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Seiten-ID: 834 Schwierige Situationen in der Mediation meistern 3-Abteilung »  Werkzeuge

Herausforderungen

Schwierige Situationen in der Mediation

Der Gesetzgeber bringt den Begriff schwierige Situationen in der Ausbildungsordnung auf und zwar im Anhang als einen Lehrinhalt. Der Mediator soll mit solchen Situationen zurechtkommen können. Als Beispiele für schwierige Situationen werden genannt: Blockaden, Widerstände, Eskalationen und Machtungleichgewichte. Weil diese Phänomene nur Beispiele sind, gibt es sicherlich auch weitere Herausforderungen, wie z.B. Krankheiten, Suchterkrankungen, die Problemtrance oder schon die Begründungssemantik, die die Arbeit des Mediators erschweren.

Fragen wir also zunächst, was eine schwierige Situation überhaupt ist und warum diese Situationen die Arbeit so schwer machen.

Was ist schwierig?

Für Anfänger ist die Mediation an und für sich schon eine Herausforderung, weil sie anders ist. Die Beispiele der ZMediatAusbV gehen darüber jedoch hinaus. Sie haben gemeinsam, dass die Verwirklichung der Mediation in Frage gestellt ist, weil der Mediand nicht macht, was er soll. Vielleicht ist es aber gerade das was er tun sollte, denn sein Verhalten hat sicherlich eine Bedeutung und trägt zum Verstehen bei. Mit dieser Erkenntnis ergibt sich bereits ein Anknüpfungspunkt und eine erste Empfehlung, wie mit schwierigen Situationen umzugehen ist.

 Merke:

Schwierige Situationen helfen, den Konflikt sichtbar werden zu lassen. So gesehen sind sie eine Chance und kein Hindernis 1

Methodik

Wer mit der Frage einer schwierigen Situation konfrontiert wird, denkt sofort daran, was zu tun ist, damit die Situation überwunden werden kann. Die Frage: "Was tue ich nur als Nächstes?", ist die meistgestellte, falsche Frage. Sie konzentriert sich auf eine Lösung und führt (zumindest in der Mediation) meist in die Irre. Dalai Lama wusste schon, dass es zwei Tage im Jahr gibt, an denen man nichts machen kann:

gestern und morgen


Die Frage, was als nächstes zu tun ist, sucht nach einer Lösung. Schon deshalb passt sie nicht wirklich in die Mediation. Darüber hinaus betrifft sie die (unmittelbare) Zukunft. Sie ist in der Sprache des Dalai Lama das Morgen. Die Mediation als Tanz mit dem Moment verstanden2 , interessiert sich für das Jetzt. Die korrekte Frage des Mediators lautet deshalb: "Was geschieht hier gerade?". Was als nächstes zu tun ist, ergibt sich aus der Antwort, die sich den Medianden als Erkenntnis erschließen muss.

Methodisch bildet der Mediator eine Hypothese. D.h. er bildet Annahmen aus, was die Situation oder das Verhalten der Partei bedeutet. Er überlegt nicht die Ursache für das Verhalten (außer, wenn es die Bedeutung erschließt). Der Zweck liefert die Antwort. Der Mediator kann ihn hinterfragen:

Bedeutung hinterfragen: Der Mediator verbalisiert: "Ich beobachte gerade ..... Was wollen Sie damit ausdrücken?" oder "Was möchten Sie erreichen?" oder "Warum können Sie das nicht einfach sagen?"


Manchmal bedarf es einer Intervention, um die Bedeutung zu erschließen. Die Intervention soll dazu beitragen, Gedanken, die für den Fortgang der Mediation und die Verstshensvermittlung notwendig sind, den Parteien zugänglich zu machen.

Interventionen

Sie finden Interventionsvorschläge im Ratgeber. Auch hat der Mediator die Möglichkeit, im Werkzeugverzeichnis eine geeignete Technik herauszufinden. Die einfachste und naheliegendste Vorgehensweise ist die Metakommunikation. Wenn es dem Mediator gelingt, die Partei auf das Problem anzusprechen und mit ihr zu überlegen, wie das Problem zu überwinden ist, ist die schwierige Situation überstanden.

Einschätzung

Die Metakommunikation versagt, wenn die Parteien blockiert sind, Widerstand leisten oder sich in einem hoch eskalierten Konflikt befinden. Die Parteien würden sicher keinen Widerstand leisten, wenn sie einen einfacheren Weg sähen, ihr Anliegen vorzubringen. Was also wirklich schwierig ist, ist weniger die Frage, was zu tun ist, als die Frage, wie das Verhalten der Partei oder die Situation zu verstehen ist.

 Merke:

In einer "schwierigen Situation" kommt es darauf an, die Lage korrekt einzuschätzen. Der Mediator muss herausarbeiten, was die Situation / das Verhalten bedeutet und vor allem, wie es möglich ist, dass die Partei sich zu dieser Bedeutung bekennt1

Die Mediation ist jetzt alles andere als ein angenehmes Gespräch. Die Parteien müssen durch die Schlangengrube. Sie müssen den Konflikt anpacken. Der Mediator muss ihnen dabei helfen, dass dies möglich wird. Ob der Mediator die Situation meistert oder nicht, hängt nicht lediglich von der Wahl der passenden Intervention ab. Sie muss im richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Art und Weise eingebracht werden. Manchmal braucht es mehrere Versuche, die richtige Intervention zu finden. Ob und wie die Interventionen eingeführt werden, ist ein Beweis für die Mediatorenfähigkeit und von ihr abhängig. Die Haltung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Verstehen

Manche Mediatoren haben im Sinn, den Medianden zu "knacken". Das ist schon deswegen eine gefährliche Metapher, weil der Mediand keine Nuss ist. Die Nuss befindet sich möglicherweise im Kopf des Mediators. Da ist der Ansatzpunkt, wo etwas geknackt werden muss. Der Mediator sollte also nicht überlegen, wie er den Widerstand einer Partei überwindet. Er sollte überlegen, wie er den Zugang zu der Partei und ihrem Verhalten finden kann.

Beispiel Emotionalisierung: Wer hoch emotionalisiert ist, handelt eher nicht verstandesgesteuert. Es macht also wenig Sinn, den Menschen dann auf einer rationalen Ebene erreichen zu wollen. Wenn Emotionen sprechen, brauchen Eomtionen eine Antwort, nicht der Verstand


Möglicherweise spricht aus der Partei eine Betroffenheit oder Hilflosigkeit. Der Anlass für das Verhalten muss nicht in der Persönlichkeit der Partei gefunden werden, auch nicht im Verhalten der Gegenpartei. Der Mediator muss bedenken, dass auch er unbemerkt den Anlass geliefert hat. Sein Blick sollte also zunächst auf sich selbst gerichtet sein und seine Haltung in Frage stellen.

Haltung des Mediators

Einzelfälle

Die Beispiele der Ausbildungsverordnung lassen sich beliebig erweitern. Es würde zu weit führen, hier alle Fälle aufzuführen. Deshalb stellt Wiki to Yes eine eigene Datenbank für den Umgang mit schwierigen Situationen zur Verfügung.

Anlässe, Beispiele und Vorschläge für den Umgang mit schwierigen Situationen

 Seitenhinweis:

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Bedeutung für die Mediation

Der Mediator darf nicht aus dem Blick verlieren, dass die Intervention (also die Maßnahme zur Überwindung des Hindernisses) ausschließlich dazu führt, die Mediation zu ermöglichen. Wer die Mediation als ein Kognitionsprozess versteht, erkennt schnell, welche Erkenntnis erforderlich ist und was dem Erkenntnisgewinn im Wege steht. Die Benchmarks helfen ihm zu erklennen, ob die Mediation auf dem richtigen Weg ist, sodass der Mediator methodische Fehler ausschließen kann.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-11-04 20:27 / Version 38
Alias: schwierige Situationen, schwierige Situation, Herausforderungen
Siehe auch: Anlage zur ZMediatAusbV
Prüfvermerk: Arthur Trossen

1 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation
2 Die Metapher wurde von Werner Schieferstein geprägt
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Schwierige Situationen in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Herausforderung