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Seiten-ID: 170 Die Mediation im Anwendungsfeld Familie 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Fachmediation »  Familienmediation

Familienmediation

Mediation bei Streitigkeiten im Anwendungsfeld Familie

Beziehung kaputt, Familie zerbrochen. Geht das überhaupt? Es gibt im Anwendungsbereich Familie typische Konflikte und Phänomene, die ein Mediator kennen sollte, damit nicht nur die Familie davon profitiert. Schwerpunkte ergeben sich in folgenden Bereichen:

Familienmediation Beziehungsoptimierung Paarkonflikte Scheidung Kindschaftssachen Rosenkriege




Die Familie
Viel mehr als nur eine Versorgungsgemeinschaft

Gegenstand

Familiensachen betreffen meist Beziehungskonflikte, mitunter Wertekonflikte und Sachkonflikte, die sich meist in Verteilungsfragen auflösen. Im Gegensatz zur Wirtschaftsmediation liegen die Emotionen oft blank. Es bestehen keinerlei Probleme, die Emotionen anzusprechen. Wie kaum auf einem anderen Gebiet kommen in der Familienmediation psychologische, soziologische, juristische und ökonomische Aspekte zum Tragen. Ihr zentraler Aspekt ist stets die Familie. Es ist ein System, dem sich die Parteien zu stellen haben. Wie reagieren sie, wenn die Parteien darauf direkt angesprochen werden?

Was ist eine Familie?

Nicht immer kann man die Familie wählen, der man angehört. Sicher kann man eine Familie gründen. Kann man sie aber auch einfach auflösen? Ist eine einseitige Kündigung möglich? Eine einmal eingegangene Beziehung beispielsweise lässt sich nicht beenden. Sie lässt sich nur umgestalten in eine Ex-Beziehung. Eine Ex-Beziehung ist aber auch eine Beziehung. Wie geht die Familie damit um? Die Frage wird sehr unterschiedlich beantwortet. Wenn Sie zehn Menschen fragen, was Familie ist, bekommen Sie zehn verschiedene Antworten. Selbst wenn Sie die Angehörigen einer Familie befragen bekommen Sie unterschiedliche Antworten.

Beispiel - Familienzugehörigkeit: Die Mutter hat einen neuen Partner und ein Kind aus einer vorangegangene Ehe. Sie sieht den neuen Partner als Papa. Weil die Familie Mutter, Vater und Kind aufgweist, sieht sie die Familie als komplett an. Schon das Kind sieht das anders. Für das Kind ist der leibliche Vater nach wie vor Teil der Familie, auch wenn er nicht präsent ist.


Obwohl es ein Familienrecht gibt, existiert keine legale Definition des Begriffs Familie. Vom historischen Ursprung her gesehen, handelt es sich bei dem aus dem lateinischen stammenden Begriff um eine Versorgungsgemeinschaft. Im alten Rom war zum Beispiel der Sklave durchaus ein Teil der Familie, obwohl er weder verwandt noch verschwägert war. Soziologisch betrachtet ist die Familie die kleinste Zelle im Staat mit selbstregulierenden Kräften. Liebe oder Verwandschaft sind keine Definitionsmerkmale.

Beispiel - Familienverständnis: Ist ein Familienmitglied krank, kümmern sich die anderen um den Kranken. Sie versorgen ihn und ersetzen den krankheitsbedingten Ausfall, zumindest soweit die Familie davon betroffen ist. Die Familie wird aber auch dafür sorgen, dass der Kranke nicht allzu lange krank bleibt und ihn antreiben wieder gesund zu werden.


Viele der familiären Versorgungsaufgaben sind heute verstaatlicht. Die Krankheitsvorsorge, die Altersvorsorge und die Sozialversorgung muss nicht mehr von der Familie selbst aufgewendet werden. Wenn jemand die Familie verlässt oder ausgestoßen wird, ist er zwar auf sich selbst gestellt aber nicht zwingend hilflos. Die Abhängigkeit der Familienmitglieder untereinander ist deshalb heute wesentlich geringer als in der Vergangenheit. Die damit einher gehende, soziale Veränderung hat Auswirkungen auf die Funktionalität der Familie und auf die Erwartungen an die Partner und Angehörigen. Auch die Sinnhaftigkeit und der Zweck von Familie kann heute ganz unterschiedlich eingeschätzt werden. Es ist weder eindeutig noch etwa durch die Religion, die Ethik oder die Kultur verbindlich vorgegeben, wer oder was Familie ist und wozu sie gebraucht wird. § 1353 BGB1 besagt beispielsweise:

Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen


Haben die Eheleute für den lebenslang gültigen Vertrag eine ebenso langfristig angelegte, gemeinsame Vision? Ist die Eheschließung bereits die Gründung einer Familie oder braucht es dazu ein Kind? Der Gesetzgeber überlässt solche Fragen den Parteien. Leider werden sie von den Parteien nicht immer klar und eindeutig beantwortet. Der Begriff Familie erscheint so geläufig, dass er nicht mehr hinterfragt wird. Hinzu kommt, dass die Vorstellung von dem was Familie ist bis tief in das Unterbewusste reicht und sich mit innersten Werten verknüpft, die von Mensch zu Mensch abweichen können.

Selbst das Vokabular diffundiert, wenn es um die Familie geht. Es behilft sich mit Spezifikationen. Deshalb gibt es eine Kernfamilie, eine Großfamilie, eine Patchworkfamilie, eine Restfamilie und sogar eine Lebenspartnerschaft, die sich gegebenenfalls auch als eine Familie begreift. Nicht immer sind sich die Familienmitglieder untereinander sicher, was gemeint ist, wenn sie von Familie sprechen und wer dazugehören soll oder nicht. Die Frage kommt nicht nur in den Familiensachen, sondern auch in den Erbschaftssachen auf und wird dort mitunter hoch emotionalisiert ausgetragen.

Beispiel - Patchworkfamilie: Die geschiedene Mutter hat einen neuen Lebenspartner, zu dem die Kinder Papa sagen, obwohl der Vater noch immer existent ist. Er hat sich lediglich von der Mutter als seine Ehefrau getrennt. Für die Mutter ist das Familienbild komplett, weil es gibt die Mutter, einen Papa und das Kind. Der Vater wird ein anderes Bild haben, bei dem es eine Mutter und einen Vater und einen Stiefvater gibt. Auch das Kind wird obwohl es zu seinem Stiefvater Papa sagt, den Vater als seinen Vater ansehen

Die systemische Sicht

In der Familienmediation ist die Frage nach der Familie (auch im Falle der Trennung) immer ein den Konflikt bestimmender Faktor. Nicht immer wird die Frage aufgeworfen. Sie sollte aber stets geklärt werden. Ist die Familie aufgelöst, wenn sich ein Ehegatte getrennt hat? Die Beziehungen bestehen fort auf die eine oder andere Weise. Dann ist von dem oder der Ex, die Ex-Schwiegermutter usw. die Rede. Wie aber füllen sich diese Beziehungen aus und was bedeuten sie?

In der Mediation werden die unterschiedlichen Familienbilder zusammengeführt. Es lohnt sich also stets, die Parteien zu fragen: "Was ist Familie, wer gehört dazu und wer nicht?". In der Familienmediation ist es wichtig, die Konfliktrelevanz dieser Frage herauszuarbeiten. Sie wirken sich nicht nur in einem Beziehungskonflikt, sondern gegebenenfalls auch in einem Wertekonflikt aus und sollten besprochen sein.

Wenn sich Unklarheiten herausstellen, ist ihnen nachzugehen. Eine Familienlandkarte kann helfen, innerfamiliäre Spannungsfelder aufzudecken. Das Ziel besteht darin, ein visionäres Familienbild zu zeichnen, auf das sich alle Familienmitglieder verständigen können.

Beispiel - Familienvision: Der Mediator fragt die getrennt lebenden Eheleute in der Mediation: "Was ist Ihre Vision von Trennung?"; "Wie sieht die Beziehung oder die Familie aus, nachdem Sie geschieden sind?"; "Wie begegnen Sie sich nach 5 oder 10 Jahren?"; "Wen laden Sie ein, wenn Ihr gemeinsames Kind die Kommunion feiert?" usw.


Möglicherweise wird sich eine Diskrepanz herausstellen, zwischen dem, was die Parteien für richtig halten und dem, was sie für möglich halten. Und schon haben sie ein Kriterium für die Lösungsfindung in der Mediation erarbeitet.

Die Familienlandkarte

Die Familie ist ein komplexes Gebilde mit einem Netzwerk von Beziehungen unterschiedlichster Qualität. Eine Familienlandkarte kann helfen, das Beziehungsgefüge optisch zu veranschaulichen:

familienlandkarte


Die Grafik ergibt eine einfache Konstellation mit nur einem gemeinsamen Kind der Eheleute und einem neuen Partner, der ebenfalls ein Kind hat. Man mag sich vorstellen, wie komplex das Gefüge ist, wenn mehrere Kinder und mehrere neue Partner hinzukommen und wenn man bedenkt, dass die Kinder nicht nur Anspruch auf Kontakt zu den Eltern, sondern gegebenenfalls auch zu den Großeltern oder gar zu den Stiefeltern als soziale Eltern haben. Eine Familienlandkarte hilft, die Beziehungen zu identifizieren.

Erstellung von Familienlandkarten

Das Beziehungsgefüge

Die in der Familie aufkommenden Beziehungen haben unterschiedliche Beziehungsqualitäten. Sie begegnen sich auf gegeneinander abzugrenzenden Beziehungsebenen. Die Beziehungsebenen werden durch die Rollen ausgedrückt. Weil die Beziehungen an verschiedene Rollen anknüpfen, macht es Sinn, die Rollen gegebenenfalls auch optisch, für die Parteien sichtbar zu unterscheiden.

Familienbeziehungen


Eine Konfliktlandkarte würde das Beziehungsgefüge zwischen Eheleuten, Eltern und Kindern wie in der Grafik dargestellt ausweisen. Dabei wird herausgearbeitet, dass die Ehegattenbeziehungen lediglich die Paarebene betreffen. Sie sind von den Elternbeziehungen zu unterscheiden, sodass sich unterschiedliche Rollen identifizieren lassen, wodurch die Beziehungsebenen durchaus ein eigenständiges Schicksal erlangen. Die Differenzierung erlaubt es auch unterschiedliche Beziehungsqualitäten zu identifizieren. Der durch intensive Bindungen geprägten Beziehung zwischen Eltern und Kind kann beispielsweise eine andere Qualität zugeschrieben werden, als der brüchigen Beziehung zwischen den Eheleuten.

Beziehung und Bindung

Was ist ein Familienkonflikt?

Ein Familienkonflikt behandelt Probleme innerhalb einer Familie oder eine oder mehrere Familien betreffend. Eine gute Übersicht über die typischen Konfliktgegenstände in Familiensachen ergibt die Aufstellung in §111 FamFG (siehe auch § 621 ZPO alte Fassung).

  1. Ehesachen
  2. Kindschaftssachen
  3. Abstammungssachen
  4. Adoptionssachen
  5. Ehewohnungs- und Haushaltssachen
  6. Gewaltschutzsachen
  7. Versorgungsausgleichssachen
  8. Unterhaltssachen
  9. Güterrechtssachen
  10. sonstige Familiensachen
  11. Lebenspartnerschaftssachen



⇐ Hier kommen
Sachkonflikte,
Beziehungskonflikte
und Wertekonflikte vor.

Den Konfliktmotor bildet in Familienangelegenheiten meist der zugrunde liegende Beziehungskonflikt. Auslöser sind oft nicht abgestimmte Vorstellungen und Rollen aus denen enttäuschte Erwartungen oder gar Verletzungen resultieren. Es kommt zu Spannungen, weil die Sichten der Eheleute auf die Beziehung und deren Bedeutung für sie selbst nicht (mehr) übereinstimmen.

Die Mediation kann sich auf diese Fragen einlassen. Das dazu am besten geeignete Mediationsmodell ist die transformative Mediation. Mit ihr werden die Hintergründe des Beziehungskonfliktes am besten aufgedeckt und geklärt. Dabei stellt es sich für die Parteien oft heraus, dass es mehr Übereinstimmungen gibt, als sie subjektiv erleben. Wenn die Trennungsphase noch nicht vollständig abgeschlossen ist, hat die Mediation, die sich auf diese Fragen einlässt, durchaus auch in aussichtslos erscheinenden Fällen eine hohe Wiedervereinigungsquote. Sie liegt bei 33% der Fälle. Wo eine Wiedervereinigung2 nicht möglich ist, kommt es zur einvernehmlichen Trennung, mit der sich die Autonomie der Ex-Ehegatten herstellt.

Innerhalb der Familienangelegenheiten kommen die Trennungs- und Scheidungskonflikte am häufigsten vor. Hier steht die horizontale Beziehung der Eheleute im Vordergrund. Der zur Trennung führende Paarkonflikt zwischen den Eheleuten erfordert die Neugestaltung der Familie. Damit einher geht die Frage, was Familie ist, was davon nach der Trennung überbleibt, wie sich die Beziehungen gestalten sollen und wer wie dazu gehört.

Trennung und Scheidung 

Konflikte im Verhältnis zu den Kindern werden Kindschaftskonflikte genannt. Sie betreffen die vertikale Eltern-Kind-Beziehung. Auch solche Konflikte können zwar auch im Zusammenhang mit der Scheidung vorkommen, müssen aber nicht notwendigerweise mit der Trennung der Eltern verbunden sein. Konflikte im Verhältnis zu den Kindern werden durchaus aus dem Paarkonflikt (also der Paarbeziehung der Eltern) oder einem Elternkonflikt (also der Elternbeziehung) gespeist, sodass sich der Konflikt im Verhältnis zu den Kindern auflöst, wenn unter den Eltern das Einvernehmen wieder hergestellt ist. Auch diese Beobachtung macht es unbedingt erforderlich, eine Konfliktanalyse durchzuführen, damit der Konfliktmotor herausgefiltert wird.

Kindschaftssachen 

Familienkonflikte können schließlich auch zwischen Familien vorkommen oder im Verhältnis der erwachsenen Kinder zu ihren Eltern. Der Radius einer Familienmediation geht viel weiter als der des Gerichts. Die transformative Mediation wäre durchaus in der Lage, zerrüttete familiäre Beziehungen etwa auch zwischen Geschwistern oder Verwandten zu heilen.

sonstige Familiensachen 

Wie werden die Konflikte beigelegt?

Intakte Beziehungen sind selbst in der Lage, einen Streit einvernehmlich zu regeln. Die Eheleute können sich in die Lage des anderen Ehegatten versetzen. Sie können jeweils ihre eigenen Interessen bekunden und die Interessen des anderen nachvollziehen und vor allem akzeptieren. Sie sind deshalb in der Lage, die Interessen aufeinander abzustimmen. Aufeinander abgestimmte Interessen ergeben ein gemeinsames Ziel, das wiederum in einen gemeinsamen Weg führt.

Hilfe bei der Auseinandersetzung wird erforderlich, wenn die Ehegatten die Metaebene, also die Reflexionsebene, die alle Sichten vereinigen kann, selbst nicht mehr herstellen können. Die Emotionen könnten der Grund dafür sein. Je weiter sie in den Vordergrund rücken, umso weniger werden sie hinterfragt. Obwohl die Emotionen für sich sprechen wollen, werden sie als Vorwurf verstanden.

Beispiel - Emotionen: Ein Ehegatte hat eine Stinkwut, weil der andere ihn betrogen hat. Er wird aggressiv, wenn er nur daran denkt. Er macht dem anderen Ehegatten massive Vorwürfe. Statt die Not zu hören, gerät der angegriffene Ehegatte in eine Verteidigungsposition, weshalb er zum Gegenangriff ausholt.


Falsch verstanden, haben Emotionen einen eskalierenden Einfluss. Die Parteien müssen lernen, einander wieder zuzuhören. Die Fähigkeit und Bereitschaft zuzuhören ist Teil der Beziehungsarbeit. Sie kann helfen, die verstehende Kommunikation wieder herzustellen.

Beziehungsarbeit

Nicht immer sind die Selbstheilungsversuche der Eheleute erfolgreich. Solange die Emotionen nicht richtig verstanden werden, treiben sie in die Eskalation. Es ist ihr verzweifelter und oft untauglicher Versuch, wahrgenommen und verstanden zu werden. Im schlimmsten Fall eskaliert der Konflikt. Die höchste Eskalationsstufe wird als Rosenkrieg bezeichnet. Der Rosenkrieg belegt die Vernichtungskraft solcher Familienkonflikte. Er verursacht Schäden, die sich nicht nur auf die Betroffenen beschränken. Seine Bewältigung ist eine Herausforderung für alle, die davon betroffen werden.

hoch eskalierte Familienkonflikte 

Zum Glück sind derart hoch eskalierte Konflikte in Familienangelegenheiten nicht die Regel. Obwohl die Mediation die Kompetenz zur Regulierung solcher Konflikte hat, bedarf es der Prüfung im Einzelfall, ob sie ein für hoch eskalierte Konflikte ausgelegtes Verfahren darstellen kann. Meist erfordert die Bearbeitung solcher Konflikte eine Autorität, die der Mediator nicht ohne Weiteres zur Verfügung stellen kann. Jedoch haben erfolgreiche Kombinationen der Mediation mit Gerichtsverfahren etwa in der Cochemer Praxis oder im Altenkirchener Modell unter Anwendung der Integrierten Mediation gezeigt, dass auch solche Konflikte mediativ und erfolgreich zu bewältigen sind.3

Was ist eine Familienmediation?

Zur generellen Problematik der Fachmediationen soll auf das Kapitel Fachmediationen und die Ausführungen über den Fachmediator verwiesen sein. Der Begriff Familienmediation ist eingeführt. Er benennt eine Mediation in einer Familiensache. Damit wird der rechtliche Bezug des Streitgegenstandes angesprochen. Gemeint sind die Familiensachen im Sinne des §111 FamFG. Um die Duchgängigkeit der Mediation und ihre Unabhängigkeit von rechtlichen Konflikttatbeständen herauszustellen, wäre es zutreffender, von einer Mediation in einer Familienangelegenheit zu sprechen. Der Familienmediator hat die Aufgabe, die Mediation in dieser Angelegenheit zu verwirklichen. Als Familienmediator ist deshalb ein Mediator zu bezeichnen, der eine verstehensbasierte Streitvermittlung im Anwendungsbereich Familie durchzuführen vermag. Der Konsument ist gut beraten, wenn er die interdisziplinäre Leistungsfähigkeit des Mediators hinterfragt und sich erkundigt, wie er psychologische und rechtliche Fragen in Einklang bringen kann.

Wer glaubt, eine Familienmediation sei nur bei einer Trennung hilfreich, der irrt. Die Mediation kann auch wirksam zur Optimierung einer Ehe oder einer sonstigen familiären Beziehung oder zur Konfliktvermeidung eingesetzt werden. Die Mediation ist also nicht nur zur Regulierung der Trennung, sondern auch zu deren Vermeidung möglich. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Zukunft zu gestalten ist, damit alle Ehegatten, Ex-Ehegatten oder sonstige Familienmitglieder zufrieden sind. Der Mediator ermittelt mit den Parteien alle Aspekte, die dazu beitragen.

Eine reine Vergangenheitsbewältigung ist kein Gegenstand für die Mediation. Trotzdem spielt sie in der Mediation eine Rolle.

Beispiel - Vergangenheitsbewältigung: Ein Ehegatte trägt in der zweiten Phase der Mediation vor, ihm sei es wichtig zu verstehen, warum sich der andere Ehegatte von ihm getrennt habe. Er möchte diese Frage in der Mediation thematisieren. Der Mediator erkennt, dass diese Frage eine Vergangenheitsbewältigung ermöglichen soll. Sie gehört nicht in eine Mediation. Wenn er die Partei fragt: "Was haben Sie davon, wenn diese Frage geklärt ist?" und die Partei antwortet: "Dann kann ich meinem Ex besser begegnen, wenn wir Fragen die Kinder betreffend zu regeln haben", antwortet der Mediator: "Dann ist das Thema die elterliche Beziehung. Die Frage, was sie möglich macht, wird in der dritten Phase erörtert werden.


Fragen, wie etwa die Schuld, die die Vergangenheit betreffen, können durchaus angesprochen werden. Aber nur, soweit sie für die Gestaltung der Zukunft relevant sind. Die Mediation lässt sich stets und idealerweise auf die gesamte Komplexität des Falles ein. Es ist ein Leistungsmerkmal, das sie etwa von einem Gerichtsverfahren unterscheidet. Der Mediator wird deshalb versuchen, alle Konflikte zwischen den Familienmitgliedern oder Exmitgliedern anzusprechen und sichtbar zu machen. Ob und inwieweit die Konflike behandelt werden, bleibt jedoch der Entscheidung der Parteien vorbehalten. Je nachdem, wo der Konfliktschwerpunkt liegt, ergeben sich konfliktangepasste Vorgehensweisen. Wie mit den einzelnen Konflikten umzugehen ist, soll in dafür eigens ausgewiesenen Kapiteln beschrieben werden.

Beziehungsarbeit Paarkonflikte Trennungskonflikte Kindschaftskonflikte Rosenkriege 

Fundstellen

  • Familienmediation Die Mediation im Anwendungsfeld Familie
  • Kinder Die Rolle der Kinder in der Mediation
  • Scheidung Trennung wann und wie?
  • Kindschaftssachen Es geht um die Kinder (und die Eltern)
  • Familienlandkarte Was ist Familie und wer gehört dazu?
  • Altenkirchener Modell Über die Verwendung der Mediation in Familiengerichtsverfahren
  • Sorgerecht Sorge und Pflicht der Eltern gegenüber dem Kind
  • PAS
  • Informationsgespräch Das kostenfreie, erzwungene Informationsgespräch über Mediation
  • Das Recht in der Familienmediation Ein Artikel der ((Fachbeiträge|Wiki to Yes Fachbeiträge)) -==- Das Ziel der Trennung ist auch im Juristischen die Rückgewinnung der individuellen Unabhängigkeit, soweit das überhaupt möglich
  • Altenkirchener Modell - Ein Beispiel Ein Artikel der ((Fachbeiträge|Wiki to Yes Fachbeiträge)) -==- Das „Altenkirchener Modell“ ist ein Beispiel für eine gelungene Verwendung der Mediation in einem förmlichen Familiengerichts
  • Kriterien des Kindeswohls Ein Artikel der ((Fachbeiträge|Wiki to Yes Fachbeiträge)) -==- In familiengerichtlichen Verfahren, in denen Kinder betroffen sind, spielen stets die Kriterien für das „Wohl des Kindes“ eine
  • Wechselmodell Ein Artikel der ((Fachbeiträge|Wiki to Yes Fachbeiträge)) -==- Spätestens die [https://www.in-mediation.eu/wechselmodell-und-pflichtmediation|Initiative zur Gesetzesinitiative] gibt Anlass, sic

Bedeutung für die Mediation

Die Mediation benutzt auch in Familienangelegenheiten die vorgestellten Konzepte, Modelle und Formate.4 Die Familienmediation ist deshalb keine andere Mediationsart. Um eine Familienmediation professionell abwickeln zu können, bedarf es jedoch eines erweiterten psychologischen, pädagogischen, ökonomischen und juristischen Wissens.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Bearbeitungsstand: 2019-05-21 18:06 / Version 93.
Alias: Familie, Kernfamilie, Großfamilie, Patchworkfamilie, Restfamilie
Siehe auch: Verzeichnis-Mediation, Paarkonflikte, Scheidung, Kindschaftssachen, Rosenkrieg
Prüfvermerk: -

2 Siehe Märchenmediation in Fallbeispiele
3 Nach Glasl ist die Mediation für hoch eskalierte Konflikte nicht ohne Weiteres das geeignete Verfahren (Siehe Eskalation. Die Integrierte Mediation beschreibt jedoch Herangehensweisen, wie auch solche Konflikte mit Hilfe der Mediation zu lösen sind.