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Seiten-ID: 249 Der Berufsmediator verspricht eine professionelle Leistung 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 4-Inhalt »  (08) Beruf »  Mediator

Der Mediator und die Mediation

Mediator als Funktion Zertifizierter Mediator Mediator als Beruf Übersicht (Beruf) Mediatorenverzeichnis

Der Berufsmediator  

Wenn die Rede auf den Mediator kommt, kann damit der Mediator als Funktion einerseits und andererseits der Mediator als Beruf gemeint sein. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch die Informatik eine Mediation als Software-Entwurfsmuster, mithin auch einen Mediator kennt, ebenso wie die Chemie den Mediator als Botenstoff zur Übertragung von Signalen beschreibt und die Statistik den Mediator als eine intervenierende Variable kennt. Natürlich erfolgt die maßgebliche Abgrenzung der synonym verwendeten Begriffe Mediator im Bereich der Konfliktbeilegung zwischen dem Funktionsmediator und dem Berufsmediator. Das Mediationsgesetz erwartet lediglich eine Ausbildung. Hier geht es um den Berufsmediator. Wenn es heißt ...

"Jetzt hilft nur noch ein Mediator"


... fühlt sich der professionelle Mediator angesprochen. Sätzen wie diesem begegnen Sie in der letzten Zeit immer häufiger. Wer oder was ist damit gemeint? Was ist ein Mediator überhaut? Wenn der Ruf nach dem Mediator erschallt wird der Begriff wohl eher unspezifisch und als Synonym für eine Vermittlung gesehen. Gemeint ist jemand, der die Partien wieder zusammenbringen soll. Im professionellen Kontext ist der Begriff jedoch nach seinen unterschiedlichen Konnotationen zu differenzieren.

Mediator als Funktion

Es gibt eine Legaldefinition im § 1 Abs. 2 Mediationsgesetz. Die Vorschrift besagt: Ein Mediator ist eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis, die die Parteien durch die Mediation führt.

Über den Mediator als Funktion siehe unter: Funktionsmediator

Bitte beachten Sie, dass das Mediationsgesetz lediglich eine Ausbildung, nicht jedoch eine Berufstätigkeit als Mediator voraussetzt. Dennoch kommt das Mediationsgesetz nur bei einer professionell angelegten Mediation zur Anwendung. Juristisch formuliert, muss ein verpflichtender Rechtsbindungswille erkennbar sein, die Mediation pflichtgemäß (also nach “nach den Regeln der Kunst”) durchzuführen.

Eine Definition des Berufs gibt es nicht1 . Die Agentur für Arbeit beschreibt den Beruf wie folgt:

Mediator als Beruf

Ohne nähere Definition wird der Mediator aber auch als Beruf bezeichnet.

Berufsderivate
Daneben bilden sich Begriffspaare wie Anwaltsmediator oder Richtermediator, die nach ihrem beruflichen Ursprung differenzieren2
Fachderivate
Und schließlich bilden sich Begriffspaare wie Wirtschaftsmediator, Familienmediator, usw., die nach dem Mediationsfeld differenzieren, in dem der Mediator tätig ist.
Irritationen
Dann gibt es Begriffsbildungen die keinen Beruf darstellen, wie zB Anwaltsmediator
“Mediatoren und Mediatorinnen unterstützen streitende Parteien bei Konflikten unterschiedlicher Art, um zu einvernehmlichen, außergerichtlichen Lösungen zu gelangen. Voraussetzung ist in der Regel ein entsprechendes Studium”.


Diese Definition kollidiert mit § 1 Absatz 2 MediationsG. Dort wird der Mediator funktional als die Person beschrieben, die eine Mediation durchführt. Zur besseren Abgrenzung bietet sich der Begriuff Berufsmediator an.

Während der Mediator in der Verfahrensrolle singulär oder sporadisch auftreten kann, impliziert die berufliche Anwendung eine Dauerhaftigkeit und setzt eine Regelmäßgkeit voraus. Weil die Tätigkeit zum Broterwerb dienen muss, lässt ihre professionelle Ausübung auch eine gewisse Qualität erwarten. einem Berufsmediator wird unterstellt, dass er hinreichende Kenntnis in allen Diszipilnen hat und alle professionellen Einflüsse beherrscht, sodass sich der Hinweis auf den Ursprungsberuf3 erübrigt. Der Begriff des Berufsmediators geht deshalb weit über die funktionale Rolle des Mediators hinaus. Die professionelle Ausübung der Tätigkeit steht im Vordergrund. Eindeutigkeit ergibt sich aus der folgenden Definition:

 Merke:

4628 - Das Mediationsgesetz setzt lediglich eine Ausbildung, nicht jedoch eine Berufstätigkeit als Mediator voraus. Ein Mediator i.S.d. § 1 Abs. 2 Mediationsgesetz ist also nicht zwingend auch ein Berufsmediator. Unter einem Berufmediator ist ein Streitvermittler zu verstehen, der professionell Mediationen durchführt und über ausreichende interdisziplinäre und interprofessionelle Kenntnisse verfügt, um damit seinen Lebensunterhalt isoliert von anderen Berufen und unabhängig von seinem Ursprungsberuf zu bestreiten.

Bezeichnungen / Titel

Weder die Bezeichnung als Mediator noch die Bezeichnung als Berufsmediator definieren die berufliche Tätigkeit eindeutig. Das hat mit dem Dienstleistungscharakter zu tun und soll auch im Zusammenhang mit der Untersuchung der Dienstleistung des Mediators erörtert werden.

Über die Berufsbezeichnung des Mediators

Im professionellen Umfeld wird der Begriff Mediator wie ein Titel verwendet, obwohl es sich dabei nur um eine Funktions- und gegebenenfalls um eine Berufsbezeichnung handeln kann. Aktuell bilden sich drei oder gar vier verschiedene Qualifikationen heraus, die folgende Stufen der Professionalität abbilden und zunehmend in Konkurrenz zueinander geraten:

Mediatoren

einfacher Mediator

Das ist der Mediator gem. § 5 Abs. 1 Mediationsgesetz mit einer analogen Ausbildung.

zertifizierter Mediator

Das ist der Mediator gem. §5 Abs. 2 Mediationsgesetz i.V.m. § 1 ZMediatAusbV!

lizenzierter Mediator

Das ist der nach Standards der Verbände qualifizierte Mediator.

Berufsmediator

Das ist der fachlich erfahrene und die Mediation in allen Aspekten beherrschende Profimediator.

Lediglich der Begriff Zertifizierter Mediator ist eine gesetzliche Bezeichnung und dementsprechend geschützt. Keinesfalls ist die Ausbildung zum zertifizierten Mediator staatlich anerkannt, wie auf manchen Webseiten fälschlicherweise zu lesen ist. Obwohl die Aus- únd Fortbildung in der ZMediatAusbV geregelt ist, gibt es (noch) keine staatlich vorgeschriebene oder anerkannte Ausbildung4 .

Wer die Anforderungen der ZMediatAusbV nicht erfüllt, darf sich auch nicht so nennen. Wer sich trotzdem so nennt, riskiert eine ganz unmediative Abmahnung und zeigt, dass er die Anforderungen an den Beruf nicht kennt. Die Unterschiedlichkeit der Ausbildung ist bei der Kommentierung zu §5 ZMediatAusbV dargestellt.

Die übrigen Qualifikationsbezeichnungen sind kreativ. Sie versuchen, die Qualitätssteigerung zum zertifizierten Mediator abzubilden, der erklärtermaßen ja nur eine Mindestanforderung darstellt. Sie wollen verhindern, dass der zertifizierte Mediator als die höchste Qualifizierung verstanden wird. Um die tatsächliche Kompetenz des Mediators erkennbar werden zu lassen, ist zwischen Berufsqualifikationen und Ausbildungszertifikaten zu unterscheiden. Die Diskrepanz zwischen den Ausbildungszertifikaten und der Berufstätigkeit wird im Beitrag Ausbildungszertifikate dargelegt. Eine ausführliche Kommentierung zur Ausbildungsverordnung befindet sich im Kapitel ZMediatAusbV.

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Qualifikationen

Die unterschiedlichen Bezeichnungen ergeben sich im Wesentlichen aus einem unterschiedlichen Ausbildungsumfang.

einfach zertifiziert qualifiziert profiliert
Gesetz § 5 Abs. 1 MediationsG § 5 Abs. 2 MediationsG
ZMediatAusbV
§ 5 Abs. 1 und / oder Abs. 2 und Standards § 5 Abs. 2 und Standards
Titel Mediator zertifizierter Mediator institutionalisiert zB: Mediator (XY) ggfalls lizenzierter Mediator Berufsmediator
Zerfifikat Ausbildungszertifikat Ausbildungszertifikat Ausbildungszertifikat
ggfalls Lizenz
Berufszertifikat
ggfalls Lizenz5
Qualität frei zu bestimmen Mindestanforderungen volle Mediationstauglichkeit volle Berufstauglichkleit
Fachmediator im Titel möglich lediglich als Zusatz möglich möglich, aber nicht unbedingt sinnvoll überflüssig
geschützt nein ja, gesetzlich ggfalls als Marke Berufszertifikat
Stunden mehr als 90 120 mehr als 200 mehr als 350
Stundentyp gemischt Präsenz prozentuiert gemischt
Inhalte - ZMediatAusbV Standards Standards
vorgegeben nein ja ja ja
Supervision empfohlen verbindlich verbindlich verbindlich
Typ - Einzelsupervision Fallsupervision Fall und Praxis
Anzahl - 1+4 ≥ 1 5
Rollenspiele vorgesehen vorgeschrieben vorgeschrieben vorgeschrieben
Dokumentation - - je nach Vorgabe vorgeschrieben
Fortbildung vorgeschrieben gem. ZMediatAusbV vorgeschrieben vorgeschrieben
Kontrolle Abmahnung Abmahnung Abmahnung, ggfalls Lizenzverlust Abmahnung, ggfalls Zertifikatsverlust

Die Abstufungen qualifiziert und profiliert folgen dem Bedürfnis, Abschlüsse und Qualifikationen anzubieten, die über die Mindestanforderung des zertifizierten Mediators hinausgehen. Eine vollwertige Qualifikation würde nach der hier vertretenen Auffassung alle Anforderungen zur professionellen und rechtssicheren Ausübung der Mediation als Berufsmediator erfüllen. Bei einem Berufsmediator kommt es nicht mehr darauf an, welchem Ursprungsberuf er angehört. Die darauf abzielende Ausbildung umfasst alle Disziplinen, die auf die Mediation einwirken und alle professioellen Bereiche, in denen die Mediation zur Anwendung kommt.

Tätigkeit

Die Agentur für Arbeit führt aus: “Mediatoren und Mediatorinnen finden Beschäftigung in Kanzleien für Mediation, bei Unternehmensberatern, in psychotherapeutischen Praxen und Einrichtungen des Sozialwesens, in Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für Mediation”. Der Mediator übt einen so genannten freien Beruf aus. Das ergibt sich aus seiner Unabhängigkeit, die der Gesetzgeber in § 1 Abs. 2 MediationsG festgeschrieben hat. Was die Agentur für Arbeit übersieht sind Einstellungsmöglichkeiten als firmeninterner Mediator, die oft als Konfliktlotsen bezeichnet werden. Wegen der Unabhängigkeit müssen die Verträge bei angestellten Mediatoren entsprechende Klauseln beinhalten. Ein Mediator darf nicht weisungsabhängig sein und muss die Vertraulichkeit auch dem Arbeitgeber gegenüber wahren können. Das Tätigkeitsumfeld für Mediatoren geht noch weiter, wenn man nicht auf das Verfahren, sondern die Kompetenz achtet. Dann ist Mediation eine Qualifikation für Führungspositionen und alle - so paradox dies klingen mag, die als Entscheider unterwegs sind.

Ausbildung

Wie wird man ein professioneller Mediator?
Natürlich steht am Anfang eine Ausbildung. Sie allein macht aber noch keinen Mediator aus. Weil die Mediation ein kognitionsgesteuertes Verfahren ist, zeichnet sich ein Mediator durch seine innere Einstellung aus, die sich in der Haltung niederschlägt.

Alles über die Mediatorenausbildung Haltung 

Berufsrecht

Ein Mediator, der professionelle Dienstleistungen anbietet, bewegt sich nicht in einem rechtsfreien Raum. Ein explizites Berufsrecht gibt es nicht, allerdings haben einige Berufe Regelungen auch über die Verwendung und Ausübung der Mediation getroffen und versucht, die rechtliche Lücke zu schließen. Welchem Berufsrecht sie unterliegen und was sie als Berufsmediator zu beachten haben, nimmt den Raum eines ganzen Kapitels ein. Sie finden deshalb vertiefende Informationen im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zur Berufsausübung.

Berufsausübung

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-05-30 06:35 / Version 137.
Alias: Berufsmediator, Mediator mit Zertifikat
Siehe auch: ZMediatAusbV, §5 Mediationsgesetz, Mediator als Funktion, Soll ich zertifizierter Mediator werden?, Beruf, Mediator-Beruf, Berufsausübung, Qualifikation
Diskussion: Ist Mediator ein Beruf?
Prüfvermerk: Arthur Trossen

1 Mehr dazu unter Berufsausübung
2 Siehe zur Problematik: Beruf
3 Worauf z.B. Anwaltsmediatoren Wert legen
4 Mehr dazu unter Ausbildungszertifikate
5 Wird, soweit bekannt, derzeit nur vom Verband Integrierte Mediation angeboten.
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Der Berufsmediator" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Mediator-Beruf
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