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Hypothesen

Hypothesen sind unbestätigte Annahmen über einen Sachverhalt oder eine Person. In der Mediation helfen sie bei der Konfliktanalyse, bei der Wahl der passenden Intervention und der Vermeidung von Interpretation.

Konfliktanalyse

Die Mediation beginnt mit spärlichen Informationen. Es geht um die Konfliktbearbeitung, also steht der Konflikt im Fokus. Um zu entscheiden, was zu bearbeiten ist, müssen der Mediator und die Parteien verstehen, was genau der Konflikt ist. Die Parteien sind zu Beginn kaum in der Lage, den Konflikt zu benennen.

Aufgeregte Parteien: Die Parteien erscheinen in der Mediation. Sie sind völlig aufgeregt und streiten uns fürchterlich miteinander. Der Mediator sagt: " Sie haben einen Konflikt". Die Parteien reagieren: " Konflikt? Wir haben keinen Konflikt". Der Mediator reagiert: "Wie nennen Sie das was sie haben?". Die Parteien antworten: "Ein Problem vielleicht". Die Einschätzung deckt sich in keiner Weise mit den Beobachtungen des Mediators.


Das Beispiel zeigt, dass es den Parteien oft nicht zu Beginn der Mediation möglich ist, sich zu dem Konflikt zu bekennen oder gar ihn zu benennen. Trotzdem muss der Mediator einschätzen können, in welche Richtung er zuarbeiten hat. Er bedient sich der Konflikthypothese. D. h. der Versuch sich aus den Informationen der Parteien an Bild zu malen das ihm hilft den Konflikt zu identifizieren. Technisch bedient er sich dabei der Konfliktlandkarte. Er weiß, dass die dort identifizierten Konflikte nur auf Annahmen beruhen, die sich im Lauf des weiteren Gesprächs durchaus wieder verändern können.

Konfliktanalyse

Intervention

Die Intervention beschreibt eine Maßnahme, mit der sich ein Hindernis im Verfahren oder in der Einbeziehung einer Partei überwinden lässt. Ausschlaggebend sind also Phänomene, die eine Maßnahme erfordern. Die Frage, welche Maßnahme hilfreich ist, hängt davon ab, wie das Phänomen verstanden wurde. Das erfordert eine Bewertung, zu der der Mediator oft kaum in der Lage ist. Auch hier bildet er Hypothesen, die die Bedeutung des Phänomens erschließen und Anhaltspunkte für seine Überwindung liefern. Wiki to Yes stellt mit dem Interventionenverzeichnis eine Hilfe bei der Auswahl von möglichen Interventionen zur Verfügung.

Ratgeber für Interventionen

Interpretationen

Menschen neigen zu schnellen Bewertungen. Wenn der Mediator die personifizierte Metaebene ist sollte er sich davon befreien. Es gelingt, indem er zu jeder Beobachtung oder Wahrnehmung mehrere Hypothesen bildet.

Beispiel: In einer Trennungsmediation weint die Ehefrau und klagt ihr leid. Sie schildert, was der Ehemann ihr angetan hat. Sie ist sehr emotionalisiert. Der Ehemann sitzt daneben und verzieht keine Miene. Es scheint so, als wäre ihm das Schicksal der Frau völlig egal. Was denken Sie als Mediator?


Bevor Sie sich zu Bewertungen hinreißen lassen, sollten Sie immer mehrere Hypothesen zu bilden. Das sind wilde Annahmen, die ihre Beobachtung erklären könnten. Selbst wenn sie nicht sehr wahrscheinlich sind, helfen Sie, das Bild zu relativieren. Im Idealfall führen sie sogar dazu, dass sie sich gar keine Meinung unter Interpretation mehr erlauben können, weil ihnen Informationen fehlen.

Bedeutung für die Mediation

Die Hypothesen verhindern vorschnelle Bewertungen und erlauben es trotzdem, den gedanklichen Fokus auf ein Problem auszurichten. Wichtig ist das der Mediator in der Lage ist, seine Hypothesen sofort zu verwerfen, wenn sich andere Anhaltspunkte ergeben. Mitunter kann er die Hypothese noch offenlegen und mit den Parteien erörtern.

Hinweise und Fußnoten

Alias: Konflikthypothese, Interpretation, Hypothese
Bearbeitungshinweis: Textvollendung erforderlich.
Archiv: Ein Beitrag zum Facharchiv und Konfliktarchiv
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