Lade...
 
Wiki to Yes, das Metaportal
Seiten-ID: 559 1. Phase - Initialisierung und Arbeitsbündnis 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (04) Mediieren (Verfahren) »  Ablauf

Phase 1: Initialisierung

Bitte lesen Sie zunächst die Beiträge zur Phasenübersicht und zur Phasenlogik. in diesem Beitrag sollen die konkreten Anforderungen und Arbeitsweisen der betreffenden Phase beschrieben sein

Bezeichnung

Initialisierung / Arbeitsbündnis
Schon die Bezeichnungen machen die unterschiedlichen Herangehensweisen deutlich. Eine Initialisierung ist juristisch betrachtet durchaus möglich. Auch das Gesetz spricht lediglich davon, dass sich der Mediator zu vergewissern hat dass die Parteien Grundsätze und Ablauf des Verfahrens verstanden haben. Psychologisch bedeutsamer ist das Arbeitsbündnis. Es kommt auch dem Wesen der Mediation näher. Das Arbeitsbündnis ermöglicht das Verfahrensritual und verdeutlicht die Eigenverantwortlichkeit. Das Arbeitsbündnis wird in der Mediationsdurchführungsvereinbarung festgehalten.

Auftrag

Vereinbarung der Rahmenbedingungen, Herstellung der Metaebene; Vereinbarungen der Mediation durch den Mediationsvertrag bzw. die Mediationsdurchführungsvereinbarung

Ablauf

Der schematisierte Ablauf einer Phase 1 könnte wie folgt verlaufen:

  1. Begrüßung / Vorstellung
  2. Soweit schon möglich: Identifikation der Parteien
  3. §3 Abs. 1 Mediationsgesetz: Hinweis auf Vorkontakte (Siehe Neutralität und Unabhängighkeit)
  4. Nur falls noch nicht geschehen: Prüfung der Geeignetheit (setzt Konfliktanalyse voraus)
  5. Darauf basierend: Zielvereinbarung (Suche nach Lösung )
  6. Darauf basierend: Wegvereinbarung (Mediation als Verfahren)
  7. Soweit jetzt schon möglich: Vorstellung des gegebenenfalls Mediationsmodells
  8. Vereinbarung der Rahmenbedingungen: Rollen, Offenheit, Vertraulichkeit, Freiwilligkeit,
  9. Evtl. (nur bei Bedarf) Gesprächsregeln
  10. Arbeitsbündnis: Zusammenfassung der Vereinbarungen

Werkzeuge

Was die Verwendung der Werkzeuge anbelangt, mag auf die Methodik und das Verzeichnis der Techniken verwiesen sein. Eine Zusammenstellung der in Phase 1 zu verwendenden Werkzeuge finden Sie unter der methodischen Zuordnung:


Die Rahmenbildung: Methode und Techniken der Phase eins

Die wichtigste Technik ist die Vereinbarung (der Arbeitsbedingungen). Sie setzt voraus, dass der Mediator die Mediation erläutert und über alles informiert, was die Parteien wissen müssen um sich für die Mediation und die Art und Weise der Durchführung entscheiden zu können.

Muster Mediationsvertrag Muster Mediationsdurchführungsvereinbarung 

Etappenziel

Das Ziel der Phase 1 ist erreicht, wenn es zu einer groben Zielvereinbarung gekommen war, der Weg zum Ziel festgelegt wurde und der Gesprächsrahmen etabliert ist. Das Ziel der Mediation ist stets die Suche nach einer Lösung und der damit verfolgte Zweck. Der gemeinsame Weg zur Zielerreichung ist die Mediation. Der Gesprächsrahmen ist ihre Absicherung. Die Voraussetzungen der Mediation müssen gegeben sein. Ihre Legitimation, also der Mediationsvertrag liegt vor oder wird spätestens jetzt nachgeholt.

Voraussetzungen Legitimation Zielvereinbarung 

Herausforderungen

Die Bereitschaft der Parteien sich auf eine Mediation einzulassen, hat nicht zuletzt eine strategische Dimension. Die Mediation ist ein Suchspiel, das nur mit der Kooperation zu verwirklichen ist. Die Parteien brauchen also einen Anreiz, die eventuell schon fortgeschrittenen Konfrontation auszusetzen oder abzubrechen, um stattdessen mit dem Gegner zu kooperieren. Verfahrensstrategisch betrachtet ist die Mediation ein "neues Spiel". Nur so lässt sich eine Kooperation bei höher eskalierten Konflikten in eine Konfrontation umwandeln1 . die Bereitschaft zum Strategiewechsel stellt sich her wenn die Parteien erkennen, dass die Konfrontation für sie nicht zielführend ist. Zur Entscheidung für die Mediation ist es (zumindest auf der Parteiseite) notwendig, sich mit den Möglichkeiten und Chancen einer Durchsetzung ihrer Position auseinanderzusetzen. der Mediator kann die Konfliktstrategie der Parteien thematisieren. Er kann auch hinterfragen, wie die Partei die Chancen zur Durchsetzung ihrer Lösung und die damit verbundene Nachhaltigkeit einschätzt. Zu thematisieren ist der Nutzen der jeweiligen Verfahren. Es ist eine Frage, die Berührungspunkte zur Phase zwei hat und an eine dem Mediator verwerhrte Parteiberatung grenzt2 . Andererseits ist die Frage eine Voraussetzung für die Bereitschaft, die Mediation durchzuführen. Es macht also Sinn sie bereits in Phase eins zu thematisieren und den generellen Nutzen der Mediation für die Parteien herauszustellen.

Auch wenn sich die Parteien für eine Mediation entschieden haben ist noch lange nicht geklärt, ob sie auch eine Vorstellung von der strategischen Bedeutung und der Art und Weise des Verhandelns in der Mediation mitbringen. Den Parteien muss klar werden, dass die Mediation anders ist3 . Zu Recht verlangt das Mediationsgesetz in § 2, Dass sich der Mediator vergewisern soll, dass die Parteien die Grundlagen und den Ablauf des Verfahrens verstanden haben. Richtiger ist es, wenn der Mediator statt sich zu vergewissern, die Grundlagen und den Ablauf des Verfahrens mit den Parteien vereinbart. Die Psychologen sprechen von einem Verfahrensritual, das den Mediator in die Vereinbarung zwingt.

Verfahrensritual

Die Phase eins ist meist der erste Moment, wo beide Parteien Kontakt zum Mediator haben. Wie beim Kennenlernen zählt der erste Eindruck. Die Parteien kommen mit gemischten Gefühlen in die Mediation und müssen sich erst akklimatisieren. Für den Mediator kommt es darauf an, eine Beziehung herzustellen, die seiner Rolle entspricht. Es ist nicht nur eine Stilfrage, ob er den Parteien die Mediation nur erklärt oder ob er die Anforderung der Mediation und ihre Verwertbarkeit für die Parteien interaktiv (Schritt für Schritt) erörtert und hinterfragt oder gar gemeinsam mit den Parteien entwickelt.

Auch wenn Juristen meinen, es bedeute einen Zeitgewinn, wenn der Mediator auf vorgefertigte Vertragsmuster und Verfahrensvereinbarungen zurückgreifen kann4 , wäre der Preis dafür eine Umgehung des Verfahrensrituals. Der scheinbare Zeitgewinn riskiert einen Zeitverlust, wenn die Rollen der Beteiligten und der durch die Mediation an sie erteilte Auftrag nicht verinnerlicht wurden. Die Parteien sollen eigenverantwortlich am Verfahren teilnehmen. Dann muss ihnen auch der Raum gegeben werden, sich in das Verfahren hineinzudenken, um die erforderlichen Verfahrensentscheidungen treffen zu können.

Aus psychologischer Sicht bewirkt das Verfahrensritual eine Annäherung. die Verhandlung eines Verfahrens (der Verfahrensbedingungen) schafft gleiche Augenhöhe und macht alle gleichermaßen verantwortlich. die Rolle der Parteien wird aufgewertet. Die Eigenverantwortung wird spürbar. Der Mediator mag entscheiden ob diese Effekte durch eine bloße Inbezugnahme auf vordefinierte Regeln5 oder durch ein schlichtes Erklären oder Abfragen des Wissens über die Mediation hergestellt werden kann.

Abschluss

Die Phase eins kann abgeschlossen werden, wenn die Parteien den Zweck (Nutzen) der Mediation für sich in Anspruch nehmen können und wenn die Bedingungen für das durchzuführende Gespräch mit Ihnen abgestimmt sind. Von Vorteil ist es, wenn der Mediator die Metaebene und seine Repräsentanz für diese Sicht den Parteien verständlich vermitteln konnte.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-05-27 13:58 / Version 41.
Alias: Phase 1
Siehe auch: Phasenlogik, Ablauf, Struktur, Verfahrensstrategien, Die Bedeutung der Metaebene, Ritualisierung
Prüfvermerk: Administrator

2 Besonders Anwaltsmediatoren müssen darauf achten, dass sie die Parteien nicht über ihre Prozesschancen beraten. Dies ist eine Subsumtion des Falles voraus und stellt eine Rechtsberatung dar.
4 So zB Greger/Unberath (Mediationsgesetz) 1 Einl. 48ff., § 2 Rdnr. 105 ff
© Wiki to Yes: Trossen "1.Phase" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/1.Phase
Erstellt von Arthur Trossen. Letzte Änderung: Montag Mai 27, 2019 13:58:19 CEST by Arthur Trossen.