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Seiten-ID: 184 Buch Nr 4: Über das Mediieren und die Prozesshaftigkeit der Mediation 4-Inhalt »  (04) Mediieren (Verfahren) 3-Abteilung »  Bücher (Wiki)
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4. Buch: Prozess (Das Mediieren)

Mediation verstehen heisst, ein Verfahren zu verstehen bei dem alles um das Verstehen geht. Damit Sie den Verstehensprozess besser nachvollziehen können, setzt sich das vierte Buch näher mit dem Vorgang der Mediation und ihrer Prozesshaftigkeit auseinander.

Das Mediieren

Wer die Mediation als Mediationsverfahren bezeichnet, ignoriert die Definition in § 1 Mediationsgesetz. Weil die Mediation dort bereits als ein Verfahren definiert ist, gibt es keinen Grund für den Pleonasmus. Für einen Kenner hört er sich an, als wenn Sie ein Auto als KFZ-Auto bezeichnen.

Über den Begriff Mediationsverfahren

Der Kontext

Wenn sich der Pleonasmus dennoch etabliert, deutet die Wortverdoppelung darauf hin, dass die Mediation - entgegen der absoluten Definition im Gesetz - offenbar doch noch mehr ist als nur ein Verfahren im juristischen Verständnis1 . Die Schlussfolgerung liegt umso näher, wenn der in der Definition verwendete Begriff des Verfahrens psychologisch konnotiert wird. Dann steht die durch den Vorgang ausgelöste Entwicklung, also die Vorgehensweise, im Vordergrund. Am deutlichsten wird der Unterschied, wenn die Mediation mit dem Verb mediieren umschrieben wird. Das aktive Zuhören hat bereits eine starke Wirkung. Auch die Verwendung sogenannter mediativer Techniken verbessert die Verhandlungsqualität. Die Anwendung von Techniken alleine bewirkt jedoch noch keine Mediation. Erst wenn sie sich zu einem Vorgang zusammenfügen lassen, der die Merkmale der Mediation aufweist, kann von einer Mediation gesprochen werden. Wann das der Fasll ist und was dazu erforderlich ist, beantwortet der Mediationscheck.

Wann ist die Mediation eine Mediation?

Festlegung des Rahmens

Das Mediieren kann die Vorgehensweise eines Verfahrens ebenso gut beschreiben wie die einer Methode. Bitte beachten Sie, dass die Mediation noch vor dem Erlass des Mediationsgesetzes als Methode definiert wurde2 . Spätestens mit dem Erlass dieses Gesetzes wurde die Festlegung, ob die Mediation als Methode oder als Verfahren angewendet wird, unumgänglich. Die Unterscheidung hat eine rechtliche Konsequenz. Im einen Fall kommt das Mediationsgesetz zur Anwendung, im anderen Fall nicht.

Verfahren oder Methode


Regelmäßig wird die Entscheidung für die Mediation als eine Entscheidung für ein nachzufragendes Verfahren ausgeprägt. Dieser Fokus verdeutlicht, warum ein Laie kaum in der Lage ist zu entscheiden, worüber sich sogar Fachleute nicht einig sind (nämlich, wie sich die Verfahren gegeneinander genau abgrenzen)3 . Aus der Sicht des Betroffenen geht es in erster Linie um strategische Erwägungen. Immerhin soll das Verfahren ja auch etwas bewirken, sodass es zum Bestandteil seiner Konfliktstrategie wird. Für den, der das Verfahren anbietet, ist es eine Möglichkeit das Verhalten des Betroffenen zu steuern um es an den Eckpunkten Anlass, Ergebnis und Wirkung auszurichten.

Verfahrensschema

Wenn die Mediation als Verfahren durchgeführt wird, ist das Mediationsgesetz anwendbar. Wird die Mediation als Methode durchgeführt, ist es nicht anwendbar. In diesem Fall gibt ein anderes Verfahren den Rahmen vor. Mithin gilt der Grundsatz:

 Merke:

3275 - Das Verfahren gibt den Rahmen vor. Die Methode füllt ihn aus!!!

Wenn im Folgenden der Begriff Verfahren verwendet wird, ist nicht zwingend das Verfahren im juristischen Verständnis gemeint, das den Container für die anzuwendende Kompetenz oder Methodik vorgibt. Im Fokus dieser Ausführungen steht der Vorgang, der sich in der Mediation als Kognitionsprozess verwirklicht.

Abgrenzung Verfahren / Methode

Identifikationsmerkmale

Das Verfahren lässt sich nach den folgenden Kriterien spezifizieren:

  1. Verfahrensbezogene Leistungsmerkmale
  2. Personenbezogene Merkmale
  3. Ablaufbezogene Merkmale

Die Kriterien ergeben die Handlungsanforderungen an den Mediator. Sie werden zur besseren Kontrolle in den Benachmarks abgebildet.

Verfahrensbezogene Leistungsmerkmale

Unabhängig von dem durch den Mediationsradius vorgegebenen Rahmen wird die Mediation durch folgende auf den Vorgang bezogene Merkmale gekennzeichnet.

Der Verfahrensschwerpunkt

Jedes Verfahren ist so gut wie sein Fokus. Die Mediation legt den Fokus auf den Prozess an und für sich wobei der Fokus des Prozesses auf den Nutzen gerichtet ist. Der Mediator weiß, dass sich das Ergebnis aus dem Prozess heraus entwickelt. Der Schwerpunkt der Mediation ist die Nutzen.

Prozess-Methode

Schwerpunkt Nutzenorientierung

 Merke:

3791 - Die Mediation ist ein nutzenorientiertes Verfahren. Der Verfahrensschwerpunkt liegt deshalb auf der Nutzenermittlung. Der Nutzen erschließt sich über die Interessen (Motive) und ergibt die Kriterien für die zu findende Lösung.

Der Verfahrensgegenstand

Wenn die Mediation eine Konfliktbeilegung oder gar Konfliktauflösung ist, dann sollte der Gegenstand mit dem Konflikt übereinstimmen.

Der Gegenstand, über den in der Mediation verhandelt wird, ist das zu regelnde Problem oder der zu regelnde Konflikt. Gegenstand der Mediation ist also eine Regelung, mit der sich der Streit oder der Konflikt erledigt. Das Gesetz erwähnt in §3 Mediationsgesetz die "Sache". In der konsequenten Versachlichungslogik wird die Sache durch den Streitgegenstand festgelegt. Dieser wiederum ergibt sich aus dem (Klage-)antrag. In der Mediation wird die zu regelnde Angelegenheit über die Themen definiert. Sie werden erst in Phase 2 gesammelt und gemeinsam festgelegt. Bittet man die Parteien die Themen zu nennen über die (sonst noch) zu reden sei, wird schnell deutlich, dass da mehr ist als nur die behauptete Forderung. Die Festlegung des Gegenstandes ist ein wichtiger Schritt in der Mediation. Er bedarf besonderer Aufmerksamkeit.

Streit- und Konfliktgegenstand

 Merke:

3792 - Der Gegenstand des Verfahrens wird in der Mediation nicht vorgegeben, sondern mit den Parteien erarbeitet. Er orientiert sich an den Fragen, die zu klären sind, damit der Konflikt insgesamt oder zu einem festgelegten Teil gelöst werden kann.

Die Verfahrensreichweite

Die Reichweite eines Verfahrens zur Konfliktbeilegung oder zur Konfliktauflösung betrifft die Frage, wie nahe der Mediator und die Parteien dem Epizentrum des Konfliktes kommen (sollen und dürfen).

Die Reichweite des Verfahrens ergibt sich aus der Konfliktkongruenz. Die maximale Reichweite entspricht der vollständigen Konfliktauflösung. Die Reichweite entscheidet darüber, ob und inwieweit das Verfahren zur Konfliktlösung beigetragen hat. Sie errechnet sich aus den Faktoren: Fokus, Thema und Tiefe des Verfahrens.

Reichweite Konfliktkongruenz Abgrenzungen 

 Merke:

3793 - Das Verfahren zielt auf eine vollständige Konfliktlösung

Personenbezogene Merkmale

Die Mediation ist ein Verfahren auf gleicher Augenhöhe, trotz unterschiedlicher Funktionen.

Bei der Mediation wird die Konfliktlösung individuell für jeden Beteiligten ermittelt. Mithin hängt die Frage der Konfliktlösung ganz wesentlich davon ab, dass alle Konfliktbetroffenen einbezogen werden. Die Frage ist nicht immer leicht zu beantworten. Wer ist eigentlich die Partei in einer Mediation? Schon der Gesetzgeber hat in der Begründung zum Mediationsgesetz ausgeführt, dass die Bezeichnung Parteien untechnisch zu verstehen sei und dass eigentlich Beteiligte gemeint seien. Auch dieser Begriff ist unzutreffend. In der Mediation können die Parteien verschiedene Rollen und Qualitäten aufweisen. Zu differenzieren sind: Vertragsparteien, Prozessparteien, Streitparteien, Konfliktparteien. Hinzu kommen die soegenanten Dritten wie zum Beispiel: Zeugen, Gutachter, Rolle von Kindern in der Mediation, Mediationsgeister und nicht zu vergessen, die Beistände und der Anwalt in der Mediation.
Wer ist jetzt der Mediand und was ist ein Mediator?

Parteien Mediator

 Merke:

3794 - In der Mediation gibt es keine Hierarchie.

Ablaufbezogene Merkmale

Neben den verfahrensbezogenen Merkmalen kennzeichnet die mediative Vorgehensweise Handlungs- und Erkenntnisschritte, die sich wie folgt zusammenfassen lassen.

Der Start der Mediation

Schon längst ist die Frage nach dem Beginn der Mediation aufgekommen. Beginnt sie mit dem ersten Kontakt, der meist ein Einzelgespräch mit einem der Auftraggeber ist, oder sogar schon vorher mit der Akquise? Oder beginnt sie erst nachdem der Mediationsvertrag geschlossen wurde oder sogar erst nach der Mediationsdurchführungsvereinbarung? Wie gelingt es, die Zustimmung des Gegners für das Verfahren einzuholen und ihn zur Mediation einzuladen? Kann man sich einfach hinsetzen und ein Gespräch führen oder bedarf es der Vorbereitung und Planung? Wenn es eine professionelle Mediation sein soll, befinden wir uns in "0.Phase" mit der die Mediation vorbereitet wird. Der Mediator muss die Verfahrenswahl der Parteien und die Geeignetheit der Mediation in jedem Fall selbst prüfen.

Mediationsbeginn Starthilfe

 Merke:

3795 - Beginn und Ende der Mediation ergeben sich aus den Handlungen des Mediators und der Parteien.

Der Verlauf der Mediation

Die Phasen sind der Wegweiser durch die Mediation. Sie sind ein Teil der Struktur und sagen dem Mediator und den Parteien genau, was zu tun ist.

Gängig ist ein 5-phasiges Modell:

  • Phase 1: Rahmen herstellen
  • Phase 2: Streit ermitteln
  • Phase 3: Nutzenserwartung ermitteln, verstehen vermitteln
  • Phase 4: Lösungen suchen und bewerten
  • Phase 5: Manifestation durch Einigung

Das nebenstehende Schema veranschaulicht die Ziele, Aufgaben und Elemente der Phasen und belegt das sich daraus ergebende Spannungsverhältnis.

Es gibt aber Phasenmodelle mit einer anderen Zählung. Jede Phase hat einen eigenen Charakter. Im Zusammenspiel erzeugen sie eine Spannung, aus der sich der Erkenntnisflow ergibt, mit dem sich die Lösung herstellt.

Ablauf / Phasen der Mediation

 Merke:

3796 - Die Phasen ergeben den Auftrag an den Mediator (und die Parteien), was konkret zu tun ist, damit sich der Erkenntnisprozess hinter der Mediation verwirklichen kann.

Fundstellen mit der Kategorie Ablauf sind:

Das Ziel der Mediation

Jeder Schritt verfolgt ein eigenes Ziel. Die Etappenziele ergeben - wenn man so will - den Arbeitsauftrag an den Mediator.

Schritte: Anlass Gegenstand Ziel Ergebnis Wirkung
Phasen: Phase 1 Phase 2 Phase 4 Phase 5 Phase 3
Etappenziele: Rahmen etablieren Streit identifizieren Lösung finden Umsetzung in Vereinbarung Nutzen als Maßstab

Das Ziel der Mediation wird oft mit dem Herbeiführen einer Vereinbarung verwechselt. Tatsächlich gibt es auch erfolgreiche Mediationen, die nicht in einer Vereinbarung enden, wohl aber im Einigsein.

 Merke:

3276 - Das Ziel der Mediation ist es, eine Lösung zu finden

Es ist wichtig, den Fokus auf das Finden der Lösung zu setzen. Nur so lässt es sich verhindern, dass es zu "Einigungen um jeden Preis" kommt4 . Die Mediation endet nicht im Kompromiss, sondern in einem Konsens. Ihr Auftrag ist es, eine Lösung 'zu finden'. Die Einigung ist deshalb bereits die Umsetzung des Ziels (der gefundenen Lösung). Eine Einigung, die nicht auf einer Lösungsfindung beruht, ist keine Einigung im Sinne einer Mediation! So betrachtet ist die (Abschluss-)Vereinbarung lediglich die Manifestation der gefundenen Lösung.

Ziel und Verfahrenszweck der Mediation

Der Abschluss der Mediation

Wegen des Grundsatzes der Freiwilligkeit können die Parteien jederzeit die Beendigung der Mediation herbeiführen. Wenn die Mediation wie geplant verläuft, erreicht sie ihr Ziel. Die Parteien haben eine Lösung gefunden, die beide Seiten zufrieden stellt und die sie in einer Abschlussvereinbarung manifestieren. Ob es eine gute Lösung ist oder nicht entscheiden ausschließlich die Parteien. Wenn die Mediation ordnungsgemäß durchgeführt wurde haben Sie die Kriterien für die Lösung in Phase drei erarbeitet. Der Mediator wird Ihnen helfen sich zu vergewissern, dass die Abschlussvereinbarung diese Kriterien erfüllt.

Beendigung der Mediation Die gefundene Lösung

 Merke:

3797 - Die Mediation ist beendet, wenn sie als beendet deklariert oder nicht fortgesetzt wird. das Ende der Mediation ist nicht gleichzusetzen mit dem Ende der Verhandlungen.

Bedeutung für die Mediation

Um die Mediation zu verstehen, muss ihre Logik verstanden sein. Sie ergibt sich aus der Kognitionstheorie und erschließt sich aus der Themenlogik, der Phasenlogik, der Konfliktdynamik und der Erkenntnislogik, die in der Mediation zusammengeführt werden.

Mediation als Kognitionsprozess

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-05-30 08:41 / Version 191.
Aliase: Mediieren, Verstehensprozess, Verfahren oder Methode, Verfahren und Methode, Etappenziele, C04-Verfahren-Mediation, Verfahren-Mediation, Prozess
Siehe auch: Phase 5, Abschlussvereinbarung
Geprüft: Arthur Trossen

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2 Trossen (un-geregelt) - 2019-05-13, Seite 71; BT-Drucks. 16/3655, Seite 50
3 Siehe dazu auch die Ausführungen zum Marketing
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Mediieren" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Mediation-Prozess
Erstellt von Administrator. Letzte Änderung: Donnerstag Mai 30, 2019 08:41:56 CEST by Arthur Trossen.