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Seiten-ID: 909 Argumente: Bedeutung und Wirkung des Argumentierens 3-Abteilung »  Archiv

Wer argumentiert verliert

Manchmal überzeugen die besten Argumente nicht. Also müssen sie wiederholt und verstärkt werden. Aber trotzdem können Sie den Gegner nicht überzeugen. Deshalb heißt die Regel:

  1. Wer argumentiert verliert.
  2. Wer fragt, der führt
  3. Wer zuhört leitet

Definition

Laut Duden ist ein Argument ein Rechtfertigungsgrund, ein stichhaltiger, plausibler Beweisgrund oder ein Punkt einer Beweisführung, Das Wort stammt vom Lateinischen argumentum ab und leitet sich aus arguere her, was erhellen oder beweisen bedeutet und etwas beschreibt, das der Erhellung und Veranschaulichung dient1 . Es gibt starke (überzeugende) und schwache (weniger überzeugende) Argumente.

Sinn und Zweck

Argumente, werden in der Kommunikation und Interaktion als Nachweis, Beweis, Bekräftigung einer Aussage oder Nachricht vorgebracht und sollen das Gegenüber zum Ändern seiner Position und Einstellung oder seines Handelns motivieren2 . Im juristischen sollen Argumente Schlussfolgerungen aus Fakten darlegen. Im Alltag und in der Politik sollen sie andere Menschen von der Wahrheit und Richtigkeit dessen überzeugen, was man selbst für wahr und richtig hält oder von der Unrichtigkeit ihrer Thesen.

Argumente sollen eine logische Beweisführung darstellen. Im konträren Denken führen sie zum Widerspruch, zu Gegenargumenten und zu einer Auseinandersetzung, die nicht immer fruchtbar verläuft.

Wirkung

Starke Argumente überzeugen aus sich selbst heraus. Schwache Argumente werden deshalb wie starke Argumente vorgebracht. Scheinargumente verkaufen Meinungen als Fakten. Sie verdrehen Fakten, ignorieren sie oder täuschen sie vor. Wenn die Argumente in der Sache nicht genügen, werden andere Ebenen eröffnet.

Beispiel Disput: Es geht um die Aufstellung einer umstrittenen Person für eine politische Wahl Argumente dafür und dagegen werden ausgetauscht. Das Ziel der einen Partei ist, die Person zu nominieren. Das Ziel der anderen Partei ist, die Nominierung zu verhindern. Argumente, die einer Einschätzung der zu nominierenden Personen im neuen Amt ermöglichen, sind rar. Es geht letztlich doch nur um Einschätzungen. Um ihre Argumente dennoch zu unterstreichen, werfen sich die gegnerischen Parteien plötzlich vor, die Wahl aus egoistischen Machtinteressen heraus verhindern zu wollen. Das neue Thema, über das sich streiten lässt, wurde gefunden. Von den eigentlichen Argumenten wurde abgelenkt


Das Beispiel belegt, dass trotz aller Überzeugungskraft eine Bereitschaft erforderlich ist, sich überzeugen zu lassen. Das Argumentieren erfordert ein sich einlassen auf die jeweiligen Argumente und nicht ein Durchsetzen der eigenen Position um jeden Preis. Thomas von Aquin hatte erkannt, dass die Argumente beim Disput verloren gehen, weil jede Partei die eigenen Argumente durchsetzen wollte ohne sich auf die jeweils anderen Argumente einzulassen. Er hatte deshalb die Regel eingeführt, dass ein Gegenargument erst vorgetragen werden darf, nachdem der Gegner die Herleitung des Disputanten wiederholt hat. Möglicherweise wurde diese Regel zum Ausgangspunkt für das aktive Zuhören.

 Merke:

Überzeugen lässt sich, wer sich überzeugen lassen will3

Argumentationsweisen

Das nachfolgende Video zeigt die Ausrichtung des Argumentierens. Es gibt an einem anschaulichen Beispiel Anleitungen, wie man eine Diskussionen gewinnen kann.

Folgende Argumentqualitäten werden herausgestellt:

  1. Faktenargumente: Die Argumente beziehen sich auf Fakten. Sie sind stark, wenn es sich um anerkannte Tatsachen handelt.
  2. Autoritätsargument: Wenn die Fakten nicht anerkannt sind, beruft man sich asuf Autoritäten
  3. Normen- oder Werteargument: Statt auf Autoritäten kann man sich auch auf Normen oder Werte beziehen
  4. Relativierungsargument: Das Gegenargument wird aufgegriffen und abgewogen (in Relation gestellt)
  5. Analogieargument: Das Argument wird duch einen Vergleich gestützt
  6. Gegenangriff: Man beschränkt sich darauf, die Arhumentation der Gegenseite schlecht zu machen

Argumente in der Mediation

In der Mediation geht es nicht darum, zu gewinnen. Hier findet sich die Lösung nicht in der Frage, wer Recht hat, sondern in der Frage, wie sich wer in der Lösung wiederfinden kann. Alle zuvor genannten Argumentationsweisen zu Ziff 2-6 sind also wirkungslos - zumindest sollten sie es sein.

Oft wird übersehen, dass es Wünsche (Lösungen) gibt, die sich durch Argumente weder herbeiführen noch beseitigen lassen.

Beispiel argumentieren: in einer Trennungsmediation will der Ehemann die Beziehung unbedingt aufrechterhalten. Die Ehefrau ist in Zweifel geraten und hatte Trennung initialisiert. In der Mediation wirft der Ehemann der Frau vor, was sie alles falsch gemacht habe und warum die Beziehung ihretwegen nicht funktionieren könne. Je mehr der Ehemann argumentiert, umso geringer sind seine Chancen, die Beziehung zu retten.

 Merke:

Argumentieren ist die Kopfsprache. Die Herzsprache kann mit Argumenten nichts anfangen3

Der Mediator sollte sensibel darauf achten, wann wer für oder gegen wen oder was wie argumentiert. Je vehementer jemand für ein Argument eintritt, umso mehr Hinweise gibt es auf seine Betroffenheit.

Ausrichtung der Argumente

Argumente zielen auf eine Lösung ab. Wenn es eine Lösung ist, die die Gegenpartei nicht akzeptieren kann, wird sie sich gegen die Argumente wehren und Gegenargumente anführen. Natürlich gibt es Verhandlungsmethoden, mit denen sich die Argumente in eine stimmige Herleitung überführen lassen. Bei einem Streit über Fakten beispielsweise wäre es möglich, die Fakten zu verifizieren. Wenn Argumente eine Meinung rechtfertigen sollen, entsteht die Frage, warum das Gegenüber der eigenen Meinung folgen soll. Das sind Fragen, die beim Argumentieren nicht zur Sprache kommen. Die Motive des Argumentierens sind der Schlüssel für die Motive zur Lösung.

Beispiel Meinungsstreit: Der Mediator unterscheidet zwischen Fakten, Meinungen und Emotionen. Stellt er fest, dass über Meinungen gestritten wird, hinterfragt er das Motiv, warum die Meinung deds gegenübers nicht akzeptiert werden kann. Die Antwort führt in die Interessenerhellung der Phase drei

Raum für Argumente

Die Mediation gibt den Argumenten Raum in der Phase zwei. Dort haben die Parteien Gelegenheit, ihre Position vorzubringen und zu erklären, warum sie ihre Position für richtig halten. Wenn die Parteien für Argumente nicht mehr zugänglich sind, ist das Argumentieren sicherlich kein zielführender Weg. Deshalb beendet die Mediation das Argumentieren mit dem schlichten Erfassen der jeweiligen Argumente in der zweiten Phase. Die Argumente bleiben einfach im Widerspruch stehen, nicht allerdings ohne den Widerspruch und die konträren Herleitungen offenzulegen.

In der dritten Phase geht die Mediation dazu über, die Interessen und Motive zu hinterfragen. Es ist die Suche nach einer Ebene, wo sich Gemeinsamkeiten finden lassen. Erfahrungsgemäß bewegen sich die Parteien noch weiter im Argumentationsmodus. Durch seine Loops lenkt der Mediator sie auf den Interessenmodus. Die Betroffenheit wird nach vorne gestellt, um aus ihr Wege in einen gemeinsamen Lösungsansatz zu finden.

Erst dann, in Phase vier gibt es wieder Raum für Argumente.

Das Konzept der Mediation erlaubt keine Begründungssemantik. Die Parteien können sich erklären. Sie müssen nichts rechtfertigen. Bemerkt der Mediator, dass die Parteien aus dem Argumentationsmodus nicht herausfinden, muss er gegebenenfalls die 1.Phase oder die 2.Phase nachbessern. Entweder haben die Parteien das Ziel aus den Augen verloren, das Verfahren nicht verstanden oder sie haben das Gefühl, noch nicht alle Argumente abgeladen zu haben. Ist kein Mediationsfehler festzustellen, muss der Mediator über Interventionen nachdenken.

Bedeutung für die Mediation

"Frag nicht warum", lautet der an die Mediatoren gerichtete Tipp. Das warum führt in die Rechtfertigung. Das Rechtfertigen führt in die Argumentation. In der Mediation muss sich niemand rechtfertigen. Er muss sich lediglich erklären. Das Fragewort warum kann durchaus auch eine in Indien nutzen führende Frage auslösen. Die Frage "Warum ist dir das wichtig?", erwartet nicht die Schilderung eines Argumentes, sondern eines Motivs. Trotzdem könnte die Partei inspiriert sein, sich ein Argument auszudenken.

Es ist nicht das Frageformat, dass die Gedanken der Parteien in die richtige Richtung lenkt. Legt man die Erkenntnistheorie zugrunde, ist der Gedankengang ausschlaggebend. Der Mediator kann die Gedanken mit der Technik des präzisen Zuhörens in die Mediationslogik einführen.

Was tun wenn ...


Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-12-31 11:47 / Version 22
Alias: Argumentieren, Argumentationsmodus, Argumentation
Siehe auch: Begründungssemantik, Deeskalation
Prüfvermerk: Administrator

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Erstellt von Arthur Trossen. Letzte Änderung: Montag Dezember 31, 2018 11:47:29 CET by Administrator.