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Seiten-ID: 621 Verstehen ist das wichtigste Wort in der Mediation! 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 4-Inhalt »  (05) Methodik »  Verstehen

Methode #3a3.Phase


Verstehen in der Mediation

Die Methoden bilden die Phasen der Mediation ab1 . Das Verstehen ist die Methode der 3.Phase. Sie bildet den Kern der Mediation. Der Mediator kann nur vermitteln, was er verstanden hat:

Was verstehen wir? 


Es ist eine komplexe Frage, besonders wenn sich das Verstehen auf alle Intelligenzzentren des Menschen erstreckt. Dann bezieht es die rationale, die emotionale und die instinkthafte Intelligenz mit ein. Es geht darum, zu denken und zu fühlen wie jede Partei denkt und fühlt. Wenn der Konflikt von allen gleichförmig und korrekt verstanden wird2 , lässt sich die Nutzenerwartung umso besser beschreiben. Die Besonderheit der Mediation ist:

 Merke:

Weil die Parteien eine Lösung finden müssen, kommt es darauf an, dass sie verstehen. Der Mediator ist nur das Medium, das ein parteiseitiges Verstehen ermöglichen soll. Er ist also "nur" der Verstehensvermittler! 3

Verstehen heißt klären

Klären bedeutet, die Zusammenhänge herausfinden und die Bedeutungen zu verstehen. Es ist ein Vorgang der Reflexion, auch Selbstreflexion verlangt. Im Konflikt gibt es Einschränkungen in der Wahrnehmung und im Denken der Parteien, die diese Reflexion erschweren wenn nicht gar vereiteln. Emotionen treten in den Vordergrund und übernehmen die Steuerung des Denkens. Klären kann auch bedeuten, den eigenen Standpunkt zu revidieren oder die Sicht auf sich und den Gegner zu verändern. Das ist nicht komfortabel. Je nach der Bearbeitungstiefe, kann der Vorgang sogar unangenehm und anstrengend sein. Nicht jeder mag sich im Spiegel sehen, erst recht nicht wenn der Spiegel alle Seiten zeigt. Nicht jeder mag die Fragen und Antworten, die er für sich zurechtgelegt hat, wieder aufbrechen. Je nachdem welchen Zweck die Mediation verfolgt, ist dies aber unerlässlich.

Der Verstehenszweck

Das Verstehen verfolgt in der Mediation keinen Selbstzweck. Es ist ein wesentlicher Schritt zur Verstehensvermittlung. Das Verstehen soll bei den Parteien einen Erkenntnisgewinn verursachen, der sie selbst in die Lage versetzt, eine passende Lösung zu finden, die auch die Sichtweise der jeweiligen Gegenseite in Betracht ziehen kann. Nur so ist es möglich, dass sich die Parteien gegen Ende der Phase vier ein Angebot unterbreiten können, von dem sie ausgehen können, dass die Gegenseite es anehmen kann. Das Verstehen ist ein Teil der Konfliktarbeit und dient der Konfliktklärung.

Verstehen WAS schief läuft

Mit dieser Zweckausrichtung einer Verstehensvermittlung kommt es nicht so sehr darauf an zu wissen warum etwas schiefgelaufen ist, sondern darauf zu verstehen, wie es laufen muss damit es „richtig" wird. Um dorthin zu kommen, muss zunächst verstanden sein, was genau nicht in Ordnung ist. Nur so kann man herausfinden, was zu ändern ist. Wer die kaputte Welt nicht versteht, kann keine heile herstellen. Das Verstehen der kaputten Welt ist als eine Bestandsaufnahme zu begreifen. In der Mediation befinden wir uns in Phase zwei. Es geht lediglich darum, Anhaltspunkte dafür zu finden, wo Verbesserungen notwendig sind.

Weil es für eine Bestandsaufnahme nicht auf das warum ankommt, werden Mediatoren oft angewiesen, das Wort "warum" aus ihrem Wortschatz zu streichen. Diese Empfehlung ist irreführend. Zutreffend ist sie, wenn die Frage nach dem Warum zum Argumentieren oder zum Rechtfertigen verleitet. Argumente bedingen Gegenargumente, sodass die Parteien mit dieser Frageform in den Streit zurückfallen. Der Streit sollte eigentlich mit der Phase zugestanden sein, sodass sich die Parteien anderen Fragen stellen können.

 Merke:

Der Streit kann eine destruktive Basis sein, um Lösungen zu finden4

Verstehen WOZU es gut laufen soll

Wenn es um die Nachalltigkeit einer Lösung wie z.B. den Erhalt einer Beziehung geht, ist der Blick auf das was erhaltenswert ist womöglich wichtiger, als der Blick auf das, was man nicht erhalten will. Zumindest rundet diese Perspektive das Verstehen ab. Mit dem Blick auf das Erhaltenswerte bewegen wir uns auf eine konstruktive Basis, auf der sich dementsprechend konstruktive Lösungen finden lassen. Der konstruktive Blick schaut auf den Nutzen.

 Merke:

In der Mediation steht der Nutzen im Vordergrund.3

Falls die Partei noch nicht herausfinden konnte, was gut läuft, hilft ihr sicherlich die Überlegung wie es wäre wenn es gut liefe. Mit dieser Verstehensanforderung befinden wir uns in Phase drei. Weil die Mediation ein nutzenorientiertes Verfahren ist, lautet die vordringliche Frage: "Warum ist Dir das wichtig?", oder: "Was hast Du davon?", oder: "Was bringt Dir das?", oder "Wozu brauchst Du das?". Der Mediator versucht ein vollständiges Verstehen herzustellen, das sich nicht im Streit erschöpft, sondern an der Restauration ausrichtet.

Es ist naheliegend, dass im Streit die Sichten der Parteien auseinanderfallen. Jede Partei hat eine Vorstellung davon, was wie zu ändern ist. Es ist ihre Vorstellung von der Lösung, die sich zu Beginn der Mediation als deren Position niederschlägt. Auf dem Weg der Erkenntnis zielt der meditative Verstehensprozess darauf ab, herauszufinden, wo Gemeinsamkeiten möglich sind, auf die sich gemeinsame Lösungen aufbauen lassen.

Je höher der Konflikt eskaliert ist umso schwerer fällt es der Partei, die gegenteilige Sicht zu akzeptieren. Bevor ihr das möglich ist, muss die Partei zunächst selbst das Gefühl haben, dass sie verstanden wurde. Erst danach (oder darüber) entsteht die Möglichkeit eines Perspektivenwechsels oder des sich Einlassens auf die Gegenmeinung.

 Merke:

Was so gegensätzlich ist wie die Meinungen der Parteien im Streit, lässt sich nur auf einer anderen Ebene zusammenführen3

Nach der Kognitionstheorie gelingt der Ausgleich nicht im logischen, aber im dialektischen Denken. Das logische Denken kennt nur ein Entweder-Oder. Das dialektische Denken überführt das Entweder-Oder in These und Antithese und stellt mit der Synthese eine neue Ebene zur Verfügung. Um dort hinzukommen werden die verschiedenen Sichten auf eine Metaebene bezogen, von der aus sie sichtunabhängig bewertet werden können. So gesehen bildet der Mediator für die Parteien die personifizierte Metaebene ab5 .

Verstehen WIE es besser werden könnte

Wenn der Exkurs in die heile Welt abgeschlossen ist und die Parteien ein Verständnis davon haben welchen Nutzen sie eigentlich von der Lösung erwarten, ist die Zeit gekommen sich zu überlegen, wie sich der gemeinsame Nutzen herstellen lässt. In der Mediation befinden wir uns jetzt in Phase vier. Es geht darum, Lösungen zu entwickeln, die den zuvor ausgearbeiteten Nutzenkriterien entsprechen. Das feststehen konzentriert sich auf den Weg, wobei die Frage nach dem WIE im Vordergrund steht. jetzt ist auch die Zeit gekommen Hindernisse anzusprechen und zu überlegen, wie sie ausgeräumt werden können. Der Unterschied zur streitigen Debatte ist jetzt der, dass beide Seiten eine interessante Überwindung der Hindernisse haben.

Was muss der Mediator verstehen?

Das Verstehen bezieht sich auf die Verfahrensebene einerseits und auf die Fallebene andererseits.

Verstehen auf der Verfahrensebene

Die Lösung ist es sicher nicht, was der Mediator verstehen muss, zumindest nicht solange sie sich nicht abzeichnet. Die Lösung soll erst erarbeitet werden, sodass ein professionell arbeitender Mediator auch gar nicht daran denkt bevor die Phase vier nicht erreicht wurde. Allerdings muss der Mediator den Weg verstehen, in den die Lösung führt. Der Weg wird im Groben durch die Mediation beschrieben. Also muss er verstehen, wo die Parteien und er sich wie im Prozess aufhalten und bewegen. Er muss die Konfliktkongruenz einschätzen können und auf die Frage "Wo bist Du gerade?" muss er die Phase und das Thema benennen können.

Verstehen auf der Fallebene

Selbst wenn sich die Mediatation auf dem rechten Weg befindet, weiß niemand was die Lösung ist. Allerdings verdichtet sich der Weg zur Lösung immer mehr, je weiter die Mediation fortschreitet. Es ergeben sich immer konkretere Anhaltspunkte, wo die (bzw. wonach der) Lösung zu suchen ist. Genau das muss der Mediator erkennen und verstehen können. Er weiß, dass die Lösung von dem Konflikt, den Neigungen, Wünschen, Befindlichkeiten, Bedürfnissen, Motiven und Problemsichten der Parteien abhängt, auch wenn die Parteien nicht wirklich in der Lage sind, diese selbst zu erkennen, geschweige denn zu äußern. Der Mediator weiß um die Komplexität und er weiß, dass der Konflikt Symptome zeigt, die möglicherweise in die falsche Richtung weisen. Er weiß dass die Wirklichkeit relativ ist und kann ihre Bedeutung herausarbeiten.
Der Mediator verarbeitet nicht selbst die Informationen, bietet den Parteien aber eine Struktur, die es Ihnen möglich macht dies zu tun. Er erkennt die Informationsqualität anhand der Metainformationen und bedient sich der Dimensionierung, um sie zu ordnen. Er achtet auch auf das was nicht gesagt wird und kann sich auf allen Ebenen der menschlichen Intelligenzzentren bewegen. Nur so ist er in der Lage, die sich aus dem Konflikt und den Befindlichkeiten der Parteien ergebenden Hinweise aufzugreifen und den Intelligenzzentren zu erkennen.

Verstehen ermöglichen

Manchmal genügt es nicht einfach, den Parteien wiederzuspiegeln, was der Mediator verstanden hat. Besonders bei hoch eskalierten Konflikten werden die Parteien sich dagegen wehren, Gedanken zuzulassen, die sie und ihren Weg der Konfliktlösung in Frage stellen. In solchen Fällen, die der Gesetzgeber als schwierige Situationen beschreibt, muss der Mediator auch verstehen, wie er ein Verstehen möglich macht. Das bedeutet, er muss wissen was zu tun ist, damit die Parteien Gedanken zulassen, die Erkenntnisse im Sinne der Erkenntnistheorie ermöglichen. Bei diesen Gedanken handelt es sich - anders als bei der Schlichtung - nicht um Lösungen, sondern um Erkenntnisse, aus denen sich die Lösung entwickeln lässt.

Werkzeuge

Was kann der Mediator zum Verstehen beitragen?
Richtiger wäre es zu fragen, was die Mediation dazu beitragen kann, denn sie strukturiert den Verstehensprozess. Die wichtigste Aufgabe des Mediators als deren Katalysator im Verstehensprozess besteht darin, die mit der Mediation beschriebenen Kognitionen (Erkenntnisse) zu ermöglichen. Er hat ein Repertoire an Werkzeugen, die ihn bei dieser Aufgabe unterstützen:

Zusammenstellung der Werkzeuge zum Verstehen
Die nachfolgende Liste ist ein Auszug aus der Werkzeugdatenbank gefiltert nach der Methode "verstehen"


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Bedeutung für die Mediation

Verstehen ist der zentrale Begriff in der Mediation. Je mehr der Mediator versteht, umso mehr verstehen kann er vermitteln. Der Verstehensprozess bezieht alle Phasen der Mediation ein. Den Schwerpunkt bildet jedoch die Phase drei.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-11-26 09:36 / Version 53.
Alias: Versteher, Verstehenswerkzeuge
Siehe auch: Die Bedeutung der Metaebene, Erkenntnis, ((Verstehensvermittlung
Bearbeitungshinweis: Textvollendung und Programmvollendung erforderlich

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1 Siehe die Gegenüberstellung der Phasen und Methoden auf Methodik
4 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation

An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator und Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Montag November 26, 2018 09:36:21 CET von Administrator.