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Seiten-ID: 507 Über die Art und Weise der Mediation 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Mediationsmodell

Mediationsweisen Einteilungen, Arten, Projekte, Kategorien 

Mediation ist nicht gleich Mediation. In der Systematik wurde bereits die Notwendigkeit einer Kategorisierung aufgezeigt. Sie soll dazu beitragen, die Vielfalt der Mediation zu erfassen und rekapitulierbar zu beschreiben.

sondierend evaluativ facilitativ transformativ integriert




Mediationsmodelle
Über Mediationsarten und -weisen

Unterscheidungsbedarf

Das der Mediation zugrunde liegende Kommunikationsmodell erlaubt Abweichungen, über die sich der Mediator bewusst sein sollte. Bereits die unterschiedlichen, mit der Mediation arbeitenden Professionen setzen eigenwillige Schwerpunkte. So haben die Psychologen mit Carl Rogers1 eine Art Patenschaft übernommen. Die Juristen haben mit dem Harvard-Konzept zumindest in Teilen die Struktur gestiftet. Die Mediation bewegt sich irgendwo zwischen Rechtsanwendung und Psychotherapie, je nachdem, wie der Mediator die Mediation betreibt und wo er den Schwerpunkt setzt2 .

 Merke:

Je differenzierter die Sicht auf die Mediation ist, desto klarer ergeben sich ihre Ausprägungen. Noch immer gibt es keine einheitliche, abgestimmte Einteilung 3

Die Rede ist von Mediationsformen und Mediationsmodellen, aber auch von Mediationsstilen, Arten und Ausprägungen. Die Bezeichnung Mediationsart erscheint naheliegend, wenn es darum geht, bestimmte Vorgehensweisen zu typologisieren. Demzufolge erwähnen Foster und Lang-Sasse "Mediation Styles" , wobei das englische „Style“ eher mit Art als mit Stil zu übersetzen ist. Während mit dem Begriff Art objektive Kriterien herausstellt werden, erlaubt es der Stil, die individuellen Ausprägungen zu erkennen.

Mediationsarten

Unglücklicherweise hat der Gesetzgeber den Begriff der Mediationsart mit den Fachmediationen gleichgesetzt. Dies ist insofern irreführend, als die Fachmediation zwar eine auf den Anwendungsbereich bezogene Ausprägung der Mediation beschreibt. Indes liegt den Fachmediationen kein spezifisches Mediationsmodell im hiesigen Verständnis zugrunde. Das bedeutet: In einer Familienmediation kann sowohl eine evaluative wie eine an und für sich näher liegende transformative Mediation angewendet werden.

Unterscheidungen, die sich statt auf Anwendungsfeldern auf unterschiedliche Herangehgensweisen konzentrieren, gehen beispielsweise auf Augsburger zurück. Augsburger ist ein amerikanischer Theologe, der besonders im Bereich der interkulturellen Mediation zitiert wird und zwischen dem nordamerikanischen und dem traditionellen Modell unterscheidet. Andere Unterscheidungen gehen auf Breidenbach zurück. Breidenbach unterscheidet Kategorien, die er als „Service Delivery“, „Access to Justice“, „Individual Autonomy“, “Reconciliation“ und „Social Transformation“ - Ansätze beschreibt. Die Variationen des Mediator-Verhaltens konzentriert er schließlich auf eine Verhandlungsstrategie und eine therapeutische Integration. Walz lässt sich auf eine Unterscheidung zwischen der Vertrags- und der Konfliktmediation ein, womit er nicht mehr als die Bearbeitungstiefe der Vermittlung anspricht. Eine weitere, historisch abgeleitete Unterscheidung differenziert zwischen dem allgemeinen, dem einigungsorientierten, dem kognitiv-systemischen und dem transformativen Stil. In einem Bundesstaat der Vereinigten Staaten, wird die mediative Praxis an den Mediationstypen analytisch, facilitativ, inklusiv und transformativ ausgerichtet4 . Sie gehen in den nachfolgend beschriebenen Mediationsmodellen auf.

 Merke:

Gegenüber diesen differenzierenden Sichten ist es ebenso bedauerlich wie fehlerträchtig, wenn in der Praxis stets und schlicht von „der Mediation“ die Rede ist 3

Mediationsmodelle

Die Mediationsmodelle orientieren sich an den Dimensionen des Streitkontinuums. Je nachdem, welche Dimensionen in die Streitbewältigung einbezogen werden, ergeben sich eine unterschiedliche Bearbeitungstiefe und Ausrichtung. Um die Bearbeitungstiefe oder besser gesagt, die mögliche Beabeitungstiefe eines Verfahrens aufzudecken, enthält der Verfahrensbrowser eine darauf bezogene Ansagemöglichkeit. Die Mediation würde, bezogen auf das Streitkontinuum, grundsätzlich in dessen Zentrum zu lokalisieren sein, weil sie alle Dimensionen einbeziehen kann.

Kontinuum Mediation


In der Praxis wird eine derart umfassende, die ganze Komplexität einbeziehende Bearbeitungstiefe aber nicht immer gewünscht ist. Deshalb kann sich auch die Mediation schwerpunktmäßig nur auf einzelne Dimensionen festlegen. Mit jeder Festlegung ändert sich die methodische Herangeghensweise an die Problemlösung, sodass eindeutig abgrenzbare Kategorisierungen möglich sind. Es verst5eht sich von selbst, dass ein Verfahren, das lediglich Sachfragen betrifft, kaum emotionale Tatbestände aufarbeiten kann und deshalb eher am logisch juristischen Denken ausrichtet, als beispielweise eine Konfliktbearbeitung, die auch die psychologischen Aspekte erfasst5 . Auf den Bearbeitungsschwerpunkt bezogen, lassen sich folgende Ausrichtungen unterscheiden:

Sondierende Mediation

In dem Interesse der EU, ein forensisches Verfahren vorzuhalten, das in allen Mitgliedstaaten einen mehr oder weniger gleichförmigen „access to justice“ ermöglicht, aber auch aus Gründen der merkantilen Verbreitung, gerät die Mediation mehr und mehr in den Anwendungsbereich von Fällen, die sich noch im Stadium von Vorüberlegungen und Sondierungsgesprächen befinden. Beispiele sind die telefonische Shuttle-Mediation der Rechtsschutzversicherungen oder internationale Online-Mediationen im B2C Anwendungsbereich. Eine Moderation wäre ausreichend.

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Evaluative Mediation

evaluative Mediation

Die evaluative Mediation entspricht dem juristischen Procedere am Meisten. Evaluativ bedeutet übersetzt wertend oder bewertend. Wie der Name sagt, verstärkt diese Form der Mediation die Einflussnahme des Mediators. Sie korrespondiert mit einem gerichtsanhängigen Prozess und nimmt dessen Ergebnis vorweg. Der Mediator unterstützt die Parteien, indem er die Schwachpunkte ihres Falles (ihrer juristischen Argumentation) herausarbeitet. Er mag formale Empfehlungen hinsichtlich des (juristischen) Ergebnisses (Fallausgang) einbringen. Methodisch wendet er das Caucus oder die Shuttle Diplomacy an. Der evaluative Mediator ist meist selbst ein Jurist.

Mehr über evaluative Mediation 

Facilitative Mediation

facilitative Mediation

Facilitativ bedeutet übersetzt vereinfachen, erleichtern. Der Mediator strukturiert einen Prozess, um die Parteien dabei zu unterstützen, ein wechselseitig akzeptiertes Ergebnis zu erzielen. Er befragt die Parteien, wertschätzt und normalisiert, stellt unterschiedliche Sichtweisen heraus und sucht nach den Interessen hinter den Positionen, um darauf basierte Lösungsoptionen zu erarbeiten. Die facilitative Mediation eignet sich für Konflikte der sachlich-intellektuellen Konfliktdimension

Mehr über facilitative Mediation 

Transformative Mediation

transformative Mediation

Mit den Psychologen entwickelt sich die Mediation von einer bloßen Interessenerhellung zu einer echten Konfliktarbeit, bei der das Konflikterleben der Parteien im Vordergrund steht. Mit der Arbeit am Konflikt sollen die Parteien in die Lage versetzt werden, ihre Erkenntniswelt so umzuformen, dass ihnen eine Neugestaltung der streitbefangenen Lebensverhältnisse möglich wird. Transformativ bedeutet umformend, umgestaltend. Die transformative Mediation setzt auf die Fähigkeiten der Parteien. Sie versucht, diese zu ver-stärken und nutzbar zu machen und ermöglicht die An-erkennung der hinter dem Streit verborgenen Bedürfnis-se. Um dies zu erreichen, lässt sie sich auf die Wahrneh-mungswelt der Parteien ein und zielt darauf ab, diese durch eine kontextsensitive Relativierung zu verändern. Das Lösungspotenzial besteht darin, den Parteien eine andere Sicht auf das Problem zu ermöglichen, woraus sich ihre Bewertungen ändern. Die transformative Medi-ation eignet sich besonders für die Bearbeitung von Kon-flikten der sozio-emotionalen und der wertmäßig-kulturellen Dimension

Mehr über transformative Mediation 

Integrierte Mediation

Die Praxis ist nicht so trennscharf, wie die Theoprie es gerne hätte. Die Übergänge sind fließend. Die integrierte Mediation beschreibt die Mediation in ihrer komplexen Konnotation. Sie erstreckt sich über den gesamten Mediationsradius weshalb sie als notwendige Ergänzung in das Kontinuum der Verfahren und Methoden zur Streitbeilegung einzubeziehen ist. Sie kommt der eclectic Mediation nahe, geht aber über sie hinaus indem sie auch Elemente anderer Verfahren zu integrieren weiß.

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Was tun wenn...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-04-28 02:36 / Version 74.
Aliase: Mediationsmodell, Mediationsarten
Geprüft: Arthur Trossen

3 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation
5 Also entweder sachbezogen, emotions- oder beziehungsbezogen, positions- oder interessenbezogen
© Wiki to Yes: Trossen "Mediationsmodelle" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Mediationsmodelle
Erstellt von Administrator. Letzte Änderung: Sonntag April 28, 2019 02:36:16 CEST by Arthur Trossen.