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Seiten-ID: 757 Die Systemik des Streites und der Mediation 3-Abteilung »  Bücher (Wiki)

Die Systemik und die Metaebenen

Es gibt mehrere miteinander interagierende Systeme.




Einheiten
Die korrespondierenden Systeme

Das Streitsystem

Das Streitsystem beschreibt das Streitverhältnis der Parteien zueinander. Innerhalb des Streitsystems ist die Wahrnehmung auf den Gegner gerichtet. Weil die Sinnesorgane des Menschen alle auf Außenwahrnehmung gerichtet sind, sieht die Partei ja auch sonst niemand anderen. Im Streit versucht die Partei ihre Sicht bestätigt zu finden.
 Streitsystem mit Gegneransicht
Im Gegensatz zu allen anderen Verfahren, wo der Berater oder der neutrale Dritte als Entscheider oder Meinungsbildner zum operativen Teil des Streitsystems wird (indem er von den Parteien instrumentalisiert werden kann), positioniert sich der Mediator außerhalb des Streitsystems der Parteien. Die Außenposition verhindert nicht nur seine Instrumentalisierung. Sie gewährt ihm auch eine Perspektive, die es möglich macht, den Blick als nicht am Streit beteiligter Dritter auf das Streitsystem zu richten. Aus dieser Perspektive betrachtet der Mediator den Streit als System bestehend aus Elementen (zum Beispiel in Streitparteien) das mit anderen Systemen interagiert (Familie, Arbeitsplatz) und Umweltbeziehungen ( soziales Umfeld, Gesellschaft) aufweist. Der Mediator achtet auf die Interaktionen und die wechselseitigen Beeinflussungen. Um den Verstehensprozess als eine Auseinandersetzung mit dem Konflikt zu ermöglichen, spielt die Außenperspektive eine entscheidende Rolle. Sie erlaubt es, das System (das Streitverhalten) zu spiegeln und den Parteien sichtbar zu machen.
Systemik 1

 Merke:

3289 - Der Mediator positioniert sich außerhalb des Streitsystems. Er achtet darauf, dass er nicht ein Teil des Streitsystems der Parteien wird und dass er sich von der operativen Ebene fern hält.

Das Mediationssystem

Auch wenn der Mediator außerhalb des Streitsystems steht, steht er nicht außerhalb des Prozesses. Allerdings sind die Systeme zu unterscheiden. Es ist wichtig, das Streit- und das Mediationssystem konsequent auseinanderzuhalten. Weil die Mediation ein rein prozessorientiertes Verfahren ist, erleichtert sie die Abgrenzung. Das Mediationssystem unterscheidet sich als ein Prozesssystem von anderen Verfahren, also von anderen Systemen grenzt sich ganz im Sinne der Systemtheorie auch der Umwelt ab. Weil sich das Mediationssystem vom Streitsystem unterscheidet, kann der Mediator die Parteien aus dem Streitsystem herausziehen, je besser es ihm gelingt, sie in das Prozesssystem zu integrieren. Das Streitsystem löst sich auf, wenn die Parteien direkt in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren.
Systemik 2

 Merke:

3290 - Neben dem Streitsystem gibt es auch ein Mediationssystem, das von diesem zu unterscheiden ist.

Die Metaebenen

Die Metaebene bezeichnet eine Ebene aus der heraus eine übergeordnete Sichtweise möglich ist. Sie erlaubt eine Reflexion ihres Systems oder ihrer Struktur und der darin vorkommenden Verhaltensweisen, so dass diese als Objekte (von außen betrachtet) behandelt werden können. Die Unterscheidung zwischen dem Streit- und dem Mediationssystem bzw. der Fallebene und der Verfahrensebene macht deutlich, warum die Mediation nicht mit nur einer Metaebene auskommen kann. Wir unterscheiden die Fallmetaebene und die Mediationsmetaebene.

Die Fallebene (Fallmetaebene)

Indem der Mediator das Streitsystem spiegelt, bildet er die auf den Fall (und das Streitverhalten) bezogene Metaebene ab. Um eine Selbstreferentialität zu vermeiden, die sich ergibt wenn die Metaebene im selben System oder in derselben Struktur stattfindet, über die sie reflektiert, ist es unerlässlich, dass diese Ebene außerhalb des Streitsystems also im Mediationssystem angelegt wird. Um die Funktionalität der Metaebene zu verwirklichen besteht die Aufgabe des Mediators also nicht darin, das fallbezogene Verhalten der Parteien zu bewerten. Er würde die Metaebene in diesem Fall verlassen und sich auf die operative Ebene begeben. Die Aufgabe des Mediators besteht darin, Phänomene im Streitsystem sichtbar zu machen, um eine Reflexion des Streites zu ermöglichen.
Systemik 3

 Merke:

3291 - Der Mediator repräsentiert die Metaebene für die Parteien. Die Lösungsfindung bildet die operative Ebene, die dem Mediator verwehrt ist, um die Metaebene sicherzustellen.

Die Verfahrensebene (Mediationsmetaebene)

Die Eigenständigkeit des Prozesssystems Mediation erfordert auch eine Reflexion des Prozesses an und für sich. Die Mediation ist ein prozessorientiertes Verfahren. Nur durch die Selbstreflexion kann der Mediator feststellen, ob der Prozess auf Kurs verläuft. Um die prozessorientierte Reflexion zu ermöglichen, muss also auch für die Mediation selbst eine Metaebene hergestellt werden. Für den Mediator ist das besonders herausfordernd, weil er auch sich selbst im Prozess reflektieren muss. Hier zeigte sich wann und warum die Supervision ein wichtiges Hilfsmittel für den Mediator ist. Er sollte sie in Anspruch nehmen, sobald er Zweifel hat, ob die Selbstreflexion im Einzelfall noch möglich ist oder nicht.
Systemik 4

 Merke:

3292 - Der Mediator ist seine eigene Metaebene.

Bedeutung für die Mediation

Ist es wichtig, die verschiedenen Systeme auseinanderzuhalten. Nur so können Sie sich wechselseitig kontrollieren. Der Mediator muss darauf achten, dass er nur Teil des Mediationssystems und keinesfalls Teil des Streitsystems wird. An dem sich daraus ergebenden Kommunikationsmodell kann er sich orientieren.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Alias: Metaebene, Meta-Ebene, Streitsystem, Konfliktsystem, Prozesssystem, Mediationssystem, Mediationsmetaebene, Fallmetaebene, Fallebene, Verfahrensebene
Siehe auch: Kommunikationsmodell, Struktur, Die Bedeutung der Metaebene
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© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Die Systemik und die Metaebenen " (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Systemik