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Mediationsmetaphern

Warum nicht die Mediation in Wortbildern erklären?
Die Verwendung von Metaphern ist eine Technik, die der Mediator trefflich zu verwenden weiß. Warum also nicht "in eigener Sache", wenn es darum geht, die Mediation näher zu bringen? Die Wortbilder ergänzen die Einführung in die Mediation.

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10 Bilder über Mediation
sagen mehr als 1000 Worte

Die erste wichtige Erkenntnis lautet: Die Mediation ist komplex. Es gibt also kein einzelnes Bild, das die Mediation beschreiben könnte. Deshalb malt die erste Metapher ein Kaleidoskop.

1. Kaleidoskop

Kaleidoskop
Das Kaleidoskop deutet auf die Komplexität der Mediation hin, die zu bewältigen eine Herausforderung nicht nur für den Mediator ist. Im Grunde gibt es zwei Komplexitäten: Die des Verfahrens und die des Falles. Wichtig ist, sich der Komplexität zu stellen.

2. Apfelsine

Orange
Das ist wohl die am häufigsten gebrauchte Metapher.

Orangenbeispiel: Eine Mutter hat zwei Kinder. Die streiten um eine Apfelsine. Jedes Kind verlangt die Apfelsine für sich. Es werden Argumente ausgetauscht und Vorwürfe gemacht. Der Streit geht um die Vertei-lung der Apfelsine. Statt den Kindern die Entscheidung abzunehmen und die Apfelsine hälftig zu teilen oder selbst zu essen, erkundigt sich die Mutter nach den hinter dem Streit liegenden Inte-ressen. Sie fragt: "Wozu braucht ihr die Apfelsine?". Dann antwortet das eine Kind: "Ich möchte Orangensaft trinken". Das andere Kind antwortet: "Ich möchte einen Kuchen backen". Nun ergibt sich eine Lösung mit der jedes Kind zufrieden ist. Das eine Kind bekommt die Schale zum Ku-chen backen, das andere Kind bekommt das Fruchtfleisch zum Saft trinken.


Das Orangenbeispiel soll zeigen, wie die Einführung der Interessenebene gegenüber den Positionen einen Mehrwert schafft. Was man nicht übersehen sollte ist die Tatsache, dass das Orangenbild nur einen Aspekt der Mediation beschreibt. Ihre Vielfalt erlaubt eine weitere Metapher, die sich auf das "Spiel" bezieht.

3. Schach

Schach
Natürlich ist die Mediation ein anderer Spieltyp. Schach ist ein Nullsummenspiel. Die Mediation ist ein sogenanntes Nicht-Nullsummenspiel oder ein Positivsummenspiel. Was beide Spiele jedoch gemeinsam haben ist die Komplexität.

Schachbeispiel: Schach kommt mit ganz wenigen Regeln aus. Und doch ist es eines der kompliziertesten Spiele der Welt. Schon nach dem zweiten Zug gibt es mehr als 72.000 Optionen. Nach dem fünften Zug gibt es mehr Optionen als es Sterne im Universum gibt. Beim Schach ist dem Spieler völlig klar, dass es nicht genügt die Regeln zu kennen.


Ähnlich ist es bei der Mediation. Auch die Mediation lässt sich mit wenigen Regeln beschreiben. Trotzdem, ist sie äußert komplex. Die Züge lassen sich nicht vorhersehen geschweige denn berechnen. Anders als beim Schach, scheint die Komplexität der Mediation nicht nahezuliegen. Jeder Mensch hat eine intuitive Begabung zum Verhandeln. Es ist ihm nicht bewusst, woran alles zu denken ist und was zu beachten ist, damit aus dem Verhandeln eine Mediation wird.

4. Puzzle

Puzzle
Vom Spieltyp her betrachtet wäre die Mediation eher mit einem Puzzle zu vergleichen. Genauer gesagt mit 2 Puzzles (Wenn Rechtsfragen einbezogen werden sogar mit 3 Puzzles). Puzzle heisst auf Deutsch: Rätsel. Es soll eine Lösung gesucht werden.

Puzzlebeispiel: Das Enkelkind ist bei der Oma zu Besuch. Die Oma möchte den Besuch attraktiv machen und schlägt vor, ein Spiel zu spielen. Leider hat sie keinen großen Vorrat. Im Keller findet sie noch ein altes Puzzle. Auf dem Karton ist ein Zug als Bildvorlage, der als Bild zu legen ist. Es ist ein Puzzle mit 10.000 Teilen. Leider hatten die Kinder ein anderes Puzzle mit 30.000 Teilen in den gleichen Karton geschüttet, wofür es keine Vorlage mehr gibt. Oma und Enkelkind müssen also zunächst die Steine sortieren, um sie dem jeweiligen Puzzle zuzuordnen und versuchen, die beiden Bilder zu legen. Dabei kommt es nicht darauf an, WER den entscheidenden Stein legt. Niemand würde sagen: "Hol den Stein weg. Ich habe zuerst gesehen, dass der dorthin gehört". Beide Spieler sind glücklich, dass das Bild erkennbar wird und fertig gelegt werden kann.


Die Mediation ist wie ein Puzzle ein Suchspiel. Es gibt keinen Gewinner, es gibt nur einen Gewinn, der aus den fertigen Bildern besteht. Wenn hier von zwei Puzzlen die Rede ist, betrifft das eine Bild die Verfahrensebene (also die Mediation) und das andere die Fallebene (also die zu findende Lösung). Wie die Puzzlesteine zu legen sind (also wie die Informationen zusammenzusetzen sind) ergibt sich aus der Dimensionierung.

5. Bootsfahrt

Boot
Das Bild von der Bootsfahrt betrifft die Situation der Akteure und deren Zusammenspiel. Stellen Sie sich ein kleines Boot vor, mit dem Sie den Ozean überqueren wollen.

Ozeanbeispiel: Die Mediation ist ein konfliktbezogenes Gespräch. Es lässt sich mit dem Meer vergleichen, wo es keine Orientierung gibt. Nur der Steuermann weiß, wie über das Meer zu navigieren ist.


Es kommt darauf an, dass der Mediator durch die Verhandlung navigieren kann. Er muss den Parteien Orientierung geben, damit sie seiner Navigation vertrauen.

6. Bojen

Boje
Wenn Sie sich mitten auf dem Meer befinden, dann verliert man gerne die Orientierung. Die Phasen wirken jetzt wie Bojen.

Bojenbeispiel: Auf dem Meer gibt es keine Orientierung. Woher sollen die Parteien also wissen, dass das Gespräch zielführend ist und dass sie Fortschritte machen. Jetzt hilft es ihnen, wenn sie Bojen finden, an denen sie den Fortschritt ausmachen können.


Die Fortschritte in der Mediation lassen sich über die Phasen markieren. Es macht deshalb Sinn wen der Mediator die Phasen vorstellt und wie Bojen im Ozean platziert, sodass die Parteien den Fortschritt ihrer Reise erkennen können.

7. Aikido

Aikido
Die Mediation mit Schach zu vergleichen war schon gewagt. Der Vergleich mit Aikido ist noch gewagter.

Aikidobeispiel: Das Ziel des Aikidoka ist es, den Angriff überflüssig zu machen. Beobachtet man einen Aikidoka, fällt auf dass er dem Angriff nicht entgegentritt. Er nimmt ihn an und führt ihn meist durch eine Kreisbewegung entweder zurück oder in eine Richtung, wo er keinen Schaden hinterlässt.


Natürlich ist Mediation keine Kampfkunst. Vergleichbar ist die Umwandlung der Energien. Von der Aggressionsenergie in eine Motivationsenergie. Von der Motivationsenergie in Handlungsenergie und weiter in die Energie zur Kooperation. Wer die Mediation beherrscht der weiß, dase die Meidiation keinerlei Anlass zum Streiten gibt. Nicht nur die Haltung. sondern auch viele Techniken sind mit dem Aikido zu vergleichen.

8. Spiegel

Mediator Spiegel Heinisch
Situativ lässt sich die Mediation mit der Grafik von Heinisch gut beschreiben. Wo ist der Mediator?

Spiegelbeispiel: Die Karikatur zeigt eine typische Situation der Gerichtsverhandlung. Die Parteien sitzen einander gegenüber die Mauer der Argumente hindert sie daran, sich wahrzunehmen. Die Argumente haben sie in ihren Pilotenkoffern verpackt, die sie griffbereit auf ihrem Schoß halten. Der Mediator steht nicht im Vordergrund, wie §1 Abs. 2 Mediationsgesetz mit dem Begriff Führung zu suggerieren scheint. Schauen Sie genau hin. Man sieht den Mediator gar nicht. Er steht hinter dem Spiegel und hält den Spiegel so, dass die Parteien sich und den Gegner sehen können.


Das Bild verdeutlicht die Funktion der Mediation als Vermittlung. Der Spiegel ist einerseits die Metaebene, die beide Parteien im Blick hat. Der Mediator kann den Spiegel wenden. Er kann ihn mehr auf die eine oder die andere Partei ausrichten, sodass sie sich den Gegner und beide Parteien sehen können. Dass diese Methode zielführend ist basiert auf der Annahme dass der Mensch, wenn er verstanden hat, die besten Entscheidungen selbst treffen kann.

9. 1000-Füßler

1000er
Der 1000-Füßler kann seine Füße unbewusst aufeinander ausrichten, sodass er sich sicher bewegen kann.

Tausendfüßlerbeispiel: Fragen Sie einen 1000-Füßler, was er mit seinem dritten Bein vorne rechts anstellt, wird der Tausendfüßler anfangen zu stolpern. Er muss sich bewusst machen was unbewusst funktioniert hat. Das Bewusstsein muss erst lernen, warum und wie die unbewussten Bewegungen aufeinander abzustimmen sind. Wenn der Tausendfüßler diesen Lernvorgang abgeschlossen hat, kann er tanzen.


Was haben sie gelernt? Haben die Bilder ausreichend zur Verwirrung beigetragen und die Idee eines Bewusstseins für das unbewusste Verhandeln hergestellt? Dann haben sie ja ihren Zweck erreicht. Verwirrung ist ein Teil des "Spiels". Ohne sie wäre ein Umdenken kaum möglich. Je mehr Sie sich in die Mediation hineindenken, umso mehr erkennen sie ihre Paradoxie. Eine Paradoxie lautet z.B.: "Je mehr Sie an die Lösung denken, desto weniger stellt sie sich her!". Wer die Mediation verstanden hat kann erklären, warum das so ist.

10. Die heile Welt

Medizin
Die Metapher der heilen Welt hilft auch vielen Medianden in der Mediation.

Heile Welt Beispiel: Fragt man die Parteien, wie sich ihr Problem lösen lässt, sagen sie oft: "Das ist unmöglich". Sie haben bereits die Erfahrung gemacht, dass ihre Argumente nicht ziehen. Es war ihnen nicht gelungen, den Gegner zu überzeugen. Ihr Denken bewegt sich innerhalb der Verletzung und den dadurch entstandenen Schaden. Wie kann dieses Denken auf einen positiven Fokus gelenkt werden? Die Antwort ist leicht: in dem man nicht an den Schaden, sondern daran denkt, wie die Welt wieder aussieht, wenn der Schaden überwunden ist. Es ist der Gedanke an die heile Welt, auf dem die Suche nach Lösungen in der Mediation basiert.


Anders als ein konventioneller Streit blickt die Mediation nicht auf die "kaputte Welt". Stattdessen lenkt sie den Blick auf die "heile Welt". Das heisst: die Mediation fragt nicht: "was ist falsch gelaufen?". Sie fragt "Wie muss es sein, damit es richtig läuft?". Um diese Frage zu beantworten, muss sie zunächst die "richtige" oder die "heile Welt" kennen. Aus dieser Vorstellung entwickeln sich die Kriterien für eine Konfliktlösung.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Bearbeitungsstand: 2019-05-01 04:57 / Version 68.
Aliase: Mediationsbilder
Siehe auch: Fazit: Die 7 Leitsätze der Mediation oder Videodarstellungen zur Mediation
Diskussion (Foren): Siehe Mediationsvideos und Mediation
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Seite zuletzt geändert: am Mittwoch Mai 1, 2019 04:57:21 CEST von Arthur Trossen.