Lade...
 
Wiki to Yes, das Metaportal
Seiten-ID: 1479 Umgang mit Vorwürfen und Kritik 3-Abteilung »  Archiv

Vorwürfe

Der Duden definiert den Vorwurf als die Rüge für ein Handeln oder ein Verhalten1 . Kritik wird hingegen als prüfende Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten definiert, aber auch als Beanstanden oder Bemängeln2 . Anders als der Vorwurf ist die Kritik nicht mit einer Rüge verbunden. Trotzdem kommt beides in der Mediation vor, sodass es hilfreich ist zu wissen, wie mit dem einen oder anderen umzugehen ist.




Du machst alles falsch!

Umgang mit Vorwürfen

Die übliche Reaktionen auf einen Vorwurf sind entweder eine Rechtfertigung oder ein Gegenangriff. Beide Reaktionen sind nachvollziehbar und durchaus menschlich, in der Regel aber nicht zielführend. Die Rechtfertigung bestätigt den Vorwurf in einer gewissen Weise. Schon die französische Weisheit: qui s’excuse s’accuse bringt es auf den Punkt. Übersetzt heißt sie: Wer sich verteidigt, klagt sich an! Er gesteht also (irgendwie) seine Schuld ein und gibt dem Vorwerfenden Gelegenheit, seinen Vorwurf zu bekräftigen.

Wer zum Angriff übergeht, überzeugt den Vorwerfenden ebenfalls nicht davon, dass der Vorwurf unberechtigt ist. Er befeuert die Argumentationskette bis daraus eine Begründungssemantik ensteht, die schließlich in eine zirkuläre Kommunikation mündet und ebenfalls zur Eskalation führen kann.

Natürlich ist die Souveränität oder das bei sich Bleiben die Devise Nummer 1. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, besonders wenn die Methoden der Mediation zugrunde gelegt werden.

Vorwürfe in der Mediation

Kommt es in der Mediation zu Vorwürfen, ist zunächst zu unterscheiden, gegen wen sie gerichtet sind.

Gegen den Mediator

Betreffen Sie den Mediator, ergibt sich sein gebotenes Verhalten aus der Rolle. Der Mediator bewegt sich auf der Metaebene. Es ist die Reflexionsebene, die grundsätzlich nicht angreifbar ist, aber ein für die Mediation relevantes Verhalten reflektiert. Demzufolge wird sich der Mediator dafür interessieren, welche Kritik sich hinter dem Vorwurf verbirgt. Er wird prüfen, ob die Partei das Verfahren und seine Rolle korrekt verstanden haben, um gegebenenfalls die 1.Phase zu vervollständigen. Wenn das Verfahren und seine Rolle korrekt verstanden wurden, muss er prüfen, ob er einen Mediationsfehler begangen hat, um dann mit den Parteien zu besprechen, wie das Verfahren vorwurfsfrei weitergeführt werden kann. Seine Vorgehensweise wird beim Fehlermanagement beschrieben.

Fehlermanagement

Gegen die andere Partei

Richten sich die Vorwürfe gegen die andere Partei, sollte der Mediator zunächst prüfen, worin der Vorwurf besteht und wer darüber entscheidet dass die Äußerung überhaupt ein Vorwurf war. Oft fühlen sich die Parteien gerügt, ohne dass der neutrale Beobachter eine Rüge wahrgenommen hat. Natürlich ist auch der umgekehrte Fall denkbar, dass der Mediator einen Vorwurf hört, den die adressierte Partei aber nicht als solchen einschätzt. Es empfiehlt sich also, zunächst die Reaktion der Gegenpartei abzuwarten.

Dann sollte sich der Mediator für das Motiv des Vorwurfs interessieren. Dahinter verbirgt sich aller Voraussicht nach eine Ich-Botschaft oder eine Erwartung. Mit der Technik des aktiven Zuhörens oder des präzisen Zuhörens kann er die Ich-Botschaft oder die Erwartung formulieren und zurückmelden und oft genügt diese Intervention schon um den Vorwurf zu entkräften.

Wenn die Parteien zum Gegenangriff übergehen oder damit beginnen sich zu rechtfertigen, sollte der Mediator darauf hinweisen dass beides in der Mediation nicht erforderlich ist. Er macht sich aber dafür interessieren, worin die Verletzung besteht und was nötig wäre, um sie zu vermeiden.

Kritik

Kritik muss immer möglich sein. Sowohl die Parteien wie auch der Mediator müssen anmerken können, wo Verbesserungen möglich und notwendig sind, damit die Mediation zu einem Erfolg führt. Die Kritik kann positiv geäußert werden, am besten in einem Frageformat. Der Mediator hilft den Parteien gegebenenfalls die Kritik in einer Weise vorzutragen, dass sie von der Gegenpartei akzeptiert werden kann.

Feedbacktechnik

Bedeutung für die Mediation

Im Marketing sagt man: Ein Kunde der meckert ist ein guter Kunde. Er ist deshalb ein guter Kunde, weil er Kunde bleiben will. Kritik ist, so betrachtet, also druchaus konstruktiv. Ein Vorwurf kann den gleichen Zweck verfolgen, wenn die Verhaltensrüge mit der Absicht kombiniert wird, das Verhalten zu verbessern.

Wirksame Interventionen sind erst möglich, wenn der Vorwurf verstanden wird. Der Schlüssel zum Verstehen ist das Motiv für den Vorwurf. Der Mediator kann sich als beauftragt sehen, dieses Motiv zu hinterfragen um zusammen mit den Parteien zu überlegen, ob die damit verbundenen Erwartungen sinnvoll, gerechtfertigt und umsetzbar sind.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-17 18:56 / Version 9.
Aliase: Vorwürfe, Kritik
Siehe auch: Lexikon, Herausforderung
Prüfvermerk: Administrator

© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Vorwürfe in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Vorwurf
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Mittwoch Oktober 17, 2018 18:56:19 CEST von Administrator.