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Seiten-ID: 622 Die (eigentliche) Verstehensvermittlung 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 4-Inhalt »  (05) Methodik »  Vermitteln

Methode #3b3.Phase


Vermitteln in der Mediation

Die Methoden1 bilden die Phasen der Mediation ab.2 Das Vermitteln ist die Methode der 3.Phase. Sie bildet zusammen mit dem Verstehen den Kern der Mediation, die eine Vermittlung, genauer gesagt eine Verstehensvermittlung ist. Der Mediator kann nur vermitteln, was er verstanden hat:

Was überschauen wir? 


Im Streit ist der Fokus der streitenden Partei eher auf die Gegenseite gerichtet als auf sich selbst. Menschen neigen dazu, das Problem an der Außenwahrnehmung zu erkennen. Sie denken in den Köpfen der Anderen und meinen oft sogar, deren Motive genau zu (er)kennen. Der Mensch wird an Eigenschaften gemessen, die ihm von außen zugeschrieben werden.3 Der Mediator achtet aus der Metaebene heraus darauf, dass die Parteien alle Informationen bekommen (in Betracht ziehen), die ein wechselseitiges Verstehen ermöglichen. Dabei spielen die unterschiedlichen Sichten und Perspektiven eine große Rolle. In dem Prozess der Verstehensvermittlung achtet der Mediator zunächst darauf, dass sich jede Partei selbst erklärt.4 Dann prüft er, ob die jeweilige Partei auch die Gegenseite jeweils so verstanden hat, dass angekommen ist was gemeint war.5 Vermittelt wird also das Verständnis der Problemlage aus der jeweiligen Sicht, das Verständnis der jeweiligen Partei von sich selbst und von der Gegenseite. Die unterschiedlichen Sichten werden abgeglichen.

Nach §2 Abs. 6 Mediationsgesetz hat der Mediator darauf zu achten, dass die Parteien die Einigung in Kenntnis der Sachlage treffen und ihren Inhalt verstehen. Diese, den Grundsatz der Informiertheit unterstreichende Regel, greift jedoch zu kurz.

 Merke:

4222 - In der Mediation sollen die Parteien sich wechselseitige Angebot unterbreiten von denen sie erwarten können, dass die Gegenseite sie auch annimmt. damit die Angebote angenommen werden können, müssen Sie sich auf die Interessen der Gegenseite einlassen. Es genügt also nicht dass die Parteien die Sachlage können. Sie müssen auch die Motive kennen und alles was notwendig ist, um sich ein Angebot zu unterbreiten, das den situativen Ansprüchen und Erwartungen beider Seiten genügt.

Der Umfang der Verstehensvermittlung ergibt sich aus diesem Maßstab. Er bezieht - je nach Konfliktlage - auch das Verständnis des Konfliktes und der sich daraus ergebenden Befindlichkeiten und Erwartungen ein. Im Gegensatz zur Schlichtung vermittelt der Mediator jedoch keine Lösung. Seine Leistung bezieht sich auf die Vermittlung dessen, was die Parteien einbringen können, um daraus eine Lösung zu entwickeln.

Die Verstehensperspektiven

Verstehen erfordert Reflexion. Diese wiederum bedingt eine Abstraktion. Der Mediator personifiziert die Metaebene, indem er die Reflexion für beide Parteien wertfrei aus der neutralen Position heraus vornimmt. Seine Perspektive ist zunächst auf die eine, dann auf die andere Partei gerichtet. Er versucht jede Partei zu verstehen. Es fällt den Parteien leichter, wenn der Vorgang getrennt wird. Der Fokus ist auf die sich erklärende Partei gerichtet, nicht auf die Gegenseite.

Windows 1

Die Sicht der Partei auf sich selbst

Der Fokus der streitenden Partei ist auf die jeweilige Gegenseite gerichtet. Ihr gegenüber werden Vorwürfe erhoben und Anfeindungen entgegenbegracht. Der Blick auf die Gegenseite ist in der Sprache der Mediation und aus der Sicht des Mediators das Windows 2. Der Mediator holt den Fokus zurück auf die erklärende Partei und verwirklicht das Windows 1. Ziel ist die Ermöglichung der Selbstreflexion und der Selbstoffenbarung.

Beispiel - Windows 1: Der Mediator meldet zurück: "Sie sagen was die Gegenseite falsch macht. Was brauchen SIE damit es richtig wird?


Die unterschiedlichen Sichten werden im Streitsystem verdeutlicht.

Das Streitsystem 

windows1

Windows 2

Die Sicht der Parteien aufeinander

Nachdem die Selbstbehauptung (Selbstoffenbarung) erklärt ist, d. h. nachdem die Parteien ihre eigenen Bedürfnisse vollständig geäußert haben, richtet der Mediator ihren Fokus auf die Gegenseite.

Beispiel - Windows 2: Der Mediator führt spätestens gegen Ende der Phase drei an: "Sie haben gehört welche Motive / Interessen / Kriterien die Gegenseite genannt hat, die sie gerne befriedigt wissen will. Haben Sie verstanden was sie meint?"


Ziel des Perspektivwechsels ist, die Motive der Gegenseite zu verstehen, damit ihr später ein darauf bezogenes Angebot unterbreitet werden kann. Die Darlegung der Schritte zur Unterbreitung eines Angebots werden in der Verhandlungslogik beschrieben.

Die Verhandlungslogik 

windows2

Windows 3

Die Sicht der Metaperspektive

Eine der wichtigsten Verstehensperspektiven in der Mediation ist die Metasicht. Der Mediator bildet, wenn man so will, die personifizierte Metaebene ab. Der Mediator hat beide Parteien im Blick aber auch das Procedere der Mediation und sogar sich selbst. Seine Rolle positioniert ihn außerhalb des Streitsystems, sodass er aus einer wertfreien Abstraktionsebene das Geschehen und die Äußerung der Parteien betrachten kann, um sie ebenso wertfrei wieder zurück zu melden.

Die Bedeutung der Metaebene Die Systemik 

metaebene

Die Verstehensvermittlung

Das Verstehen in der Mediation verfolgt keinen Selbstzweck. Deshalb erschöpft sich die Verstehensvermittlung nicht im bloßen Verstehen der Partei. Es ist ein zweckgerichtetes Verstehen und eine zweckgerichtete Verstehensvermittlung. Der Zweck ist das Finden einer Lösung. Das Verstehen soll dafür eine Voraussetzung sein.

 Merke:

4223 - Die Verstehensvermittlung erstreckt sich auf alles, was die Parteien verstehen müssen, damit sie sich am Ende ein Angebot unterbreiten können mit dem sie einvernehmlich den Konflikt beilegen.

Die Mediation hat bestimmte Vorgaben, die das Wesen des Verstehens im Verständnis eines Kognitionsprozesses ausmachen. Der Mediator achtet nicht nur darauf, dass sich die Parteien auf den Erkenntnisprozess einlassen. Er achtet auch darauf, dass sie ihn korrekt vollziehen und dass sie alles äußern, was ein konfliktbezogenes Verstehen mit dem Blick auf eine nutzbringende Lösung erfordert. Weil der Mediator selbst nicht Teil der Lösungsfindung ist repräsentiert er die Metaebene und sorgt dafür, dass die Parteien diese Sicht adaptieren können, damit sie selbst Teil der Lösungsfindung werden. Einzelheiten über die erkenntnistheoretischen Zusammenhänge finden Sie in dem Kapitel Kognitionsprozess.

Kognitionsprozess

Vermittlungsleistung

Die Fähigkeit, die unterschiedliche Sichten einzunhehmen

Man mag sich die Vermittlungsleistung des Mediators wie folgt vorstellen:

  1. Der Mediator versteht die eine Partei (grün), indem er denkt und fühlt wie sie.
  2. Er versteht die andere Partei (orange), indem er denkt und fühlt wie sie, so als würde er für beide Parteien eine Blase in seinem Kopf einrichten, die sich mit deren Identität füllen kann.
  3. Dann bringt er die Identitäten auf der Metaebene zusammen und vermittelt die jeweilige Identität der einen Partei der anderen und umgekehrt.
  4. Nachdem der Prozess abgeschlossen ist, löste die Blasen wieder auf und ist nur noch er selbst.

Die Fähigkeit, mit der jeweiligen Partei in allen Intelligenzzentren zu denken, darf nicht zu einer strukturellen Kopplung führen. Der Mediator übernimmt also nicht die Gefühle und Gedanken, indem er sie sich zueigen macht. Wohl aber so weit, dass er sie nachvollziehen kann.

Vermittlung

Vermittlungswerkzeuge

Eigentlich ist es die Mediation, die es den Parteien ermöglicht die Lösung zu finden. Die Aufgabe des Mediators ist es die Mediation zur Wirkung zu bringen. Seine Werkzeuge der Verstehensvermittlung sind:

Zusammenstellung der Werkzeuge zur Verstehensvermittlung
Die nachfolgende Liste ist ein Auszug aus der Werkzeugdatenbank gefiltert nach der Methode "vermitteln"


Neuer Begriff mit Definition

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Bedeutung für die Mediation

Die Verstehensvermittlung erfolgt mit der Technik im Window 2, nachdem der Verstehensprozess der jeweiligen Partei im Window 1 abgeschlossen ist. Der Mediator vergewissert sich, dass das Verstehen voneinander jetzt identisch ist. Die Gemeinsamkeiten werden herausgestellt. Gleiche Sichten werden exponiert. Im Ergebnis sind jetzt (im Idealfall) übereinstimmende Nutzenkriterien bekannt, nach denen die Parteien Lösungen suchen können.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Alias: Verstehensvermittlung, Verstehensperspektive, Metasicht, Metainstanz
Siehe auch: Die Bedeutung der Metaebene, KognitionsprozessBearbeitungshinweis: Textvollendung und Programmvollendung erforderlich

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1 Die Mediation an und für sich wird auch oft als Methode beschrieben. Genauer ist es jedoch, die in dem Verfahren Mediation zusammentreffenden Methoden zu unterscheiden.
2 Siehe die Gegenüberstellung der Phasen und Methoden auf Methodik.
3 Siehe den fundamentalen Attributionsfehler bei Wahrnehmung
4 Siehe Windows 1 im Beitrag Windows-Technik.
5 Siehe Windows 2 im Beitrag Windows-Technik.
Erstellt von Administrator. Letzte Änderung: Mittwoch April 10, 2019 08:56:03 CEST by Arthur Trossen.