfügen und dem Wesen der Mediation entsprechen.

Die Verwendung der Werkzeuge sollte keinen Selbstzweck verfolgen. Ein aktives Zuhören beispielsweise macht ein Gespräch noch lange nicht zu einer Mediation. Damit das Werkzeur dieMediation unterstützt, muss es sich in die Mediationslogik einfügen. Auch kommt es darauf an, dass Werkzeuge im richtigen Zeitpunkt verwendet werden1 . Eine Frage beispielsweise verliert ihre Wirkung, wenn sie zum falschen Zeitpunkt gestellt wird.

Begrifflichkeiten

Sie bemerken, dass der Begriff Werkzeuge verschiedentlich konnotiert wird. Einmal wird er in einem sehr weiten Verständnis verwendet, wo alles was die Mediation irgendwie nach vorne bringt als Werkzeug bezeichnet wird. Zum anderen gibt es ein enges Verständnis wo nur die Techniken als Werkzeuge bezeichnet werden. Die dadurch möglicherweise entstehende begriffliche Irritation trägt dem Umstand Rechnung dass die Werkzeuge (zum Beispiel Methoden und Techniken oder Verfahren und Methoden) nicht immer eindeutig gegeneinander abzugrenzen sind.

Der innere Zusammenhang

Die Werkzeuge des Mediators stehen in einem interaktiven Zusammenhang. Sie führen Reaktionen herbei, wenn sie nicht selbst Reaktionen darstellen. Sie werden benutzt, um prozessuale Veränderungen herbeizuführen. So wie das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile sind die Werkzeuge stets im Zusammenspiel mit den Elementen zu sehen, die Einfluss auf den Prozess nehmen. Der Mediator benutzt also nicht nur ein einzelnes, sondern eine Vielzahl an Werkzeugen2 , die miteinander zusammengehen müssen, damit sie das gewünschte Ergebnis produzieren können.

 Merke:

Leitsatz 3261 - Jedes einzelne Werkzeug ist für sich gesehen völlig wirkungslos. Auf das Zusammenspiel kommt es an!

Die Mediation ist ein systematischer Prozess, der sich in der Komplexität konflikthaften Verhaltens und Denkens wiederfindet. Es wäre anmaßend zu glauben, dass eine einzelne Frage oder eine einzelne geschickte Paraphrase des Mediators die Lösungsweg herbeiführen kann. Sicherlich kann er es schaffen, einen Gedanken zu ermöglichen; oder einen fruchtbaren Boden zu schaffen, auf dem Gedanken möglich werden. Aber erst in der Kombination wird der Gedanke bei der Partei zum Tragen kommen. Um etwas zu bewirken sind mehrere Interventionen erforderlich, die sich in den Prozess und seinen Bedingungen einbeziehen lassen, damit sie eine Wirkung entfalten.

Verdeckte Abhängigkeiten

Wenn hier von Werkzeugen die Rede ist, dann ist dieser Begriff im weitesten Sinne zu verstehen. Er bezieht auch die "Bedienung" der Werkzeuge und den Rahmen, mithin die Arbeitsbedingungen ein. Davon ausgehend, dass diese Elemente ebenfalls zu gestalten sind, haben sie durchaus den Charakter von Werkzeugen. Ausgangspunkt für die Zusammenstellung der Werkzeuge in einem gedachten Werkzeugkoffer ist deshalb die Erkenntnis, dass die Werkzeuge in einer Kombination vorzuhalten sind. Keinesfalls sind sie beliebig. Vielmehr ergibt sich eine Hierarchie, die einen weiteren Aspekt der Strukturierung der Mediation darstellt.

Der äußere Rahmen, das Setting, bestimmt den Aktionsradius. Daraus ergeben sich die Anwendungsbedingungen für die Werkzeuge. Die Techniken sind sozusagen die Hardware. Sie sind den Methoden unterzuordnen, denn sie erlangen ihre Zweckbestimmung erst aus der mit der Methodik beschriebenen Verwendung. Die unterschiedlichen Methoden beschreiben die Abläufe und den Einsatz der Werkzeuge (Techniken). Ihr Ziel wird durch das Verfahren vorgegeben. Die Methoden werden anhand dieser Zielvorgabe untereinander koordiniert. Dabei werden die Methoden ganz wesentlich durch die sich aus dem Verfahren ergebende Denkweise (innere Einstellung, Haltung geprägt. Die Mediation wird schließlich durch das Setting beeinflusst. Das Setting beschreibt die Gesamtheit von Umgebungsmerkmalen, in deren Rahmen das Verfahren stattfindet.

Die Ordnung der Werkzeuge

Der Werkzeugkoffer des Mediators hat verschiedene Fächer und Abteilungen, in denen er seine Werkzeuge sortieren kann. Die Anordnung der Fächer soll dazu beitragen, schnell das richtige Werkzeug zu finden. Dabei ergegen sich für die Mediation die folgenden, nach Wichtigkeit und Bedeutung sortieren Unterscheidungen:

1.Ordnung

Wesen

  1. Mediation ist anders!
  2. Das Wesen ergibt die Eigenschaften
  3. Die Mediation ist ein Kognitionsprozess, der es den Parteien ermöglicht, selbst die Lösung zu finden.
  4. Es geht um die Suche, bei der die Nutzenerwartung im Vordergrund steht.
  5. Alle Aspekte der Komplexität werden in die Lösungsfindung einbezogen.
  6. Ihre Grundlage ist keine Lösungs-, sondern eine Verstehensvermittlung.
  7. Die Mediation ist ein Meta-Prozess. Der Mediator personifiziert die Metaebene.
  8. Systemisch betrachtet steht der Mediator außerhalb des Streitsystems

2.Ordnung

Haltung

  1. Die Haltung beschreibt die sich aus den Anforderungen der Mediation ergebende geistige Einstellung
  2. Der Mediator muß zur Mediation passende Haltungsmerkmale vorweisen.
  3. Die Verstehensvermittlung erfordert eine stabile Metaebene, die der Mediator repräsentieren muss.
  4. Die Metaebene ist neutral und wertfrei.
  5. Die Autonomie der Parteien erwartet Verantwortlichkeit.
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Struktur

  1. Die Struktur ergibt sich aus der Systemik
  2. Der Ablauf ergibt sich aus der Phasenlogik.
  3. Die Phasen geben dem Mediator und den Parteien den Auftrag, was zu tun ist.
  4. Die Mediation strukturiert nicht nur das Verfahren, sondern auch das Denken.
  5. Im Konfliktgeschehen bildet die Mediation eine strategische Exklave.
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Prinzipien

  1. Die Prinzipien sind die Bedingung für eine korrekte Mediation.
  2. Die wichtigsten parteiseitigen Prinzipien sind: Freiwilligkeit, Eigenverantwortlichkeit, Offenheit, Informiertheit, Vertraulichkeit
  3. Die wichtigsten mediatorseitigen Prinzipien sind: Neutralität, Indetermination.
  4. Die Prinzipien sind von den Eigenschaften zu unterscheiden.
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3.Ordnung

Methodik

  1. Die Methodik ist vom Verfahren zu unterscheiden
  2. Das Verfahren ist der Container in dem die Methodik zur Anwendung kommt
  3. Die Methodik beschreibt die Ausrichtung der Techniken
  4. Die Mediation verwendet mehrere Methoden, mit denen sich die Etappenziele verwirklichen
  5. Methodenverzeichnis
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Techniken

  1. Die Techniken sind die Werkzeuge des Mediators
  2. Sie sind Tools zur Verwirklichung der Methodik.
  3. Verzeichnis der Techniken
  4. Ratgeber und Verzeichnis der Interventionen
  5. Regeln der Kunst und Fehlerverzeichnis
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4.Ordnung

Die Ausrichtung der Werkzeuge

Bitte beachten Sie, dass die Werkzeuge professionell und nicht willkürlich eingesetzt werden. Sicher hilft ein Bauchgefühl dabei, sich für das "richtige" Werkzeug zu entscheiden. Trotzdem kann es nicht gelöst von seinem Verwendungszweck eingesetzt werden. Der Verwendungszweck ergibt eine weitere Ordnung, an der sich die Werkzeuge messen lassen müssen. Dabei ist folgende Hierarchie zu beachten:

Verfahren

Das Verfahren ergibt das Ziel und den äußeren Rahmen, an dem sich die Methoden ausrichten müssen.

Methoden

Die Methoden beschreiben das Know how. Sie sagen, wie die Etappenziele der Mediation zu erreichen sind.

Techniken

Die Techniken ergeben das Doing. Sie sind die Werkzeuge, mit denen sich die Methoden verwirklichen lassen.

Bedeutung für die Mediation

Wenn der Werkzeugkoffer des Mediators mit den zuvor genannten Bausteinen oder Elementen der Mediation in Fächer unterteilt wird, lassen sich die Fächer vier Ordnungen zuweisen. Die 1. Ordnung betrifft die Eigenschaften der Mediation. Die 2. Ordnung betrifft die Verwirklichung ihres Charakters. Die 3. Ordnung enthält die Fächer für ihre Umsetzung. Die 4. Ordnung ergibt die Rahmenbedingungen. Die Hierarchie der Ordnungen stellt sicher, dass sich alle Werkzeuge an dem Wesen der Mediation und der Haltung des Mediators ausrichten lassen. Die Unterscheidung nach Ordnung fürht zu der folgenden Faustregel:

 Merke:

Leitsatz 3263 - Kommt es zu Störungen bei den Werkzeugen der 1. Ordnung, müssen Sie mit Haftungsansprüchen rechnen. Kommt es zu Störungen in der 2. Ordnung, droht die Mediation zu scheitern. Bei Störungen in der 3. Ordnung wird sie erschwert und verzögert. Bei Störungen in der 4. Ordnung verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-03-06 18:43 / Version 35.
Aliase: Fächer
Siehe auch: Mediation-Bausteine
Diskussion: Fragen zur Mediation
Prüfvermerk: Administrator

An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Mittwoch März 6, 2019 18:43:28 CET von Arthur Trossen.