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Seiten-ID: 1454 Setting: Einfluss der Arbeitsbedingungen 3-Abteilung »  Werkzeuge

Das Setting Gestaltung der Arbeitsbedingungen

Das Setting hilft bei der Gesprächsgestaltung und nimmt Einfluss auf den Gesprächsverlauf. Man weiß heute, dass sogar Düfte die Entscheidungen der Menschen beeinflussen. Der Mediator legt Wert darauf, dass das Setting so optimal wie möglich gestaltet wird. Dieser Beitrag mag ihm dabei helfen.

Das Setting ist nicht das Nonplusultra in der Mediation. Es kann - richtig angewendet - die Mediation aber sehr gut unterstützen. Voraussetzung ist, dass sich das Setting mit der Mediation verbindet.




Make it easy
Optimale Arbeitsbedingungen

Wörtlich übersetzt bedeutet Setting so viel wie Anordnung. In der Therapie bezeichnet das Setting die spezifische Gestaltung der Therapieumstände. In der Mediation beschreibt das Setting die äußere Gestaltung der Mediation. Sie ergeben die Arbeitsbedingungen des Mediators.

 Merke:

Aus dem Setting ergeben sich die Arbeitsbedingungen. Die Arbeitsbedingungen ergeben das Setting1

Zweck und Ausrichtung

Das Setting ist auf die Durchführung einer Mediation gerichtet und soll diese unterstützen. Also muss das Setting dem Wesen der Mediation entsprechen. Die Mediation ist ein informelles Gespräch in einem formal gesicherten Rahmen. Das Setting muss also das Kommunikationsmodell der Mediation unterstützen. Die Parteien sollen selbst eine Lösung finden. Also muss das Setting helfen, dass sich die Kommunikationsachsen entsprechend ausrichten können. Die Parteien sollen ihren Konflikt lösen. Voraussetzung dazu ist ein offenes Gespräch. Das Setting soll also helfen, dies zu ermöglichen.

Vorgaben und Möglichkeiten

Von außen gesehen lässt sich beurteilen, ob der Mediator das zur Situation am besten passende Setting gewählt hat. Er ist in seiner Wahl grundsätzlich frei. Nicht immer kann er das Setting frei wählen. Oft spielen finanzielle Gründe eine Rolle für den zur Verfügung stehenden Raum, den Ort, die Zeit die Sitzgelegenheiten und das Equipment. Was der aber immer können sollte ist:

 Merke:

Der Mediator sollte stets in der Lage sein aus der Situation das Beste machen1

Das Beste aus der Situation machen heißt, das Setting auf das Wesen der Mediation abzustimmen. Es macht Sinn, das Setting mit den Parteien zu besprechen, um Ihnen ein Bewusstsein dafür zu geben, was auf sie zukommt und was von ihnen erwartet wird. Das Setting ist keine starre Vorgabe. Es kann auch während des Verfahrens ständig geändert und angepasst werden.

Orientierungspunkte

Damit der Mediator das Setting dem Wesen der Mediation am besten anpassen kann, hilft es den Kontext herzustellen, auf den sich das Setting zu beziehen hat. Wir unterscheiden deshalb verschiedene Settings, Sodass sich die Aufmerksamkeit auf die zu entscheidenden Fragen konzentrieren kann.

Recht

Das rechtliche Setting

Die Arbeitsbedingungen sind von den Rahmenbedingungen zu unterschieden. Die Rahmenbedingungen ergeben den rechtlichen Rahmen. Sie leiten sich aus den Verfahrensvorschriften, dem sogenannten Container her, der die dienstvertraglichen Pflichten des Mediators und mithin seine Befugnisse festlegt.

Kommunikation

Das kommunikative Setting

Genau genommen ist es nicht das Setting, das die Kommunikation fördert, sondern die Atmosphäre. Aber auch das hängt davon ab, worauf die Kommunikation abzielt. Wieder spielt das Bild das der Mediator und die Parteien von der Mediation haben eine Rolle. Wenn es um die Klärung (Beilegung) eines hoch eskalierten Konfliktes geht, muss man auch Tacheles reden können. Das ist nicht immer angenehm. Es ist aber nicht die Aufgabe des Mediators, die Parteien zu unterhalten oder für eine gute Stimmung zu sorgen. Offenheit lässt sich auf verschiedenen Wegen herstellen. Machmal klärt sich ein Streit, indem die eine Partei plötzlich herausbrechen lässt, was sie bewegt. Das ist dann eine "schwere Geburt" und nicht immer angenehm. Aber nach dem Sturm ist das Wetter ein anderes. Die eingangs zitierte Formel (das mag dem Trainer, der diese Regel angeblich aufgebracht haben soll, zugute gehalten werden) mag durchaus Sinn machen. Stellt Euch vor, die Parteien betreten das Zimmer. Die eine macht sich auf dem Sofa breit, die andere kauert auf einem schmalen, harten Schemel. Jetzt hat das von den Parteien gewählte Setting möglicherweise eine Bedeutung, die auf deren Beziehung schließen lässt. Aber Vorsicht! Auch das muss nicht sein. Stellt Euch vor die auf dem Schemel platzierte Partei hat ein Bandscheibenleiden und kann nicht gut auf dem Sofa sitzen. Für den Mediator bedeutet das: Nicht voreilige Schlüsse zu ziehen, sondern seine Wahrnehmung (nur die Fakten!) zu verbalisieren und die Parteien zu befragen, wie die Sitzordnung auf sie wirkt. Was ein kommunikationsförderndes Setting ist, bemisst sich also am Einzelfall und danach, was mit der Mediation erreicht werden soll. Einige Hinweise mögen helfen, das "richtige" Setting vorzugeben. Dabei sind verschiedene Kategorien zu unterscheiden:

Raum

Das räumliche Setting

Die räumliche Positionierung ist ein Ausdruck der Kommunikation, die in Distanzen und Ausrichtungen zum Ausdruck kommt. Der Mediator kann an der Art, wie sich Menschen im´n einem Raum Positionieren ablesen, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Er kann mit der räumlichen Gestaltung hierauf aber auch einen positiven wie negativen Einfluss nehmen.

Distanzen

Wichtig ist es auf die Abstände zu achten. Je weiter die Parteien entfernt sitzen, umso schwieriger wird das Sprechen. Das Gleiche gilt, wenn sie zu nahe sitzen.
Abstände
Die Positionierung im Raum spielt eine aufschlussreiche Rolle. Familienaufstellungen machen sich diesen Umstand zunutze. Hier sollte die räumliche Distanz (kulturelle Abstände) beachtet werden.

Sitzordnung

sitzordnung

Dass der Mediator am Tischkopf sitzt und die Parteien sich gegenüber ist nach den Erfahrungen der integrierten Mediation kontraproduktiv2 . Abgesehen davon, dass der Tischkopf in unserer Kultur ein privilegierter Platz ist, der dem Mediator eine ihm möglicherweise (je nach Stil) nicht zustehende Rolle zuschreibt, haben die Parteien den verhassten Gegner stets im Blick.

Zu entscheiden ist auch, wer die Sitzordnung vorgibt. In der Regel fragen die Parteien. wo sie Platz nehmen sollen. Ist die Sitzordnung vorgegeben, entgeht dem Mediator die Information, welchen Sitzplatz die Parteien wählen. Setzen sie sich nebeneinander, mit großer oder kleiner Distanz? Alle diese Informationen könnten Ausdruck für ein Konfliktgeschehen sein.

sitzordnung-2

Wenn die Parteien den "falschen" Platz gewählt haben, kann der Mediator sie bitten, sich umzusetzen. Das sollte im richtigen Moment geschehen.

Ideal ist es, wenn die Parteien nebeneinander sitzen. Das ist nicht nur entlastend für die Parteien. Es hat auch den Vorteil, dass der Mediator beide Parteien im Blick hat und sieht, wie die andere Partei auf Aussagen der einen Partei reagiert. Wenn die Parteien nebeneinander sitzen, müssen sie sich der gegnerischen Partei zuwenden, wenn sie mit ihr reden möchten. Sie sind nicht gezwungen sie anzuschauen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Mediator nicht an einem privilegierten Tischende Platz nimmt. Dies kommt seiner Rolle als Mediator entgegen.

Zeit

Das zeitliche Setting

Die Dauer einer Mediation ist schwer vorauszusagen. Nicht immer gibt es ein offenes Zeitfenster. Damit der Mediator das Gespräch einplanen kann, sollte er bei jeder Sitzung das Zeitfenster abklären. Wenn die Zeit eingeschränkt ist, muss er prüfen, mit welchem Mediationsmodell oder Mediationsformat die Parteien am besten fahren. In jedem Fall sollte er mit den Parteien abstimmen wie mit Limitierung umzugehen ist. Wichtig ist, dass der Mediator sich auch bei Zeitdruck nicht aus der Ruhe bringen lässt. In der Praxis erweist es sich als ein Vorteil, dass die Parteien bei dem Gespräch selbst anwesend sind. Sie bekommen also einen eigenen Eindruck davon, ob die Verlängerung oder Fortführung der Mediation für sie erfolgversprechend ist oder nicht. Ausführungen darüber, wie der Mediator mit zeitlichen Begrenzungen, Terminverlegungen und Vertagungen am besten umgeht, enthalten die Ausführungen zum Zeitmanagement.

Zeitmanagement 

Ort

Das örtliche Setting

Die Mediation ist ein geschützter Gesprächsraum. Also sollte die räumliche Situation diesen Zweck nicht konterkarieren, sondern unterstreichen. Ist der Raum Emotion belastet (Mediation findet im Chefzimmer statt) sollte der Mediator sich überlegen wie er den Raum neutralisieren oder umbenennen kann. Er könnte den Raum symbolisch für die Mediation in Besitz nehmen, in dem er Flipcharts und Moderationstafeln aufstellt und die Sitzanordnung verändert. Vorzuziehen ist stets ein neutraler Raum, der emotional für die Partei nicht belastet ist.

Athmosphäre

Das athmosphärische Setting

Natürlich ist es schön, wenn der Raum hell ist und groß genug ist, dass man sich darin entfalten kann. Es geht aber auch anders. Kaffee und Kekse sind übrigens auch keine Wirksamkeitsvoraussetzung für das Gelingen der Mediation. Es ist eine Geste. Wichtig ist, dass die Parteien außer ihrem emotionalen Defizit nicht zusätzlich einen biologischen Mangel zu erleiden haben. Mit trockenen Mund redet es sich nicht gut. wenn der Körper unterzuckert ist, fällt die Konzentration auch nicht gerade leicht. besonders bei länger dauernden Gesprächen sind Getränke und Kleinigkeiten zum Essen anzuraten. Schokolade – das bestätigen auch oft die Medianden – beruhigt die Nerven. man könnte die Psychospielchen noch weiter treiben und Wohlgerüche verbreiten oder sich andere Sachen einfallen lassen, um die Stimmung anzuheben. In keinem Fall sollte der Mediator die Ernsthaftigkeit der Angelegenheit und seine Aufgabe bzw. seine Rolle vergessen.

Person

Das persönliche Setting

Dem Mediator soll es gut gehen

Die scherzhaft anmutende Floskel hat durchaus einen tiefen Sinn. Je nach der Konflikteskalation und den Umständen der Situation ist nicht davon auszugehen, dass die Parteien sich entspannt und wohlgelaunt zu dem Konfliktgespräch einfinden. Vielmehr ist anzunehmen, dass sie unter Stress und großer Anspannung stehen und jeden anderen Ort sowie jede andere Gelegenheit der Anwesenheit in der Mediation vorziehen würden. Steht der Mediator selbst unter Stress und hat er selbst schlechte Laune, wird er die Stimmung der Parteien nicht wirklich verbessern können. Ist der Mediator hingegen entspannt, selbstsicher, souverän und gelassen, wird es ihm besser gelingen, sich auf die Parteien einzustellen und die Metaebene zu vertreten ganz abgesehen davon dass es eine beruhigende sicherheitsgebende Wirkung auf die Parteien hat.

Technik

Das technische Setting

Um optimale Arbeitsbedingungen herzustellen, spielen auch die technischen Hilfsmittel und ihre Verfügbarkeit in der Mediation eine wichtige Rolle. Ausführungen zum Equipment und zu seiner Verwendung sind deshalb in dem Kapitel Ausstatung zu finden.

Das Equipment des Mediators 

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-12-28 07:47 / Version 11.
Alias: Arbeitsbedingungen
Prüfvermerk: Administrator

1 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation
2 Diese Erkenntnis würde im Zusammenhang mit der Erforschung des Justizprojektes "Integrierte Mediation in Familiensachen" herausgearbeitet

© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Setting" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Setting