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Seiten-ID: 915 Die Logik der Mediation als Verfahren 4-Inhalt »  (04) Mediieren (Verfahren) 3-Abteilung »  Bücher (Wiki)


Prozesslogik

Nur wer ein gleiches Ziel verfolgt, kann den gleichen Weg gehen

Die Prozesslogik ist ein Teil der Mediationslogik. Sie setzt sich mit den Merkmalen auseinander, die dazu beitragen, den Erkenntnisprozess der Mediation zu ermöglichen.



Der richtige Weg
Der Prozess ist die Wegbeschreibung

Der informelle Gesprächsraum

Die Mediation bildet einen Suchprozess ab, der umso besser gelingt, je offener die Parteien miteinander umgehen. Suchen bedeutet auch an der falschen Stelle suchen zu dürfen. Es bedeutet auch solche Gedanken zu entwickeln, die die eigene Sicht infrage stellen. Freie Gedanken erfordern eine freie Kommunikation. Deshalb ist die Mediation ein flexibles, informelles Verfahren, das es erlauben soll Gedanken zu entwickeln ohne dass daraus ein Risiko entstehen kann. Die Möglichkeit zur informellen Kommunikation ist besonders im Konflikt nicht mehr gegeben. Sie muss also formell hergestellt und abgesichert werden.
Prozesslogik

Die Prozessorientierung

Die Mediation verwirklicht eine Paradoxie, weil sie die Lösung herstellt, indem sie die Lösung (zunächst) aus dem Blick nimmt. Die Lösung entsteht aus dem Prozess.

Die Mediation ergibt die Lösung!  


Der Mediator hat also darauf zu achten, dass sich die Parteien auf die Mediation einlassen und sich in der Mediation bewegen. Die Lösung entsteht daraus. Die Mediation ist der Weg, nicht das Mittel zum Zweck!

Der Mediator vertraut auf die Selbstregulierungskräfte der Mediation. Er weiß, dass die Mediation Erkenntnisschritte vorgibt, die sich bei den Parteien einstellen müssen und über die Metaebene für das Streitsystem vermitteln.

 Merke:

Es ist eine unbedingte Voraussetzung, dass der Mediator zwischen der Verfahrensebene und der Fallebene zu differenziern weiß 1

Nur durch dei Unterscheidung zwischen der Verfahrensebene und der Fallebene gelingt es, die Erkenntnisse im Kognitionsprozess zu steuern. Der Mediator selbst bewegt sich auf der Verfahrensebene außerhalb des Streitsystems. Dabei konzentriert er sich ausschließlich darauf, ob und wie sich die Prozesshaftigkeit der Mediation verwirklicht.

Prozessorientierung 

Das Puzzlespiel

Betrachtet man sich den Vorgang der Mediation genauer, wird die Metapher eines Puzzles umso anschaulicher. Ein Puzzle ist wie die Mediation ein Suchspiel. Die Suchlogik besteht darin, die Informationen wie Puzzlesteine an die gedanklich korrekte Position zu legen. Die Dimensionierung beschreibt, wie die Qualifizierung und Zuordnung der Informationen erfolgt. Das Suchspiel zeichnet sich dadurch aus, dass es keine Gewinner gibt. Es gibt nur einen Gewinn.

Mediation als Puzzle: die Oma sitzt mit ihrem Enkelkind in der Küche. Beide legen ein Puzzle. Es ist ein schwieriges Legespiel, weil die Vorlage viel Himmel und Meer enthält, sodass die meisten Puzzlesteine blau eingefärbt sind. Es ist also recht schwierig, die Steine zu positionieren. Stein für Stein vervollständigt sich das Bild und sowohl die Oma wie das Enkelkind nehmen Steine vom Haufen, um sie in das Bild einzupflegen. Manchmal diskutieren sie wo Einstein wohl hingehören könnte manchmal legt die Oma zwei Steine und das Enkelkind fünf auf einmal. Das ist alles o. k., weil es nicht darum geht, wer die meisten Steine legt, sondern das Bild fertig zu stellen. Deshalb freuen sich beide, wenn einer von Ihnen den entscheidenden Stein platziert hat, sodass das Bild erkennbar wird.


Bei einem Puzzle würde niemand darauf bestehen, dass er den letzten Stein gesetzt und somit den Gewinn verdient hätte. Der Gewinn ist der Spielerfolg, der keiner Partei alleine zugeschrieben wird. Darauf kommt es gar nicht an. Es kommt lediglich darauf an das fertige Bild zu legen.

Auch in der Mediation kommt es lediglich darauf an eine Lösung zu finden mit der alle zurechtkommen können. Wer die Lösung gefunden hat, ist völlig irrelevant, solange es nicht der Mediator war. Zumindest auf der Verfahrensebene gibt es also keine Gewinner oder Verlierer.

 Merke:

Der Gewinn ist die gefundene Lösung 1

Genau betrachtet werden in der Mediation zwei Puzzles gelegt2 und das unter verschärften Voraussetzungen. Es sind große Puzzles, die mehr Steine enthalten als notwendig und die auch nicht sortiert sind, sodass die Steine des einen Puzzles nicht von denen des anderen getrennt sind. Bei jedem Stein, der aufgegriffen wird, muss zunächst entschieden werden, in welches Puzzle er hineingehört. Gehört er zu dem Puzzle Verfahren oder zu dem Puzzle Fall3 .

Das Verfahrenspuzzle

Puzzle
Für dieses Puzzle gibt es eine Vorlage, an der sich der Mediator orientieren kann. Die Vorlage ist die Mediation. Die Puzzlesteine lassen sich den Bausteinen zuordnen. Eine korrekte Zuordnung vervolständigt die Mediation Schritt für Schritt.

Das Fallpuzzle

Puzzle
Für dieses Puzzle gibt es KEINE Vorlage. Es ist noch nicht einmal klar, welches Bild zu legen ist.

Gewinn: Es gibt keine Gewinner. Der Spielgewinn ist die (korrekt) verwirklichte Mediation.

Gewinn: Die Freiwilligkeit wird dazu führen, dass die gefundene Lösung ausgeglichen ist. Auch der Mediator wird darauf hinwirken, dass dem so ist. Es obliegt allerdings letztlich den Parteien zu entscheiden, was sie unter Gewinn definieren, ob es Gewinner gibt oder geben soll und wer das ist. Konzeptionell ist auf dieser Ebene auch kein Gewinnen oder Verlieren vorgesehen. Der Spielgewinn ist die gefundene Lösung, mit der alle zufrieden sind.

Die Mediation wird - spätestens in der WATNA/BATNA Instanz durch ein drittes Puzzle ergänzt. Es ist das Puzzle Recht. Im Vergleich zu den anderen Puzzles hat es nur wenige Steine. Es sind die Steine, die den Sachverhalt definieren und die Steine, die für die Rechtsfolgen stehen.

Die Nutzenorientierung

Der Verfahrensnutzen

Die Zufriedenheit mit dem Ergebnis drückt sich in der Nutzenverwirklichung aus. Der Nutzen des Verfahrens besteht darin, dass eine Lösung auf Verstehensbasis gefunden wird, die nicht solitär angestrebt, sondern mit anderen Möglichkeiten abgeglichen wird und die die gesamte Komplexität des Falles in Betracht ziehen kann.

Der Fallnutzen

Der Nutzen der gefundenen Lösung ergibt sich aus den im Verfahren selbst (in der 3.Phase) erarbeiteten Kriterien.


Nutzenorientierung 

Das Konsensprinzip

Die Mediation beschreibt ein Verfahren auf gleicher Augenhöhe. In ihr gibt es keine Hierarchie, wovon auch der Mediator betroffen ist. Er hat von Haus aus keine Direktionsbefugnis, sodass alle Entscheidungen das Verfahren betreffend im Konsens zu treffen sind.

Konsensprinzip 

Die Gemeinsamkeit

Die Mediation gibt, korrekt ausgeführt, keinerlei Anlass zum Streit. Kommt es in der Mediation zum Streit, muss der Mediator prüfen ob er einen Fehler begangen hat. Ist die Mediation korrekt abgelaufen, spricht einiges dafür dass der Streit der Parteien ein Ausdruck des Konfliktverhaltens ist und nicht etwa deshalb inszeniert wird, um bei dem neutralen Dritten ein Entscheidungsvorteil zu erwirken. Die Mediation produziert ein paralleles Denken, in dem sie Gemeinsamkeiten herausfiltert, um daraus eine Plattform zu schaffen, auf der die Lösung gründen kann.

Gemeinsamkeiten als Basis 

Die Verstehensvermittlung

Das wichtigste Wort in der Mediation heißt Verstehen. Um das Verstehen zu ermöglichen, stellt sich die Mediation als Metaebene zur Verfügung, auf der die Informationen wertneutral geordnet und gegenübergestellt werden können. Die Impulse helfen, dass Problem auf der Fallebene zu bearbeiten, sodass es zu einer Interaktion zwischen den Ebenen kommt.

Ebenen
Die Trennung der Ebenen bewirkt, dass die Abschlussvereinbarung auf der Fallebene unabhängig von dem Procedere auf der Verfahrensebene gewertet wird. D. h. Mediationsfehler wirken sich nicht unmittelbar auf die abschließende Entscheidung aus. Die Wirksamkeit der Mediation ist also unabhängig von der Wirksamkeit der Abschlussvereinbarung zu bewerten.

Die Frage der Haftung des Mediators 

Bedeutung für die Mediation

Der Prozess verwirklicht die Mediation so wie die Mediation sich im Prozess verwirklicht. Der Mediator muss darauf achten, ob und gegebenenfalls wann und wie er oder die Parteien von dieser Logik abweichen.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-17 18:50 / Version 42.
Aliase: Suchlogik
Siehe auch: Prozesslogik, Phasenlogik, Themenlogik, Mediationslogik, Erkenntnislogik, Konfliktlogik, Mediationslogik
Prüfvermerk: Arthur Trossen

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1 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation
2 Wenn man Rechtsfragen einbezieht, sind es sogar drei Puzzles.
3 oder gegebenenfalls zum Puuzle Recht
© Wiki to Yes: Trossen "Prozesslogik" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Prozesslogik