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Seiten-ID: 1137 Kompetenz zur Verwirklichung des Wesens der Mediation A) Abteilung »  05. Praxis

Kompetenz: Alles über das mediative Wissen und Können finden Sie auf folgenden Seiten:

Mediationskompetenz Verfahrenskompetenz Mediatorenkompetenz Ausbildungskompetenz 

Die mediative Kompetenz

Der Begriff mediative Kompetenz wird recht häufig erwähnt. Einmal, wenn es darum geht, die Fähigkeit des Mediators zu beurteilen, eine Mediation durchzuführen. Zum Anderen, wenn untersucht wird, ob und inwieweit das, was die Mediation ausmacht und schließlich wenn die Kompetenz etwa eines anderen Dienstleisters mit Elementen der Mediation angereichert ist. In allen Fällen kommt es darauf an, sich darüber bewusst zu werden, was die Kompetenz der Mediation auszeichnet.




Know how
to do the mediation perfectly!

Definitionsansatz

Die Kompetenz beschränkt sich nicht auf das Know how, also das Gewusst wie. Der Begriff umfasst auch die Erfahrung und die Fertigkeit, das Wissen korrekt anzuwenden. In einem professionellen Kontext kommen noch die Effizienz und Reproduzierbarkeit hinzu, die sich in der Qualität und der Nachvollziehbarket ausdrücken.

 Merke:

Leitsatz 4178 - Weil die Mediation eine Vermittlung ist, beschreibt die mediative Kompetenz das zum Verstehen und zur Verstehensvermittlung notwendige Wissen und die Fertigkeiten, den zur parteiseitigen Lösungsfindung notwendigen Erkenntnisprozess bedarfsabhängig und nachvollziehbar zu verwirklichen

Die Mediationskompetenz

Der Terminus mediative Kompetenz ordnet der Kompetenz mit einem Adjektiv eine Eigenschaft zu. Der Begriff ist deshalb eher allgemein als vermittelnde Kompetenz zu verstehen. Die Formulierung eignet sich also nicht für die fachliche Auseinandersetzung, um die es in diesem Beitrag geht. Hier soll ein Zugang zu der Frage gefunden werden, was die Kompetenz der Mediation ausmacht oder anders formuliert, welche Kompetenz erforderlich ist, um eine professionelle Mediation durchzuführen. Mithin beschreibt die Mediationskompetenz das Wissen, die Erfahrung und die Fertigkeit, eine Mediation durchzuführen.

Dass eine Auseinandersetzung mit dieser Kompetenz erforderlich ist, betrifft nicht nur die Frage der Ausbildung, die darauf abzielt diese Kompetenz zu vermitteln. Sie betrifft auch die Handhabung und die Darstellung der Mediation in der Öffentlichkeit. Hier fällt auf, dass schon besondere Kompetenz der Mediation scheinbar gar nicht gesehen wird1 . Oft das einfühlsame Zuhören genügt, um eine Verhandlung als mediativ zu kennzeichnen. Auch wird ihr Erfolg gerne an der versierten Technik des Mediators festgemacht.

Beispiel - Die schlaue Frage: Ein Bericht über eine erfolgreiche Mediation liest sich so, als wäre die einzigartige Frage des Mediators ausschlaggebend für den Perspektivwechsel der Parteien gewesen, aus dem heraus sie die Lösung finden konnten. Übersehen wird, dass die gleiche Frage in einem anderen Moment eine andere Wirkung erzielt hätte. Die sicherlich schlaue Frage braucht also einen Boden auf dem sie schlau erscheinen kann. Diesen Boden hat die Mediation bereitet.


Mit dem hier vorgestellten, professionellen Verständnis der Mediation hat das wenig zu tun. Die Kompetenz der Mediation erschöpft sich keinesfalls in einer Bezeichnung oder einer versiert angewendeten Technik. Um ihr auif den Grund zu gehen, ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich, die sich mit der Frage auseinandersetzt, was die Mediation überhaupt ausmacht. Wer dieser Frage auf den Grund geht, wird feststellen, dass die Mediation durchaus eine eigene Kompetenz besitzt. Um die ihr eigene Weisheit, das immanente Wissen und die Fertigkeit herausstellen zu können wird die Mediationskompetenz in zwei Kompetenzbereich aufgeteilt, die zwischen der Kompetenz des Verfahrens an und für sich und der des Mediators unterscheidet. Begrifflich wird diese Unterscheidung mit der Verfahrenskompetenz und der Mediatorenkompetenz aufgegriffen.

 Merke:

Leitsatz 9921 - Die Mediation besitzt eine eigene Kompetenz zur Lösungsfindung, wozu auch die Selbstregulierungskräfte beitragen. Es ist die Aufgabe des Mediators, diese Kompetenz für sich zu nutzen. Mithin besteht die Kompetenz des Mediators darin, die Kompetenz der Mediation zur Entfaltung zu bringen!

Komponenten der Verfahrenskompetenz

Auch wenn es schwer fällt, den Begriff Kompetenz auf ein Konstrukt zu beziehen, das selbst nicht handeln kann, verfügt die Mediation doch über eine Fertigkeit, die aus sich heraus eine Wirkung entfaltet. Sie besitzt die Kompetenz, die Gedanken der Parteien in eine konstruktive Richtung zu lenken. Dabei entwickelt sie eine Dynamik, die in einen Flow hineinführt. Darüber hinaus besitzt sie die Fähigkeit zur Selbstregulierung. Mithin lässt sich die Kompetenz des Verfahrens mit zwei wesentlichen Merkmalen charakterisieren:

  1. Wegbereitung
  2. Selbstregulierung

Es ist wichtig, die Eigendynamik der Mediation zu erkennen, damit sie ihre Wirkung entfalten kann. In dem hier zugrunde liegenden Mediationsverständnis ist die Mediation ein Konstrukt, das sich auf die Komplexität der Parteien und des Falles einlassen kann, um eine immer ganz herzustellen. Dafür bedient sie sich der funktionalen Einheiten, die erst mit der korrekten Zusammenführung unter Beachtung der Mediationslogik ihre Wirkung entfalten kann.

Weil die Mediation selbst nicht handeln kann, bedient sie sich des Mediators, dessen Aufgabe darin besteht, die Mediation zur Entfaltung zu bringen. Es ist also die Mediation die Lösung herbeiführt. Der Mediator macht sie möglich. Mit dieser Einschätzung werden Aussagen über die Kompetenz des Mediators möglich.

Verfahrenskompetenz

Komponenten der Mediatorenkompetenz

Die Definition legt insgesamt drei unterschiedliche Komponenten offen, die dazu beitragen, die mediative Kompetenz mit Inhalt zu füllen und zu konkretisieren. Die drei Komponenten sind:

  1. Wissen
  2. Fertigkeit
  3. Tätigkeit

Die ZMediatAusbV hat versucht, das Mindestwissen des Mediators zusammenzustellen. Daraus ist ein Katalog entstanden, der allerdings nur bedingt aussagekräftig ist.2 Das Wissen des Mediators muss sich zunächst auf das Wesen der Mediation und das Mediationsverständnis einlassen, damit er sich die Verfahrenskompetenz aneignen kann. Formale Kriterien sind unzureichend, um die Mediation und die zu ihrer Wesensverwirklichung führende Kompetenz zu beschreiben. Auch die zum Teil disponiblen Prinzipien3 geben zwar eine Orientierung. Sie sind jedoch nicht geeignet, die Mediation in ihrem innersten zu beschreiben.

Wenn sich das Wissen auf eine Kompetenz beziehen soll, ist es auf eine Vorgehensweise auszurichten. Damit gerät der Prozess der Mediation in den Fokus und damit auch das Wissen um die Verfahrenskompetenz. Daran knüpft die Kenntnis an, ob und wie welche Werkzeuge zu seiner Verwirklichung anzuwenden sind. Die Frage lässt sich aus der Mediationslogik heraus beantworten. Sie beschreibt, wie die Verhandlungslogik, die Prozesslogik, die Themenlogik, die Phasenlogik, die Konfliktdynamik und die Suchlogik zusammenzuführen sind, damit sich die Mediation als Erkenntnisprozess verwirklicht.

 Merke:

Leitsatz 4179 - Das mediative Know how kann also als das Wissen beschrieben werden, wie sich die Kompetenz der Verstehensvermittlung in der Logik des Mediierens verwirklicht

Die Fertigkeit beschreibt die Umsetzbarkeit des Wissens. Sie ist erreicht, wenn sich ein intuitives Denken innerhalb der Prozesslogik etabliert hat. Die Fertigkeit basiert auf Talent und Übung. Oft wird die Bedeutung der mediativen Haltung angeführt. Tatsächlich ist die Art des Denkens ausschlaggebend für das Gelingen der Mediation. Wenn das Denken allerdings mit Meinung und Gesinnung gleichgesetzt und moralisch begründet wird, bezieht es sich auf etwas anderes als Mediation. Das Denken ergibt sich aus dem Erkenntnisprozess und der Notwendigkeit, eine durch den Mediator repräsentierte Metaebene herzustellen.4

Tatsächlich erwartet die Mediation eine andere Denkweise. Sie ist nicht argument- oder lösungs-, sondern nutzenorientiert. Das Verstehen steht im Mittelpunkt, weshalb die Mediation eine Metaebene für den Fall und das Verfahren abbildet. Der Mediator ist die personifizierte Metaebene, woraus sich seine Wertefreiheit ergibt.

Die Tätigkeit des Mediators orientiert sich an seiner Rolle als Mediator, seiner Stellung im Mediationssystem und der sich daraus ergebenden Haltung. Wer sich auskennt in der Mediation kann genau sagen, warum er was gemacht hat oder wie was zu planen ist. Ein Qualitätsmanagement erlaubt das Herausarbeiten und Überwachen von Benchmarks.5

Wenn die zu gewährende Unterstützung zur Mediation passt, muss sie ausgewogen sein und sich darauf beschränken, den Medianden nur die erforderliche Hife anzubieten, die sie benötigen, um die zur Lösung führenden Erkenntnisse SELBST gewinnen zu können. Es ist eine besondere Herausforderung nicht in deren Kopf zu denken und keine Lösungen vorzugeben und sich nur dort einzubringen, wo es notwendig ist.6

Mediatorenkompetenz

Bedeutung für die Mediation

Oft wird die Haltung als wesentliches Kompetenzmerkmal beschrieben. Wenn damit die geistige Einstellung, die Einnahme der Metaebene und die Verwirklichung des mit der Mediation zu ermöglichenden Erkenntnisprozesses gemeint ist, handelt es sich ganz sicher um eine wesentliche Kompetenz, die Wissen, Verständnis (Verstehen) und Erfarung erfordert. Präziser wird der Begriff erst, wenn er sich auf die Anforderungen der Mediation bezieht und diese als Voraussetzung, nicht als Konsequenz der Haltung betrachtet. Man sollte bei der Haltung also immer den konkreten Bezug zur Mediation hinterfragen.

 Merke:

Leitsatz 4180 - Auf einen Nenner gebracht bemisst sich die Kompetenz des Mediators an seiner Fähigkeit zu Verstehen, das Verstandene zu vermitteln und in den Erkenntnisprozess der Mediation einzubeziehen

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2020-12-29 11:09 / Version 80.
Alias: Wesensverwirklichung, Kompetenz, mediative Kompetenz
Siehe auch: Selbstregulierung, Mediatorenkompetenz, Mediationskompetenz
Diskussion: Forumsbeitrag Mediationskompetenzen

2 Siehe die Ausführungen bei Ausbildungsinhalte.
3 Siehe dazu die Ausführungen unter Grundsätze
4 Siehe Haltung
5 Siehe Qualität
© Wiki to Yes: Trossen "mediative Kompetenz" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Mediationskompetenz
Erstellt von Arthur Trossen. Letzte Änderung: Dienstag Dezember 29, 2020 11:09:54 CET by Administrator.