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Seiten-ID: 187 Buch Nr 8: Professionalisierung - Ausübungsrecht - Berufsrecht 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 4-Inhalt »  (08) Beruf »  Mediator
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8. Buch: Beruf 

Ein Beruf ist mehr als nur ein Job aber nicht unbedingt eine Berufung.
Die Mediation kann all das ermöglichen - und noch mehr - mit Hilfe des Mediators.

Der Mediator, das unbekannte Wesen!?!

Was es bedeutet, ein Mediator zu sein.


Laut der Agentur für Arbeit unterstützen Mediatoren und Mediatorinnen streitende Parteien bei Konflikten unterschiedlicher Art, um zu einvernehmlichen, außergerichtlichen Lösungen zu gelangen1 . Diese Beschreibung mutet an wie die Beschreibung dessen, was einen Schlichter ausmacht. Sucht man auf der Seite der Agentur für Arbeit nach dem Beruf des Schlichters1 , wird die Beschreibung für den Mediator angezeigt. Sucht man weiter nach einer Definition des Begriffs "Mediator", findet sich eine Legaldefinition in § 1 Abs. 2 MediationsG. Danach ist ein Mediator eine neutrale Person, die die Parteien durch eine Mediation führt. Grund für die Irritationen liefert der Begriff Mediator, der nicht nur unscharf, sondern auch mehrdeutig verwendet wird und entgegen dem Prinzip der differenzierten Konflitzuweisung2 nicht nur die Mediation betrifft.

Fundstellen mit der Kategorie oder dem Stichwort Beruf sind:

Mediator als Funktion

Der Funktionsmediator  
Was ein Mediator ist, ist in §1 Mediationsgesetz legal definiert. Die Definition beschreibt den Mediator in seiner Funktion innerhalb der Mediation. Zur besseren Unterscheidbarkeit verwendet Wiki to Yes auch den Begriff Funktionsmediator.

Profis wissen natürlich, dass die Mediation und die Schlichtung zwei verschiedene Verfahren sind. Mithin ist ein Mediator jemand, der eine Mediation durchführt und ein Schlichter jemand, der eine Schlichtung durchführt. Was das eine oder das Andere ist, ergibt die Verfahrensdefinition. Wenn wir den Blick auf die Fachmediationen richten, wird die Verwirrung noch größer. Dann begegnen wir plötzlich z.B. auch einem Wirtschaftsmediator und einem Familienmediator. Was wie eine Spezialisierung aussieht, ist oft nur eine Reduktion. Viele Mediatoren wollen Wirtschaftsmediator werden, weil sie glauben, ein Wirtschaftsmediator müsse nichts von Beziehungskonflikten wissen. Sie sehen in den wirtschaftlichen Streitigkeiten ein hartes Business, das keine weichlichen Emotionen kennt. Tatsächlich macht der Konflikt weder vor dem Einen noch vor dem Anderen Halt. Der Kunde ist gut beraten, wenn er sich genau informiert was der Anbieter mit solchen Bezeichnungen ausdrücken will. Was sagt uns jemand, der zugleich als Mediator und Wirtschaftsmediator firmiert? Welche Konflikte kann er wohl neben den Wirtschaftssachen lösen? Wenn es alle sind, bedarf es des Titels Wirtschaftsmediator nicht. Sind es nicht alle, fragt es sich, welche es sind.

Mediator als Funktion 

Mediator als Beruf

Der Berufsmediator  
Anders als der Funktionsmediator will der Berufsmediator mit der angebotenen Leistung nicht nur Geld, sondern sein Einkommen verdienen. Wäre der Mediator kein freier Beruf, würde der Berufsmediator ein Gewerbe ausüben. Die Absicht der Gewinnerzielung zeichnet ihn dennoch aus. Ein eigenes Berufsrecht gibt es (noch) nicht. Dennoch empfiehlt es sich, zur besseren Unterscheidbarkeit, vom Berufsmediator zu sprechen, wenn diese Eigenschaft gemeint ist und der Mediator nicht nur funktional in Erscheinung tritt.

Ein Laie würde von einem Beruf erwarten, dass er alle Anforderungen, die der Beruf mit sich bringt, ausüben kann. Eine Berufsmediator müsste also in allen Disziplinen und Professionen, die mit der Mediation im Zusammenhang stehen und Einfluss nehmen auskennen. Er müsste über das notwendige juristische, psychologische, soziologische und ökonomische Wissen verfügen, das zur erfolgreichen Durcvhführung einer Mediation erforderlich ist. Aktuell sind weder die Ausbuildung noch die Berufstätigkeit des Mediators so weit entwickelt, dass sich der Mediator aus seinen Ursprüngen herauslöst. Bis es also zu einem etablierten Beruf des Mediators kommt, sind noch einige Hürden zu nehmen.

Mediator als Beruf 

Verfahrensorientierung

Solange sich der Beruf an der Ausübung eines spezifischen Verfahren der Streit- oder Konfliktbeilegung orientiert, wird es immer dann Überscheidungen geben, wenn das Verfahren in ein anderes Verfahren übergeht oder mit einem solchen konkurriert. Das Zitat der Agentur für Arbeit belegt, dass der Beruf des Mediators eigentlich den des Streitvermittlers meint. Mit der Bezeichnung jedenfalls darf er auch andere Verfahren als die Mediation bearbeiten. Leider hat der Gesetzgeber den Begriff Streitmittler für die Verfahren der Schlichtungsstellen belegt. Wegen dieser Unschärfe begegnen Sie Bezeichnungen wie:

  • Mediator
  • Schlichter
  • Verstehensvermittler
  • Streitvermittler
  • Konflikthelfer
  • Konfliktmanager

Als Kunde sind Sie darauf angewiesen, zu prüfen, welche Verfahren der Anbieter genau beherrscht. Die Varianz könnte ein Nachfragekriterium sein. Als Anbieter sind Sie gut beraten, darauf hinzuweisen, welche Verfahren Sie wie abwickeln können. Wir empfehlen, sich hinsichtlich der Verfahrenskategorien an der systematischen Übersicht zu orientieren und hinsichtlich der Mediationen an den Modellen.

Berufsorientierung

Viele Berufe und Berufsvertretungen haben die Mediation bereits annektiert. Teils aus wettbewerblichen Gründen, teils aber auch aus berufsrechtlichen. Sie passen die Tätigkeit des Mediators den beruflichen Besonderheiten der Ursprungsberufe an. Interessanterweise sind es hauptsächlich die juristischen Berufe, die sich abgrenzen. Zu nennen sind der Anwaltsmediator, der Notarmediator und in gewisser Weise auch der Güterichter. Wie die Verhandlungen über die GAMA3 gezeigt haben, steht die berufliche Ausrichtung einer einheitlichen Entwicklung im Wege. Ganz abgesehen von Sonderrechten wird der interdisziplinäre Anspruch der Mediation in Frage gestellt, wenn behauptet wird, ein Jurist etwa sei näher an der Konfliktlösung als ein Psychologe. Tatsächlich suchen die Konsumenten den Mediator auch noch danach aus, wo sie den Bearbeitungsscherpunkt vermuten. Sehen sie den Schwerpunbkt etwa in einem Beziehungskonflikt, gehen sie zu einem therapeutischen Mediator. Sehen sie den Schwerpunkt in Rechtsfragen, gehen sie zu einem juristischen Mediator. Im Idealfall sollte das keine Rolle spielen. Man sollte denken, dass das Wissen und die Kompetenz sich gleichförmig auf die Berufe verteilt4 .

Fundstellen mit der Kategorie Mediator und Beruf sind:

Wiki to Yes bietet Ihnen Unterstützung bei einer mediationsgerechten Berufsausübung. Dazu zählen Fragen des Einkommens und der Kosten des Rechtsschutzes ebenso wie Fragen der Berufsaufsicht, der Aktenführung und der Büroorganisation.

 Aktionshinweis:

Wiki to Yes|Wiki to Yes stellt eine Büroplattform und Equipment wie z.B. die Formularsammlung zur Verfügung, Dort finden Sie auch Merkblätter, die Ihnen helfen, die Mediation korrekt anzubieten 5

Mediationspraxis

Mediator on Demand

Der engagierte Mediator  
Wenn der Mediator tätig wird, kann er seine Tätigkeit aus verschiedenen Rollen heraus gestalten:

Mediator als Dienstleister

Der Mediator ist Auftragnehmer und Vertragspartner beim Mediationsvertrag und übernimmt somit auch Pflichten gegenüber den Medianen bzw. den Mediationsvertragsparteien. Nach dem Gesetzes ist er unabhängig, also Weisungen der Parteien nicht unterworfen. Er bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der Betreuung der Parteien und der Indetermination, die ihn auf der Metaebene positioniert. Welche Pflichten sich daraus ergeben und wir sie mit der Rolle als Mediator in Einklang bringt beschreibt das Kapitel Mediationsdienstleistung.

Mediation als Dienstleistung 

Mediator als Mitarbeiter

Der Mediator ist angestellt. Bisher war immer die Rede davon, dass ein Mediator nur sein kann, wer kein Entscheidungsträger ist. Damit scheiden Vorgesetzte, Richter, Sachbearbeiter grundsätzlich aus, wenn es darum geht, die Mediation asuzuüben. Der Mediator soll auch kein Berater sein und sich vom Schlichter abgrenzen. Wegen dieser Einschränkung werden viele Fälle in die Eskalation getrieben, obwohl ein Mediieren möglich wäre. Die Mediation wird wegen der Rollendivergenz, der fehlenden Unabhängigkeit und der mangelnden Neutralität dieser Personen von vorne herein ausgeschlossen. Zutreffend ist, dass auf solche Fälle das Mediationsgesetz nicht anwendbar ist. Die Praxis versucht jedoch Brücken zu bauen, weil bei diesen Personen die zu mediierenden Fälle auflaufen. Eine Mediation ginge verloren, wenn keine Bereitschaft oder keine Mittel bestehen, einen externen Mediator zu beauftragen. Der Güterichter ist ein Modell, wo die Mediation methodisch als kompaktes, inkludiertes Verfahren angewendet wird. Der Konfliktlotse ist ein Modell, wo im Betrieb ein Mediator bereitgestellt wird. Die integrierte Mediation weist nach, dass und wie ein Mediieren im Sinne der methodischen Anwendung der Mediation durchaus auch von den involvierten Personen möglich ist, wenn bestimmte Anforderungen eingehalten werden.

integrierte Mediation 

Mediator als Mensch

Der Mediator ist immer im Dienst. Die Tätigkeit des Mediators baut auf mentale Fähigkeiten auf, die sich schlecht ein und ausschalten lassen. Vertraulichkeit, Wertefreiheit, Neutralität, Besonnenheit, sind nur einige Merkmale der Haltung, in der sich die mediative Kompetenz wiederfinden lässt. Um dies zu ermöglichen, ist eine gute Ausbildung zur Mediation zugleich auch eine Ausbildung zur sozialen Kompetenz!

 Merke:

Wenn die Mediation eine Verstehensvermittlung ist, dann ist Verstehen die Kompetenz, die den Mediator auszeichnet 6

Wenn das Verstehen Teil eines Bewusstsein ist, dann ist die Wahrnehmung ihr Sinn und das Denken ihre Welt. In der Mediation beschreibt Haltung nicht die Moral, sondern die Fähigkeit, auf der Meta-Ebene zu denken. Der Mediator-Beruf muss sich wie kein anderer an seiner inneren Einstellung, der Haltung, messen lassen. Wenn zuvor gesagt wurde, dass die Haltung eher eine funktionale als eine ethische Bedeutung hat, dann trifft dies für die Berufseinstellung nicht vollumfänglich zu. Das Berufsethos erwartet beispielsweise, dass der Mediator Verfahren trotz Honorierung ablehnen kann, dass er von seiner Unabhängigkeit Gebrauch macht, wenn von ihm erwartet wird, was mit der Mediation nicht vereinbar ist, dass er andere Verfahren empfiehlt, wenn sie günstiger sind obwohl ihm dann ein Honorar verloren geht, usw. Ausschlaggebend ist letztlich immer seine Haltung.

Haltungsmerkmale 

Ob ein Mediator eine zur Mediation passende Einstellung hat, zeigt sich stets an seinem Auftreten und seinem Handeln. Es zeigt sich daran, wie er mit dem Verstehen in eigenen Angelegenheiten umgeht, wann und wie er sich auch politische Meinungen erlaubt, er abweichende Meinungen verstehen und einbeziehen kann und ob er auch in eigenen Angelegenheiten die Werkzeuge der Kooperation oder die der Konfrontation einsetzt.

Fundstellen in der Kategorie Haltung sind:

Mediator als Mitbewerber

Der herausgeforderte Mediator

Die altruistische Seite des Berufs endet dort, wo die egoistische anfängt. Der Mediator will und muss mit seinem Angebot Geld verdienen. Also muss er sich in einem Wettbewerb bewegen. Jetzt zeigt es sich, inwieweit er sein Know How verinnerlicht hat. Der konventionelle, unerbittliche Wettbewerb legt die Konfrontation nahe. Dier Mediation beschreibt das Gegenteil. An der Art des Werbens zeigen Mediatoren ihr mediatives Selbstverständnis.

Wettbewerb 

In der Praxis werden die Aspekte der Dienstleistung oft nicht genau getrennt, was zu einem verkürzten Verständnis der Mediation führt und Irritationen über die Abgrenzung der Dienstleistungen begünstigt7 . Schaut man sich die notwendigen und sinnvollen Dienstleistungen rund um die Mediation näher an, offenbaren sich die Schnittstellen.

 Aktionshinweis:

Um Ihnen einen Überblick über die möglichen Dienstleistungen im Umfeld der Mediation zu gewähren, führt Wiki to Yes ein Verzeichnis der Dienstleistungen. Achten Sie bitte darauf, ob die von Ihnen angebotene oder nachgefragte Dienstleistung vertreten ist. Falls nicht, haben Sie die Gelegenheiot dies zu ergänzen 8

Mediator als Kollege

Der vernetzte Mediator

Nicht nur die vielberufene Interdisziplinarität, sondern auch die Tatsache, dass die Mediation ein nur sehr unvollständiges Produkt darstellt, macht eine Netzwerkarbeit erforderlich. Zu dem Netzwerk eines Mediators sollten zählen: Rechtsanwälte, Psychologen, Kaufleute, Soziologen, Pädagogen, Gütestellen, ... usw. Meistens versuchen die Verbände solche Netzwerke aufzubauen und vorzuhalten. Die Frage nach der Kollegialität kommt auch mit der Co-Mediation und der Teammediation auf.

Co-Mediation 

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-13 08:21 / Version 277.
Alias: C08-Beruf
Siehe auch: Mediator-Beruf, Die Krux mit dem Beruf, Berufsaufsicht, Berufsausübung
Diskussion: Ist Mediator ein Beruf?
Geprüft: Arthur Trossen

1 https://berufenet.arbeitsagentur.de, abgelesen am 21.12.2015
4 Einzelheiten dazu siehe Die Krux mit dem Beruf
5 Hier finden Sie die Zusammenstellung aller Aktionen: Aktion
6 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation
7 Beispiel: https://www.muenchen.ihk.de abgelesen am 15.1.2016
8 Hier finden Sie die Zusammenstellung aller Aktionen: Aktion
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