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Seiten-ID: 519 Mediationsformat: Mediation auf Distanz 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Mediationsformat »  Onlinemediation

Onlinemediation Mediation online zur Überwindung von Distanzen

Der Begriff Online kommt aus dem Englischen. Er setzt sich aus den Worten on=auf und line=Leitung zusammen, Im Deutschen mag er mit im Netz übersetzt werden. Im Allgemeinen wird unter dem Begriff eine aktive Verbindung mit einem Kommunikationsnetzwerk verstanden1 .




Hang on
Möglichkeiten, Vor- und Nachteile der Online-Mediation

Definition

In der Mediation bezeichnet der Begriff Onlinemediation ein Mediationsformat. Es ist im begrifflich korrekten Verständnis keine Mediationsart, weil zumindest theoretisch alle Mediationsmodelle zur Anwendung kommen können. Mithin ist unter der Onlinemediation folgendes zu verstehen:

 Merke:

Leitsatz 4664 - Die Onlinemediation ist eine Mediation, bei der die Kommunikation überwiegend mit technischer Hilfe ermöglicht wird.

Anwendungsfälle

Der wohl wichigste und zugleich naheliegende Anwendungsfall sind Mediationen, bei denen große Distanzen zu überwinden sind. Meist ist das der Fall bei internationalen Mediationen oder Cross Border Mediationen. Also dann, wenn die Parteien in zwei verschiedenen Ländern ansässig sind.

Beispiel - Onlinemediation: Ein Ehepartner verzieht beispielsweise nach der Trennung ins Ausland.


Distanzprobleme gibt es aber auch im Inland, wenn die Parteien weit auseinander entfernt wohnen.

Distanzmediationen

Natürlich erschweren Distanzprobleme die Kommunikation. Andererseits kann die Herstellung von Distanz aber auch zur Kommunikation beitragen und diese ermöglichen. Die Shuttle-Mediation ist dafür ein Beispiel. Allerdings wird die Pendelmediation2 nicht für alle Mediationsmodelle empfohlen.

Shuttle-Mediation

Die Mediation ist ein flexibles Verfahren. Sie erlaubt es deshalb, alle Werkzeuge zum Einsatz zu bringen, die sich mit ihrem Wesen vereinbaren lassen. Dazu zählen auch technische Hilfsmittel.

Kommunikationswege

Wie der Name sagt, steht der Begriff für Wege, die die Kommunikation in Bezug auf einen Kontext und bezogen auf die Rahmenbedingungen nimmt oder nehmen kann. Für Schewe beschreiben Kommunikationswege jede Kommunikationsbeziehung zwischen zwei Kommunikationspartnern im Rahmen des betrieblichen Kommunikationssystems3 . Im Verständnis dieses Beitrages werden die Kommunikationswege ergebende Kontext aus der Verwendung der technischen Hilfsmittel vorgegeben.

Kommunikationswege

Die Mediation kann verschiedene Wege ermöglichen, in denen die Kommunikation verlaufen kann. Zu unterscheiden sind die schriftliche, die elektronische, die fernmündliche, die Video- und die persönliche Kommunikation. Auf jedem Weg nimmt die Kommunikation einen anderen Verlauf. Sie unterliegt unterschiedlichen Bedingungen und eröffnet ganz unterschiedliche Möglichkeiten.

Schriftliche Kommunikation (per Brief)

Wegen der Distanz und der oft eingeschränkten Möglichkeiten eines persönlichen Treffens konzentriert sich die Kommunikation oft auf schriftliche oder fernmündliche Kontakte. Schriftliche Kontakte verlaufen synchron (etwa beim Chat) oder assynchron (bei e-Mail und Brief). Daraus ergeben sich Vor und Nachteile. Die Vor- und Nachteile dieses Kommunikationsweges lassen sich wie folgt gegenüberstellen:

Vorteile

  • Konzentration auf das Wesentliche
  • Zeit zum Überlegen und Formulieren
  • Fixierung (Aufzeichnung / Protokoll / Kopie)

Nachteile

  • Reduktion
  • Dokumentation (Vertraulichkeit)
  • Mangelnde Offenheit


Die Verschriftlichung kann eine persönliche Kommunikation nicht wirklich ersetzen, ist aber als eine Ergänzung durchaus hilfreich. Auch dann, wenn die schriftliche Kommunikation über die organisatorischen Abstimmungen wie die Terminvereinbarung hinausgeht. Wichtig ist, dass sich die Parteien stets im Klaren sind über die zu wählenden Möglichkeiten und ihre Konsequemzen.

 Merke:

Leitsatz 4665 - Bei einer schriftlichen Kommunikation ist der Mediator gut beraten, wenn er die Grenzen und Möglichkeiten dieser Kommunikation aufdeckt und abstimmt.

Kommt es zu einem Schriftverkehr zwischen den persönlich wahrgenommenen Terminen, ist der Schriftverkehr wie ein getrenntes Gespräch i.S.d. § 2 Mediationsgesetz zu behandeln. Neben der Erlaubnis und der Abstimmung über die Vertraulichkeit, kann der Mediator mit den Parteien Regeln aufstellen, wie die schriftliche Kommunikation verlaufen sollte. Es macht keinen Sinn, den Parteien zu untersagen, emotionale Inhalte in die schriftliche Kommunikation einzubringen. Besser ist es, dafür einen anderen Kommunikationsrahmen anzubieten und die emotionalen Belange auf ein persönliches Treffen zu vertagen.

Elektronische Kommunikation (per e-Mail)

Während ein Brief nur beim Mediator ankommt (also den Kommunikationsachsen der Mediation entspricht) kann die an alle Teilnehmer der Mediation gleichzeitig gesendet werden kann. Diese Möglichkeit bietet Vor- und Nachteile zugleich. Bei einer unkontrollierten Kommunikation können eskalierende Inhalte in die falschen Kommunikationsachsen geleitet werden. Regeln über den e-Mailverkehr können das Risiko vermindern.

Formular: eMail-Regeln

Die Praxis zeigt allerdings, dass sich die Parteien zum Einen nicht an diese Regeln halten. Möglicherweise kennen sie die Funktion an alle antworten nicht oder sind nicht daran gewöhnt, diese Funktion zu nutzen. Möglicherweise wollen sie aber auch nicht, dass die Gegenseite den Text ungefiltert erhält. Die nicht an alle gesendete e-Mail ist wie ein Einzelgespräch zu behandeln. Der Mediator muss also klären, ob er sie verwenden und weiterleiten darf.

Einzelgespräch

In der unmittelbaren Kommunikation würde die Paraphrase des Mediators eventuelle Angriffe direkt entschärfen können. Bei der assynchronen Kommunikation ist das nicht möglich. Deshalb kann es durchaus Sinn machen, wenn der Mediator als Kommunikationsbrücke übersetzt, was die (nicht angreifende Ich-Botschaft) der e-Mail sein mag, bevor sie weitergeleitet wird.

Fernmündliche Kommunikation (per Telefon)

Möglich sind auch Telefonate. Wenn sie nicht als Konferenzschaltung organisiert sind, finden sie in sogenannten getrennten Gesprächen statt. Die Anforderungen an sogenannte Einzelgespräche sind zu beachten.

Fernmündliche Videokommunikation (per VoIP)

Moderne Technologie hilft die Probleme einzuschränken. Voice over IP (VoIP) erlaubt bei geringen oder gar keinen Kommunikationskosten in einer Weise zu kommunizieren, bei der man sein Gegenüber nicht nur sprechen, sondern auch sehen kann. Die Parteien einschließlich dem Mediator sitzen vor ihren Endgeräten. Sie haben Video- und Ton-Funktionen eingeschaltet. Sie können sich sehen und miteinander reden. Nur riechen können sie sich nicht.

Auch diese Art der Kommunikation unterliegt Einschränkungen. Sowohl der Mediator als auch die Parteien müssen sich darüber im Klaren sein. Sie müssen beachten, dass immer nur der Teil des Gegenübers sichtbar ist, den der Gesprächspartner offenbart (zeigt). Es ist nur ein Ausschnitt des Geschehens wahrnehmbar, auf das der Betrachter keinen oder nur einen geringen Einfluss hat. Wer weiß denn schon, was hinter der Kamera passiert? Ist es wirklich sicher, dass der Gesprächspartner dort alleine sitzt? Was verbirgt die Kamera? Kommt es zu Video- oder Tonaufzeichnungen? Der Mediator muss diese Fragen ansprechen. Die Vor- und Nachteile dieses Kommunikationsweges lassen sich wie folgt gegenüberstellen:

Vorteile

  • Sicht und Stimmkontakt
  • Raum für informelle Kommunikation
  • große Distanzen überwindbar

Nachteile

  • Eingeschränktes Sichtfeld (Manipulationsmöglichkeit)
  • Mangelnde Offenheit (Aufzeichnungsgefahr)

 Merke:

Leitsatz 4875 - Bei Videokonferenzen ist der Mediator gut beraten, die Fragen des Sichtfeldes, der Anwesenheit Dritter und der Aufzeichnungen anzusprechen. Er muss die Vertraulichkeit soweit wie möglich sicherstellen

Beispiele für Onlinemediationen finden Sie im Kapitel Fallstudien. Ein Videobeispiel für eine Onlinemediation mit einem Android (Handy) finden Sie in den Darstellungen der Mobile Mediation.

Persönliche Kommunikation (per Direktkontakt)

Natürlich ist die persönliche Kommunikation am besten geeignet, um den anderen Menschen in seiner Umgebung so wahrzunehmen wie er ist. Ob sie für die Mediation zwingend ist, sollte vom Fall und vom Bedarf einer persönlichen Begegnung abhängen. Die Auffassung, dass die non-verbale Kommunikation ausschließlich bei einem visuellen Kontakt möglich sei, ist nicht zutreffend. Eine Auseinandersetzung mit dieser Frage finden Sie im Beitrag über das Unmittelbarkeitsprinzip.

Unmittelbarkeitsprinzip

 Merke:

Leitsatz 4666 - Persönliche Treffen sollten stets den Vorzug haben!

Wenn ein persönliches Treffen möglich ist, sind folgende organisatorische Vorkehrungen zu treffen:

  • Verhandlungen sollten möglichst an einem Stück durchgeführt werden, um häufige, kostspielige Anreisen zu ersparen.
  • Der Tagungsort muss für beide Parteien erreichbar sein
  • Das Verhältnis von direkter persönlicher und indirekter Fernkommunikation sollte abgestimmt sein.

Kombinationen

Natürlich ist es möglich und sinnvoll, die verschiedenen Kommunikationsoptionen miteinander zu kombinieren. So kann der VoiP -Termin durch schriftliche Vorabstimmungen vorbereitet werden. Er kann durch e-Mails (assynchrone Kommunikation) vor- und nachbereitet werden.

Hilfsmittel

Grundsätzlich können alle technischen Hilfsmittel eingesetzt werden.

Wenn das Telefon für eine Mediationssitzung (und nicht nur für Einzelgespräche) verwendet werden soll, muss eine Konferenzschaltung möglich sein. Es gibt Dineste, die Telefonkonferenzen ermöglichen. Erprobte Beispiele finden Sie unter den Empfehlungen.

Programme, die eine Videokonferenz oder einen Videochat ermöglichen sind ebenfalls in der Empfehlungsliste aufgeführt. Beachten Sie auch die kostenlosen Online-Dienste in den Wiki to Yes Konferenzräumen. Dort finden Sie auch einen Onlinemediationsraum. Wiki to Yes verwendet die BigBlueButton Technik, die für eine Onlinemediation angepasst wurde.

Mediationsraum
Zum Onlinemediationsraum

Beispiele

Wir können Giuseppe Leone danken, dass er die Welt mit Videoaufzeichnungen von simulierten Onlinemediationen versorgt. In seinem Virtual Mediation Lab gibt es eine Fülle von Beispielen. Hier sehen Sie eines davon.

Dieses Video zeigt eine Onlinemediation. Beachten Sie bitte, dass Giuseppe Leone nach dem amerikanischen Modell einer Shuttle Mediation vorgeht und dass die Beispiele lediglich Simulationen sind. Trotzdem geben Sie lernfähige Hinweise auf die Durchführung und die Möglichkeiten einer Online-Mediation.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Bedeutung für die Mediation

Die Mediation ist ein flexibles Verfahren, das sich weitestgehend den Bedürfnissen der Parteien anpassen kann und soll. Die Kommunikation ist ihr Schwerpunkt. Alle Möglichkeiten der Kommunikation auszuschöpfen, ist ihr Anspruch. Der Kommunikationsbedarf und die Kommunikationsmöglichkeiten sind fallabhängig. Eine Kombination unterschiedlicher Kommunikationswege kann fallangemessen sein.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Alias: Distanzmediation, Telefonmediation, Online-Mediation
Siehe auch: Standards für die telefonische Shuttlemediation
Prüfvermerk: Arthur Trossen

2 Das ist die deutsche Bezeichnung für die Shuttle-Mediation
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An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Montag August 5, 2019 11:32:09 CEST von Arthur Trossen.