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Seiten-ID: 709 Mediationsmodell: Rechtsabwägende Mediation 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Mediationsmodell

Mediationsmodelle: Die unterschiedlichen Herangehensweisen (Arten) der Mediation.

sondierend evaluativ facilitativ transformativ integriert Übersicht

Evaluative Mediation

Die evaluative Mediation ist in den angelsächsischen Ländern weit verbreitet. Sie kommt Vergleichsverhandlungen nahe, wie sie im Gericht auch schon vor dem Aufkommen der Mediation praktiziert wurden. Wie der Name schon sagt, geht es in erster Linie darum, die rechtlichen Probleme zu beurteilen, die in einem Streit um kommerzielle oder vertragliche Angelegenheiten bestehen.

Evaluierung

Der namensgebende Aspekt der evaluativen Mediation ist ihr Bewertungsschwerpunkt. Wie die Grafik zeigt, liegt ihr Bearbeitungsschwerpunkt ähnlich dem Gerichtsverfahren bei der Schnittstelle zwischen Positionen und Fakten. Ein Trend geht allerdings in Richtung der Interessen.


Die Bewertungen sind von den Interpretationen zu unterscheiden. Beides kommt in der Mediation zum Tragen.

Bewertung

Der aus dem Englischen übernommene Begriff evaluative bedeutet so viel wie bewertend. Die Evaluation ist eine sach- und fachgerechte (Untersuchung und) Bewertung1 .

Schon die Begrifflichkeit belegt, dass sich die Mediation, wenn sie sich auf eine Bewertung konzentriert, in einen Grenzbereich bewegt. Keinesfalls ist die Evaluierung ihre Handhabung. Sie muss sich deshalb gegen die Schlichtung, gegen das Fact-Finding und den Vergleich abgrenzen. Dort sind Bewertungen - anders als in der Mediation - nicht nur möglich, sondern auch geboten.

 Merke:

Leitsatz 3803 - Keine Entscheidung kommt ohne Bewertungen aus! So auch nicht die Mediation. Allerdings kommt es in der Mediation darauf an, dass die Bewertung von den dafür zuständigen Personen und nur insofern durchgeführt wird, als sie die Lösungekriterien bestätigen und nicht vorgeben.

Interpretation

Anders als die Bewertung handelt es sich bei der Interpretation nicht um eine Wertzuschreibung, sondern um eine Auslegung. Sie versucht dem Gesagten oder Beobachteten eine Bedeutung zuzuschreiben. Die Interpretation will die Wirklichkeit 2. Grades (er)kennen.

Bewertungen in der Schlichtung

In der Schlichtung stellen Bewertungen die Handhabung des Verfahrens dar. Die Bewertung bildet der Maßstab für die Lösung. Sie bezieht sich deshalb auf die zur Lösung führenden Argumente. Bei der Schlichtung kommt es weniger darauf an, wer was verstanden hat, als darauf, wer die werthaltigeren Argumente vorträgt.

Bewertungen in der Mediation

Die Grenzen zwischen Bewertung und Interpretation sind fließend. Besonders dann, wenn eine Interpretation nicht ohne eine Bewertung auskommt.

In der Mediation obliegen Bewertungen grundsätzlich den Parteien. Der Mediator hilft allerdings, dass die Parteien in der Lage sind, die zutreffenden Bewertungen zu finden. Die Hilfestellung erfolgt aus der Metasicht. Bewertungen sind Meinungen. Ihr Unterschied zu den Fakten arbeitet der Mediator mit dem präzisen Zuhören heraus.

 Merke:

Leitsatz 3804 - Als Repräsentant der Meta-Ebene ist der Mediator bewertungsfrei

Der Mediator schützt sich vor vorschnellen Bewertungen, indem er statt einer Interpretation immer mehrere Hypothesen (mögliche Interpretationen) bildet. Kommt es auf die Bewertung, also die Einschätzung einer Sache oder einer Handlung an, erarbeitet er zunächst die Kriterien, die Grundlage der Bewertung sind.

Beispiel Bewertungsbedarf: Die Partei fragt den Mediator: "Was halten Sie von dem Vorschlag?". Der Mediator antwortet: "Das hängt von den Kriterien ab, nachdem sie den Vorschlag bewerten möchten". Wurden die Kriterien bereits in der 3.Phase herausgearbeitet, nimmt darauf Bezug. Er könnte also sagen: "Wir haben die Kriterien schon herausgearbeitet. Das können Sie also selbst beurteilen". Wurden die Kriterien noch nicht herausgearbeitet, kann er sagen: "Welches sind die Kriterien, an denen der Vorschlag zu messen ist?".


Der Bewertung sind sowohl Sachwerte wie Rechtsfragen zugänglich. Bei den Sachwerten handelt es sich um reale Wertzuschreibungen. Bei den Rechtsfragen eher um Interpretationen, die dazu beitragen, die korrekte Bedeutung des Rechts zu erkennen.

Durchführung

Bei den angelsächsischen Mediationen findet die Mediation im Shuttle statt. Das macht Sinn, wenn die Parteien eine Gelegenheit benötigen, die strategischen Chancen des Verfahrens abzustimmen, wozu die Rechtschancen gehören.

Bewertet werden die Eckpositionen, also die Rechtsauffassung der einen Partei und die der anderen Partei. Die kontroversen Rechtsauffassungen werden meist über die Parteiverterter abgefgragt. So ist eine Rechtsbewertung möglich, ohne dass der Mediator dazu aufgefordert wird, eine eigene rechtliche Bewertung einzubringen. Die Unterschiedlichen rechtsauffassungen (Bewertungen) ergegen dann die Bandbreite, die zur Verhandlung bereitgestellt wird.

Grundsätzlich ist der beste Zeitpunkt über die Bewertung der Fakten und Rechtsauffassungen in der 4.Phase. Dann nämlich, wenn die streitige Wertfrage nicht mehr zum Streiten benutzt werden kann und wenn die Kriterien für die Lösung in der 3.Phase erarbeitet worden sind. Wenn sich die rechtliche Bewertung an diesem Grundsatz orientiert, ist sie mit dem Wesen der Mediation noch in Einklang zu bringen. Wenn die rechtliche Bewertung anderer Aspekte verdrängt besteht die Gefahr, dass die Mediation zu einer Vergleichsverhandlung degradiert wird.

Bedeutung für die Mediation

Wenn die Bewertung in der Mediation zur Handhabung wird, wurden ihre Grenzen überschritten. Wenn die Grenzüberschreitung den Anwender nicht bewusst ist, kommt es zu dem Effekt, den Mironi2 für die Entwicklung Israel beschrieben hat. Er beschreibt den Niedergang der Mediation, weil die Mediation in Israel am Ende nur noch als Synonym für Vergleichsverhandlungen hier gehalten hat.

Die Grenzziehung ist nicht immer eindeutig. Auch eine Mediation kommt nicht ohne Bewertungen aus. Wenn sich der Streit allerdings auf Rechtseinschätzungen reduziert, spielt die Bewertung des Rechts eine die Lösung beeinflussende Rolle. Es ist die Aufgabe des Media das darauf hinzuweisen und das Verfahren gegebenenfalls in eine Schlichtung umzuwandeln. Es gehört auch zur eigenen Qualitätssicherung, dass der Mediator sich und den Parteien klar macht, wo er die Grenze zu einer Vergleichsverhandlung zieht.

Was tun wenn ...


Hinweise und Fußnoten

Alias: evaluative Mediation, Bewertung, Bewertungen, Interpretationen
Prüfvermerk: -

An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Samstag Oktober 12, 2019 06:58:10 CEST von Arthur Trossen.