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Am Anfang war das Wort

Dann folgt eine komplexe Kommunikation. Am Ende stellt sich die Erhellung ein

Die Mediation ist ein Prozess, der nicht nur Erkenntnisse erfordert, sondern auch ermöglicht. Wie sonst soll es möglich sein, dass Parteien, die sich ganz und gar nicht einig sind, selbst eine einvernehmliche Lösung finden?




Miteinander reden
ist manchmal gar nicht so einfach

Definition

Kommunikation ist die Verständigung zwischen Menschen mithilfe von Sprache oder Zeichen. Es ist mehr als nur miteinander zu reden. Die Kommunikation ist ebenso komplex wie die Menschen und die Situationen, in denen sie geschieht. Psychologen sagen deshalb: die Kommunikation ist die Anleitung zur Rekonstruktion einer Wirklichkeit. Mit jeder Kommunikation sagt der Mensch etwas über sich und die Art wie er die Welt sieht. Die Komplexität Kommunikation wird besser verständlich, wenn man sich die verschiedenen Ausgestaltungen und Dimensionen der Kommunikation bewusst macht.

Kommunikation

 Merke:

Die Mediation wird als ein kommunikatives Verfahren beschrieben, weil die Kommunikation das zentrale Arbeitsmittel ist, um die Parteien zu verstehen und Verstehen zu vermitteln1

Wechselwirkung und Verantwortung

Die Kommunikation entfaltet eine Wechselwirkung, bestehend aus Aktion und Reaktion. Das Zusammenspiel der wechselwirksamen Einflüsse wird als Interaktion beschrieben. Letzten Endes ist die Interaktion (also die durch die Kommunikation erzeugte Wechselwirkung) ausschlaggebend dafür, wie sich Zukunft und Prozesse gestalten.

Interaktion 

Zur Kommunikation gehören immer (mindestens) zwei Teilnehmer. Heir werden sie als Sender oder Empfänger bezeichnet. Die Rollen wechseln mit jedem Kommunikationsvorgang. Wenn die Begründung zum Mediationsgesetz verlangt, dass der Mediator für die Gelingen der Kommunikation verantwortlich sei2 , wird übersehen, dass die Verantwortung für die Kommunikation nicht auf einen Kommunikanten beschränkt werden kann.

 Merke:

Für eine gelingende Kommunikation sind immer zwei (alle Kommunikationsteilnehmer) verantwortlich1

Der Sender muss seine Kommunikation so ausrichten dass der Empfänger die Botschaft verstehen kann. Der Empfänger muss seine Kommunikation so ausrichten, dass der Sender versteht was dazu erforderlich ist und hierzu gibt es eine Parallele im Recht. Danach ist bei der Auslegung einer empfangsbedürftigen Willenserklärung nicht ausschließlich der wirkliche Wille des Erklärenden zu erforschen. Es ist auch auf den
Empfängerhorizont, also darauf abzustellen, wie der Empfänger die Willenserklärung zu verstehen hatte3 .

Die Kommunikation ist ein komplexer Vorgang. Um besser zu verstehen, was sich alles hinter diesem Vorgang verbirgt, sollen die Aspekte der Kommunikation im Nachfolgenden herausgestellt werden.

Kommunikationsrahmen

Die Kommunikation erfolgt immer in einem Umfeld das ihren Rahmen bildet. Es gibt eine freie, eine geregelte Kommunikation und eine Metakommunikation.

informelle Kommunikation

Die freie, ungeregelte Kommunikation ist eine informelle Kommunikation. sie erlaubt einen ungezwungenen Austausch und ein sich Näherkommen. Die wichtigsten Entscheidungen werden nicht am Konferenztisch sondern eher im informellen Kontext, in der Raucherpause, in der Kaffeepause, beim Arbeitsessen usw. getroffen. Zumindest wird dort ihre Basis gelegt.

formelle Kommunikation

Das beste Beispiel für eine formelle Kommunikation ist die juristische Kommunikation vor Gericht. Sie braucht nicht einmal ein Gegenüber. Bleibt eine Behauptung unbestritten, gilt sie als eingestanden, ohne dass darüber gesprochen wird. Die formelle Kommunikation kann einen Rahmen herstellen, um die Kommunikation zu steuern und gegebenenfalls auch zu ermöglichen.

Metakommunikation

Die Metakommunikation ist eine Kommunikation über die Kommunikation. Sie stellt sich außerhalb des Kommunikationsrahmens und erfordeert zugleich einen Rahmen, der sie ermöglicht. Die Metakommunikation führt stets zu einer Auseinendersetzung (Reflexion) mit der Art und Weise, wie kommuniziert wird. Sie erlaubt es, den Rahmen festzulegen.

Bedeutung der Metaebene 

Kommunikationsformen

Der Ablauf einer Kommunikation kann sich ganz unterschiedlich gestalten. Er kann linear, zirkulär oder rekursiv ausgestaltet sein.

lineare Kommunikation

lineare Kommunikation

Die lineare Kommunikation ist die alltägliche „normale" Kommunikation. Der Sender sagt etwas und setzt damit Informationspunkte. In dem Satz: "Ich fahre jeden Tag mit dem Zug nach Frankfurt", gibt es die Anknüpfungspunkte fahren (Tätigkeit), jeden Tag (Zeit), mit dem Zug (Mittel), nach Frankfort (Ort). Der Empfänger wird je nach seiner Assoziation einen oder zwei der Anknüpfungspunkte aufgreifen und dazu etwas sagen: "Ich schwimme lieber, am liebsten im Urlaub". Wieder gibt es Anknüpfungspunkte, die je nach Assoziation das Gespräch in eine ganz andere Richtung treiben. so kan sich das Gespräch, dass mit der Fahrt nach Frankfurt begonnen hat sich plötzlich auf ganz andere Themen ausdehnen.

zirkuläre Kommunikation

zirkuläre Kommunikation

Die zirkuläre Kommunikation erkennen Sie daran, dass sich das Gespräch im Kreis dreht. Die Gesprächspartner kommen immer wieder auf bestimmte Punkte zurück. Es ist ein Zeichen dafür, dass diese Punkte nicht abgearbeitet wurden. Eine Metakommunikation kann aus der zirkulären Kommunikation herausführen. Ist die zirkuläre Kommunikation konfliktmotiviert, bedarf es anderer Interventionen wir z.B. die Paradoxe Intervention .

rekursive Kommunikation

rekursive Kommunikation

Ganz anders als die lineare Kommunikation für die rekursive Kommunikation den Gedanken des Senders nicht weiter, sondern zurück. Das Gesagte wird hinterfragt. Die Erklärungshoheit verbleibt beim Sender.

Kommunikationsaxiome

Watzlawick hat in einer Kommunikationstheorie 5 Axiome4 herausgearbeitet:

  1. Man kann nicht nicht kommunizieren
  2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
  3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
  4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
  5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Kommunikationsaxiome

Kommunikationsebenen

Die Kommunikation findet auf mehreren Ebenen stattm die ein Mediator stets unterscheiden sollte.

Zwei Ebenen

Kommunikationsebenen

Während sich der Inhaltsaspekt in der gesprochenen (digitalen) Kommunikationsmodalität verwirklicht, ergibt die sinnlich wahrnehmbare analoge Kommunikation meist den Beziehungsaspekt. Ganz nach dem Motto: der Ton macht die Musik.

Communication square

Kommunikationsquadrat

Schulz von Thun hatte zwei Ebenen der Kommunikation auf vier ausgeweitet. Zur Sach- und Beziehungsebene treten die Verständnisebenen von Sender und Empfänger, der Appell begegnet der Ich-Botschaft. In der alltäglichen Kommunikation werden diese Ebenen nicht differenziert wahrgenommen. Man hört den Appell, den Vorwurf und die Beleidigung, ohne dabei die anderen Ebenen im Blick zu haben.

Kommunikationsquadrat 

Ich-Botschaften

Kommunikationsbotschaft

In jeder Kommunikation steckt eine Information über den Sender. Er offenbart etwas über sich selbst. Hier finden wir den Zugang zu Motiven und Bedürfnissen.

Ich- und Du-Botschaften 

Kommunikationsbedingungen

Für eine gelingende Kommunikation bedarf es einer wertschätzenden Haltung. Carl Rogers, ein amerikanischer Psychologe und führender Vertreter der Humanistischen Psychologie, hat als Elemente einer einfühlsamen Haltung drei grundsätzliche Elemente herausgearbeitet, die ebenso kurz wie ungenau auch als Variablen der Kommunikation bezeichnet werden5 . Es handelt es sich um Kommunikationsbedingungen, die für ein gegenseitiges Verstehen als unerlässlich angesehen werden und auch in der Mediation zu beachten sind:

  1. Akzeptanz: Der Mediator kann das entgegennehmen was gesagt und gemeint ist, auch wenn es ihm ethisch bedenklich erscheint.
  2. Empathie: Die Fähigkeit des emotionalen Nachvollziehens (Einfühlungsvermögen).
  3. Authentizität auch Echtheit, Kongruenz: Der Mediator denkt und fühlt wie ein Mediator und spielt nicht lediglich eine Rolle.


Kommunikationsvariablen 

Kommunikation im Streit

Im Streit verliert die Kommunikation ihre Sachlichkeit. die Interaktionen sind meist Emotion gesteuert und manchmal auch unkontrolliert. Die Inhalte und die Wahrnehmung werden streitsensitiv ausgelegt. Es kommt zu Wahrnehmungsverzerrungen. Gesprächsregeln können helfen, ein Entgleisen der Kommunikation zu verhindern.

Kommunikationstipps Konfliktverhalten

Bedeutung für die Mediation

In der Mediation hat der formale Rahmen die Aufgabe, eine informelle Kommunikation zu ermöglichen. Die informelle, lineare Kommunikation wird an der Struktur der Mediation und an den Themen ausgerichtet. Der Mediator achtet darauf, dass diese Anknüpfungspunkte nicht verloren gehen. die vorliegende Kommunikationsform der Mediation ist die rekursive Kommunikation. Sie wird durch das Loopen bzw. das präzise Zuhören initialisiert. Der Mediator führt den Gedanken nicht fort, sondern greift ihn auf. Beim zuhören achtet der Mediator besonders auf die ich Botschaft des Senders. Die Windows-Technik hilft ihm dabei, den Fokus auf den Sender zurückzulenken.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-12-30 23:50 / Version 10
Alias: Kommunikation, Kommunikationsebenen, Metakommunikation, Kommunikationstheorie, lineare Kommunikation, informelle Kommunikation
Siehe auch: Kommunikationsaxiome, Kommunikationsquadrat, Zuhören, Kommunikationsvariablen
Literaturhinweise: Watzlawick (Menschliche Kommunikation), Schulz von Thun(miteiander reden)
Prüfvermerk: Administrator

1 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation
5 Genauer sind es Variablen der Haltung. Siehe Hofmann (Grundzüge) S. 47
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Kommunikation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Kommunikation