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Seiten-ID: 1095 Die Zukunft ist nicht vorhersehbar! Trotzdem wird sie in der Mediation geregelt. 4-Inhalt »  Methodik »  Verstehen 3-Abteilung »  Archiv

Chaos Die Zukunft planen

Die Mediation ist auf den zu erzielenden Nutzen gerichtet. Damit ist eine Zufriedenstellung1 gemeint, die noch nicht eingetreten ist, aber erzielt werden soll. Der Nutzen liegt in der Zukunft. Lässt sich seine Verwirklichung überhaupt planen?




Ist doch klar was passiert

Besonders im Streit neigen Menschen dazu, in den Köpfen des Gegners zu denken. Man glaubt zu wissen, was der Andere denkt, warum er handelt und wie er reagieren wird. Aus der Perspektive des Mediators lässt sich oft beobachten, dass dann genau diese Gedanken zu der Realität führen, die man nicht haben will. Diese Beobachtung führt zu der These:

 Merke:

Leitsatz 5912 - Wenn es der Gedanke ist, der die Anfangsbedingung für einen kausalen Verlauf setzt, würde ein anderer Gedanke eine andere Zukunft auslösen.

Eine Aktion führt zur Reaktion. Besonders in der Kommunikation kann die durch Aktion und Reaktion ausgelöste Interpunktion nicht auf ihren Ursprung zurückgeführt werden. Das heißt: Es ist nicht möglich, herauszufinden, wer die auslösende Aktion (die Anfangsbedingung) für den Streit gesetzt hat. Das macht es nachvollziehbar, warum der Streit über die Frage, wer angefangen hat, den Streit nicht auflösen kann.

Vorhersehbarkeit

Aus der Sicht der Parteien setzt die Position, also die Forderung an den Gegner, die Anfangsbedingung für die Konfliktlösung. "Wenn der Richter das Umgangsrecht festgelegt hat, dann werde ich das Kind zu den vorgegebenen Zeiten zu sehen bekommen". Danach zeigt es sich oft, dass diese Anbnahme nicht zutrifft. Denn von außen betrachtet, ist die Position oft nur ein weiterer Punkt der Interpunktion, also eher ihre Fortsetzung als eine Anfangsbedingung.

Die in der Mediation zu findende Lösung kann tatsächlich eine neue Anfangsbedingung für den weiteren Kausalverlauf darstellen, wenn sie die Interaktionkette zwischen den Parteien beendet und neue Interaktionsbedingungen setzt. Die Parteien müssen sich allerdings im Klaren darüber sein, dass die neu gesetzten Anfangsbedingungen nicht zum Ablauf einer linearen Gleichung führen, in der die in die Zukunft führenden Schritte genau vorhersehbar sind.

 Merke:

Leitsatz 5913 - Die Zukunft ist zwar nicht vorhersehbar. Deshalb besteht eine Unsicherheit, ob und inwieweit die herbeizuführende Lösung die gewünschte Kausalität auslöst. Richtig herbeigeführt, setzt die Lösung allerdings einen kausalen Anfangspunkt, der an einem planbaren Nutzen ausgerichtet werden kann.

Weil die Zukunft nicht vorhersehbar ist, richtet der Mediator die Lösung am Nutzen aus. Zwar ist der Nutzen auch nicht vorhersehbar. Er gibt aber eine Richtung vor, an denen Aktionen und Reaktionen ausgerichtet werden können und hilft, die dafür erforderlichen Rahmenbdingungen festzulegen.

Chaostheorie

Wann und warum die in die Zukunft führenden Schritte nicht vorhersehbar sind, lässt sich mit der Chaostheorie begründen. Das Chaos ist der Gegensatzu zum Kosmos. Die Unordnung steht der Ordnung gegenüber. Die Orndung ist wegen ihrer Regelmäßigkeit planbar, die Unordnung nicht. Die Unplanbarkeit der Zukunft ist eine Folge der Komplexität. Weil die auf die Zukunft einwirkenden Ereignisse und Interaktionen eng miteinander verflochten sind, können unvorhersehbare Ereignisse dazu beitragen, die Zukunft zu verändern. Dabei spielt ihre Gewichtigkeit keine Rolle. Selbst kleinste Änderungen können eine verheerende Wirkung haben. Der Schmetterlingseffekt belegt den Hintergrund für die These der Chaostheorie.

Schmetterlingseffekt


Dieses Youtube-Video erläutert die Chaostheorie sehr ansschaulich. Es geht auf den Schmettrelingseffekt ein, der in einem chaotischen System mit nicht vorhersehbaren, nicht-linearen, diffusen Einflüssen zu nicht vorhersehbaren Effekten führt.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Chaospendel

Das Chaospendel ist ein Mehrfachpendel, dessen Schwungausführung nicht berechenbar ist. Es mag ein Symbol dafür sein, wie schwierig es ist, die Zukunft vorherzusehen, sobald andere Elemente hinzukommen.

Dieses Youtube-Video zeichnet die Bewegungskurve des Chaospendels nach. Bei einem Einfachpendel lassen sich der Schwung und die Bewegung des Pendels genau vorhersehen. Kommt nur ein Element (ein weiteres Pendel) hinzu, zeigt das Pendel plötzlich ein Eigenleben. Schauen Sie bitte im Video an, was passiert, wenn das Pendel in Schwung gesetzt wird. Sie sehen einen Dreifachpendel in Aktion.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

In der Symbolik des Mehrfachpendels kann jedes angegliederte Pendel mit einem eigenständigen Entscheider verglichen oder mit Einflüssen gleichgesetzt werden, die sich auf die Pendelbewegung auswirken. Wenn Sie jedes Teil des Pendels mit einer Hierarchieebene im Unternehmen vergleichen, wird deutlich, wie sich die Zukunft bei einer dreigliedrigen Hierarchie planen lässt.

Zukunftsplanung

Die Mediation will Lösungen finden, die nachhaltig und umsetzbar sind und dazu beitragen, eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Wie kann das geschehen und wie muss die Abschlussvereinbarung gestaltet werden, wenn die Zukunft gar nicht planbar ist? Die Behauptung, die Mediation regele die Zukunft, bedarf deshalb der Präzision. Genau betrachtet bietet die Mediation eine Lösung an, auf deren Grundlage sich die Zukunft neu oder anders gestalten lässt. Damit das möglich ist, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  1. Die Grundlage (das Verständnis) auf das die Zukunft aufgesetzt werden soll, muss abgestimmt sein, damit alle Parteien vom gleichen Ausgangspunkt ausgehen. Das gleiche Verständnis ist ein Ergebnis der Verstehensvermittlung.
  2. Das Ziel, das sich in dem zu erreichenden Nutzen ausdrücken soll, muss abgestimmt sein, damit alle Parteien in die gleiche Richtung gehen können und wissen, worauf es ankommt.
  3. Der Rahmen (also der Weg) in dem sich die Parteien bewegen können / sollen muss ebenfalls abgestimmt sein.
  4. Schließlich müssen die Meilensteine (Kontrollmarken, Kriterien) festgelegt werden, anhand derer die Parteien erkennen / überprüfen können, ob sie sich noch auf demselben Weg befinden und das Ziel im Blick haben.

Die Mediation regelt also nicht die Zukunft. Sie regelt aber die Bedingungen (Anfangsbedingung), den Weg und das Ziel, damit eine vorgestellte Zukunft möglich wird. Im Idealfall2 nimmt die Abschlussvereinbarung diese Eckdaten in sich auf.

Bedeutung für die Mediation

Um eine realistische Zukunftsplanung zu ermöglichen, kommt es in der Mediation oft darauf an, die Parteien gedanklich von ihrer Position zu lösen. Bereits die Phasen tragen dazu bei, dass dies gelingt. Die Nutzenausrichting in der 3.Phase tut ihr Übriges. Je nach den auf die Zukunft gerichteten Fragestellungen kann das Video vom Chaospendel durchaus als ein Anschaungsmaterial in der Mediation verwendet werden. Das Pendel verdeutlicht die Schwierigkeit der Zukunftsplanung. Es belegt die Notwendigkeit einer Einigung, wenn es darum gehen soll, die Bewegungen in einen Gleichklang zu überführen. Das Chaospendel erlaubt es auch, die Zukunft anders zu sehen, wenn Lösungsannahmen bei einer Unberechenbarkeit nicht belegbar sind.

Die Mediation bietet den Vorteil, dass die Interpunktion neu ausgerichtet und abgestimmt werden kann. Die Partei muss weder vermuten, noch interpretieren, was der Gegner als Nächtstes tun wird. Sie kann ihn fragen und letztendlich eine Vereinbarung herbeiführen, die das erwartete Verhalten in der Form einer Verpflichtung absichert oder das Verhalten auf den in der Mediation herausgearbeiteten Nutzen neu ausrichtet.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-12-03 05:30 / Version 34.
Alias: Chaospendel, Schmetterlingseffekt, Anfangsbedingung
Siehe auch: Zukunft, Abschlussvereinbarung, Lösung
Prüfvermerk: -

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1 ... um das Wort Befriedigung zu vermeiden, die natürlich auch angestrebt wird
2 ... und natürlich abhängig von der Aufgabenstellung
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Zukunftsplanung in der Mediation" (2019) unter Wiki-to-Yes.org/Chaos
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Martin Rößler .
Seite zuletzt geändert: am Dienstag Dezember 3, 2019 05:30:47 CET von Arthur Trossen.