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Seiten-ID: 183 Buch Nr 2: Systematik der Streitbeilegungsverfahren 4-Inhalt »  (02) Systematik (Verfahren) 3-Abteilung »  Bücher (Wiki)
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2. Buch: Systematik  

Die Mediation ist nur ein Verfahren von Vielen.
Die Systematik trägt dazu bei, die Verfahren präzise gegeneinander abzugrenzen und korrekt zu verstehen.

(Verfahrens-)Systematik

Die erste, große Herausforderung bei der Bewältigung von Konflikten ist die Komplexität. Sie macht sich beim Konflikt selbst, bei der Mediation und bei der Wahl des passenden Verfahrens zu Konfliktbeilegung bemerkbar. Sie werden deshalb ständig mit der Komplexität in Berührung kommen. Erkennen sie in ihr bitte eine Herausforderung und eine Chance zugleich. Die Chance besteht in der VielfaltHerausfordernd ist die damit einhergehende unter Selektionen naheliegende Verwirrung. Um sich die Vielfalt nutzbar machen zu können, muss die Komplexität erkannt und bewältigt werden.

Der Umgang mit der Komplexität

Die Verfahrenssystematik soll helfen, die Komplexität zu bewältigen. Sie bietet eine Struktur an, mit der alle Verfahren der Konfliktbeilegung erfasst und zugeordnet werden können. Auch ermöglicht sie die präzise Verortung der Mediation mit all den ihr eigenen Erscheinungsformen innerhalb der Konflikt- und Streitbeilegungsverfahren.

Die Verfahrenslandschaft

Die Landschaft der Streit- und Konfliktbeilegungsverfahren ist nicht nur in Deutschland äußerst amorph und unübersichtlich. Schon jetzt zählt die Verfahrensdatenbank 126 unterschiedliche Verfahren, ohne eine abschließende Aufzählung zu garantieren.

Verfahrenslandschaft

Die Lage lässt sich nicht nur für die betroffenen Personen, sondern auch für den Profi wie in der nebenstehenden Grafik veranschaulichen. Der Dschungel verdeckt, dass und wie die Verfahren finden oder in ihrer Gesamtheit dazu beitragen, den Konflikt beizulegen. Verdeckt werden auch die unterschiedlichen Ziele mit voneinander abweichenden Methoden, die ganz unterschiedlich ausfällt. Nicht jedes Verfahren ist in der Lage, den Konflikt beizulegen. Deshalb entscheidet die Auswahl des am Besten geeigneten Verfahrens über den Umfang und die Qualität der Konfliktbeilegung.

Die Unübersichtlichkeit ist ein Handicap, das der Wahl des optimalen Verfahrens zur Konfliktbeilegung im Wege steht. Sie bedingt nicht nur eine heterogene Terminologie. Sie erschwert auch die Verfahrensabgrenzungen und mithin die Nachfrage nach dem geeigneten Verfahren. Die nachfolgend herausgearbeiteten Kriterien sollen wie die Koordinaten einer Landkarte eine Systematik ermöglichen, mit der eine präzise Verfahrensauswahl möglich wird.

Sowohl die Parteien wie die Verwender müssen die Verfahren kennen, damit sie die richtigen Weichen stellen und eine maximale Unterstützung erwirken. Die Verfahrenssystematik stellt Kriterien heraus, mit denen sich die Verfahren kategorisieren lassen.

Fundstellen mit der Kategorie Systematik sind:

Die Verfahrensordnung

Die grundlegende Systematik beginnt mit der Verortung der Verfahren. Sie orientiert sich an einer Struktur, denen alle Verfahren zugeordnet werden können. Die sich daraus ergebende Verfahrensordnung bildet die oberste Gliederungsebene, die sich zunächst an den Streitinstanzen orientriert.

Streitinstanzen

Schon die Begriffe ADR, AKL, Streit- oder Konfliktbeilegungsverfahren führen zu Eingrenzungen oder Überschneidungen1 . Wenn sich die Verfahrenssystematik auf alle Verfahren erstrecken soll, darf sie sich nicht nur auf die außergerichtlichen Verfahren beschränken und auch nicht nur auf solche wo eine dritte Person beteiligt ist. Das erste Kriterium zur Einteilung der Verfahren orientiert sich deshalb an dem Rang der beteiligten Helfersysteme, der analog zur Konflikteskalation in Streitinstanzen eingeteilt wird.

Verfahren

Die Einteilung zwischen den monadischen, den dyadischen und den triadischen Verfahren entspricht den Streitinstanzen.

1. Streitinstanz

monadische Verfahren
Partei macht den Streit mit sich alleine aus

2. Streitinstanz

dyadische Verfahren
Partei hat Berater und Vertreter

3. Streitinstanz

triadische Verfahren
Partei wendet sich an eine neutrale Adresse

Kategorisierung

Die Streitinstanz erlaubt noch keine Unterscheidung der Verfahren innerhalb der Instanz. Deshalb ist nicht nur die Zahl der involvierten Helfer, sondern auch der an sie gerichtete Auftrag ein Maßstab, der eine Kategorisierung ermöglicht und innerhalb der triadischen Verfahren nahelegt. Der Auftrag stellt Anforderungen an die Bearbeitung und weist dem sogenannten neutralen Dritten dementsprechende Rollen zu. Die Rollenzuschreibung erlaubt eine eindeutige Unterscheidung und Zuordnung:

triadisch

Der Gesetzgeber verwendet den Begriff der Konfliktbeilegungsverfahren als Oberbegriff. Um den Unterschied von Streit und Konflikt herauszustellen und um aufzudecken, dass nicht jedes Verfahren in der Lage ist einen hinter dem Streit verborgenen Konflikt zu lösen, erscheint es präziser, wenn von Streit- und Konfliktbeilegungsverfahren gesprochen wird.

Entsprechend dem zugrunde liegenden Auftrag und den sich daraus ergebenden Herangehensweisen liegt - auf der obersten Gliederungsebene - die Unterscheidung zwischen den Verfahren der Streitentscheidung und denen der Streitvermittlung nahe. Gericht und Schiedsgericht sind die Prototypen der streitentscheidenden Verfahren. Innerhalb der Streitvermittlung ist die Mediation von der Schlichtung abzugrenzen. Auch hier dient der Arbeitsauftrag als Unterscheidungskriterium. Während es bei der Mediation um eine Verstehensvermittlung geht, handelt es sich bei der Schlichtung um eine Lösungsvermittlung.

Verstehensvermittlung Lösungsvermittlung

Beachten Sie bitte, dass die Systematik mit der Einführung des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes das Streitbeilegungsverfahren legal als ein Verfahren im Sinne des VSBG definiert und als Sonderfall der Konfliktbeilegungsverfahren eingeführt hat, ohne dass es sich dabei um eine eigenständige Kategorie handeln kann. Die dadurch entstandene Anomalie wird bei der Streitvermittlung explizit dargelegt und erörtert.

Streitvermittlung

Die Verfahrensmerkmale

Die Komplexität des Konflikts macht keinen Halt vor den Verfahren, die mehr oder weniger ebenso komplex sind. Deshalb würde es weder dem Konflikt noch dem Verfahren gerecht werden, wenn ihre Unterscheidung lediglich auf die Rolle des Helfers oder seinen Arbeitsauftrag reduziert wird. Die Auseinandersetzung mit der Definition der Mediation im Mediationsgesetz hat verdeutlicht, dass auch die Definitionsmerkmale im Gesetz Fragen offen lassen. Verlässlichere Abgrenzungskriterien ergeben sich erst, wenn die Verfahrensbeschreibung auf den Verfahrenscharakter abstellt2 .

Verfahrenscharakter

Der Verfahrenscharakter ist der Inbegriff des Verfahrens. Er erschließt, womit man es bei jedem einzelnen Verfahren zu tun bekommt. Die folgenden Merkmale helfen, den prägenden Charakter und die sich daraus ergebenden Verfahrensoptionen aufzudecken.

 Bitte beachten Sie:

Die nachfolgenden Ausführungen, Zusammenstellungen und Beispiele beziehen sich nur auf Prototypen und typische Herangehensweisen. Sie dienen nur dem Zweck, Ihnen einen Einstieg in den Umgang mit den Verfahren zu ermöglichen und deren Leistungsfähigkeit herauszustellen. Die Praxis kennt auch Mischformen und Kombinationen. Die Vertiefung ergibt sich aus den Verweisen.

Zielsetzung

Ein Ziel ist erforderlich, um einen Weg zu definieren. Das Handeln wird im Idealfall an einem Ziel ausgerichtet. Die Verfahren geben die Ziele mehr oder weniger vor. Die nachfolgende Tabelle stellt die unterschiedlichen Zielsetzungen vor. Eine Vertiefung finden Sie im Kapitel Verfahrensziele.

Verfahren Zielsetzung
Gericht Herbeiführung einer Rechtsentscheidung über einen streitigen Sachverhalt oder streitige Rechtsfragen
Schlichtung Herbeiführung einer Einigung über eine vorgegebene Fragestellung
Mediation Finden einer Lösung für eine herauszuarbeitende Fragestellung

Verfahrensziele

Strategie

Das Ziel hat Einfluss auf andere Eigenschaften des Verfahrens, insbesondere auf seine mögliche und naheliegende Verfahrensstrategie. Die Strategie beschreibt, wie das Verfahrensziel erreicht werden soll. Sie ist also unmittelbar mit der Zielsetzung des Verfahrens verknüpft. Die Verfahrensstrategie und die Konfliktstrategie sind nicht zwingend identisch. Wenn das Verfahren in die Konfliktstrategie passen soll, ergibt sich eine weitere Verknüpfung, die sich dem Verfahren nur dann erschließt, wenn es auch den Konflikt als solches im Blick hat. Inwieweit die Verfahren in der Lage sind, den Konflikt zu kontrollieren, klärt sich über das Kriterium der Konfliktkongruenz. Nicht alle Verfahren können eine vollständige Konfliktlösung herbeiführen. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die stratregischen Optionen. Eine Vertiefung finden Sie im Kapitel Verfahrensstrategien.

Verfahren Stratagie Bezug
Gericht Konfrontation, Kooperation möglich Verfahren
Schlichtung Kooperation, Konfrontation bedingt möglich Verfahren, Streit
Mediation Nur Kooperation Verfahren, Umgebung, Streit, Konflikt

Verfahrensstrategien

Rahmen

Das Verfahren beschreibt ein Vorgehen. Es könnte mit einem Container verglichen werden, der sich aus dem Rahmen und den möglichen Abläufen definiert. Eine vereinfachte Darstellung erlaubt die folgende Abgrenzung:

Verfahren Rechtsgrundlage Methoden
Gericht Verfahrensgesetz Subsumption
Güterichterverhandlung Verfahrensgesetz Konfliktbeilegung
Schlichtung Vereinbarung Bewertung
Mediation Vereinbarung Verstehensvermittlung

Die Analogie zu Containern erlaubt die präzise Abgrenzung und Kombination der Verfahren, sodass sie in ihrer Summe eine vollständige Konfliktbeilegung ermöglichen. Die mit dem Rahmen jeweils gesetzten Bedingungen ist ausschlaggebend für die Verwendung der Methoden. Sie weisen den Verfahren Vorgehensweisen zu, deren Ausprägungen wie folgt gegeneinander abzugrenzen sind:

Containertheorie

Fokus

Die Zielsetzung ergibt nicht nur den Weg, sondern auch den gedanklichen Fokus des Verfahrens vor. Wenn das Ziel darin besteht, eine Rechtsentscheing über eine vorgegebene Frage zu treffen, richtet sich der Fokus auf die Entscheidung, also das herbeizuführende Ergebnis. Die Mediation wird oft als ein lösungsorientiertes Verfahren bezeichnet. Diese Auffassung will unterstreichen, dass es um eine Lösungssuche geht. Bei genauem Hinsehen wird das Denken an die Lösung in der Mediation aber gerade verhindert und auf den Weg ausgerichtet, Die Lösung stellt sich aus dem Mediieren her. Den Schwerpunkt des Verfahrens bildet die Interessenerhellung. Aus ihr ergeben sich die Nutzenkriterien, an denen die Lösung ausgerichtet wird. Die Mediation ist wegen des auf den Nutzen gerichteten Verfahrensschwerpunktes ein nutzenorientiertes Verfahren. Die jeweilige Verfahrensorientierung ergibt sich aus dem Verfahrensschwerpunkt. Zu unterscheiden sind eine Ergebnisorientierung, eine Lösungsorientierung, eine Positionsorientierung und eine Nutzenorientierung. Die folgende Tabelle stellt den unterschiedlichen Fokus der Verfahren heraus. Eine Erläuterung der Eingaben finden Sie im Kapitel Fokus.

Verfahren Schwerpunkt
Gericht Ergebnisorientierung
Güterichterverhandlung Ergebnis- ggfalls Lösungsorientierung
Schlichtung Lösungsorientierung
Mediation Nutzenorientierung

Verfahrenschwerpunkte

Handhabung

Jedes Verfahren hat eigene Mittel, mit dem sein Ziel verfolgt wird. Mit dem Kriterium der Handhabung wird das Mittel zum Verfahrensschwerpunkt in Beziehung gesetzt. Die Handhabung beschreibt also die Bearbeitungsschwerpunkte der Verfahren anhand der zu verwendeten Arbeitsmittel. Wenn beispielsweise bei der Entscheidung des Gerichts die Klärung von Sachverhalts- und Rechtsfragen im Vordergrund steht, sit seine handhabe die Rechtsfindung. Die nachfolgende Tabelle beschreibt die jeweilige Handhabe, sodass die Zuordnung der Arbeitsmittel möglich wird.

Handhabung Verstehensvermittlung

Kommunikation

Jedes Verfahren zeichnet sich durch eine zum Verfahren passende Kommunikation aus, die sich in Mustern niederschlägt. Die Kommunikationsmuster werden als Kommunikationsmodelle bezeichnet. Das Kommunikationsmodell verändert sich abhängig von der Rolle des neutralen Dritten und der strategischen Ausrichtung des Verfahrens. Die Kommunikation im Verfahren verfolgt den vom Verfahren vorgegebenen Zweck.

Beispiel Orientierung am Dritten: Gibt es einen Entscheider, werden die Parteien ihre Kommunikation auf ihn ausrichten, damit er die gewünschte Entscheidung trifft. Weil die Mediation keinen Entscheider hat, verursacht sie ein völlig anderes Kommunikationsmodell.


Die Ausrichtung der Kommunikation wird an Kommunikationsachsen festgemacht. Im Gericht beispielsweise sind die Achsen auf den Richter ausgerichtet. Die Mediation verändert die Achsen, sodass am Ende eine direkte Kommunikation zwischen den Parteien möglich ist. Wie die Kommunikationsachsen bedient werden ergibt sich aus dem Kapitel über die Kommunikationsmodelle.

Kommunikationsmodell 

Ein weiteres Merkmal des Kommunikationsmodells ist die Möglichkeit zur Beeinflussung der neutralen Dritten Person. Die Beeinflussung korrespondiert mit ihrer Verantwortlichkeit und lässt sich für die Verfahren wie folgt gegenüberstellen:

Verfahren Beeinflussung Kontrolle
Gericht Einflussnahme auf die Entscheidung Befangenheit
Schlichtung Einflussnahme auf die Bewertung Abbruch
Mediation Indetermination verhindert Einflussnahme Abbruch

Die Bearbeitungsmerkmale

Jedes Verfahren verfolgt den Zweck einer Streit- oder Konfliktbeilegung. Wenn die Verfahrenskriterien herausgearbeitet werden, dürfen Sie sich also nicht ausschließlich auf das Verfahren selbst beziehen. Die Leistungsfähigkeit eines Verfahrens ergibt sich erst mit dem Blick auf die Möglichkeiten der Fallbearbeitung. Besonders bei der Mediation ist eine Unterscheidung zwischen der Verfahrensebene und der Fallebene angebracht. Der Blick auf die Möglichkeiten zur Fallbearbeitung ergibt die Kriterien, mit denen die Bearbeitungsmerkmale herausgestellt werden können:

Kontinuum

Wenn das Verfahren als einen Weg zur Konfliktlösung gesehen wird, muss erkennbar sein, welcher Weg zum vorgegebenen Ziel führt. Wege führen durch einen Raum, wo Himmelsrichtungen die Orientierung geben. Wenn der Raum zur Konfliktbeilegung als ein Universum der Konfliktbeilegungsverfahren beschrieben wird, ergibt das Kontinuum Eckdaten, die eine Aussage über die Komplexitätsbewältigung erlauben. Mithin erlaubt das Kontinuum der Streitbeilegungsverfahren eine erste und grundlegende, für alle Verfahren gültige Dimensionierung, an der die Konfliktbearbeitungsfähigkeit der Verfahren zu messen ist. Das Kontinuum der Streitbeilegung setzt sich aus den Dimensionen Fakten, Emotionen, Positionen, Interessen und Bedürfnisse und gegebenenfalls der Dimension Zeit zusammen. Die Belegung der Dimensionen dieses Kontinuums ergibt sich aus den verfahrenstypischen Bearbeitungsschwerpunkten. Sie legen zugleich die auf den Konflikt bezogene Bearbeitungstiefe fest. Es liegt auf der Hand, dass ein Verfahren, welches die Komplexität auf Positionen und Fakten reduziert, kaum in der Lage ist, eine vollständige Konfliktbeilegung herbeizuführen. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Übersicht, welche Streitdimensionen typischerweise von den Verfahren bedient werden. Eine Beschreibung der Eingaben enthält das Kapitel Kontinuum.

Verfahren Kontinuumsdimensionen
Gericht Fakten, Positionen
Schlichtung Fakten, Positionen, Interessen
Mediation Fakten, Positionen, Emotionen, Bedürfnisse

Verfahrenskontinuum 

Ebenen

Die Mediation wird als ein sachliches Verfahren beschrieben. Damit kann nur die Kommunikationsweise gemeint sein. Genauer wäre es wenn die Mediation als ein verstandesorientiertes, reflektierendes Verfahren beschrieben wird. Keinesfalls verhaftet sie die Kommunikation auf der Sachebene. Die Kommunikation erfolgt auf verschiedenen Ebenen die von den Verfahren unterschiedlich angesprochen werden. Zu unterscheidne sind die bereits erwähnte Sachebene, die Emotions- oder Beziehungsebene, Ich- und Du-Botschaften, um nur die Ebenen des Kommunikationsquadrates aufzuzeigen. Eine weitere, nur selten erwähnte Ebene ist die Metaebene. Sie ist naturgemäß sachlich, also emotions- und konfliktfrei und wird außer in der Mediation in keinem anderen Verfahren ausdrücklich vorbehalten. Wie diese Ebene in einem Verfahren, das selbst als ein Metaverfahren zu beschreiben ist vorgehalten werden kann, ergibt sich aus dem Kapitel Systemik.

Systemik 

Durch die Systemik der Mediation wird mehr oder weniger zwangsläufig eine Metaebene zu dem Fall und zu sich selbst, also dem Verfahren, hergestellt. Wer aber liefert die Metaebene über alle Verfahren, die bei der Konfliktlösung neben-, nach- oder miteinander zusammentreffen? Ein explizites Verfahren, das diese Funktion erfüllt, gibt es nicht. Es gibt allerdings ein virtuelles Verfahren4 , das dazu in der Lage ist. Indirekt erfolgt die Kontrolle auch innerhalb einer Mediation, wenn der Mediator die sogenannten Parallelprozesse im Auge behält. Ideal wäre es, wenn die Landschaft der Streit- und Konfliktbeilegungsverfahren um ein solches Verfahren erweitert wird. Lediglich Ansätze dazu ergeben sich im Clearing, das allerdings auch noch weit davon entfert ist, sich als ein nachzufragendes Verfahren zu etablieren.

Metaverfahren

Konfliktkongruenz

Wenn es den Parteien darauf ankommt, die für ihre Konfliktbeilegung ideale Unterstützung herauszufiltern, lautet die entscheidende Frage, inwieweit das Verfahren überhaupt in der Lage ist, den Konflikt abzudecken. Die Bedeutung der Frage erschließt sich, wenn zwischen Streit und Konfliktbeilegungsverfahren unterschieden wird. Im Gericht beispielsweise konzentrieren sich die Verfahrensbeteiligten auf die Problemlösung, ohne den dahinterliegenden Konflikt überhaupt im Blick zu haben. Ein Mediator beginnt das Verfahren mit einer Konfliktanalyse. Er sollte deshalb zumindest den Wirkungsgrad der Mediation genau beschreiben können. Auf die Verfahren bezogen klärt sich die Erreichbarkeit des Konfliktes mit dem Kriterium der Konfliktkongruenz beschreiben. Die nachfolgende Grafik überträgt die möglichen Überlagerungen. Die Verfahren die eine volle Konfliktdeckung ermöglichen, sind in dunklem Oker dargestellt. Das helle Oker kennzeichnet die Konfliktüberlagerungen anderen Verfahren.

Verfahrenseinteilung


In der Literatur wird ein Konfliktzuweisungsprinzip5 erwartet, sodass eine Verfahrensordnung hergestellt wird, die nach Konflikten differenziert. Leider lassen sich die Konflikte nicht auf die Grenzen der Verfahren ein und reduzieren sich auch nicht auf das zu lösende Problem.

 Merke:

3271 - Das Verfahren ist ein Wegbegleiter im Konflikt. Das Verfahren, das die größte Konfliktkongruenz aufweist, hat die besten Chancen zu einer vollständigen Konfliktlösung.

Konfliktkongruenz  Abgrenzungen 

Die Ausprägungen

Weitere Anhaltspunkte zur Unterscheidung der Verfahren sind die Verfahrensausprägungen. Sie werden oft als Kriterien aufgeführt, um den Unterschied zwischen der Mediation und anderen Verfahren herauszustellen. Im Grunde handelt es sich um Verfahrenseffekte, die sicher dazu beitragen, die unterschiedlichen Spielarten der Verfahren herauszustellen. Die Verfahrensausprägungen erlauben eine graduelle Gegenüberstellung der Verfahren.


Verfahrenseffekte und -ausprägungen 

Hilfe bei der Verfahrenswahl

Die den Verfahrenscharakter ergebenden Kriterien beeinflussen sich wechselseitig. Eine Mediation beispielsweise erlaubt keine Konfrontation. Ein entscheidungsbasiertes Verfahren richtet die Kommunikationsachsen auf den Entscheider aus. Ein Gerichtsverfahren reduziert die Dimensionen des Streitkontinuums auf die Sachebene. Wenn die Parteien und deren Berater eine Konfliktlösung herbeiführen wollen, müssen Sie bei der Auswahl des dazu passenden Verfahrens alle den Verfahrenscharakter bestimmenden Aspekte im Blick haben, um zu entscheiden, ob sie für den konkret zu lösenden Konflikt ausreichend und geeignet sind.

Zusammenstellung

Die Kriterien anhand derer die Verfahren gegeneinander abgegrenzt und auf den Konflikt bezogen werden können lassen sich wie folgt zusammenstellen:

Nähere Ausführungen zu den einzelnen Kriterien finden Sie, wenn Sie auf den Link in der vorstehenden Liste klicken. Sie habe auch die Möglichkeit die Tabelle zu filtern und zu sortieren, um die Bedeutung und das Wechselspiel der Kriterien besser erkennen zu können.

Auswahl

Die Verfahren verfolgen keinen Selbstzweck (zumindest sollten Sie es nicht). Wenn sie die Parteien auf einem Stück ihres Weges zur Konfliktbeilegung begleiten sollen6 , beinhaltet die Entscheidung für das passende Verfahren zugleich eine Entscheidung über den "richtigen" Weg zur Streit- oder zur Konfliktlösung. Die Auswahl ist groß. Kaum eine Partei ist in der Lage, die komplexe Vielfalt des Angebots zu durchblicken. Das Verfahrensverzeichnis soll helfen, die richtige Wahl zu treffen.

Verfahrensverzeichnis  Abwägungen

Immanente Prüfung

Bei jeder Dienstleistung bzw. jeder Inangriffnahme eines Verfahrens muss seine Statthaftigkeit bzw. Geeignetheit überprüft werden. Die Prüfung beschränkt sich nicht auf den Beginn des Verfahrens. Sie zieht sich über das ganze Verfahren hinweg. Wenn es sich herausstellt, dass das Verfahren die vorgesehenen Zwecke nicht erreichen kann, ist es abzubrechen oder zu wechseln. Es ist die Pflicht des jeweiligen Dienstleisters oder Verfahrensverantwortlichen, diese Prüfung durchzuführen.

Auswahlverfahren

Verfahrenskontinuum
Es ist eine besondere Herausforderung, dass jedes Verfahren seine Statthaftigkeit oder Geeignetheit immanent zu überprüfen hat, um sich für zuständig zu erklären. Aus gutem Grund gibt es Modelle (z.B. das Multidoor Courthouse oder das Clearingverfahren), implizit auch die integrierte Mediation, die versucht, das Auswahlverfahren an einer gedachten Meta-Ebene der Verfahren anzusiedeln und aus dem Selbstprüfungsprozess herauszutrennen. Selbständige Clearingverfahren geben eine höhere Gewähr für eine neutrale und verfahrensübergreifende Verfahrensberatung.


Es macht Sinn, jedem Verfahren eine neutrale Clearinginstanz vorzuschalten, um die Beratung für oder gegen ein Verfahren von den merkantilen Interessen der Berater zu lösen und um alle Aspekte zu bedenken, die helfen, die Nützlichkeit eines Vorgehens zu beschreiben.

Verfahrensberatung

Eine professionelle Verfahrensberatung wird die neben der Konflkiktkongruenz auch die Risikohaftigkeit (Erfolgsträchtigkeit) und die Nützlichkeit des Verfahrens überprüfen. Die erforderlichen Prüfungsschritte sind in dem Prüfungsschema für Mediation und die dazu gehörige Checkliste eingearbeitet. Es versteht sich von selbst, dass diese Prüfung nur dann gelingt, wenn die Verfahren im Wettbewerb stehend betrachtet werden und als gegeneinander abzugrenzen bekannt sind. Der Wiki-to-Yes Verfahrensbrowser soll dazu beitragen, dass bei der Abwägung und Auswahl kein einschlägiges Verfahren übersehen wird:

Formular: Prüfungsschema Verfahrenswahl Verfahrensmanagement 

Fundstellen mit der Kategorie Verfahren sind:

Bedeutung für die Mediation

Die Auseinandersetzung mit der systematischen Einteilung der Verfahren in der Landschaft der Streit- oder Konfliktbeilegungsverfahren liefert alle Kriterien, die es den Parteien wie den Verwendern erlaubt, das für sie passende Verfahren herauszufinden. Die Kriterien der Systematisierung wirken sich auch auf die Varianz der Meditation aus. Nicht nur weil ihre Wesenhaftigkeit besser zum Ausdruck kommt, sondern auch weil sich die Vielfalt unterschiedlichster Mediationsangebote besser kategorisieren lässt. Eine klare, an das Wesen der Verfahren ausgerichtete Struktur ist das Fundament an dem sich auch neu entwickelte Verfahren orientieren lassen, sodass sich Anomalien7 , die sowohl den Verbraucher wie den Verwender irritieren, vermeiden lassen.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-12-29 11:09 / Version 279.
Alias: System, Verfahrenssystematik, C02-Systematik, Verfahrenslandschaft
Siehe auch: Klassifizierungen der Mediation, Verfahrensabgrenzungen, Verfahren als Wegbegleiter, Verhandlung, Entscheidungsprozesse
Diskussion im Forum Diskussion unter dem Beitrag Systematik
Literaturhinweis: Trossen (un-geregelt) S. 73 ff
Geprüft: Arthur Trossen

1 Abgesehen von dem zu bereinigenden Fachwörterbuch ist eine abgestimmte Systematik ebenso fehlend wie erforderlich
3 Es wird von einer breiten Bandbreite an Schlichtungen ausgegangen, die auch das VSBG einschließt
4 Das Vorgehen (Verfahren) wird nach den Grundsätzen der Integrierten Mediation durchgeführt
5 Greger (Recht der Konfliktlösung) Teil A Rdnr. 36 S. 12
6 Siehe Optionen
7 Siehe die Ausführungen zur Streitvermittlung
© Wiki to Yes: Trossen, Arthur "Systematik" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Systematik