Lade...
 
Wiki to Yes, das Metaportal
Seiten-ID: 467 Mediationsbuch Nr 6: Worum es bei Konflikten geht. 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (06) Konflikt »  Eigenschaften
Home Bibel
6. Buch: Konflikt 

Eigentlich geht es in der Mediation doch um nichts anderes als um den Konflikt oder etwa nicht?
Was genau bezweckt die Mediation?


Der Gesetzgeber bezeichnet die Mediation (wie übrigens auch das Gerichtsverfahren) als ein Konfliktbeilegungsverfahren. Worum geht es genau?

Der Konflikt mit dem Konflikt

Geht es um eine Problemlösung, eine Streitbeilegung, eine Konfliktbeilegung oder gar eine vollständige Konfliktauflösung?

Jede Zielvorgabe bedingt eine andere Herangehensweise1 . Ihr Wirkungsgrad erschließt sich nach einem Abgleich mit der Konfliktkongruenz. Die präzise Zielsetzung liefert den Hinweis auf die notwendige oder die gewünschte Bearbeitungstiefe. Sie verdeutlicht den Parteien, worum es genau geht.

 Merke:

4943 - Streit und Konflikt sind NICHT dasselbe!

Konfliktbeilegung

Wenn die Mediation ein Verfahren der Konfliktbeilegung ist, sollte der Konflikt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Er ist der Motor des Handelns und liefert die Motive für ein mitunter irrationales, kaum nachvollziehbares Verhalten. Die mit dem Gesetz zur Förderung der Mediation (Mediationsförderungsgesetz)2 eingeführte terminologische Vereinheitlichung von Streit und Konflikt wird dem Konflikt und seiner emotionalen Bedeutung nicht gerecht. In der Mediation ist zwischen diesen Begrifflichkeiten, sowie einer engen und weiten Konfliktdefinition zu unterscheiden.

Streit

Das Wort Streit kommt aus dem Mittelhochdeutschen strīt und bedeutet so viel wie Auseinandersetzung mit Waffen oder (gerichtlich) mit Worten. Althochdeutsch wurde strīt mit Wettkampf, Meinungsstreit, Rechtsstreit gleichgesetzt. Wenn Streit als heftiges Sichauseinandersetzen, Zanken, hitzigen Wortwechseln, oft auch in Handgreiflichkeiten beschrieben wird3 , scheint das Wort eher die Art der Auseinandersetzung beschreiben zu wollen. Dafür spricht, dass Streiten ein Verb kennt, Konflikt jedoch nicht.

Wollen Sie etwa mit mir streiten?

Konflikt

Das Wort stammt vom Lateinischen "conflictus" ab und bedeutet Zusammenstoß. Es beschreibt ein Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen oder Interessen, aus dem sich eine schwierige Situation ableitet, die zum Zerwürfnis führen kann. Stangl führt im psychologischen Lexikon4 gleich 5 Definitionen an, denen das Abstellen auf widerstreitende Interessen gemeinsam ist. Montada beispielsweise beschreibt Konflikt als wahrgenommenes Unrecht und definiert Konflikt als Unvereinbarkeit zwischen Handlungen, Zielen, Wertungen und Überzeugungen5 .

Der Begriff Konflikt wird in der wissenschaftlichen Literatur äußert kontrovers diskutiert. Hier einige Beispiele6 :

  1. "Sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken/ Vorstellen/ Wahrnehmen und/ oder Fühlen und/ oder Wollen mit dem anderen Aktor (den anderen Aktoren) in der Art erlebt, - dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge." (Glasl)
  2. "Ein Konfliktzustand kann ganz allgemein als ein Spannungszustand beschrieben werden, der dadurch entsteht, dass zwischen zwei oder mehreren Parteien unvereinbare Gegensätze in Bezug auf ein bestimmtes Gut vorhanden sind. Kennzeichnend für politische Konflikte in und zwischen Staaten ist, dass sich die Interessengegensätze auf nationale Werte wie territoriale Unabhängigkeit, nationale Selbstbestimmung, Verfügung über das Entscheidungsmonopol, d.h. allgemein auf die Merkmale, die einen Staat kennzeichnen, beziehen müssen, dass die Interessengegensätze mit einer bestimmten Dauer ausgetragen werden und eine bestimmte Reichweite besitzen, d.h. weite Bevölkerungskreise mit einbeziehen." ( Frank R. Pfetsch: Konflikt und Konfliktbewältigung. Beispiele für Formen zwischenstaatlicher Auseinandersetzungen. Stuttgart 1994, S. 2).
  3. "Konflikt ist jene Form der Interaktion durch die zwei oder auch mehr als zwei Personen einander zu beseitigen suchen, und zwar entweder durch vollkommene Vernichtung oder Unschädlichmachung. Die elementarste Form des Konflikts ist der Krieg ..." (Josef H. Fichter in "Grundbegriffe der Soziologie").
  4. "Der soziale Konflikt ist ein universeller, das heißt in allen Gesellschaften vorfindbare(n) Prozeß der Auseinandersetzung, der auf unterschiedlichen Interessen sozialer Gruppierungen beruht und der in unterschiedlicher Weise institutionalisiert ist und ausgetragen wird." (Klaus Lankenau)
  5. Der soziale Konflikt ist eine in der Natur des Menschen und dadurch auch der sozialen Systeme angelegte Auseinandersetzung zwischen sozialen Gruppen, sobald und soweit sie sich bei ihren Problemlösungsaktivitäten begegnen." (Anton Burghardt, "Einführung in die allgemeine Soziologie")

Viele Definitionen unterscheiden nicht zwischen dem neutralen Arbeitsbegriff, der Bewertung des Phänomens Konflikt sowie dessen Kontext und Ursächlichkeit6 . Im Kontext der Mediation kommt es auf eine Begriffsdefinition an, die dem Mediator eine Handhabe zum Arbeiten gibt. Dazu zählt die Abgrenzung zum Streit und das Aufzeigen von Merkmalen, die eine Handhabe zur Bearbeitung des Konfliktes in der Mediation geben. Mediation ist die Suche nach Lösungen in einem dilemmatischen Widerspruch.

Das Dilemma beschreibt eine Situation, in der man gezwungen ist, sich zwischen zwei gleichermaßen unangenehmen Dingen zu entscheiden7 . Das Dilemma führt in eine Zwickmühle. Darauf basierend lautet die hier verwendete Definition des Begriffs Konflikt, für den es übrigens kein Verb (also kein grammatikalisches Tätigkeitsformat) gibt, wie folgt:

 Merke:

4944 - Konflikt ist ein stets emotional wahrgenommener dilammatischer Widerspruch, der nicht ignoriert werden kann und deshalb zum Handlungsmotiv wird.

Für die Mediation ist es wichtig und verwertbar, dass der Konflikt ein Handlungsmotiv beschreibt, nicht jedoch die Art und Weise, ob und wie man damit umgeht oder sich auseinandersetzt.

Streit und Konflikt

Daraus folgt, dass ein Konflikt nicht zwingend zu einem Streit führen muss. Man streitet über ein Problem, nicht über den Konflikt. So gesehen führt der Streit sogar am Konflikt vorbei. Ein Streit kann auch eine Sachauseinandersetzung sein, die keine dilammatische Auswirkungen hat. Weil der Konflikt in die Irre führen will, verleitet er sogar zu Umleitungen.

Beispiel Abgrenzung Streit und Konflikt: Im Babysitterfall wurde um den Umgang gestritten, obwohl der Konflikt die nicht abgeschlossene Paarbeziehung der getrennten Ehegatten betraf. Wird nur das Problem Kindesumgang gelöst, bleibt der Paarkonflikt erhalten.


Wenn die Beilegung eines Streites als Konfliktbeilegung (statt als Streitbeilegung) verstanden wird, suggeriert die Begrifflichkeit einen Zustand, der mit der Realität nicht einhergeht und eher dazu beiträgt, den Konflikt zu verdecken anstatt ihn zu öffnen.

Beispiel Lösung des Problems: Wenn der Kindesmutter im Babysitterfall, die sich auf ein Umgangsrecht eingelassen hat, gesagt wird, Ihr Konflikt sei jetzt beigelegt, wird sie die Behauptung im besten Fall nicht nachvollziehen können, weil der Motor ihres Handelns noch immer läuft. Sie wird ein anderes Problem finden, wo sich der Konflikt nochmals zeigen kann. Konflikte wollen sichtbar werden!


Um die unterschiedlichen Ausprägungen von Konflikten präziser behandeln zu können, ist die Unterscheidung zwischen Streit und Konflikt in der Mediation unerlässlich. Wegen der gesetzlichen Terminologie ist eine Unterscheidung zwischen dem engen und weiten Konfliktbegriff angebracht. In der Literatur wird deshalb die Auffassung vertreten, dass sich die ausschließliche Unvereinbarkeit von Zielen und Überzeugungen in auf sachlicher Ebene durch das Sammeln von Informationen nach verhandelbaren Maßstäben bearbeiten und auflösen lässt8 .

Der Mediator weiß, dass sich der Konflikt nicht auf das Problem beschränkt. Es werden weitere Dimensionen des Streitkontinuums angesprochen als nur Fakten und Positionen. Spätestens der Konflikt stellt eine Verbindung zu Emotionen, Bedürfnissen, Beziehungen und Werten her. Die Dimensionen beschreiben den Kontext des Problems. Sie sind meist nicht sein Bestandteil. Dementsprechend kommen - je nach der erforderlichen Bearbeitungstiefe - unterschiedliche Mediationsmodelle und Interventionen zur Anwendung.

 Merke:

4945 - Der Konflikt ergibt den Maßstab für die erforderliche Bearbeitungstiefe in der Mediation. Der Streit ist seine mögliche Ausprägung und deshalb ein Symptom. Er liefert die Indizien, den (eigentlichen) Konflikt zu identifizieren

Konfliktverhalten

Fundstellen mit der Kategorie Konflikt sind:

Zielsetzung

Die Unterscheidung zwischen Problem, Streit und Konflikt erlaubt unterschiedliche Zielsetzungen bei der Interessenerhellung bzw. der Konfliktarbeit. Es bedarf deshalb einer Festlegung, ob das Problem, der Streit oder der Konflikt beigelegt werden. Die Parteien sollen entscheiden, ob die Beilegung des Streites genügt, wenn der dahinterliegende Konflikt dabei ungelöst bleibt. Sie müssen entscheiden, ob eine teilweise oder vollständige Konfliktlösung herbeigeführt werden soll. Die Antwort richtet sich nach dem erwarteten Nutzen des Verfahrens. Der Mediator kann die Zielvorstellung ermitteln, indem er fragt:

Angenommen, Sie bekommen alles was Sie fordern.
Haben Sie dann alles was Sie brauchen?


Die Frage nach dem vom Verfahren erwarteten Nutzen ist schon wegen der Verfahrenskosten in jedem Streit oder Konfliktbeilegungsverfahren zu klären. Die Mediation ist skalierbar. Sie kann die Bearbeitungstiefe an die Anforderungen der Parteien anpassen.

Ziel der Mediation ist stets das Finden einer Lösung, die eine situationsbedingt optimale Zufriedenheit, also den maximalen Nutzen (auf der Lösungsebene) verspricht. Auch wenn mit der Konfliklösung oft (wegen des Rumpelstilzcheneffektes) eine Heilung einhergeht, kann sie die Heilung nicht versprechen. Eine solche Ansage würde das Verstehen antezipieren und die Lösung vorgeben.

Ziel und Zweck der Mediation

Typologisierung

Wenn der Konflikt gelöst werden soll, muss er genau identifiziert werden. Das ist sicher eine Herausforderung. Konflikte sind so vielfältig und schnell benannt, dass es dringend erforderlich ist, Regelmäßigkeiten herauszustellen, die den Umgang mit Konflikten besser beschreiben können. Eine Typologisierung der Konflikte soll helfen, die Merkmale herauszuarbeiten, die dazu beitragen, den Konflikt auch für die Parteien erkennbar werdsen zu lassen. Folgende Einteilungen sind bekannt:

Kategorien

Eine grundlegende Unterscheidung differenziert zwischen:

  • aufgabenbezogenen Konflikten
  • sozialen Konflikten und
  • psychologischen Konflikten.

Die aufgabenbezogenen Konflikte sind in der Betriebswirtschaftslehre bekannt. 9 In der hier verwendeten Terminologie wären sie mit den Problemstellungen gleichzusetzen, die durchaus auch zu einem Streit führen können. Die Unterscheidung zwischen sozialen und psychologischen Konflikten wird auch mit den Begriffen Intersubjektive Konflikte und Intrasubjektive Konflikte belegt. Intersubjektive Konflikte sind Konflikte zwischen Subjekten, während Intrasubjektive Konflikte die Konflikte innerhalb eines Subjektes beschreiben. Wenn ein Subjekt sowohl eine natürliche,wie eine juristische Person sein kann, liegt innerhalb dieser Kategorie die Herausstellung der Intrapsychischen Konflikten nahe, die den psychologischen Konflikt eines Menschen, also einer natürlichen Person bezeichnen. Ohne sich auf diese Begrifflichkeit zu beziehen, knüpft das Mediationsgesetz an diese Unterscheidung an, indem es sich nur für soziale Konflkte zuständig erklärt.

Soziale Konflikte i.S.d. Mediationsgesetzes

Konfliktwahrnehmung

Auf die Wahrnehmung der Parteien abgestellt, lassen sich die Konflikte wie folgt unterscheiden:

  • Heißer Konflikt: Der Konflikt wird direkt und als offener Kampf ausgetragen. Es kommt zu einer eskalativen Kommunikation.
  • Kalter Konflikt: Der Konflikt wird indirekt ausgetragen. Die Parteien meiden den Kontakt. Die Kommunikation wird eingefroren.

In beiden Fällen ist im Verhalten der Parteien und ihrer Wahrnehmung die Eskalation des Konfliktes eine naheliegende Konsequenz.

Konflikterscheinung

Die Wahrnehmung der Parteien belegt auch die Erkennbarkeit des Konfliktes. Nicht jeder Konflikt wird als Konflikt wahrgenommen. Darauf angesprochen sagen die Parteien oft: "Welcher Konflikt? Wir haben keinen Konflikt!". Dieses Phänomen führt zu der folgenden Unterscheidung:

  • Offener Konflikt: Der Konflikt ist sichtbar und wird offen ausgetragen. Er kann also auch offen angesprochen werden.
  • Verdeckter Konflikt: Der Konflikt wird geleugnet, Meist steht er mit Tabuthemen im Zusammenhang. Die Konfliktbearbeitung wird erschwert. Der Konflikt kann nicht offen angesprochen werden.

Konfliktarten

Auf dem Weg, einen mediationsgeeigneten Handgriff für Konflikte zu finden, begegnen Sie genz schnell den sogenannten Konfliktarten. Die Konfliktarten erkennen die Konflikte an ihrem Gegenstand und der Erscheinungsform. Unterschieden werden beispielsweise:

  • Innerseelische Konflikte
  • Sachkonflikte
  • Beziehungskonflikte
  • Rollenkonflikte
  • Verteilungskonflikte
  • Zielkonflikte
  • Führungskräftekonflikte
  • Generationenkonflikte
  • Beurteilungs- bzw. Wahrnehmungskonflikte
  • usw.

Konfliktarten geben einen Hinweis auf den Konfliktgegenstand. Die Möglichkeit, durch die Kombination zweier Substantive eine neue Konfliktart zu kreieren, führt zu einer inflationären Verwendung des Begriffs. Eins systematische Erfassung der Konflikte wird dadurch erschwert.

Beispiel - kreative Konfliktarten: In der Parabel von Medi&Ator10 haben die Mediatoren aus Leidenschaft den Weihnachtskonflikt erfunden, um sich als Spezialisten einführen zu können.


Um einen Überblick über die diffuse Vielfalt der Konflikte, der Konfliktarten und Erscheinungsformen von Konflikten zu ermöglichen, werden alle Konflikte im Konfliktverzeichnis erfasst und gespeichert. Die Datenbank verweist auf detaillierte Beschreibungen, die Sie entweder auf die Fundstellen in den Büchern oder auf das Konfliktarchiv verweist, wenn Sie dem dort angebenen Link folgen.

Arten und Erscheinungsformen der Konflikte Konfliktarchiv

Konfliktgegenstand

Eine etwas griffigere Einteilung der Konfikte beschränkt sich auf den Konfliktgegenstand. Diese Betrachtung führt zu folgenden Unterscheidungen:

  • Interessenkonflikt
  • Bedürfniskonflikt
  • Wertkonflikt
  • Identitätskonflikt
  • Ideologische, weltanschauliche, Glaubenskonflikt
  • Wertschätzungs- und Bewertungskonflikt

Konfliktdimensionen

Eine andere, besser zur Mediation passende Einteilung stellt auf die Erscheinungs- und Verarbeitungsebenen ab. Sie ist deshalb für die Mediation gut zu verwenden, weil sie sich auf die Intelligenzzentren des Menschen einlässt, also die Bearbeitungsebene definiert und weil sie sich in den Mediationsmodellen wiederfindet. Die Konfliktdimensionen lassen sich in die Struktur der Mediation einbinden, indem sie sich auf das Streitkontinuum beziehen. Gleichzeitig liefern sie Anhaltspunkte für ein Qualitätsmanagement. Die Konfliktdimensionen und ihre Verwendung in der Mediation wird wegen ihrer zentralen Bedeutung in einem eigenen Kapitel ausführlich besprochen.

Konfliktdimensionen

Konfliktsymmetrie

Der Konflikt wird auch durch das Potenzial der Parteien geprägt, das Einfluss auf ihren Aktionsradius nimmt. Das Konfliktpotenzial gibt Anhaltspunkte für das Kräfteverhältnis der Parteien untereinander. Unterschieden werden:

  • Symmetrische Konflikte: die Kräfteverhältnisse sind gleichmäßig verteilt.
  • Asymmetrische Konflikte: die Kräfteverhältnisse sind ungleichmäßig verteilt.

Konflikttypen

Der Versuch, die Konflikte einer Bearbeitung besser zugänglich zu machen, führt zu den Konflikttypen. Damit sind die KonfliktPersönlichkeiten gemeint. Jeder Mensch hat ein anderes Muster, mit dem er auf Konflikte reagiert. Das Muster lässt sich in immer wieder corkommenden Konflikttypen klassifizieren. Sie sollen dazu beitragen, die hinter dem Konflikt stehende Personen und deren typisches Verhalten zu kategorisieren. Folgende Konfliktcharaktere werden unterschieden:

  • Vermeider: Es besteht eine Neigung, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen.
  • Kämpfer: Es besteht eine Neigung, zu kämpfen, um sich durchzusetzen.
  • Anpasser: Es besteht eine Neigung, die persönlichen Interessen den Begebenheiten (Einschätzungen) anzupassen.
  • Kompromissler: Es besteht eine Neigung, eine schnelle Lösung zu suchen.

Bei der Einordnung von Konflikttypen sollte beachtet werden, dass der Mensch nie wirklich eindeutig ist. Es ist also möglich, dass er auf verschiedene Konflikte verschiedene Verhaltensmuster herausgearbeitet hat. Trotzdem hat seine Persönlichkeit zweifellos Einfluss auf das Konfliktverhalten. Ob und wie sich die Charaktere in der Konfliktarbeit einbringen (lassen) und was der Mediator dabei zu beachten hat, wird im Beitrag Konflikttypen beschrieben.

Konflikttypen und - charaktere

Konflikteigenschaften

Konflikte werden besser erkennbar, wenn ihre Eigenschaften bekannt sind. Grundsätzlich sind Konflikte so vielschichtig und unterschiedlich wie die Menschen, die sich im Konflikt bewegen. Trotz der sich daraus ergebenden Vielfalt weisen die Konflikte stereotypische Eigenschaften auf, die allen Konflikten gemeinsam sind. Versteht man den Konflikt als den Hinweis auf den eigentlich zu lösenden Widerspruch, gelingt die Auseinandersetzung mit dem Konflikt. So gesehen bietet der Konflikt eine Chance zur Problemlösung.

Der Konflikt ist sicher keine Notwendigkeit, um Veränderungen herbeizuführen. Er ist aber eine Möglichkeit dazu, besonders dann, wenn die Veränderuzng anderenfalls nicht vorgenommen wird. Um die Veränderung zu erzwingen, wollen Konflikte sichtbar sein. Werden sie übersehen, zeigen sie sich umso mehr, bis sie nicht mehr übersehen werden können. Konflikte tragen aber auch die Tendenz in sich, sich zu erhalten. Deshalb führen sie in die Irre und zeigen Symptome, die auf andere Probleme hinweisen. Andererseits tragen sie auch die versteckte Botschaft in sich, wie sie aufgelöst werden können. Das Phönomen wird mit dem Rumpestilzcheneffekt beschrieben, woraus sich eine stategische Ausrichtung für die mediative Konfliktarbeit herleiten lässt.

Um den im Konflikt verborgenen Lösungsansatz zu erkennen, ist es also zwingend notwendig, die Konfliktbotschaft genau zu verstehen. Dabei hilft es, wenn seine Eigenschaften und Funktionen bekannt sind. Sie lassen sich am besten in Analogien ausdrücken. Das Kapitel Konflikteigenschaften soll dazu beitragen, den Nutzen der Konflikte und die in ihm verborgenen Botschaften sichtber zu machen.

Konflikteigenschaften

Der Umgang mit dem Konflikt

Die Mediation stellt sich dem Konflikt, indem sie den Konflikt in all seinen Aspekten wahrnimmt. Sie arbeitet mit nicht gegen seine Dynamik. Die Mediation versteht es, die Konfliktenergie in ein konstruktives Verhandeln zu überführen. Um diese Kompetenz auszuschöpfen, muss die Logik des Konfliktes verstanden sein. Nur so gelingt es, den Konflikt aufzulösen. Die erste in die Konfliktauflösung führende Erkenntnis betrifft die grundlegende Frage, wer überhaupt mit wem welchen Konflikt hat. Der Blick auf das Streitsytem wird dem Mediator aus der Metaperspektive ermöglicht.

Konfliktlogik Streitsystem und Mediationssystem

Konfliktanalyse

Was will der Konflikt uns sagen?
Um diese Frage zu beantworten, bedient sich der Mediator der Konfliktanalyse. Die Konfliktanalyse ist KEINE Diagnose. Die Konfliktanalyse trägt zur Erkennbarkeit ind Identifikation des Konfliktes (oder der Konflikte) bei. Sie stellt lediglich einige Eckdaten fest und gibt einen Zugang zu den Fragen, ...

  • wer mit wem welchen Konflikt hat
  • wie ist der Konflikt eskaliert?
  • wie wird der Konflikt von den Parteien wahrgenommen?
  • welche Konfliktdimensionen sind betroffen?
  • was sit der Konfliktmotor?
  • wie beeinflussen sich Konflikt, Verfahren und Verhalten?

Die Fragen verdeutlichen die hinter dem Konflikt verborgene Komplexität. Sie helfen eine Struktur zu finden, wie die durch den Konflikt erzeugten Irritationen besser zu durchschauen sind. Sie lassen unterschiedliche Einflüsse und Prozesse erkennen und gegeneinander abgrenzen. Details zur der in jeder Mediation durchzuführenden Konfliktanalyse sind in dem gleichnamigen Beitrag nachzulesen.

Konfliktanalyse

Konfliktstrategie

Der Konflikt verfolgt ein Ziel. Besser gesagt bringt er den Menschen dazu, ein Ziel zu verfolgen. Der Weg zum Ziel erfordert eine (bewusste oder unbewusste) Strategie. Die Konfliktstrategien sind (aus der Sicht der Pasrteien) an dem zu erwartenden Nutzen ausgerichtet, indem die Partei stets die erfolgversprechendste Strategie wählt. Bei der Wahl der vermeintlich effizientesten Strategie bieten sich Optionen an, die in der Pyramide der Konfliktevolution dargstellt sind. Der Konsens ist dabei zwar die naheliegende aber auch die entfernteste Strategie zugleich. Der Mediator sollte wissen, wie der die Konfliktstrategie mit den Strategien der Verfahren und insbesondere mit einem Verfahren in Einklang bringen kann, das nur im Falle einer Kooperation gelingen kann. .

Konfliktevolution Verfahrensstrategien

Konfliktkontrolle

Glasl hat das Phänomen der Konfliktkontrolle mit der folgenden Frage auf den Punkt gebracht11 .

Habe ich einen Konflikt oder hat der Konflikt mich?


Konflikte können massive emotionale Reaktionen hervorrufen und Selbstschutzmechanismen auslösen. Die Emotionen bekommen die Oberhand. Wahrnehmung, Denken und Vorstellungen werden eingeengt und verzerrt. Der Konflikt übernimmt die Kontrolle über das Handeln. Die Parteien verlieren sich in dem Konflikt und benötigen Hilfe, um Autonomie und Ordnung wiederherzustellen. Dies geschieht in einem Prozess der mit dem Begriff der De-Konstruktion am besten beschrieben wird. Er bewirkt eine notwendige Sichtveränderung, indem die konfliktbedingten Vorstellungen aufgelöst und neue gedankliche Konstrukte erarbeitet werden12 . Wie sich dieser Prozess in die Mediation integriert, wird im Beitrag Konfliktarbeit beschrieben.

Konfliktarbeit 

Konfliktmotivation

Wer einen Konflikt beilegen will, sollte wissen, was den Menschen dazu antreibt konfliktgesteuert zu handeln. Die Überlegung, was den Menschen überhaupt antreibt etwas zu tun, lenkt die Aufmerksamkeit auf den Begriff der Motivation und den zugrunde liegenden Motiven.

In der Mediation treffen verschiedene Motive aufeinander. Es ist wichtig, dass der Mediator die Motive kennt und auseinanderhalten kann. Es passt zur Struktur der Mediation, wenn zwischen dem Verfahrensmotiv, dem Lösungsmotiv und dem Konfliktmotiv unterschieden wird. Jedes Motiv hat eine andere Handlungsausrichtung, auch wenn sich die Motive gegenseitig bedingen.

Die Unterscheidung zwischen Streit und Konflikt führt konsequenterweise zur Differenzierung zwischen dem Streitmotiv und dem Konfliktmotiv. Das auf den Konflikt bezogene Konfliktmotiv befasst sich mit der Frage, welchen motivierenden Einfluss der Konflikt auf das Verhalten der Parteien hat und was dazu beiträgt, die Konfliktmotivation aufzulösen. Im Vordergrund steht die Frage, was den Menschen in den Konflikt treibt und was ihn daran daran festhält? Die Antwort findet sich im Lösungspentagramm.

Konfliktmotivation

Konflikthindernis

Ein Hindernis, den Konflikt auszuleben, kann genauso vernichtend sein, wie sein ungebremstes Ausleben. Schlechte Erfahrungen mit Konflikten, eine die Auseinandersetzung unterdrückende Erziehung und ein mangelnder Selbstwert verursachen bei manchen Menschen eine regelrechte Konfliktangst. Für sie sind Konflikte nicht nur unangenehm, sondern bedrohlich. Sie werden versuchen, den Konflikt unter allen Umständen zu vermeiden. Leider führt die Ausweichstrategie nicht immer zur Beseitigung des Konfliktes und seiner Ursachen. Der Mediator wird den Parteien helfen, die Konflikthindernisse (also die Hindernisse, sich dem Konflikt zu stellen) zu beseitigen.

Konfliktangst: Beseitigung von Konflikthindernissen

Konflikteskalation

Natürlich wirkt sich die Eskalation des Konfliktes auf das Konfliktverhalten aus.

Konflikteskalation

Bedeutung für die Mediation

Warum muss ein Mediator Kenntnisse über Konflikte haben, wenn die Parteien ihren Konflikt selbst lösen sollen?

Wenn die Parteien ihren Konflikt lösen sollen, müssen sie ihn verstehen. Weil die Perspektive im Streitsystem den Blick auf den Gegner fixiert, wird ihr Konfliktverständnis erschwert. Die Parteoen benötigen einen Spiegel und eine Reflexionshilfe, gegebenenfalls auch die neutrale Sicht von außen, um den Überblick zu bekommen. Der Mediator hilft ihnen, den Blick auf die Schaltstellen zu lenken, die aus dem Konflikt herausführen. Um sich nicht selbst vom Konflikt in die Irre leiten zu lassen, muss der wissen, wie der Konflikt die Wahrnehmung der Parteien und ihr Verhalten manipuliert. Die korrekte Konflikteinschätzung trägt dazu bei, die im Verfahren gebotenen Entscheidungen zu ermöglichen.

Das Verfahren orientiert sich am Konflikt. Solange es um Sachargumente geht (rationaler Konflikt, Sachauseinandersetzung), genügt eine Moderation. Sobald Emotionen oder Werte ins Spiel kommen, werden die nicht rationalen Intelligenzzentren, also die Emotion und der Instinkt angesprochen. Je höher der Konflikt entwickelt ist, desto mehr übernehmen die Emotionen die Steuerung des Verhaltens. Das Gehirn wird systematisch abgeschaltet. In einer solchen Situation ist der Verstand die einzige Instanz, die in der Lage ist, die Vorstellungen der Konfliktparteien zu korrigieren. Die Mediation hilft dem Vertand bei der gebotenen Arbeit. Sie setzt sich mit den Wahrnehmungen der Parteien auseinander und versucht ihre Kommunikation darauf auszurichten.

Wenn die Mediation zu einer vollständigen Konfliktauflösung führen soll, muss sie mehr sein als eine Kunstfertigkeit im Verhandeln. Sie muss die Prozesse und Dynamiken verstehen, die das Verhalten der Konfliktparteien charakterisieren. Der Mediator sollte mit den Parteien vereinbaren, in welcher Bearbeitungstiefe und in welchem Umfang die Konfliktbewältigung erfolgen soll. Die eigentliche Konfliktarbeit erfolgt dann in der 3.Phase. Ihr Ziel ist die Rückgewinnung der Autonomie und der inneren Ordnung12 . Ihr Mittel ist die Konfliktarbeit. Ihr Weg führt durch die Schlangengrube.

Ein wichtiger Schritt in die Lösung des Konfliktes ist die Konflikteinsicht. Es empfieht sich deshalb, bei der Themensammlung in der 2.Phase darauf zu achten, dass jeder Konflikt durch ein Thema abgedeckt wird. So wird für die Parteien besser erkennbar, um welche Konflikte es geht, wie sie miteinander in Beziehung stehen und was gelöst wird, wenn nur einige Themen (Konflikte) angesprochen werden.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis unten.
Bearbeitungsstand: 2019-08-13 11:16 / Version 156.
Aliase: Konflikt, Streit und Konflikt, Streit, Konfliktbewältigung, Konfliktlösung
Prüfvermerk: Arthur Trossen

Weitere Beiträge zu dem Thema mit gleichen Schlagworten
wiki page : 3.Phase
wiki page : Archiv-Konflikte
wiki page : Ausschlusstechnik
wiki page : Bedarf
wiki page : Deeskalation
wiki page : Diagnose
wiki page : Eskalation
wiki page : Generationenkonflikte
wiki page : Hypothesen
4 Siehe Lexikon online, "Konflikt" lexikon.stangl.eu/konflikt/
6 Quelle: Eine sehr interessante Aufarbeitung. Leider ohne Urheberangabe aber mit folgendem Link (der natürlich auch in das Wiki to Yes Linkverzeichnis übernommen wurde): Uni Wien/silvia.michal-misak/konflikte.htm
7 Siehe auch www.duden.de/Dilemma
© Wiki to Yes: Trossen "Konflikt" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Konflikt
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Dienstag August 13, 2019 11:16:40 CEST von Arthur Trossen.