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Die Struktur der Mediation und ihre Strukturierungskompetenz

Die Struktur ist so etwas wie ein Gerüst oder eine Stütze. Auch die Mediation wird durch eine Struktur gestützt. Die Kenntnis der Struktur gehört zum Rüstzeug des Mediators.



Sind Sie gerüstet?

Wenn in der Mediation von der Struktur die Rede ist, wird zunächst an die Definition in §1 Mediationsgesetz gedacht. Dort wird ausgeführt:

Mediation ist ein ... strukturiertes Verfahren, ...


Der nächste Gedanke sind die Phasen, aus denen sich die Struktur ergibt. Allerdings sind die Phasen nicht das einzige strukturierende Element in der Mediation. Wenn die Mediation mit der Komplexität umgehen will, muss sie auch eine inhaltliche Strukturierung anbieten können. Nur wenn der Mediator die Struktur und die Strukturen in Elemente kennt, kann er sie den Parteien als eine Orientierungshilfe bei der Lösungsfindung zur Verfügung stellen.

Einführung

Konflikt ist Chaos. Das Chaos wird zugänglich, sobald es eine Orientierung gibt.1 Die Struktur ist ein wesentlicher Aspekt zur Orientierung. Die Mediation bietet Orientierung durch ihre eigene Struktur, die sich auf die Strukturierung durch den Mediator auswirkt.

 Merke:

Leitsatz 3354 - Die Mediation ist ein strukturiertes und ein strukturierendes Verfahren, das Erkenntnisse im Konflikt ermöglichen soll.

Die Struktur

§ 1 Mediationsgesetz besagt:

Mediation ist ein vertrauliches 'und strukturiertes' Verfahren, bei dem Parteien mit Hilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben


Oft scheint es, als sei die Struktur durch die Vergabe von Gesprächsregeln herzustellen. Dabei wird übersehen, dass die Gesprächsregeln zwar eine Ordnung vorgeben, aber noch lange keine Struktur.

Der Begriff "Struktur" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "structura", was wiederum als Zusammenfügung, Ordnung übersetzt werden kann. Ordnung in diesem Verständnis bezeichnet die Anordnung der Teile eines Ganzen zueinander. Gemeint ist der gegliederte Aufbau, die innere Gliederung.

 Merke:

Leitsatz 3355 - Die innere Gliederung der Mediation ergibt sich aus der Phasenlogik.

Struktur des Verfahrens

Die Strukturiertheit ist ein Wesensmerkmal der Mediation.2 Das Gesetz besagt allerdings nicht, was unter einem strukturierten Verfahren zu verstehen ist. Gemeint ist wohl lediglich die Abgrenzung zum intuitiven Verhandeln. In der Begründung zum Gesetzesentwurf wurde ausgeführt: „Die Mediation als strukturiertes Verfahren folgt bestimmten Regeln ...“. Geht es also nur um Regeln, wenn von Struktur die Rede ist? Dann wird ausgeführt: „... Eine weitere Strukturierung ergibt sich aus den in §2 Mediationsgesetz festgelegten Regeln“. Die Regeln des §2 betreffen den nicht näher beschriebenen Ablauf, die Prinzipien, die freie Mediatorenwahl, die Teilnahme Dritter sowie (eingeschränkt) die Informiertheit und die Dokumentation. Eine als Gerüst verwertbare Verfahrensgliederung ergibt sich daraus nicht. Der Eindruck, als könne sich die Strukturiertheit aus einer Formalisierung erschließen, sollte vermieden werden.3 Er wird der Mediation nicht gerecht.

 Merke:

Leitsatz 3356 - Der Ablauf des Verfahrens ergibt sich aus den Phasen der Mediation. Die Phasenlogik führt in einen logisch gegliederten Aufbau der Mediation.

Bedeutung der Verfahrensstruktur

Eine Struktur ergibt sich aus der über die Phasen zum Ausdruck kommenden Verfahrensgliederung. Allerdings bezieht sie sich nur auf die Verfahrensebene. Auch ein Gerichtsverfahren folgt Regeln, mit denen das Verfahren geteuert wird. Dort führen die Regeln allerdings auch in eine inhaltliche Struktur, weil sie die Anwendung von Rechtsnormen für den Fall vorsehen. Mithilfe der sogegannten Subsumtion wird ein vorgefundener Sachverhalt an abstrakt vorgegebene Rechtsnormen gemessen, aus denen sich wiederum die Struktur der Verhandlungsinhalte (des inhaltlichen Verhandelns) ergibt. Anders und weitergehender als im juristischen Verfahren, versucht die Mediation zwar die Komplexität des Falles insgesamt und unverkürzt zu begreifen. Sie will vermeiden, dass das Problem nur auf die in einem gesetzlichen Tatbestand vorgesehenen Fakten reduziert wird. Die Mediation sieht nicht nur das Problem, sondern auch den betroffenen Menschen und gegebenenfalls auch seine sozialen Beziehungen. Eine darauf bezogene Struktur wird von der Mediation jedoch nur bedingt vorgegeben. Die auf das Verfahren bezogene Struktur stellt lediglich die gedankliche Ordnung her,4 mit der die Gedanken aus dem Problem herausgeführt werden.5

Bedeutung des Verfahrens

Die Systemik verdeutlicht das Problem, indem sie zwischen der Verfahrensebene, (also dem Mediationssytem) und der Fallebene (also dem Streitsystem) unterscheidet. Die Trennung ist zwangsläufig konsequenter als in allen anderen Verfahren, damit den Parteien eine außerhalb der Operationsebene liegende Refexionsebene zur Verfügung gestellt werden kann. Nur so wird es ihnen möglich, selbst eine Lösung zu finden, die alles im Blick hat. So gesehen ist die Verfahrensebene also nichts anderes als die Metaebene zum Fall. Damit bleibt die Frage offen, wie denn die Komplexität des Falles bewältigt wird und welche Struktur dafür zur Verfügung steht.

Die Strukturierung

Manche Sichten auf die Mediation6 legen großen Wert auf den Hinweis, dass sich die Strukturlücke durch die Fähigkeit der Mediation zur Strukturierung geschlossen wird. Sie bezeichnen die Mediation deshalb als ein strkturiertes und ein strukturierendes Verfahren. Die Strukturierung ist erforderlich, wo sich die für das Verfahren vorzufindende Struktur nicht auf die Verarbeitung der Informationen auf der Fallebene auswirkt. Die Mediation bildet dafür sich selbst heraus keine Struktur ab. Allerdings stellt sie die Werkzeuge zur Verfügung, die zur Strukturierung der inhaltlichen Ebene erforderlich sind. So wie das juristische Verfahren diese Struktur über die Subsumtion herstellt, verwendet die Mediation das Dimensionieren. Die Dimensionen helfen, die Informationen themenorientiert anhand ihrer Metainformation zu ordnen. Die Informationen können dann in ein logisches Verhältnis zueinander gesetzt werden, woraus sich die fallbezogene Struktur ableitet.

Dimensionen als Schlüssel zur Komplexitätsbewältigung 

Bedeutung für die Mediation

Die grundlegende Struktur der Mediation ergibt sich zunächst aus der Systemik, woraus die Unterscheidung für die Verfahrensebene und die Fallebene resultiert. Die Struktur des Prozesses ergibt sich aus der Phasenlogik. Die Struktur des Falles leitet sich aus den Dimensionen her. Es ist deshalb gerechtfertigt, die Mediation nicht nur als ein strukturiertes, sondern auch als ein strukturierendes Verfahren zu bezeichnen, das in der Lage ist, die gesamte Komplexität, also die Komplexität des Verfahrens und des Falles, zu bewältigen, ohne dass es (wie im Gerichtsverfahren) zu einer Reduktion der Komplexität kommt (kommen muss).

Was tun wenn?

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2020-01-04 15:30 / Version 116.
Alias: Struktur, Strukturierung
Siehe auch: Kommentierung zum Mediationsgesetz, Kommunikationsmodell, Systemik, Die Bedeutung der Metaebene, präzises Zuhören, Dimensionieren, Metainformation
Prüfvermerk: Administrator

1 Siehe dazu die Ausführungen zur Komplexität
4 Es gibt eine Struktur für die Zielsetzung, die Themenbildung, die Reihenfolge der Arbeitsschritte. Für die Frage, wie mit komplexen Sachverhalten umzugehen ist, gibt es keine Vorgaben.
5 Das gilt zumindest, wenn die Mediation als Erkenntnisprozess verstanden wird.
6 Konkret die integrierte Mediation
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Struktur und Strukturierung" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Struktur
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Samstag Januar 4, 2020 15:30:34 CET von Arthur Trossen.