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Seiten-ID: 1495 Streit- Konflikt- und Mediationsgegenstand ergibt das Thema 4-Inhalt »  (04) Mediieren (Verfahren) 3-Abteilung »  Wissen

Themenlogik

Themen: Was ist zu regeln? Welcher Konflikt ist betroffen? Reihenfolge der Abarbeitung

Die Themenlogik ist ein Teil der Mediationslogik. Sie setzt sich mit den Merkmalen auseinander, die dazu beitragen, den Konflikt erkennbar zu machen und ein Konfliktbekenntnis innerhalb des Erkenntnisprozesses der Mediation zu ermöglichen.

Die Themen spielen eine wichtige Rolle in der Mediation. Sie ergeben den Bearbeitungsumfang und definieren die Probleme und Konfllikte, für die eine Lösung zu finden ist. Der Themensammlung wird eine eigene Phase gewidmet, die sich über die Themenlogik mit den anderen Phasen verknüpft.




Der Gegenstand
Themensammlung/Bestandsaufnahme

Mediationslogik

Bedeutung

Die Mediation kann sich mit mehreren Themen befassen. Die zu besprechenden Themen werden mit den Parteien vereinbart. Wenn alle Parteien zustimmen, über das Thema zu sprechen, ergibt sich daraus die Erlaubnis für den Mediator, das Thema zu bearbeiten und die Grenze, worüber verhandelt werden darf.

Das Thema konkretisiert den Suchgegenstand. Der Suchgegenstand ist identisch mit dem Mediationsgegenstand. Wenn gegensätzliche Positionen vorhanden sind, führt die Themenfestlegung dazu, dass die Positionen neutralisiert werden. Mit dem Thema werden die Position und die Gegenposition zusammengefasst. Die Position ist dabei die jeweils an die andere Partei gerichtete (Auf-)Forderung. Sie ist von den Argumenten (Begründung der Position) und den Interessen (Nutzenerwartung) zu unterscheiden. Je präziser der Mediator diese Unterscheidung gelingt, umso nachvollziehbarer gestaltet sich die Themensammlung. die juristische Entsprechung der Themensammlung ist der Streitgegenstand. Weil es in der Mediation jedoch um mehr geht als nur einen Streit beizulegen, wird die Abgrenzung deutlicher, wenn in der Mediation statt von einem Streitgegenstand von einem Mediationsgegenstand gesprochen wird. Das Herausarbeiten der Themen erfolgt in Phase zwei. Ihre Einordnung in der Mediation ergibt sich aus der Phasenlogik.

Themensammlung in Phase 2 Phasenlogik 

Streitgegenstand

Die Themen limitieren den Gegenstand über den in der Mediation zu verhandeln ist. Juristisch wäre vom Streitgegenstand die Rede. Man spricht auch von der Sache1 . Im gerichtlichen Verfahren ergibt sich der Streitgegenstand regelmäßig aus dem Sachverhalt und den Anträgen. Der Sachverhalt ergibt den Anlass, die Anträge ergeben die Position (Forderung).

 Merke:

Leitsatz 4239 - Der Gegenstand des Streites wird (in der Mediation) immer auf den Nutzen ausgerichtet!

Weil sich der Streitgegenstand am Antrag, also an der Position orientiert, ist der Streitgegenstand immer lösungsorientiert. Er bestimmt die zu verhandelnde Sache und hat eine durchaus juristische Bedeutung auch in der Mediation2 .

Die Mediation als Sache iSd Mediationsgesetzes

Der Begriff des Streitgegenstandes passt nicht gut zu einem Verfahren, das lösungsoffen sein soll. Insbesondere kann sich die Sache im Verlauf der Mediation entsprechend der wachsenden Konflikteinsicht der Parteien verändern. Wenn die Juristen über das Stadium eines Verfahrens sprechen, dann hinterfragen sie den Sach- und Streitstand. Um der Mediation eine korrekte Verfahrenseinschätzung zu geben, ist präziser zwischen Sach-, Konflikt- Streit- und Verfahrensstand zu unterscheiden. Nur so wird ihre Komplexitätsfähigkeit korrekt gewürdigt. Weil die Mediation eine Vermittlung ist, könnte ihr Gegenstand auch als Verstehensgegenstand oder weniger sophistisch als Mediationsgegenstand bezeichnet werden.

Konfliktgegenstand

Der Mediator sollte darauf achten, dass die Themen mit den in der Konfliktanalyse herausgearbeiteten Konflikten, insbesondere den Konfliktdimensionen übereinstimmt, sodass jedes Thema einen Konflikt repräsentiert.

Beispiel - Streit über Zugewinn: Die Eheleute streiten über den Zugewinnausgleich. Die Ehefrau hat nicht verkraftet, dass ihr Mann sich von ihr scheiden lassen will. Die Parteien haben eine sehr unterschiedliche Sicht auf die Beziehung. Es liegt ein Beziehungskonflikt vor, der Auswirkungen auf den Sachkonflikt hat.


Die Offenlegung der Konflikte mit den Themen hilft den Parteien bei der Konflikeinsicht und unterstützt den Rumpelstilzcheneffekt. Sie legt vor allem den Zusammenhang von Beziehungskonflikt und Sachkonflikt (Problem) offen und weist gegenüber den Parteien aus, wenn Teile des Konfliktes unbearbeitet bleiben.

Mediationsgegenstand

Die Lösungsoffenheit ist einer der Gründe3 , warum es in der Mediation keine Anträge gibt. Ihr Gegenstand ergibt sich statt dessen aus der Themensammlung. Er hinterfragt nicht was die Parteien will, damit der Konflikt beigelegt werden kann Position, sondern er fragt was zu regeln ist, damit der Konflikt zur Ruhe kommt. Er ist nicht lösungs-, sondern nutzenorientiert.

 Merke:

Leitsatz 4240 - Der Mediationsgegenstand ist immer nutzenorientiert!

Inwieweit die von den Parteien übereinstimmend genannten Themen den Mediationsgegenstand abbilden können, hängt entscheidend von der Arbeitsweise des Mediators ab und davon, dass Themen nicht mit Interessen und Argumenten verwechselt werden. Wenn die Themensammlung zu einer Sammlung von Aspekten des Konfliktes degeneriert wird, erschwert sie nicht nur die Navigation durch das Verfahren, sondern auch die Möglichkeit der Parteien, den zu lösenden Konflikt zu identifizieren.

Beispiel - Konflikt und Streit: Nach der Lehre der nach Konfliktdimensionen aufgeteilten Konflikte wäre im Babysitterfall zwischen Konflikt und Streit zu unterscheiden bzw. zwischen Sachkonflikt und Beziehungskonflikt. Dort sollte es also zwei Themen geben: 1. Regelung des Umgangs und 2. Regelung der Eltern Beziehung. die Aufteilung verdeutlicht den Parteien über welche Konflikte zu sprechen ist. es würde nicht ausreichen den Umgang mit dem Kind zu regeln, wenn nicht zugleich eine Regelung der Eltern Beziehung stattfindet.


Besser ist es, wenn der Mediator darauf achtet, dass jedes Thema einen Konflikt repräsentiert. Das setzt natürlich voraus, dass er eine Konfliktanalyse durchgeführt hat, die sich an den Konfliktdimensionen orientiert4 .

 Merke:

Leitsatz 4241 - Die Themen sollten angeben, WAS (genau) zu regeln ist, damit deutlich wird WELCHER Konflikt beigelegt werden kann (soll).

Entsprechend dem Lösungspentagramm lassen sich Streitmotoren identifizieren, die im Motivationsbereich und nicht im Lösungsbereich zu finden sind. Der Babysitterfall verdeutlicht die Diskrepanz zwischen Konflikt und Streit: Der Streitgegenstand ist das Umgangsrecht Vater - Kind. Der Konflikt wahrscheinlich ein Paarkonflikt zwischen Vater und Mutter als getrennt lebende Eheleute. Der Paarkonflikt ist der Motor für den Streit.

 Merke:

Leitsatz 4242 - Der Verstehensgegenstand in der Mediation ist motiv- und konfliktorientiert!

Themenbehandlung

Die Bedeutung der Themensammlung geht weit über die Definition des Mediationsgegenstandes hinaus. Sie erlaubt eine Navigation und ist ein wesentlicher Bestandteil des Qualitätsmanagements. Schließlich hilft sie den Parteien zur Konflikteinsicht.

Konflikteinsicht

Der Mediator will den Streit genau kennen lernen. Er achtet deshalb auf folgendes:

  1. Er möchte wissen, ob der zu bearbeitende Streit lediglich eine Schlacht darstellt, oder ob er der Krieg ist.
  2. Er möchte wissen, ob und wie die Parteien ihre Forderungen vertreten.
  3. Der Mediator prüft, ob die Themenvorschläge mit der Konflikthypothese übereinstimmen. Dabei kommt es ihm darauf an, dass die Parteien eine klare Vorstellung von dem Konflikt bekommen und die Verantwortung dafür übernehmen, sodass sich der Rumpelstilzcheneffekt einstellen kann.

Konflikthypothese

Ausrichtung

Die Themen müssen stehts auf eine die GEGENWART oder die ZUKUNFT zu klärende Frage betreffen. Sie dienen nicht der Vergangenheitsbewältigung (zumindest nicht primär).

Beispiel - Thema Schuld: Der Mann sagt in einer Familienmediation: "Es ist bekannt, dass die Ursache für Probleme in den Herkunftsfamilien zu suchen ist. Was ist dann also meine Schuld?". Der Mediator fragt in Phase zwei: "Ist Schuld ein Thema über das wir reden sollten?". Der Mediand, der die Schuld seiner Frau an der Trennung herausstellen möchte antwotet mit "Ja". Weil die Klärung der Schuldfrage (für sich gesehen) kein Thema der Mediation sein kann, fragt der Mediator: "Was haben Sie davon, wenn die Frage geklärt ist?". Der Mediand antwortet: "Dann kann ich trotz der Trennung besser mit meiner Frau umgehen". "Also ist der Umgang mit Ihrer Frau ein Thema über das wir reden sollten", stellt der Mediator heraus und führt im Einverständnis mit dem Mann das Thema in der Liste auf dem Flipchart auf.
.

Themen- und Phasenlogik zusammen erlauben dem Mediator eine Navigation durch die Mediation. Der Mediator muss stets in der Lage sein, die Frage zu beantworten, wo er sich in der Mediation befindet.

Mediationslandkarte 

Der Mediator kann (zumindest in Gedanken) eine Mediationslandkarte skizzieren, damit er sich in der Mediation nicht verliert. Wichtig ist, dass er stets weiß wo er sich befindet.

 Merke:

Leitsatz 4243 - Der Mediator muss in jeder Lage des Verfahrens sagen können, welches Thema in welcher Phase bearbeitet wird

Schematisch lässt sich der Gang durch die Mediation mit mehreren Themen wie folgt darstellen:

themenlogik-1

Der Bearbeitungsstandort kann in dem Schema wie folgt lokalisiert werden:

themenlogik-3

Die Bearbeitung der Themen erfolgt auf der Fallebene. Auf der Verfahrensebene prüft der Mediator, ob die zur Konfliktbeilegung erforderlichen Kriterien nach Dimensionen sortiert erfasst werden. Die Dimensionen orientieren sich am Streitkontinuum und sind abhängig von der jeweiligen Fragestellung.

themenlogik-4

Es ist möglich (wenn es beispielsweise bei der Interessenerhellung zu einem Thema klemmt, die Themen zu wechseln. Dann könnte eine Navigation wie folgt aussehen:

themenlogik-2

Qualitätskontrolle

Die Zuordnung der Themen zu Interessen, Konflikten und Lösungen, erlaubt eine Überprüfung der Stimmigkeit der Mediation. Der Mediator achtet darauf, dass die Themen zur Konflikthypothese passen, die Interessen als Kriterien für die Lösung des mit dem Thema definierten Regelungsbedarfs sind und dass die Lösungen diesen Kriterien entsprechen. Schematisch lässt sich dieser Zusammenhang wie folgt darstellen:

Qualitätskontrolle

Qualitätskontrolle

Bedeutung für die Mediation

Wichtige Funktionen der Themenbildung sind die Zuführung zu einem Konfliktbewusstsein der Parteien, die Neutralisation der Positionen und die Akzeptanz des Widerspruchs.

Von der Metaebene aus betrachtet, wirkt das Verhältnis von Position und Gegenposition wie ein logischer Widerspruch. Die Parteien neigen dazu, den Widerspruch zu leugnen. Solange das geschieht, werden sie sich gegen die Argumente und die Sichtweise der Gegenseite verwahren. Psychologisch wäre das Phänomen mit der kognitiven Dissonanz zu erklären. Das Verhalten folgt aber auch aus der Konfliktwahrnehmung. Die Themenbildung eröffnet deshalb auch einen Weg, sich dem Widerspruch zu stellen und alle Seiten der Medaille zu betrachten. Die Themensammlung ist auch ein Schritt im Kognitionsprozess, der das logische Denken in ein dialektisches Denken überführt.

Denken

Was tun wenn...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-04-04 23:17 / Version 11.
Alias: Streitgegenstand, Verstehensgegenstand, Konfliktgegenstand, Mediationsgegenstand, Thema, Themenlogik, Bearbeitungsumfang, Themenbildung
Siehe auch: Auseinandersetzung mit der Sache, Themensammlung, Ziel und Zweck, Mediationslandkarte
Prüfvermerk: Administrator

1 Beispiel: "In der Familiensache x gegen y"
3 Ein anderer Grund ist den Rahmen herzustellen bevor der Streit erörtert wird, um die Metaebene streitfrei zu etablieren
4 das ist die Vorgehensweise bei der integrierten Mediation
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Themenlogik" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Themen
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