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Durchblick

Simple but not easy!
Einige Meilensteine bei der Bewältigung der Mediation, die jeder Mediator kennen sollte.

Meilensteine

Es ist wirklich nicht einfach in einem so komplexen Verfahren wie der Mediation den Überblick zu behalten. Deshalb sollen einige Meilensteine des Verfahrens helfen, die wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse der Mediation noch einmal zusammenfassen. Die Vertiefung ergibt sich aus den Verweisen:

  1. Konflikthypothese
    Ausgangspunkt einer jeden Mediation ist die Konflikthypothese, die sich am besten in einer Konfliktlandkarte darstellen lässt und Teil einer Konfliktanalyse ist. Die Analyse des Konfliktes ist unerlässlich, wenn es darum geht einen oder mehrere Konflikte beizulegen.
  2. Geeignetheit
    Die Frage nach der Geeignetheit der Mediation als das passende Verfahren ist mit den Parteien spätestens in Phase eins abzustimmen und während jeder Phase des Verfahrens im Auge zu behalten. Der Mediator prüft unaufgefordert, ob die Voraussetzungen für eine Mediation gegeben sind.
  3. Parteien
    Ein Teil dieser Prüfung betrifft die Frage, wer mit wem worüber zu sprechen hat. Der Mediator muss zwischen Vertragsparteien, Streitparteien und Konfliktparteien unterscheiden und darauf achten, dass möglichst nur die an dem jeweiligen Konflikt beteiligten Parteien am Gespräch teilnehmen.
  4. Setting
    Das Setting soll dazu beitragen, die situationsbedingt besten Verhandlungsbedingungen herzustellen. Es soll das Kommunikationsmodell unterstützen und dem Mediator helfen, die zur Situation und zum Verfahrensstand passenden Kommunikationsachsen auszubilden und die Prozesslogik zu verwirklichen.
  5. Format
    Der Mediator entscheidet sich mit den Parteien für das passende Mediationsformat. Er gestaltet die Mediation, sodass sie die am besten zur Konfliktbeilegung passende Form (z.B.: Co-Mediation, Shuttle-Mediation) bekommt.
  6. Zielvereinbarung
    Wer nicht das gleiche Ziel hat, kann nicht den gleichen Weg gehen. Der Weg, der zu gehen ist, wird mit dem Verfahren beschrieben. Es ist also wichtig, dass die Parteien den Weg und das Ziel kennen. Die Abstimmung erfolgt über eine Zielvereinbarung. Sie betrifft lediglich den Verfahrenszweck, somit die Verfahrensebene und nicht die Fallebene. Sie ergibt sich aus der Klärung der Geeignetheit und mündet in einer Zielvereinbarung, die eine Suche ergeben muss. Damit einher geht die Ergebnisoffenheit, die von den Parteien zumindest als möglich eingestanden werden muss.
  7. Rahmenbedingungen
    Die Bedingungen, unter denen eine gelingende Mediation möglich ist, sind in einem Arbeitsbündnis festzulegen. Hier werden gegebenenfalls auch verfahrensstrategische Fragen erörtert, wie sich die Kooperation von der Konfrontation abgrenzen und absichern lässt. Es ist zu klären, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit es zu einem offenen Gespräch kommt und wie die Offenheit gegebenenfalls durch die Vertraulichkeit abgesichert werden kann. Die Freiwilligkeit muss von den Parteien verstanden werden als Instrument der eigenen Kontrollfähigkeit. Sie korrespondiert mit der Eigenverantwortlichkeit und der Verhandlungsfähigkeit. Alles in allem schafft der Mediator Bedingungen, die die Verwirklichung des Wesens der Mediation sicherstellen.
  8. Legitimation
    Die Mediation basiert auf einer Vereinbarung. Der Leistungsaustausch wird im Mediationsvertrag geregelt. Er ist die Grundlage für Fragen der Haftung. Das Prozessrecht wird in der Mediationsdurchführungsvereinbarung festgelegt. Alle weiteren Vereinbarungen innerhalb der Mediation basieren auf dem Konsensprinzip.
  9. Systemik
    Es ist wichtig, dass die Parteien verstehen, dass sie selbst die Lösung finden sollen, sodass der Mediator sich nicht auf der operativen Ebene bewegt. Er steht außerhalb des Streitsystems, weshalb er die Metaebene zur Fallbearbeitung abbildet. Der Blick des Mediators ist ausschließlich prozessorientiert. Er weiß, dass die Lösungsweg aus dem Prozess heraus hergestellt wird und nicht gezielt anzusteuern ist.
  10. Streitkontinuum
    Der vorgestellte Erfolg orientiert sich an der Bearbeitungstiefe. Ein maximaler Erfolg ist nur möglich, wenn die Mediation alle Dimensionen des Streitkontinuums erfasst. Allerdings muss geklärt werden, welche Dimensionen konkret bearbeitet werden. Das ist wichtig für die Wahl des Mediationsmodells einerseits, andererseits aber auch dafür, um mit den Parteien die Bearbeitungstiefe abzustimmen. Wenn die Parteien sich nur auf der Sachebene bewegen wollen, lässt sich kaum ein Beziehungskonflikt lösen.
  11. Erkenntnisse
    Wenn die Parteien die Lösungsweg finden sollen, müssen Sie die Erkenntnisse gewinnen, die dazu verhelfen. Die Mediation gibt die äußere Struktur vor, die den zu durchschreitenden Gedankengang interpunktiert. Die Gedanken werden entsprechend der Phasen selektiert und sequentiell in eine Phasenlogik eingebunden.
  12. Mediationsgegenstand
    Der Gegenstand, mit dem sich die Parteien auseinandersetzen müssen, ergibt sich aus den Themen, die in eine Themenlogik überführt werden. Die Themen müssen darauf gerichtet sein, eine Regelung für die Zukunft zu treffen. Zusammen mit den Phasen ergeben sie eine Navigationshilfe, die sich in der Mediationslandkarte visualisieren lässt.
  13. Konfliktidentifikation
    Um den Konflikt bearbeiten zu können, benötigen die Parteien ein Konfliktverständnis. Die Konfliktkongruenz beantwortet die Frage, inwieweit das Verfahren in der Lage ist, den Konflikt zu klären. Die Themen sollten jeweils einen Konflikt repräsentieren. Der Mediator muss darauf achten, dass Argumente, Interessen, Positionen und Themen nicht verwechselt werden.
  14. Konfliktarbeit
    Die Verarbeitung des Konfliktes erfolgt nicht über Diagnosen, Argumenten oder Schuldzuweisungen, sondern dadurch, dass der Blick der Parteien von dem Streit weg auf die Überwindung des Konfliktes gerichtet wird. Der Mediator versucht also, das Denken der Parteien aus dem Widerspruch (kaputte Welt, Streit) heraus in eine Gedankenwelt hineinzuführen, die auf Gemeinsamkeiten (heile Welt, Streitfreiheit) aufsetzen kann und ein paralleles Denken ermöglicht.
  15. Dimensionierung
    Die Bewältigung der Komplexität erfolgt über die Dimensionierung. Der Mediator achtet deshalb darauf, dass die jeweiligen Informationen sogenannten Dimensionen zugeordnet werden. Die Zuordnung entspricht der Metainformationen. Mit der Dimensionierung ermöglicht er nicht nur die Strukturierung des Verfahrens, sondern auch die Strukturierung der Gedanken, aus denen heraus die Parteien ihre Lösung entwickeln sollen. Die Dimensionen auf der Verfahrensebene ergeben sich aus dem Streitkontinuum, der Zielsetzung, den Phasen und den Themen. Die Dimensionen auf der Fallebene sind kontextsensitiv zu ermitteln. Regelmäßig ist zwischen Fakten, Meinungen und Emotionen zu unterscheiden, gegebenenfalls auch zwischen Beziehungen und Beziehungsebenen sowie den Sachthemen.
  16. Nutzenorientierung
    Die Mediation ist ein nutzenorientiertes Verfahren. Die Parteien müssen sich deshalb über den Nutzen auf der Verfahrensebene bewusst sein (sie müssen das Motiv kennen warum sie die Mediation betreiben wollen) und über den Nutzen auf der Fallebene (sie müssen erkennen, wann die Lösungsweg für sie welchen Nutzen herbeiführt). Der Nutzen auf der Verfahrensebene wird in Phase eins erarbeitet, der Nutzen auf der Fallebene wird in Phase drei erarbeitet. Über die Motive und Bedürfnisse werden die Erwartungen an eine gute Lösung erarbeitet, woraus sich die Kriterien für die spätere Lösung herauslesen lassen.
  17. Steuerung
    Die Steuerung erfolgt im wesentlichen dadurch, dass der Mediator die Informationen den jeweiligen Dimensionen zuordnet und die Dimensionen in ein korrektes Verhältnis setzt. Er unterscheidet dabei strikt zwischen der Verfahrensebene und der Fallebene. Er muss zwingend unterscheiden zwischen Argumenten (Phase zwei), Positionen (Phase zwei), Themen (Phase zwei), Interessen (Phase drei) und Lösungen (Phase vier).
  18. Interventionen
    Die Werkzeuge helfen dem Mediator bei der Prozessverwirklichung. Interventionen sind dann angebracht, wenn es zu schwierigen Situationen kommt. Der Mediator nutzt die Interventionen nicht um die Parteien zu einer (nicht verstandenen) Handlung zu bewegen. Stattdessen überlegt er wie es gelingt die Partei zu der notwendigen Erkenntnis zu bewegen, die es erlaubt im Prozess weiter voranzugehen.
  19. Verstehen
    Die Mediation ist eine Verstehensvermittlung und grenzt sich von der Lösungsvermittlung (Schlichtung) ab. Die zentrale Frage des Mediators ist also stets, was er tun muss, damit ein Verstehen möglich und vermittelbar wird. Was zu verstehen ist ergibt sich aus der jeweiligen Prozesssituation. Die Zuordnung zu den Phasen legt zugleich die notwendigen Etappenziele fest.
  20. Ergebnis
    das Ergebnis ist die gefundene Lösungsweg. Die Abschlussvereinbarung ist ihre Manifestation. Sie soll sicherstellen, dass die Lösung auch umgesetzt wird.
  21. Qualität
    Die Frage ob eine Mediation gelungen ist oder nicht ergibt sich aus der Übereinstimmung der Lösung (Phase 4) mit den erarbeiteten Lösungskriterien (Phase 3), die wiederum auf die geforderte Bearbeitungstiefe, die Ziele und Rahmenbedingungen) abzustimmen sind. Die Benchmarks helfen in jeder Lage des Verfahrens gegebenenfalls nötige Kurskorrekturen vorzunehmen.

Vorschläge

Als erfahrender Mediator kennen Sie sicher auch einige Vorschläge, die den Umgang mit Mediation auch für andere klarer und deutlicher machen. Nutzen Sie die Gelegenheit, darüber zu berichten.

Der Durchblick

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-11-02 08:06 / Version 74.
Alias: Bearbeitungshinweise
Siehe auch: Kniffe, Dimensionen, Phasenlogik, Themenlogik, Kognitionsprozess
Diskussion: Der Durchblick
Prüfvermerk: Arthur Trossen

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