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Seiten-ID: 855 Gesellschaftliche Einbindung der Mediation zur Verbesserung der Streitkultur 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 4-Inhalt »  (10) Staat »  Streitkultur

Implementierung der Mediation

Warum und wie die Mediation zur Verbesserung der Streitkultur beiträgt.


Es ist von der Stärkung der Mediation die Rede, von ihrer Förderung und von der Verbesserung der Streitkultur. Was ist damit gemeint und wovon sprechen wir, wenn wir in Deutschland von „der Mediation“ reden?



Was wird verbessert?
Streitkultur oder Nachfrage


Wenn von der Förderung der Mediation die Rede ist, kann zweierlei gemeint sein: die Förderung der Nachfrage nach der reinen Mediation oder die Verbesserung der Streitkultur. Beides wird als Zielsetzung genannt, ohne dass klar gelegt wird, was unter dem einen oder anderen zu verstehen ist. Eine Zielvorgabe ist unvermeidlich, wenn alle den gleichen Weg gehen sollen. Sie ist auch erforderlich, um Kriterien herausarbeiten zu können, an denen die erfolgreiche Implementierung der Mediation schließlich zu messen sein wird.

Verbesserung der Streitkultur

Die Idee, dass sich die Kultur durch die Nachfrage nach einer Dienstleistung verändern könnte, ist gewagt. Erst recht, wenn die Nachfrage wirtschaftlich unbedeutend ist. Kultur zeichnet sich durch ein übereinstimmendes Wertesystem aus, wozu auch das Streitverhalten rechnet.

Ein Blick in den Streitatlas1 belegt, dass seit 2012, also dem Inkraftreten des Mediationsgesetzes, die Streitlust der Deutschen von 20,9 Streitfällen pro hundert Einwohnern auf 22,3 im Jahre 2014 gestiegen ist. Als Grund wird die zunehmende Informiertheit der Bürger über ihre Rechte angegeben. Sicherlich spielt auch eine Rolle, dass der Gang vor Gericht nicht mehr als Schande angesehen wird und die Unfähigkeit, sich zu einigen, kein Makel ist, wohl aber die mangelnde Durchsetzungsfähigkeit, die mit einem Versagen gleichgesetzt wird. Auffällig ist auch, dass die Streitlust in den Regionen mit hoher Einwohnerdichte befeuert wird. Interessant wäre es, das Streitverhalten mit dem Kommunikationsverhalten zu vergleichen.

Die Kommunikation jedenfalls würde sich verbessern, wenn mehr Menschen wissen, wie Konflikte entstehen und wozu sie führen. Die Mediation trägt dieses Wissen in sich. Es ist für den Bürger aber nur erreichbar, wenn er damit in Berührung kommt.

 Merke:

Die Mediation wird nicht durch geschlossene Wissenssilos, käufliche Ausbildungen und Dienstleistungen gefördert, sondern durch ihre Anwendung und frei zugängliche Plattformen, in denen sich das Wissen um das Denken in der Mediation allen korrekt und in seiner Tiefe vermittelt 2

Wirkungen auf den Konfliktverlauf

Härte ist angesagt in unserer Gesellschaft. Ein Politiker muss durchsetzungsfähig sein, nicht unbedingt weise. Man darf sich nichts gefallen lassen. In einer Gesellschaft, die Stärke und Härte erwartet ...

Verständnis von Mediation

Was ist gemeint, wenn die Mediation gefördewrt werden soll. Meinen wir die Mediation im Sinne des Mediationsgesetzes? Meinen wir die Mediation als Methode, als Geisteshaltung oder Konzept? Je nach dem, was wir unter Mediation verstehen, verändert sich der Rahmen ihrer Implementierung und damit auch die Zielsetzung.

Wir möchten davon ausgehen, dass das Gesetz, wenn von Mediation die Rede ist, mehr meint als nur das Verfahren. Warum sonst sollte das Gesetz, dass die Mediation als Verfahren definiert, bereits im Paragraf zwei vom Mediationsverfahren sprechen? Wir sprechen ja auch nicht von einem Autofahrzeug, weil das Auto als Fahrzeug definiert ist. Tatsächlich begegnen wir der Mediation auch in der gesetzlichen Terminologie weiterhin als eine Methode. Es ist fraglich, ob die Absicht die Streitkultur zu verändern möglich ist wenn die Mediation lediglich als ein Verfahren verstanden wird, dass der Nachfrage zugeführt werden soll.

Noch wird die Mediation von anderen Verfahren getrennt gehalten. Die Gerichtsverfahren werden optimiert, in dem die Mediation das Portfolio des Gerichts erweitert, nicht in dem sie methodisch in die Verfahren integriert wird. Die Parteien müssen noch immer entscheiden, ob sie das konventionelle Gerichtsverfahren oder alternativ das Güterichterverfahren wählen wollen, auch wenn das Güterichterverfahren ein Teil des Gerichtsverfahrens ist. Die Streitkultur in dem konventionellen Verfahren hat sich durch die Einführung der Mediation deshalb nicht verändert und kann sich auch nur sehr indirekt verändern, indem der in Mediation ausgebildete Richter Techniken, wie das aktive Zuhören in das Gerichtsverfahren einführt. Eine Veränderung der Streitkultur stellt sich also erst her, wenn die Kompetenz der Mediation in andere Verfahren und gesellschaftliche Vorgänge Einzug findet.

(Aus-)Bildung

Um die Kompetenz der Mediation in die Gesellschaft zu implementieren genügte sicherlich nicht ein Verfahren zur Verfügung zu stellen. Notwendig ist auch eine Pflege und Entwicklung der Kompetenz. Hier spielt die Ausbildung eine Rolle und die Frage, wer wie ausgebildet werden soll. Solange die Ausbildung in Mediation von den Berufsausbildungen getrennt ist, wird es die Mediation nicht schaffen sich als ein Kulturgut, wie die Bildung, zu etablieren.

Anpassung

Mediation ist anders. Das mediative Denken ebenfalls. Es kann auf Macht verzichten, braucht keine Mehrheiten, um Konsens herzustellen, geht kritisch und sorgfältig mit Informationen um, entscheidet erst wenn alle Informationen geklärt sind und die Komplexität verstanden wurde, usw. Angenommen alle Bürger würden so denken. Was würde mit dem Staat und der Gesellschaft geschehen? Es würde beiden besser gehen. Allerdings wäre das System, wie wir es heute kennen nicht mehr tauglich.

Implementierung

Wenn sich die Mediation durch die Haltung auszeichnet und durch ein kooperatives Vorgehen bei der Konfliktbewältigung, muss die Gesellschaft zur kooperativen Konfliktbeilegung bereit und vorbereitet sein. Die Mediation kennt keine Sieger und Verlierer. Sie kennt keine Mehrheit. Sie kennt keine Bevormundung. Sie kennt nur den verstehensbasierten Konsens. Die Meinungsbildungsprozesse in der Gesellschaft suchen Sieger und Mehrheiten. Sie erwarten Regulierungen und bilden den Rahmen in dem vom Bürger erwartet wird, dass er kooperiert.

Die gleichen Verfahren werden auch bei der Implementierung der Mediation angewendet, obwohl vom Anwender eine mediative Herangehensweise erwartet wird. Das klingt wie ein Widerspruch, der sich am besten im mediativen Denken auflöst. Die Konsequenz daraus führt zu folgendem Grundsatz:

 Merke:

Die Implementierung der Mediation muss sich an der Mediation selbst messen 2

Gemeint ist, die Mediation aus dem Verstehen und einem interessen- und nutzenorientierten Konsens wachsen zu lassen, statt auf legitimierenden Mehrheiten und Regeln, die am Ende für eine Haltung stehen, die sich in der Mediation nicht wiederfinden lässt. Statt Regeln sind Vorbilder gefragt, die wissen wovon die Rede ist und die die Mediation auch leben und in ihrem Denken verwirklichen können.

Hinweise und Fußnoten

Alias: Streitkultur, Verbesserung der Streitkultur, Förderung der Mediation
Archiv: Ein Beitrag zum Facharchiv
Siehe auch: Mediationsgesetz-Evaluierung, Signal zum Umdenken
Bearbeitungshinweis: Textvollendung erforderlich.
Prüfvermerk: -

1 Siehe Die deutsche Streitlust nimmt weiter zu abgelesen am 2.8.2017
2 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation

An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Dienstag April 24, 2018 22:29:16 CEST von Arthur Trossen.