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Seiten-ID: 662 Über das Denken - Verzeichnis der Denkfehler 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  Methodik »  Denken

Denken

Wo und wie Denken und Emotionen ein Verstehen verhindern

Sicherlich kann der Mensch logisch denken. Er kann auch dialektisch denken. Eigentlich aber denkt er assoziativ. Wir wollen uns in diesem Kapitel mit dem Denken auseinandersetzen, soweit es für die Mediation relevant ist. Wir beginnen mit typischen Denkfehlern, um uns dann mit den Arten des Denkens und ihrer Relevanz für die Mediation auseinanderzusetzen.




Wer weiß was?
Klares Denken vermeidet Konflikte

Denkfehler

Unter einem Denkfehler versteht die Psychologie eine Fehleinschätzung, einen Irrtum oder eine falsche Schlussfolgerung. Uns Menschen unterlaufen ständig systematische Denkfehler. Der Mensch ist eben kein rational denkendes Wesen1 . Leider verzichten wir darauf, jeden unserer Schritte rational nach seinem Nutzen abzuwägen2 .Wenn die Mediation ein Verstehensprozess ist, spielen Denkfehler eine wichtige Rolle, weil sie vom Verständnis der Realität ablenken.

Typische Denkfehler

Halo Effekt

Der Halo-Effekt (von englisch halo, Heiligenschein) bewirkt eine kognitive Verzerrung, indem von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften geschlossen wird. Bei dem Halo Effekt verzerrt eine einzelne Qualität das Gesamtbild optional positiv oder negativ.
Auflösung: Bewertungen einzeln prüfen

Überaktivität

Menschen tun die bei irgendwas als nicht selbst wenn sie gar keine Ahnung haben.
Auflösung: Zurückhaltung bis die (ganze) Lage erkannt ist

Assoziationenfalle

Das menschliche Gehirn verknüpft auch unzusammenhängende Informationen miteinander (eben mit Assoziationen)
Auflösung: Kriterien für eine Beurteilung hinterfragen und zusammenstellen

Es wird immer erst schlimmer

Der Mensch neigt zu negativen Prognosen (dass etwas ganz Schlimmes passieren wird), auch wenn es dafür keinen Anhaltspunkt gibt. Man will ja Schaden verhindern, also wird die Gefahr fokussiert und manchmal auch herbeigedacht.
Auflösung: Vorsicht mit Prognosen (Woher wissen Sie das?)

Social Loafing

Das "soziale Faulenzen" erlaubt es Einzelnen in einer Gruppe nicht ihre beste Leistung zu bringen weil das nicht auffallen würde. Je größer die Gruppe ist desto mehr nimmt die Leistung des Einzelnen ab.
Auflösung: Arbeitsteilung mit spezifizierter Verantwortung (so dass es auffällt, wenn einer nicht die gewünschte Leistung erbringt)

Verantwortungsdiffusion

Weil die Verantwortung in einer Gruppe geteilt wird, kann der Einzelne Verantwortung zurücknehmen. Andererseits wirkt das Risk Shift. Er wird in seinen Entscheidungen riskanter, weil er die Konsequenzen nicht alleine tragen muss.
Auflösung: Verantwortlichkeit festlegen

Zufriedenheitshamsterrad

Das Hamsterrad beschreibt, dass man immer wieder einen neuen Impuls an Glück oder Unglück braucht, sonst verpufft jede Zufriedenheit oder Unzufriedenheit.
Auflösung: Routine vermeiden

Overconfidence-Effekt

Menschen überschätzen ihre Fähigkeit exakte Prognosen zu geben um ein Vielfaches
Auflösung: Prognosen vermeiden oder zumindest deren Grundlagen hinterfragen

Social Proof

Das Denken sucht nach Orientierung. Es unterscheidet dabei nicht welcher Qualität die Orientierung ist. Ein Vorurteil genügt oder die Vorstellung, dass Millionen Menschen sich nicht irren können. Machen wir uns klar, dass bereits diese Annahme ein Irrtum ist? Wenn Viele etwas tun, wird es deshalb nicht richtiger.
Auflösung:

Verlustaversion

Emotional verstanden wirkt ein Verlust 2 mal stärker als ein Gewinn.
Auflösung: Verluste akzeptieren, indem die Chancen gesehen werden

Gedankenlesen

Viele Menschen neigen dazu, in den Köpfen anderer zu Denken. Sie agieren in der Erwartung einer Reaktion, die sie anderen zutrauen, ohne wirklich zu wissen, was den anderen Menschen bewegt, der möglicherweise auch nur auf das Verhalten seines Gegenübers reagiert.
Auflösung: Im eigenen Kopf denken

Gefühlsdenken

Der Mensch neigt dazu, Gefühle als Beweis und Meinungen als Fakten anzunehmen
Auflösung: Unterscheidung Fakten, Meinungen, Emotionen

Personalisieren

Der Mensch neigt dazu, äußere Ereignisse auf sich selbst zu beziehen. Er höht den Appell, nicht die Ich-Botschaft.
Auflösung: Auf die Ich-Botschaften achten!

Simplifizieren

Die Simplifizierung Ist phänomenologisch mit der selektiven Wahrnehmung zu vergleichen. Beide Phänomene bewirken ein relatives Denken. Der Mensch neigt dazu, nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme zu suchen, um den Alltag besser bewältigen zu können. Er orientiert seine Entscheidung an dem, was er als Konstante ausmacht. Die Entscheidung bezieht sich auf das, was man im Blick hat. Gleiches lässt sich besser mit Gleichem vergleichen, weshalb Ungleiches gerne ausgeblendet wird. Die Komplexität wird reduziert.
Auflösung: Sich der Komplexität stellen

Alles oder Nichts-Denken

Das Denken erfolgt vornehmlich in nur zwei entscheidungsrelevanten Kategorien: ja oder nein, richtig oder falsch, Gewinner oder Verlierer. Grautöne werden unterdrückt, Zwischenlösungen werden ausgeblendet.
Auflösung: Widerspruch akzeptieren und Grauzonen (andere Lösungen) ausloten


Erforscht sind etwa 120 Denkfehler. Es gibt aber sicherlich noch mehr und es gibt auch eine Überschneidung zu Wahrnehmungsphänomenen, die das Denken in die Irre leiten.

Dieses Video zeigt den Beitrag von Rolf Dobelli über Denkfehler und die Grenzen des Wissens.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Alle vorgestellten Denkfehler haben grundsätzlich ihr Gutes, führen aber regelmäßig auch zu Fehleinschätzungen, die wiederum zu Standpunkten führen, die im Streit daran hindern (oder benutzt werden), um Übereinstimmungen zu ermöglichen. Der Mediator sollte ein Bewusstsein für Denkfehler haben, sodass die Parteien eine realistische Basis für ihre Entscheidungen finden können. Die hier beschriebene, um die Mäeutik erweiterte Technik des Loopens gibt dem Mediator das notwendige Handwerkszeug, solange er sich nicht selbst in Denkfehler verliert.

Erkennbarkeit

Die Mediation erwartet Klarheit. Dazu gehört ein präziser Umgang mit Informationen, eine kalibrierte Terminologie und die Qualifikation durch Metainformationen. Mit dem präzisen Zuhören steht dem Mediator ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem sich Denkfehler eliminieren lassen3 .

präzises Zuhören 

Arten des Denkens

Die Mediation will eine sachliche Auseinandersetzung über Problemstellungen ermöglichen. Sachlich heißt nicht, dass Emotionen geleugnet werden. Durch die Technik des Verbalisierens werden sie auf die Sachebene gehoben und dadurch verhandelbar. Mithin spielt das Denken, auch das emotionale und intuitive Denken in der Mediation eine entscheidende Rolle. Der Mediator sollte wissen, wo welches Denken zum Tragen kommt und wie er das Denken zur Verwirklichung des Kognitionsprozesses einsetzen kann.

Das lineare Denken

Bitte nicht Abschweifen!

Die meisten Menschen benutzen diese Art des Denkens. Das lineare Denken ist ein gradliniges Denken. Das Ziel (die Lösung) wird auf direktem Weg ohne Umscheife angestrebt. Das ineare Denken wird gegen das divergente Denken abgegrenzt. Das divergente Denken verführt zum Abschweifen. Es wird als Defizit wahrgenommen und von der Psychologie als ADD (Attention Deficit Disorder) bezeichnet, wenn es unkontrolliert erfolgt. Das Ziel wird gedanklich weiträumig umkreist. Alle Möglichkeiten der Annäherung werden geprüft, um den interessantesten Weg auszuwählen, der dann aber spontan zugunsten eines vermeintlich besseren geändert werden kann.4

Das assoziative Denken

Denken Sie jetzt nicht an einen roten Elefanten

Woran haben sie gedacht?
War es ein Tier, eine Farbe oder hat sie das Wort Denken inspiriert?
Zugleich mit der Aufforderung stellt sich eine Assoziation her. Welche Assoziationen das ist entscheidet ihr Unterbewusstsein. Sein Filter wird geprägt durch die situative Anforderung aber auch durch Ihre Erfahrung, Ihre Erziehung und nicht zuletzt durch ihre Persönlichkeit.Das assoziative Denken erlaubt einen Zugriff auf die Bedürfnisse und Interessen. Es drückt aus, was dem Menschen wichtig ist. Nehmen wir die Aufforderung an einen roten Elefanten zu denken als Beispiel. Ihre Assoziation wird sich daran ausrichten was ihnen wichtig ist. Sind Sie von Farben beeindruckt werden Sie sich vielleicht etwas blaues vorstellen. Sind Sie vom Tier beeindruckt, werden sie sich möglicherweise ein ganz anderes Tier vorstellen. Setzen Sie sich gerade mit dem Denken auseinander wird in möglicher Weise in den Sinn kommen: "Wieso denken?". Assoziationen spielen in der Phase drei eine wichtige Rolle. Sie zu verhindern in dem man die Gesprächszeit der Parteien verkürzt oder sie zwingt nur über bestimmte Dinge zu sprechen, bedeutet das die Assoziationen nicht aufgedeckt werden.

Das logische Denken

1:0=Richtig ≠ Falsch

Der Mensch kann logisch denken, das ist keine Frage. Wie die Besprechung der Denkfehler ergeben hat, ist das logische Denken nicht unbedingt das naheliegende. Die Juristerei bedient sich des logischen Denkens. Sie führt Entscheidungen in eine Entweder-oder Logik, die andere Optionen ausschließt. Es gibt nur ein richtig oder falsch, wobei ausschließlich Fakten die Bewertungsgrundlage sind. Der Widerspruch muss entschieden werden, damit der aufgelöst werden kann!

Das dialektische Denken

These + Antithese = Synthese

Die Dialektik akzeptierten Widerspruch mir ist. Sie kommt deshalb dem meditativen Denken nahe. das Denken wird aus einem Entweder-oder in ein sowohl als auch überführt. Der Widerspruch wird in These und Antithese übersetzt und in einer Synthese aufgelöst. Das markante Konzept des dialektischen Denkens ist das These und Antithese der Synthese vorkommen. Der Widerspruch wird einbezogen, nicht entschieden.

Das mediative Denken

Verstehen wir uns?

Wenn überhaupt von einem mediativen Denken gesprochen werden kann, ist es ein Denken das auf einem umfänglichen Verstehen basiert und sich am Nutzen ausrichtet. Verstehen bedeutet Klarheit und vollständige Information. Dementsprechend sorgfältig gestaltet sich das Denken. Es qualifiziert die Informationen, um sie dem Prozess oder Fall (Problem) korrekt zuordnen zu können. Die über die Dimensionierung zu erzielende Strukturiertheit erlaubt es, die gesamte Komplexität der Fragestellung im Blick zu haben und Widersprüche im parallelen Denken aufzulösen, das auf Konsens nicht auf Macht (Mehrheiten) aufsetzt. Das meditative Denken will jeden unserer Schritte rational nach seinem Nutzen abwägen. Es ist ein suchendes Denken auf der Metaebene, das nicht lösungs- sondern ein nutzenorientiert ausgerichtet ist. Der Nutzen ergibt die Kriterien für die zu findende Lösung.

Ausrichtung des Denkens

Im Streit neigen die Parteien zum konträren Denken. Die Mediation ermöglicht ein paralleles Denken. Sie denkt weder für noch gegen die Medianden. Trotzdem gibt sie eine Denkrichtung vor.

Denken für die Partei

Natürlich könnte ein Berater sagen: „Das musst Du so machen!“. Was aber wenn das „so“ auf heftigsten Widerstand stößt und im Zweifel eher bewirkt, dass die Partei den Berater wechselt? Geht er vor wie ein Berater, kommt er wahrscheinlich schnell zu dem gleichen Ergebnis wie die Partei. Er weiß es nur besser umzusetzen. Die Partei schüttet ihr Herz aus und sagt wie viel Unrecht ihr widerfahren sei. Der Berater versteht das (indem er Bewertungen übernimmt) und erwidert: „Das dürfen Sie sich auch nicht gefallen lassen. Da müssen wir etwas gegen unternehmen!“. Er denkt jetzt für die Partei.

 Merke:

Leitsatz 3231 - Dem Mediator ist es verwehrt, für die Partei zu denken. Denn für die Partei denken heißt, ihre Position zu übernehmen und von ihrem Standpunkt aus zu denken. Es ist das Denken im Widerspruch und in Gegnerschaft, wenn der Gegner den Widerspruch abbildet.

Denken mit der Partei

Ein Mediator wird der Partei nicht sagen, was sie wie zu tun hat. Ganz im Sinne der Mediation und in ihrer Zielsetzung wird er überlegen, wo und wie die Partei selbst dahinter kommen könnte. Er wird in Gesprächen darauf achten, dass sie die dazu führenden Anhaltspunkte nicht übersieht. Die Besonderheit ist dabei, dass er nicht im Kopf der Partei denkt. Er denkt nicht für sie und auch nicht gegen sie oder den Gegner. Er denkt mit ihr und mit dem Gegner.

 Merke:

Leitsatz 3232 - Der Mediator denkt MIT den Parteien, NICHT für oder gegen sie und keinesfalls in deren Köpfen.

Das ist eine wichtige Herausforderung, die von dem Mediator verlangt, dass er die feinen Grenzen des „Denkens im eigenen Kopf“ verinnerlicht hat und es den Parteien zugesteht, einen „eigenen Kopf“ zu haben. Mit der Partei zu denken setzt ein Verstehen voraus und ein in die Partei einfühlen. Es übernimmt keine Standpunkte sondern hinterfragt sie, damit sie nachvollzogen werden können. Um diesen Effekt zu erreichen, stellt der Mediator sich als Metaebene zur Verfügung.

Die Bedeutung der Metaebene

Denken mit allen Parteien

Damit der Mediator mit beiden (allen) Parteien denken kann, darf sich nicht auf den Widerspruch einlassen, sondern muss ihn von außen betrachten. Die Metaebene macht dies möglich, weil sie wertfrei ist und dem Mediator eine Position außerhalb des Streitsystems zubilligt. Aus dieser Position heraus wird der Mediator gehindert, im Widerspruch zur Gegenseite zu denken. Weil er mit beiden (allen) Parteien denken muss, basiert sein Denken nicht auf den Widersprüchen, sondern auf den Gemeinsamkeiten.

 Merke:

Leitsatz 3233 - Mediatives Denken basiert nicht auf dem Widerspruch sondern auf der Gemeinsamkeit

Kollektives Denken

Einen methodischen Zugang liefern die Erkenntnisse der Schwarmintelligenz (kollektives Denken). Schwarmintelligenz ist vernetzte Intelligenz. Sie entwickelt sich aus einer bottom up nicht einer top down Logik.

Beispiel Denkbeispiel: Die Aufgabenstellung lautet dann nicht: Um das Ziel zu erreichen muss ich A, B und C durchführen, sondern: Welches Ziel erreiche ich, wenn A, B und C zusammenkommen? Die unterschiedliche Fragestellung hat Auswirkungen auf das Denken. In der Terminologie der Logik wird sie nach deduktivem und induktivem Denken unterschieden.


Beide Arten dienen dazu, etwas zu erschließen.

Deduktion

Deduktion bedeutet Ableitung oder Herleitung. Sie wird auch als logisches Schließen bezeichnet. Die Schlussfolgerung ist die logische Konsequenz (Wirkung) aus einer logischen Regel und einer gegebenen Bedingung. Aus mindestens 2 Aussagen wird eine neue Aussage abgeleitet. Es können wahre (oder auch zwingende) Schlüsse gezogen werden. Neue Erkenntnisse lassen sich aber nicht gewinnen.

Beispiel Denkbeispiel: Logische Regel = Mediator sind Menschen. Gegebene Bedingung = Ich bin Mediator. Schlussfolgerung (Konsequenz) = Also bin ich ein Mensch. Anderes Beispiel: Logische Regel = Aspirin hilft gegen Kopfschmerzen. Gegebene Bedingung = Ich nehme Aspirin. Schlussfolgerung (Konsequenz) = Also habe ich Kopfscherzen.

Induktion

Induktion bedeutet Herbeiführung oder Veranlassung. Sie wird auch als verallgemeinerndes Denken bezeichnet. Unter ihr versteht man die Ableitung einer allgemeinen Regel durch eine oder mehrere Bedingungen. Da aus Einzelfällen abgeleitet wird ist die Schlussfolgerung möglicherweise nicht wahr, allerdings können neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Beispiel Denkbeispiel: Konsequenz Ich bin ein Mediator. Ich bin ein Mensch ist die Bedingung dafür. Alle Menschen sind Mediatoren wäre eine interessante Folgerung aber nicht unbedingt eine wahre. Aber inspirierend.


In der Mediation kommt es nicht auf richtig und falsch, logisch oder verallgemeindernd, sondern auf nutzensitftend und machbar an. Es macht also Sinn wie bei der Schwarmintelligenz Die Lösung wird nicht deduktiv vom Ziel zurück, sondern induktiv von einem Ausgangspunkt zum Ziel hin zu entwickeln. Das erfolgt in einer Art und Weise, dass die eingebrachten Informationen ausgewertet und zugeordnet werden. Die Zuordnung erfolgt im Kollektiv worüber im Konsens entscheiden wird (Windows 2 in Phase 3; Bewertung in Phase 4).

Wie bei einem Schwarm wird die Ausrichtung des Denkens nicht etwa durch den Führer vorgegeben. Sie erfolgt bottom up durch die Vernetzung der unterschiedlichen Auffassungen. Wie bei einem Schwarm werden die Extrempositionen nicht ausgeschlossen. Sie bilden stattdessen das Korrektiv. Es macht bei diesem Denkmodell keinen Sinn im Kopf des anderen zu denken. Wohl aber Informationen zu sammeln, um sie in eine Beziehung zu setzen und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, die später auf ihre „Wahrheit“ überprüft werden können.

An etwas Anderes denken

Schon die Wahrnehmung führt in eine Reduktion der Komplexität, das Denken tut sein Übriges. Der Mensch neigt dazu, Komplexität zu reduzieren. Das Denken wird selektiv und verliert den Kontext aus dem Blick. Was wie eine Vereinfachung wirkt, ist zugleich eine Erschwernis, weil der Blick auf die Lösung verloren geht, je mehr man sich anstrengt, an die Lösung zu denken. Die Mediation ist ein anderes denken. Sie befreit sich vom nicht zielführenden Fokus, indem sie sich einer Paradoxie bedient. Sie führt die Lösung herbei, indem sie nicht an die Lösung denkt. Der gedankliche Fokus wird nicht auf das Problem, sondern auf die hinter dem Problem liegende, problemfreie Zone gelenkt. Der Kontext geht nicht aus dem Blick verloren. Der Fokus wird verändert5 .

Bedeutung für die Mediation

Wenn und weil die Mediation ein verstehensorientiertes Verfahren ist, spielt der Verstand und damit das Denken eine entscheidende Rolle. Die Mediation unterstützt den komplexen Denkvorgang, indem ihre Phasenlogik das Denken der Parteien partialisiert. So kann die Mediation verschiedene Arten des Denkens vereinnahmen. Selbst nicht kompatible Denkweisen können zusammengeführt werden, indem sie einer sequenziellen Logik folgen. Jede Phase wird mit einem ihr eigenen Denkvorgang verknüpft. So wird die Logik beispielsweise in der 2.Phase in eine Dialektik überführt. Das logisch juristische Denken wechselt mit dem assoziativ psychologischen Denken in der 3.Phase ab.

Die Phasenlogik führt zu einer bewussten Partialisierung des Gedankenganges. Deshalb wird das Denken an Motive strikt vom Denken an Lösungen getrennt. Die Trennung erlaubt eine Erweiterung der Wahrnehmung. Das reflexive Denken wechselt in der 4.Phase kurzfristig in ein kreatives Denken, um weitere Lösungsoptionen zu erkennen. Erst danach wird das Denken in ein bewertendes und später in ein subsummierendes Denken überführt.

Das Denken in der Mediation kann auch die Komplexität bewältigen. Dazu trägt die vorgegebene Struktur der Mediation bei. Das Dimensionieren trägt nicht nur dazu bei, die Gedanken zu ordnen, sondern auch dazu, dass sie miteinander verglichen werden können.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-07-23 11:22 / Version 75.
Alias: logisches Denken, dialektisches Denken, assoziatives Denken, Denkfehler
Siehe auch: Kognitionsprozess, Phasenlogik,präzises Zuhören, Gedanken, Denkfehler, Bias-Faktoren
Prüfvermerk: Administrator

1 Siehe den Beitrag über das Buch von Hanno Beck „Die Logik des Irrtums. Wie uns das Gehirn täglich ein Schnippchen schlägt.“ auf www.drklein.de, abgelesen am 23.2.2017
2 Was ein Mediator als Gestalter eines nutzerorientierten Verfahrens allerdings sollte
5 Siehe dazu: Ziel, Kreativität, Erkenntnis
© Wiki to Yes: Trossen "Denken" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Denken
Erstellt von Arthur Trossen. Letzte Änderung: Dienstag Juli 23, 2019 11:22:09 CEST by Arthur Trossen.