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Phase 3: Motiv- und Interessenerhellung

Phase3

Bitte lesen Sie zunächst die Beiträge zur Phasenübersicht und zur Phasenlogik. in diesem Beitrag sollen die konkreten Anforderungen und Arbeitsweisen der betreffenden Phase beschrieben sein. Die dieser Phase zugeordneten Methoden sind:

Die Methode des Verstehens Die Methode des Vermittelns


Die 3. Phase führt auf die gedankliche Ebene der heilen Welt.

Bezeichnung

Die 3. Phase wird einmal als Interessenerhellung oder als Motiverhellung und einmal als Konfliktarbeit bezeichnet. Wieder legen die unterschiedlichen Bezeichnungen unterschiedliche Herangehensweisen offen. Die Interessenerhellung deckt nur die Motive auf. Sie passt zur evaluativen oder auch zur facilitativen Mediation. Wer den Konflikt überwinden will, muss sich tiefer mit sich und dem Konflikt auseinandersetzen. Dann ist eine Konfliktarbeit angesagt. Sie passt zur transformativen und zur integrierten Mediation.

Auftrag

Die Phase drei bezieht sich auf das in der zweiten Phase erarbeitete Thema. Die Phase drei muss also gegebenenfalls themenorientiert mehrfach durchgeführt werden. Dabei obliegen dem Mediator oder der Mediatorin folgende Aufgaben:

  1. Erarbeitung der Bedeutungen (Bedeutungswirklichkeiten)
  2. Ggfalls: Konflikt bearbeiten
  3. Herausarbeiten der Lösungskriterien
  4. Abstimmung der Nutzenerwartungen

Funktionen

Die Phase drei hat drei überaus wichtige Funktionen, die für die Mediation eine essenzielle Bedeutung haben und deren Wesen verwicklichen. Sie werden über die Motiverhellung, also die Aufdeckung der Motive, verwirklicht. Die Motive gehen tiefer als die Interessen. Die Funktionen der Phase drei sind:

  1. Aufdeckung der Bedeutungszuschreibungen (die unterschiedlichen Sichten)
  2. Suche nach Gemeinsamkeiten (die Eeben wo es die meisten Gemeinsamkeiten gibt)
  3. Suche nach Kriterien für eine am Nutzen orientierte Lösung

Werkzeuge

Was die Verwendung der Werkzeuge anbelangt, mag auf die Methodik und das Verzeichnis der Techniken verwiesen sein. Die wichtigste Technik ist das Loopen. Die Techniken werden den Methoden der Verstehensvermittlung zugeordnet. Eine Zusammenstellung der in Phase 3 zu verwendenden Werkzeuge finden Sie der methodischen Zuordnung:


Techniken des Verstehens Techniken des Vermittelns 

Gestaltung

Phase drei verläuft in zwei wesentlichen Abschnitten.

Abschnitt 1
Der Fokus ist auf die jeweilige Partei gerichtet. Die Windows-1 Technik kommt zur Anwendung.
  • Auftrag: Interessen, Bedürfnisse herausarbeiten
  • Etappenziel: individuelle Vorstellungen vom Nutzen der Lösung
Abschnitt 2
Der Fokus ist auf die Gegenpartei gerichtet. Die Windows-2 Technik kommt zur Anwendung.
  • Auftrag: Abgleich
  • Etappenziel: Nachvollziehbarkeit der Nutzenerwartung des Gegners

Ablauf

Der schematisierte Ablauf einer Phase 3 könnte wie folgt verlaufen:

  1. Erläuterung der Phase
  2. Initialisierungsfrage formulieren
  3. Methodenwahl: Ping Pong, Windhund, Mindmapping
  4. Wer fängt an
  5. Interessen (Lösungskriterien) je Thema erarbeiten im Windows 1 als Brainstorming erarbeiten
  6. Nach Selbstoffenbarung Windows 2
  7. Zusammenfassung

Lösungsmotiv

Im Mittelpunkt der 3.Phase stehen die Interessen. Sie können mit den Motiven gleichgesetzt werden. Wenn zwischen dem Verfahrensmotiv und dem Lösungsmotiv unterschieden wird, geht es in dieser Phase schwerpunktmäßig um die zur Lösung führenden Motive. Sie können mit der Konfliktmotivation zusammenfallen. Aus dem Lösungsmotiv lassen sich einerseits die Kriterien für die Lösung ermitteln. Andererseits erhellt das Motiv die Bedeutungsinhalte, die für das Verstehen wichtig sind. Der Mediator versucht deshalb schwerpunktmäßig in der 3.Phase, die hinter den Äußerungen der Parteien verborgenen Beweggründe zu erkennen, aus denen sich der zu verwirklichende Nutzen ableiten lässt.

Die Bedeutung der Interessen in der Mediation 

Herausforderungen

Den Parteien fällt es nicht immer leicht, ihre Motive aufzudecken. Der Grund liegt in der Doppelbotschaft von Motiven verborgen. Einerseits helfen sie, den Nutzen zu verwirklichen. Andererseits geben sie aber auch die Möglichkeit, den Nutzen zu verhindern. Nur ein offenes, vertraulichenvolles Gespräch macht es den Parteien möglich, sich zu den Interessen zu bekennen.

Vertraulichkeit 

Auch fällt es den Parteien nicht immer leicht, den erwarteten Nutzen zu beschreiben. Es ist für sie einfacher, den erlittenen Schaden zu beschreiben. Der Mediator lässt sich darauf ein und findet den Nutzen im Kontrast zum Schaden.

Die heile Welt 

Ein Konflikt löst sich nur dann, wenn er eingestanden wird und wenn seine Botschaft von den Parteien verstanden wird. Nicht immer sind die Parteien bereit, für den Konflikt eine Verantwortung zu übernehmen. Die erforderliche Konfliktklärung erfordert dann eine tiefer gehende Konfliktarbeit.

Konfliktarbeit

Zweck

Der dem Mediator in Phase drei erteilte Auftrag ist besser zu verstehen, wenn der Zweck der Phase drei verstanden wird. Bei der Zweckausreichtung wird der graduelle Unterschied zwischen der Interessenerhellung und der Konfliktarbeit beachtet.

Wozu dient die Interessenerhellung?

  1. Erarbeitung der Bedeutungen (Bedeutungswirklichkeit).
  2. Das wechselseitige Verstehen der Bedeutungswirklichkeit erlaubt einen Sichtwechsel
  3. Das Lösungsmotiv ergibt das Interesse
  4. Das wechselseitige Verstehen der Interessen erlaubt es, in Phase vier ein Angebot zu erarbeiten
  5. Die Interessen repräsentieren die Nutzenerwartung und geben deshalb das Ziel der Einigung vor
  6. Die Interessenerhellung ist Teil des Qualitätsmanagements weil sie die Kriterien vorgeben, an denen sich die Lösung zu messen hat.

Wozu dient die Konfliktarbeit?

  1. Ermöglichung der Konflikteinsicht
  2. Übernahme der Verantwortung
  3. Rückgwinnung der Kontrolle
  4. Vollständige Konfliktauflösung

Etappenziel

Die sich aus dem Lösungsmotiv ergebenden Nutzenserwartungen sind bekannt. Es war gelungen, die Lösungen aus dem Blick zu nehmen. Es konnte eine Basis erarbeitet werden, die genügend Gemeinsamkeiten hat, um daraus eine Lösung zu bilden. Ausreichende Kriterien für die Lösungsfindung wurden erarbeitet.

Phasenabschluss

Die 3.Phase kann abgeschlossen werden, wenn es zur Selbstoffenbarung kommt. Der Mediator muss beurteilen können, ob die Parteien hinreichend viele Kriterien gesammelt haben, um daraus eine Lösung bilden zu können.

Bedeutung für die Mediation

Die 3.Phase ist der Höhepunkt und die zentrale Phase in der Mediation. Wenn sie fehlt, ist die Mediation lediglich noch eine Moderation. Es ist wichtig dass der Mediator die Funktionalität dieser Phase versteht und erkennt, warum das Herausarbeiten der Interessen für den hinter der Mediation verborgenen Erkenntnisprozess so wichtig ist.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2022-09-14 17:28 / Version 92.

Alias: Phase 3, Kriteriensammlung, Interessenerhellung, Motiverhellung, Lösungsmotiv
Siehe auch: Phasenlogik, Ablauf, Struktur, Interessen, Gedankenwelten, Nutzen, Verfahrensmotiv,
Hinweis: Auf dieser Seite wird eine Aufgabe beschrieben, die im Beitrag Aufgabenverzeichnis erfasst und gelistet wird.
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