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Deeskalation

Im Beitrag Eskalation wurden die Hintergründe und Phänomene der Eskalation beschrieben. Wenn die Eskalation die falsche Strategie ist, stellt sich die Frage, wie der Konflikt eskaliert werden kann.




Konflikte entschärfen

Einführung

Unter einer Deeskalation wird die stufenweise Verringerung oder Abschwächung eingesetzter (militärischer) Mittel verstanden. Auf den Konflikt bezogen beschränkt sich die Deeskalation nicht auf auf strategische Überlegungen. Hier wird es erforderlich, sich mit den Hintergründen und Befindlichkeiten auseinanderzusetzen, die einen Menschen überhaupt erst zur Eskalation bewegen. Auch bedeutet eine Deeskalation in diesem Zusammenhang auch schon die Verhinderung einer weiteren Eskalation des Konfliktes. Eine erste Einfürhung und einen Überblick liefert das folgende Video:

Handlungsoptionen

Wenn Sie nach dem Begriff Deeskalation goolgeln, finden Sie eine Menge schlauer Hinweise. Das Angebot reicht von 4 Tipps zur Deeskalation von Konflikten oder 5 Tipps, um jeden Streit zu lösen über 6 Punkte zur Deeskalation eines Konfliktes oder Konflikte lösen! 7 Tipps, um Konflikte zu entschärfen! oder 12 Tipps im Umgang mit Konflikten - Konfliktkultur usw. Leider gibt es keine Formel und auch kein Patentrezept. Auch wenn Sie Schemata wiedererkennen, ist der Mensch doch einzigartig genug, um auf die mindestens ebenso vielfältigen Situationsvarianten und Streitparteien nicht stereotyp zu reagieren. Der Blick richtet sich also darauf, was das Verhalten ausmacht, was den Menschen zur Eskalation bewegt. Wieder beeinflusst die Komplexität die Handlungsempfehlungen.

Handlungsoptionen in der Mediation

Im Kontext der Aufgabenstellung von Wiki to Yes wird die Deeskalation nicht generell, sondern unter den Bedingungen einer Mediation beschrieben. Auch hier gibt es weder einen Königsweg noch ein Patentrezept. Es hilft jedoch, wenn man den Mechanismus der Mediation und ihre Wirkung auf das Konfliktverhalten der Parteien kennt und die Möglichkeiten ausschöpfen kann, wie die Mediation mit der Eskalation zurecht kommt und wo deeskalierende Momente möglich sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es keine monokausal wirkende Intervention gibt. Auch wird die schlaue Superfrage des Mediators kaum dazu beitragen, dass die Parteien plötzlich von der Eskalation ablassen können. Ausschlaggebend sind die vielen kleinen Maßnahmen und Schritte, die sich mit der Mediation verwirklichen lassen. Dabei sind unterschiedliche Ansätze zu unterscheiden und gegebenenfalls zu koordinieren.

Mediative Ansätze

Im Vordergrund steht natürlich die Mediation selbst. Sie liefert bereits eine Menge an Optionen, die ihren Einfluss dann entfalten können, wenn sie korrekt, in der richtigen Reihenfolge und im richtigen Moment ausgeführt werden. Die Schritte und Zusammenhänge sind in der Mediationslogik und dem dahinter liegenden Erkenntnisprozess dargelegt. Um die Wirkung auf die Deeskalation herauszustellen, sollen die wichtigsten Schritte hier zusammengefasst werden:

  1. Die Zielvereinbarung wird auf den Frieden gerichtet und entsprechend manifestiert. Sie muss ernst gemeint sein und die Parteien müssen den Frieden wirklich wollen. Ein bedingter Wunsch wäre ausreichend, ebenso wie die Skepsis, dass dieses Ergebnis erreicht werden kann, den Prozess nicht im Wege steht.
  2. Die streitigen Argumente werden vorgetragen und zunächste lediglich erfasst und gegenübergestellt, nicht diskutiert. XDie Parteien sollen aus dem Argumentationsmodus herausgenommen werden. Sie sollen lernen, den Widerspruch zu ertragen.
  3. Die Motive und Bedürfnisse werden zusammengetragen. Der Blick wird vom Gegner mithilfe des präzisen Zuhörens und der Windows-Technik (Windows 1) zurückgelenkt. Damit werden Angriffe ähnlich wie beim Aikido ad absurdum geführt.
  4. Bevor das Verhandeln beginnt, haben die Parteien die jeweils andere Sicht nachvollzogen. Sie stimmen zwar noch nicht zu, können aber die Glaubenssätze der jeweils anderen Seite nachvollziehen.

Strategische Ansätze

Die Mediation gelingt nur mit der Kooperation. Die Mediation kennt keinen Krieg. Es ist also schon etwas Friedensarbeit, wenn die Parteien allein in dem strategischen Konzept der Mediation gehalten werden. Beiträge zur Deeskalation sind deshalb:

  1. Die Einrichtung des geschützten Raumes und die auf ein isoliertes Verfahren bezogene Abgrenzung bildet, strategisch betrachtet, eine Exklave innerhalb der KEINE Konfrontation stimuliert wird. Die Konfrontation bleibt außerhalb.
  2. Der Mediator beteiligt sich NICHT an dem Konfrontationsspiel. Seine Rolle als Repräsentant der Metaebene verhindert eine operative Beteiligung. Der Grundsatz der Indetermination unterstreicht seine Rolle. Je höher der Konflikt eskaliert ist, umso deutlicher muss er sich von der operativen Ebene distanzieren. Die Mediation darf kein Werkzeug sein, mit dem die Parteien den Mediator instrumentatlisieren.
  3. Wenn die Parteien trotz der Zusage in der Zielvereinbarung von der Konfrontation nicht ablassen können, werden Hinweise auf den Konflikt deutlich. Wenn Mediationsfehler auszuschließen sind, führt die zu thematisierende Beobachtung des Mediators dazu, dass die Konflikteigenschaften auch für die Parteien sichtbar werden.
  4. Nach der Lehre der Konfliktevolution suchen die Parteien stets die nützlichste Strategie, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Wenn sie sich der Mediation nicht hingeben können, sollte der Nutzen des Verfahrens abgestimmt werden. Auch wenn die Parteien in Gewinnen und Verlieren Gedanken hängen bleiben, schließt das die Mediastion nicht aus. Der Vorteil des Gewinnens würde spätestens in der WATNA/BATNA Instanz thematisiert und dem Ergebnis der Mediation gegenübergestellt werden. Der Mediator mag hervorheben, dass die Mediation den Vorteil hat, auf den Nutzen zu achten und alle möglichen Lösungen in verschiedenen Zeitabschnitten in Betracht zieht, um daraus die beste, nachhaltige Lösung für die Parteien zu entwickeln. Dieser Gedanke könnte ein Motiv zur Durchführung der Mediation darstellen.

Systemische Ansätze

Der Blick auf die Parteien genügt nicht. Der Mediator muss das ganze Streitsystem mit seinen Umwelteinflüssen im Blick haben. Zum Streitsystem gehören auch die Anwälte, die bereits gebildeten Lager usw. Beiträge zur Deeskalation sind deshalb:

  1. Anreize und Stimulanzen, denen die Parteien über das äußere Umfeld ausgesetzt sind, müssen thematisiert werden.
  2. Wenn beispielsweise der Anwalt einer Partei behauptet, dass die Partei das Gerichtsverfahren gewinnen würde, ist der Anreiz zur Kooperation bei der Partei nur bedingt vorhanden. Der Mediator kann mit Hilfe der Mäeutik die Verlässlichkeit des Rates hinterfragen. Gegebenenfalls kann er die Personen (wie zB den Anwalt) in die Mediation aktiv einbeziehen.
  3. Die Positionierung des Mediators (der Mediation) als Metaebene ist ein wichtiges systemisches Element. Sie erlaubt es, das Verhalten der Parteien im Streit sichtbar werden zu lassen und den Blick auf das Streitsystem zu lenken. Sie nimmt den Mediator aus der operativen Streitebene heraus, sodass die Parteien ihn nicht als strategisches Vehikel für ihre Konfrontation nutzen können. Oft ist gerade dieser Umstand ein unbewusstes Argument für die Parteien, die Mediation abzubrechen1 .

Psychologische Ansätze

Wie die Ausführungen im Beitrag Eskalation belegen, ist das Gefühl von erlebter Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit der Motor für das Konfliktverhalten. Die Reduktion der Komplexität und die einseitige Sicht vermitteln der Partei ein Gefühl von Handlungsfähigkeit und suggerieren eine mögliche Lösung. Beiträge zur Deeskalation sind deshalb:

  1. Der Erkenntnisprozess der Mediation weist den Weg in die Auseinandersetzung mit genau diesen Fragen. Die Auseinandersetzung erfolgt an der richtigen Stelle, nachdem die Parteien die Argumente vorgetragen (aber nicht diskutiert und erörtert) haben.
  2. Die Parteien haben (jetzt endlich) die Gelegenheit, Ihre Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen. Sie werden die Betroffenheit in Angriffen an den Gegner verkapseln. Der Mediator muss die Ich-Botschaften heraushören und den Kontrast zur Betroffenheit an seinem Ziel herausarbeiten das zu erreichen sich die Parteien wünschen würden.
  3. Der Mediator wird merken ob und wie sich die Parteien den Gedanken nähern können. Er wird auch bemerken, dass mehrere Anläufe braucht, bis sich positive Gedanken etablieren können. Der Ratgeber listet ebenso wie das Werkzeugverzeichnis eine Reihe von Techniken und Interventionen auf, die Einfluss auf die Gedanken nehmen und sie in eine positive Sicht verändern. Beharrlichkeit und die Trial and Error Methode werden in kleinen Schritten zum Erfolg führen.
  4. Die Aufdeckung von Wahrnehmungsfehlern erfolgt über das präzise Zuhören.
  5. Der Konflikt an und für sich und nicht die situationsbedingten Auswüchse wird in den Fokus genommen und thematisiert.
  6. Die Sicht auf die Partei selbst mag helfen, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen. Techniken wie das Coping, das Empowerment usw., wenn das präzise Zuhören keine ausreichende Wirkung zeigt.
  7. Um die Parteien aus den negativen Gedanken herauszuholen helfen Konflikttechniken wie z.B.die Wunderfrage, der Zauberstab usw.
  8. Die Parteien werden (auf sanfte Weise) mit ihrem eigenen Konflikt konfrontiert und müssen sich damit auseinandersetzen

Kommunikative Ansätze

Wie die Ausführungen zur Eskalation haben ergeben, dass die Kommunikation prasitär für den Konflikt genutzt wird. Beiträge zur Deeskalation sind deshalb:

  1. Die Entschleunigung führt zu einer Umwandlung der Konfliktenergie.
  2. Die Kommunikation ist rekursiv und nicht linear.
  3. Eine zirkuläre Kommunikation wird aufgelöst, etwa durch Metakommunikation, eine paradoxe Intervention
  4. Die Begründungssemantik wird durch die Mediationslogik und das Verhandlungskonzept der Mediation durchbrochen.
  5. Techniken wie das Umformulieren, das Umwidmen, naive Fragen, Analogien, Metaphern usw. tragen dazu bei, dass die Parteien ihre Glaubenssätze hinterfragen.

Kognitive Ansätze

Die Mediation setzt eine gedankliche Verarbeitung des Problems des Konfliktes voraus. Weil sie Parteien sind, die eine Lösung zu finden haben besteht die Aufgabe der Mediation bzw. des Mediators darin, die dazu führen Gedanken sichtbar und möglich werden zu lassen. Beiträge zur Deeskalation sind deshalb:

  1. Die Phasenlogik steuert den Erkenntnisprozess der Parteien, indem die Gedanken in Abschnitte unterteilt werden. Die Parteien werden daran gehindert zu argumentieren und an Lösungen zu denken, wenn nicht die Zeit dafür gekommen ist.
  2. Die Nutzen- und Prozessorientierung der Mediation lenkt von der Konfliktstrategie der Parteien ab und hindert daran, sie zu verwirklichen.
  3. Der Mediator weiß, welche Erkenntnisse den Prozess im Wege stehen und welche Erkenntnisgewinne zu ermöglichen sind, damit die Parteien den Weg zur Lösungsfindung gehen können.
  4. Prinzipien wie die Eigenverantwortlichkeit und die Freiwilligkeit machen die Mediation zu einem selbstregulierenden Prozess.

Herausforderungen

Die grundlegende Herausforderung besteht wohl darin, die Mediation zu verwirklichen. Der Mediator muss ihre Funktionsweise kennen, um die in der Mediation verborgenen Möglichkeiten auszuschöpfen.

Weil die Parteien bemerken werden, dass ihre Konfrontationsspielchen in der Mediation nicht gelingen, werden sie versuchen, aus der Mediation auszubrechen. Es wird Ihnen leicht fallen, einen Grund zu finden, mit dem sie den Gegner für den Abbruch der Mediation verantwortlich machen können. Der Mediator muss also verhindern, dass solche Gründe aufkommen oder als solche ausgelegt werden können.

Die Flexibilität des Verfahrens und die Kreativität des Mediators erlauben es, nahezu jede Herausforderung anzunehmen. Über die reguläre Verwirklichung der Mediation hinaus, können Vereinbarungen (wie z.B. eine Waffenstillstandsvereinbarung) getroffen werden, um die Durchführung der Mediation sicherzustellen. Einzelgespräche ermöglichen es, sich - soweit erforderlich - auch hinreichend auf die Belange jeder einzelnen Partei selbst einzulassen. Wenn nicht anders möglich, kann auch eine Pendelmediation durchgeführt werden.

Tatsächlich ist die endgültge Verweigerung gegenüber dem Gegner der gefährlichste apokalyptische Reiter. Wenn es nicht gelingt, die Beziehung der Streitparteien zueinander wiederherzustellen, kann die Mediation auf andere Mediationsmodelle, wie zum Beispiel die evaluative Mediation ausweichen. Dann ist zwar eine Problemlösung möglich, nicht aber eine Konfliktauflösung.

Bedeutung für die Mediation

In Bezug auf Konflikt und Deeskalation mag die Mediation wie ein Gesamtkunstwerk betrachtet werden. Nur die Summe der aufeinander abgestimmten Maßnahmen ergibt den Erfolg. Die zentrale Frage ist stets, wie die Parteien in der Mediation gehalten werden und wie der Wunsch auf eine konstruktive Lösung etabliert und aufrecht erhalten werden kann.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-17 18:47 / Version 12.
Aliase: Konfliktdeeskalation
Siehe auch: Interventionen, Ratgeber, Herausforderung
Bearbeitungshinweis: Textvollendung und Programmvollendung erforderlich.
Prüfvermerk: -

1 Siehe Kündigung

© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Deeskalation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Deeskalation
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Seite zuletzt geändert: am Mittwoch Oktober 17, 2018 18:47:56 CEST von Administrator.