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Seiten-ID: 1448 Ablauf: Die Phasen der Mediation 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  Mediation »  Verfahren »  Ablauf

Phasen: Die Schritte zum Ziel

§ 2 Mediationsgesetz erwartet vom Mediator, dass er sich vergewissert, dass die Parteien "die Grundsätze und den Ablauf des Mediationsverfahrens" verstanden haben. Wie lässt sich der Ablauf eines informellen Verfahrens beschreiben? Die Antwort lautet: Indem seine Struktur erläutert wird. Die Struktur ist eine wichtige Orientierungshilfe bei der Navigation durch den Prozess. Sie ergibt sich aus den Phasen und der dahinter verborgenen Phasenlogik.

Die Phasen werden meist numerisch benannt. Es gibt allerdings unterschiedliche Zählweisen. Manche Quellen rechnen mit 5, andere mit 6 und wieder andere mit bis zu 13 Phasen. Oft handelt es sich nur um andere Zählweisen desselben Prozesses. Im Groben entsprechen sich auch die den Phasen zugeschriebenen Bedeutungenen, wenn auch die Bezeichnungen wechseln.
Phasen

... 5, 6, 7, wer bietet mehr?

Das hier zugrunde gelegte 5-phasige Modell basiert auf der amerikanischen Vorgabe1 . In ihm kommt der Erkenntnisprozess am besten zur Geltung. Es gibt allerdings auch Mediationen, die im Phasenaufbau geringfügige Abweichungen vorweisen oder gar von noch mehr Phasen ausgehen. In der Literatur sind Modelle bekannt, die von 4 bis 8 Phasen variieren. Der Prozessablauf bleibt im Kern erhalten. Anders ist lediglich die Unterteilung der Phasen. So wird der Kreativanteil der Phase 4 von einigen Schulen als eine eigenständige, separate Kreativphase beschrieben, während der Bewertungsanteil der Phase 4 als eine separate Bewertungsphase dargestellt wird. Das achtstufige Modell unterscheidet die Vorklärung, die Vorbereitung, die Informations- und Themensammlung, die Bedürfnis- und Interessenklärung, die kreative Lösungssuche, die Lösungsauswahl, den Abschluss der Vereinbarung und die Nachsorge. Der Mediator muss sich in der Phasenlogik nicht nur bestens auskennen, er sollte sich darin auch bewegen können. Vor allem muss er wissen, wozu die Phasen im Prozess der Lösungsfindung beitragen und welche Erkenntnisse sie den Parteien ermöglichen. Eine fehlerhafte Phasenabwicklung kann zur Eskalation und gar zum Scheitern der Mediation führen. Wenn sie auf die Verantwortlichkeit des Mediators zurückzuführen ist, stellt sie einen Mediationsfehler dar.

Der Weg (Phasenlogik)

Wer einen Weg gehen will, braucht ein Motiv, um sich auf den Weg zu machen, ein Ziel, um zu wissen wo es hingehen soll und eine Orientierung, um zu wissen wo es lang geht. all diese Fragen werden über die Phasen beantwortet. Es ist also wichtig, die Phasen nicht nur zu kennen, sondern auch ihre Systematik und Bedeutung zu begreifen. Nur wer die Phasenlogik erkennt, hat das Handwerkszeug, um durch die Mediation zu navigieren.

Phasenlogik 

Die Schritte (Phasenübersicht)

Vorphase

Bezeichnung: Vorphase, Phase 0
Auftrag: Prüfung der Geeignetheit, Fragen zur Organisation klären, z.B. Parteien, Setting
Werkzeuge:Methoden siehe Methodik, Techniken siehe Techniken
Etappenziel: Entscheidung für das Verfahren (Mediation), Anhaltspunkte für die Organisation. Je nach Vorabinformation kann auch schon eine Entscheidung für das Mediationsmodell erfolgen.

1.Phase

Bezeichnung: Initialisierung; Arbeitsbündnis
Auftrag: Vereinbarung der Rahmenbedingungen, Herstellung der Metaebene; Vereinbarungen
Werkzeuge:Methoden siehe Methodik, Techniken siehe Techniken
Etappenziel: Rahmen etabliert, Ziel vereinbart (Lösungssuche)

2.Phase

Bezeichnung: Themensammlung, Bestandsaufnahme
Auftrag: den Streit identifizieren (kaputte Welt erkennen)
Gestaltung: Es gibt 3 Varianten die Phase 2 durchzuführen. Der Mediator stimmt mit den Parteien ab welche die geignetste ist.
Werkzeuge:Methoden siehe Methodik, Techniken siehe Techniken
Etappenziel: Streit ist bekannt (es gibt ein Streitbekenntnis)

3.Phase

Bezeichnung: Interessenerhellung, Konfliktarbeit
Abschnitte: Windows 1, Windows 2
Auftrag: Interessen, Bedürfnisse herausarbeiten, Abgleich
Werkzeuge: Methoden siehe Methodik, Techniken siehe Techniken. In erster Linie sind die Techniken des Verstehens und der Verstehensvermittlung anzuwenden, wie: Loopen, präzises Zuhören,
Etappenziel: individuelle Vorstellungen vom Nutzen der Lösung, Nachvollziehbarkeit der Nutzenerwartung des Gegners

4.Phase

Bezeichnung: Optionen
Abschnitte: 1. Optionen sammeln, 2. Optionen bewerten, 3. Beratung
Auftrag:Lösungen suchen, bewerten, auswählen, prüfen
Werkzeuge:Methoden siehe Methodik, Techniken siehe Techniken
Etappenziel: Lösungsalternative finden WATNA/BATNA, Lösungen finden und abwägen

5.Phase

Bezeichnung: Einigung, Dokumentation der Abschlussvereinbarung
Werkzeuge: Methoden siehe Methodik, Techniken siehe Techniken

Nachphase

Bezeichnung: Nachhgase
Werkzeuge: Evaluation, Akquise

Die Orientierung

Ein Mediator muss stets wissen wo er sich im Verfahren befindet. Auf die Frage "Wo bist Du gerade?" muss er etwa antworten können: "Wir sind in Phase 3 für Thema 2". Eine Orientierungshilfe ist die Mediationslandkarte. Der Mediator sollte sie im Kopf haben. Dem Anfänger hilft es, wenn er sich die Karte aufzeichnet.

Mediationslandkarte

Hilfestellungen

Die Phasen ergeben nur einen Teil der Mediationsarbeit. Wer dem Konept der Kognitiontheorie folgt, erkennt, dass die Phasen mit weiteren Schritten anzureichern sind, damit sie ihre Wirkung entfalten können. Die Arbeitshilfe soll die wichtigsten Schritte zusammenstellen, damit Sie sicher durch eine Mediation navigieren können.

Arbeitshilfe

Bedeutug für die Mediation

Ein Mediator, der die Phasen nicht kennt, kann keine der Mediationstheorie entsprechende Mediation durchführen. Im günstigsten Fall wendet er die Phasen intuitiv an. Die Ausführungen zum Entscheidungsprozess belegen, dass jede Entscheidung in mehreren Phasen abläuft. Wer die Phasen der Mediation nicht kennt, riskiert den Orientierungsverlust und begibt sich der Gefahr, wesentliche Schritte auszulassen. Die Phasen geben Orientierung und Sicherheit. Man kann die Mediation mit einer Straße vergleichen bei der die Phasen wie Leitplanken den richtigen Weg und die Meilensteine markieren. Auch wenn versierte Mediatoren auf die Leitplanken verzichten können, müssen sie dennoch wissen, ob sie sich noch auf der richtigen Straße befinden. Die Faustregel lautet deshalb:

 Merke:

Leitsatz 4606 - Je mehr der Mediator die Phasen verinnerlicht, umso sicherer kann er sich durch den Prozess Mediation bewegen

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-12-30 08:58 / Version 13
Alias: Phasen, Phasenübersicht
Siehe auch: Phasenlogik, Struktur, Arbeitshilfe
Prüfvermerk: Administrator

© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Phasenablauf" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Ablauf
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Montag Dezember 30, 2019 08:58:10 CET von Arthur Trossen.