Lade...
 
Wiki to Yes, das Metaportal
Seiten-ID: 565 Fachmediation: grenzüberschreitende Konflikte 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 3-Abteilung »  Archiv »  Archiv: Mediationen

Intermediation

CBM  Interkulturell International Inter-Mediation

Cross Border Mediation

Die CBM (CrossBorderMediation) gehört zur Inter-Mediation. Wieder stoßen wir auf terminologische Ungereimtheiten. Manche sprechen von der CBM, andere von der interkulturellen Mediation, dann gibt es die internationale Mediation. Alles hängt irgendwie zusammen, muss aber nicht identisch sein.



interkulturell
international

Was bedeutet CBM?

Eine fachliche Definition der CBM gibt es (noch) nicht. Außer, man greift auf die EU Richtlinie selbst zurück. Sie regelt die Mediation in grenzüberschreitenden Streitigkeiten. Grenzüberschreitend ist die Übersetzung des englischen Begriffs „Cross Border“.

In Art. 2 der Richtlinie wird eine grenzüberschreitende Streitigkeit als gegeben definiert, wenn mindestens eine der Parteien zu einem auf den Beginn der Mediation fallenden Zeitpunkt ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in einem anderen Mitgliedstaat als dem einer der anderen Parteien hat. Wenn also die EU Richtlinie von grenzüberschreitenden Fällen spricht, dann ist damit in jedem Fall ein internationaler Bezug hergestellt.


Bei genauerem Hinsehen, bildet die Tatsache, dass mehrere Länder betroffen sind jedoch nicht das einzige Kriterium, das die CBM als ein von anderen Mediationen abzugrenzendes Verfahren ausmacht. Denn Grenzen und Grenzüberschreitungen ergeben sich nicht nur aus den nationalen Landesgrenzen. Sie ergeben sich auch aus dem Bedürfnis der individuellen und kulturellen Abgrenzung. Die grenzüberschreitende Mediation wird somit nicht nur durch rechtliche Tatbestände und unterschiedliche Justizsysteme determiniert. Weil es sich bei der Mediation um ein kommunikatives Verfahren handelt, muss sie sich auch mit den in grenzüberschreitenden Fällen aufkommenden, durch die Unterschiedlichkeit der Kultur geprägten Kommunikationsphänomenen auseinandersetzen.

In der Praxis ist es nicht zwingend, dass eine der Parteien in einem anderen Staat ansässig ist. Auch gibt es beachtliche Kulturunterschiede bei einheitlichen Staatsangehörigkeiten, etwa bei einem Streit mit einem Mitbürger mit Migrationshintergrund.

Der kleine, aber feine Unterschied

CBM - Cross Border Mediation
Grenzüberschreitende Mediation
internationale Mediation
Mediation mit einem internationalen Bezug
interkulturelle Mediation
Diese Variante muss nicht zwingend einen internationalen Bezug haben. Beispiel: Rheinländer ./. Schwabe; Türke als dt. Staatsangehöriger mit Migrationshintergrund streitet in Deutschland mit einem Deutschen.

Mediation vs Kommunikation

Es bedarf einer zwingenden Unterscheidung zwischen der interkulturellen Mediation und der interkulturellen Kommunikation. Beides wird oft verwechselt. Bei der interkulturellen Kommunikation sollten die Kommunikation in etwa wissen, was die Wesensmerkmale der fremden Kultur und ihrer Kommunikation ausmacht.

Beispiel: Ein deutscher und ein englischer Geschäftsmann verhandeln miteinander. Der Deutsche fragt den Kollegen: "how was our meeting". Er bekommt zur Antwort: "nice". Er glaubt, die Rückmeldung bestätigt dass es ein erfolgreiches Meeting war. Der Engländer wollte jedoch nur höflich sein. Er fand das Meeting gar nicht gut.


Bei der interkulturellen Mediation ist es gegebenenfalls besser, die Kulturunterschiede nicht zu kennen. Denn die Herangehensweise ist eine andere. Hier öffnet der Mediator einen Kanal in Phase eins, wo er sich die Erlaubnis eingeholt, auch die indirekt kommunizierten Kulturphänomene anzusprechen.

Das anwendbare Recht

Sobald verschiedene Nationalitäten im Spiel sind, kommt die Frage nach dem anzuwendenden Recht auf. Der Mediator sollte wissen, dass es kein internationales Recht gibt. Was Juristen unter diesem Begriff verstehen, ist die nationale Sicht darauf, welche Rechtsverhältnisse bei einem internationalen Bezug zur Anwendung kommen. In der Mediation kann die Frage nach dem anzuwendenden Recht eine Herausforderung sein:

Beispiel: Der deutsche Mediator wird für eine innerbetriebliche Mediation in Lettland engagiert, an der außer dem Mediator selbst nur Letten teilnehmen. Es kommt zu einer Abschlussvereinbarung. An welchem Recht orientiert sich die Mediation, an welchen die Abschlussvereinbarung?


Das nationale Recht schreibt vor, wer als Mediator zugelassen ist und setzt Regeln für die Mediation an. Die Frage ist entscheidend, wenn es zu Fehlern in der Mediation kommt und welche Rechtsfolgen sie auslösen. Weil es nicht selbstverständlich ist, dass die Mediation von einem Ausländer dem nationalen Recht unterliegt, handelt es sich um eine internationale Mediation.

Ohne eine Regelung über das anzuwendende Recht kann es kompliziert werden im Nachhinein herauszufiltern, welches Recht (etwa für die Frage der Haftung oder der Vollstreckung) anwendbar ist. Weil die internationalen Richtlinien noch immer einen gegeneinander abzugrenzenden Interpretationsrahmen erlauben, empfiehlt es sich deshalb bei jeder Co- oder Teammediation sich mit den Kollegen über folgende Fragen abzustimmen:

  1. Selbstverständnis und Ziel der Mediation (Einigung, Er-kenntnisgewinn, Konfliktbeilegung)
  2. Mediationsweise (facilitativ, transformativ, evaluativ, inte-griert)
  3. Verfahrensaufbau (Anzahl und Bedeutung der Phasen)
  4. Verhalten bei Co- und Teammediation
  5. Kosten und Honorare

Die Problemfelder der CBM

Es ist nicht nur der Auslandsbezug, der die Bearbeitung grenzüberschreitender Fälle beeinflusst. Ein besonderes Augenmerk ist auf die technischen, organisatorischen und inhaltlichen Belange zu lenken. Hier ergeben sich folgende Herausforderungen:

  1. Distanzprobleme (Siehe Onlinemediation)
  2. Terminierungsprobleme (Siehe Zeitmanagement)
  3. Sprachprobleme (Siehe Fremdsprachen)
  4. Kulturunterschiede (Siehe interkulturelle Mediation)

Hinweise und Fußnoten

Alias: Cross Border Mediation, CBM
Siehe auch: internationale Mediation

Erstellt von Arthur Trossen. Letzte Änderung: Sonntag April 15, 2018 20:34:15 CEST by Arthur Trossen.