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Anleitung zum Lernen der Mediation

Es gibt zwei Metaphern die sowohl für die Mediation wie für die Ausbildung in Mediation symptomatisch sind. Die eine Metapher betrifft das Schachspiel die andere die Kybernetik. Beide Bilder beschreiben die Herausforderungen, die eine Ausbildung zur Mediation zu bewältigen hat.




Das will gelernt sein
Lernhilfen für Studenten und Profis

Herausforderungen

Schach
Schach ist ein Spiel mit nur wenigen Regeln. Die Regeln bestimmen die möglichen Zugoptionen. Trotz - oder vielleicht auch wegen - der geringen Zahl von Regeln ergeben sich bereits nach dem zweiten Zug 72.084 unterschiedliche Stellungen. Nach dem zehnten Zug sind es: 169 518 29 100 544 000 000 000 000 000. Die Kombination aus Stellungen und Optionen macht jedes Spiel einzigartig, so, dass es unendlich viele Spielvarianten gibt.
Vergleichbar mit Schach handelt es sich auch bei der Mediation um ein "Spiel" mit nur wenig Regeln. Wie beim Schach ergeben sich bereits unmittelbar nach ihrem Aufruf (nach dem ersten Spielzug oder der ersten Intervention) unbegrenzt viele Optionen. Wie beim Schach hilft die Kenntnis der Spielregeln nur wenig bei der Entscheidung, welche Interventionen (Spielzüge) passend und zielführend sind.
Kybernetik
Was hilft es, wenn man weiß, dass ein Gegenstand aus etwa 15kg Kohle, 4 kg Stickstoff, 1kg Kalk, 1/2kg Phosphor und Schwefel, etwa 200g Salz, 150g Kali und Chlor und etwa 15 anderen Materialien sowie aus 4 – 5 Eimern Wasser besteht?

Die genannten Rohmaterialien sind das, was Sie erhalten, wenn Sie einen Menschen in seine Bestandteile zerlegen. Die Bausteine können alles Mögliche ergeben. Sie genügen nicht zur Beschreibung, was den Menschen ausmacht. Erst ihr Zusammenspiel ergibt, was den Menschen ausmacht und was den Menschen einen Menschen sein lässt.
Ähnlich verhält es sich mit der Mediation: Was hilft es, wenn man weiß, dass es Techniken, Phasen, Rollen und Prinzipien gibt, solange man nicht weiß, wie das Eine das Andere beeinflusst?

Komplexität

Die Beispiele zeigen, dass es nicht genügt, die Regeln, Bausteine und Elemente der Mediation zu kennen um die Komplexität der Mediation zu erfassen. Um halbwegs professionell mit ihr umgehen zu können, kommt es darauf an, die Funktionalität des Verfahrens seiner Bestandteile und der sich darin bewegenden Menschen zu verstehen.

Die richtige Frage: Eine Studentin verzweifelte einmal in einem zugegebenermaßen recht komplexen Rollenspiel. Sie begann zu weinen. Sie war völlig aufgelöst und sagte: "Das schaff ich nie! Ich schmeiß alles hin. Das hat keinen Sinn. Was mache ich nur als nächstes?". Sie wusste nicht mehr weiter. Der Trainer sagte ihr daraufhin: "Wen interessiert das? Du stellst die falsche Frage!"


Könnten Sie der Studentin erklären, welches die richtige Frage ist?
Sie werden merken, dass sie ganz entspannt sein können, wenn Sie diese Frage herausgefunden haben.
Versuchen Sie es doch einfach 'mal. Klicken Sie auf das Quizfragenicon rechts. Dann finden Sie eine Auswahl möglicher Antworten. Nur eine ist richtig,

Das Puzzle

Die Komplexität der Mediation wird noch dadurch gesteigert, dass es sich um ein interdisziplinäres Verfahren handelt. Das aus jeder Disziplin anders hergeleitet werden kann.

Alle Disziplinen haben eine ganz spezifische Sicht auf die Mediation, sodass es auch zu ganz unterschiedlichen Konnotationen (Begriffsdeutungen und Erklärungen) kommt. Zugegebenermaßen ist es recht schwierig, sich da noch auszukennen. Aber das ist noch nicht alles. Es trägt zur weiteren Verwirrung bei, dass wir Mediatoren mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen an sich und die Mediation begegnen. Viele differenzieren nicht ihre verschiedenen Erscheinungsformen und unterscheiden nicht zwischen Konzept, Modell, Form und Stil. Das alles macht es den Lernenden schwer, eine Systematik hinter der Mediation zu erkennen.

Wiki to Yes kann die Systematik liefern und die Vielfältigkeit der Mediation auch interdisziplinär nachweisen. Trotzdem gestaltet sich der Lernprozess wie ein Puzzle, dessen Bausteine je nach Lichteinfall in anderen Farben schillern.

Vielfalt als Feature

Es gibt wohl keinen anderen Weg, als das vermeintliche Chaos zunächst einmal zu akzeptieren und sich ihm zu stellen. Später bekommt man ein Gefühl dafür, wie die Teile zusammengehören und wie sie zusammenuzufügen sind. Der Schlüssel ist das Verständnis der Mediation. Wer das begreift ist der Mediation später gewachsen. Die Mediation wird immer ein Puzzle sein, bei dem es darauf ankommt, die Puzzlesteine korrekt zu identifizieren und nach ihrer funktionalen Bedeutung zusammenzufügen.Haben Sie also einfach Geduld und Neugier. Wer einmal die Welt des Wissens um die Mediation umkreist hat weiß später warum was wohin gehört.

Verstehen als Bedingung

Die wichtigste Anforderung, die sich Ausbilder ebenso wie Studenten geben sollten, besteht darin, die Mediation verständlich zu machen. Es hilft nicht, irgendwelche Lehrsätze vorzubeten, die sich dann bei genauerer Betrachtung als falsche Mythen herausstellen und zu nicht mehr beitragen, als dass sie die Kompetenz der Mediation verschleiern und ein falsches Bild verbreiten. Um die Mediation zu verstehen, ist Präzision angesagt und die beginnt damit, sich den sprachlichen Herausforderungen zu stellen und sich mit ihrem Wesen auseinanderzusetzen. Mediation ist anders. Nur wer das versteht kann mit ihr umgehen und ihr die Kompetenzen entlocken, die sie so einzigartig machen.

 Merke:

Mediation verstehen heißt, einen Plan davon zu bekommen, was wie in der Mediation funktioniert und sie wie auf den Prozess auswirkt.1

Verinnerlichen als Weg

Wenn Sie ein guter Mediator werden oder sein möchten, genügt es nicht zu wissen und zu verstehen was Mediation ist. Vielmehr kommt es darauf an, dass sie denken wie ein Mediator oder besser gesagt wie man es von einem Mediator erwarten sollte. Wer die Mediation als einen Kognitionsprozess begreift, der erkennt den Gedankengang als Teil eines Erkenntnisprozesses der intensiv mit dem Denken des Mediators verknüpft ist. Hier spielt die viel zitierte Haltung eine Rolle. Die Haltung im Verständnis der Mediation hat keinen moralischen Aspekt. Es geht nicht darum, dass sie ein Gutmensch sind. Moral ist Wertung und Bewertung. Sie ist in einem Verfahren, wo der Mediator die wertfreie Metaebene repräsentiert, eher fehl am Platz. Trotzdem ist die Art des Denkens ausschlaggebend dafür, wie erfolgreich der Mediator die Mediation umsetzen kann. Denken, erst recht ein Umdenken, erfordert Gewöhnung. Am Anfang steht die Erkenntnis dahinter kommt das Üben. Auch hier wird Wiki to Yes Ihnen Hilfestellungen geben.

Praktische Erfahrungen

Der Praxisbezug spielt in der Ausbildung eine wichtige Rolle. Oft sagen Studenten, dass sie mangels Fällen keine Übungsgelegenheit haben. Tatsächlich gibt es eine Menge Gelegenheiten, Mediation zu üben. Konflikte gibt es überall. Also gibt es überall Gelegenheiten, die Anfertigung von Konfliktanalysen und Konfliktlandkarten zu üben, ebenso wie die Erfahrung, die Konfliktparteien (oder die Partei) darauf anzusprechen, um das Loopen zu üben. Ein gutes Training ist auch zu überlegen, in welche Phase der Mediation das Gesagte passen würde. Jetzt üben Sie das Gespräch nach dieser Logik zu strukturieren.

Das präzise Zuhören lässt sich bei jedem Informationsaustausch üben. Lauschen Sie den Nachrichten und differenzieren Sie nach Fakten, Meinungen und Emotionen. Versuchen Sie doch einmal die Presseartikel zu loopen. Ein Beispiel dafür finden Sie im Augen auf Projekt.

Fühlen Sie sich auch ermutigt, Fälle und Fragen, die ihnen im Rollenspiel begegnen, bei den Intervisionen einzubringen oder die dort erwähnten Fallfragen zu beantworten.

zur Online-Intervision 

Empfehlung

  1. Die Arbeitsblätter führen Sie durch alle Ausbildungsschritte
  2. Der Mediationskurs ist eine online nachgebildete Komplettausbildung.
  3. Daneben und / oder darüber hinaus ist als Einstieg die Auseinandersetzung mit der Tour durch die Mediation zu empfehlen. Hier werden die auf die Parteien zukommenden Entscheidungen anhand eines Falles herausgestellt.
  4. Es macht Sinn, die Tour in einem zweiten Durchgang durchzuarbeiten und dann den vertiefenden Links zu folgen. Konzentrieren sie sich zunächst nur auf die Themen, die ihnen nahe sind und zu denen Sie eine Erfahrung haben. Diese können Sie dann besser mit den Schilderungen abgleichen. Gerne sind Sie eingeladen, Kommentare abzugeben oder Fragen zu stellen.Schließlich ist das hier ein Wiki.
  5. Der nächste Schritt könnte sein, die Bücher durchzuarbeiten. Sie ergeben eine chronologische Abfolge aller die Mediation betreffenden Themen. Auch hier lautet die Empfehlung, zunächst nur die Hauptkapitel zu lesen, um in einem späteren Durchgang auch den vertiefenden Links zu folgen.
  6. Spätestens jetzt wird es Zeit einmal auf die Werkzeuge zu achten und zu überlegen, wie sie zum Einsatz kommen könnten. Auch hier ist die Empfehlung, zunächst auf die Bereiche zu achten, die ihnen vertraut sind.
  7. Natürlich haben Sie auch Gelegenheit sich mit Fallstudien auseinanderzusetzen. Nutzen Sie also die Foren wo sie unter anderem eine Fallsammlung und Falldiskussionen vorfinden. Auch hier sind sie gerne eingeladen mitzudiskutieren.Sie können Fragen stellen und Fälle einbringen oder die vorhandenen Fälle kommentieren und besprechen.
  8. Wenn sie in oder außerhalb der Ausbildung auf Phänomene stoßen von denen sie sich fragen wie man damit in der Mediation umgehen würde, nutzen Sie das Mediationswiki als Nachschlagewerk und Datenbank. Geben Sie in das Suchfeld rechts in der Seitenleiste einfach einen Begriff ein. Wiki to Yes wird Ihnen die Beiträge präsentieren, in denen dieser Begriff vorkommt.
  9. Testen Sie anhand der Examensfragen mal immer wieder zwischendurch, was Sie schon wissen.
  10. Es gibt viele Gelegenheiten zum üben. Die Studenten sind nicht auf Rollenspiele angewiesen. Das Loopen lässt sich beispielsweise hervorragend im Projekt Augen auf! üben. Reichen Sie einen Artikel ein. Keine Sorge; vor der Veröffentlichung wird er redigiert.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-08 21:05 / Version 48.
Alias: Studienanleitung
Siehe auch: Lernplattform
Geprüft: -

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