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Seiten-ID: 625 Die Bestandsaufnahme des Streites A) Abteilung »  03. Wissen B) Inhalt »  04. Prozess (Mediation) »  Ablauf

Methode #22.Phase


Die Bestandsaufnahme


Die Methoden bilden die Phasen der Mediation ab.1 Sie beschreiben die Vorgehensweisen. Die Bestandsaufnahme ist die Methode der zweiten Phase. Sie soll klären, was genau zu regeln ist. Die zentrale Frage lautet:

Methoden der Mediation

Die arabischen Ziffern bezeichnen die Phasenzugehörigkeit:

  1. Initialisierung
  2. Bestandsaufnahme
  3. Verstehen und Vermitteln
  4. Lösungssuche und Verhandeln
  5. Manifestation

Durchgängig anzuwenden:

Was soll geregelt werden? 


Es ist wieder eine komplexe Frage. Sie will verstehen, worüber gestritten wird. Es geht darum, herauszufinden wer was von wem will. Das Warum ist dabei von untergeordneter Bedeutung, wenn es nicht den Beweggrund anführt. Argumente helfen, den Streit zu verstehen. Damit ist ihre Bedeutung erschöpft, denn die Aufgabe der Bestandsaufnahme ist es NICHT, zu argumentieren. Es geht also nicht darum, den Parteien einen Raum zu geben, ihre Lösungen zu "verkaufen" sondern darum, Lösungen zu finden.

Zielsetzung

Die methodische Zielsetzung der Bestandsaufnahme erschöpft sich somit darin, zu erkennen, warum was zu regeln ist. Sie mündet in die Themensammlung, wo die verschiedenen Herangehensweisen beschrieben werden. Eine Kontrollfrage zur Prüfung, ob die Bestandsaufnahme abgeschlossen werden kann, lautet: Wenn zu dem geschilderten Problem eine Lösung gefunden wurde, ist der Konflikt damit beigelegt?

Beispiel 11572 - Es geht um einen Mobbingfall. Zwei Mitarbeiter streiten miteinander. Die ganze Abteilung ist betroffen. Der Auftraggeber meint, Mitarbeiter A sei das Problem. Er beantwortet die Frage des Mediators: Wenn Mitarbeiter A gekündigt wird, ist das Pfroblem erledigt? mit Nein. Es wird aslso deutlich, dass weitere Themen im Raum stehen, über die zu reden ist.

Erarbeitung

Die Bestandsaufnahme wird dadurch ermöglicht, dass die Parteien, nicht die Vertreter oder Beistände den Fall aus ihrer Sicht schildern. Beachten Sie bitte, dass die Mediation die Bestandsaufnahme stets eigenständig und gegebenenfalls neu durchführt. Sie wird also auch dann durchgeführt, wenn schon Klageschriften usw. vorliegen. Eine Bezugnahme darauf oder auf die Vorkorrespondenz sollte der Mediator nicht zulassen.

Konfliktkongruenz

Die Bestandsaufnahme verbindet sich mit der Konfliktanalyse. Es würde keinen Sinn machen, Probleme anzusprechen, die mit dem eigentlich zu lösenden Konflikt nichts zu tun haben. Es macht hingegen viel Sinn Themen zu identifizieren, die den Konflikt repräsentieren. Übereinstimmung von Themen bzw. Verfahren und Konflikt wird Konfliktkongruenz genannt. Das bedeutet: Wenn zu dem Thema eine Lösung gefunden wurde, sollte der damit repräsentierte Konflikt (und nicht nur ein Teil davon) erledigt sein.

 Merke:
Leitsatz 3412 - Ein geschickter Mediator achtet darauf, dass sich die Konflikte in den Themen wiederfinden lassen.

Was so einfach klingt ist in der Praxis nicht immer leicht. Hierzu einige Beispiele aus der Praxis:

Beispiel 12257 - Manche Menschen streiten um des Streitens willen, ohne dass sie dem Anderen gegenüber konkrete Forderungen stellen. Die Frage des Mediators: "Was soll die Gegenseite tun?", wird mit einem Achselzucken beantwortet. Der Mediator wird dann tiefer einsteigen müssen, um genau zu verstehen was das Problem ist, das den Streit zwischen den Parteien auslöst.

Beispiel 12258 - Dann passiert es öfter, dass die eine Partei Forderungen stellt, wogegen sich die andere Partei vehement verweigert. Angenommen die eine Partei möchte 1000 €. Die Gegenpartei argumentiert, dass diese Forderung völlig unberechtigt sei. Der Mediator mag fragen, ob die Gegenpartei bereitet ist, einen Teil davon zu begleichen. Möglicherweise antwortet diese daraufhin: "Ja maximal 500 €". Der Streit hat in dem Moment eine andere Dimension bekommen.

Beispiel 12259 - Die eine Partei schlägt als Thema vor, über den Zustand der Beziehung zu verhandeln. Die Gegenseite verweigert sich: "Darüber rede ich nicht! Das Beziehungsthema ist erledigt". Der Mediator sagt: "Es wäre hilfreich für Sie, wenn die Gegenseite sie nicht mehr behelligt und einsieht, dass die Beziehung erledigt ist". Die Partei bestätigt. Der Mediator fragt: "Wie möchten Sie das erreichen ohne darüber zu sprechen?". Das Thema ist akzeptiert.

Beispiel 12260 - Beim Schach ist die Einschätzung der Spielsituation der wichtigste Schritt, um den nächsten Zug planen zu können. Eine ähnliche Funktion hat die Bestandsaufnahme in der Mediation. Es geht darum, die Situation in der sich die Parteien befinden und die durch den Streit markiert wird, korrekt einzuschätzen.

Werkzeuge

In dieser Verfahrensinstanz ist nicht mehr erforderlich, als eine Analyse des Konfliktes und des Sachverhaltes, bzw. der daraus resultierenden Fragen. Bei der Analyse helfen folgende Werkzeuge (Techniken):

Zusammenstellung der Werkzeuge zur Bestandsaufnahme
Die nachfolgende Liste ist ein Auszug aus der Werkzeugdatenbank gefiltert nach der Methode "Bestandsaufnahme"


Neuer Begriff mit Definition

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Bedeutung für die Mediation

Die Gefahr der Bestandsaufnahme besteht darin, dass sich die Parteien in der Begründungssemantik verlieren. Der Mediator sollte sich also (lediglich) darauf konzentrieren, die Positionen festzustellen und die dazu führenden Argumente zur Kenntnis zu nehmen und gegebenenfalls auf Schlüssigkeit zu prüfen. Aus den widersprüchlichen Positionen wird ein Thema herausgearbeitet und in die weitere Bearbeitung überführt.

Hinweise und Fußnoten

Aliase: Faktensammlung
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1 Siehe die Gegenüberstellung der Phasen und Methoden auf Methodik
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator und Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Donnerstag Oktober 7, 2021 12:32:26 CEST von Administrator.