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Seiten-ID: 1251 Die Paradoxie des Widerspruchs 3-Abteilung »  Archiv

Paradoxie Paradoxe Interventionen

Die Paradoxie wird synonym zu dem Begriff Paradoxon verwendet. Paradoxien sind Aussagen, die neben (para) der allgemein akzeptierten Meinung (doxa) stehen und die deshalb widersinnig, sinnlos, absurd oder einfach nur kurios erscheinen1 .

Definition

Laut Wikipedia ist das Paradoxon (Plural Paradoxa; auch Paradox oder Paradoxie, Plural Paradoxe bzw. Paradoxien; vom altgriechischen Adjektiv παράδοξος parádoxos „wider Erwarten, wider die gewöhnliche Meinung, unerwartet, unglaublich“1) ist ein Befund, eine Aussage oder Erscheinung, die dem allgemein Erwarteten, der herrschenden Meinung oder Ähnlichem auf unerwartete Weise zuwiderläuft oder beim üblichen Verständnis der betroffenen Gegenstände bzw. Begriffe zu einem Widerspruch führt2 .

Beispiele

Wie faszinierend und verwirrend Paradoxien sind, sollen die nachfolgenden, in einem Video aufbereiteten Beispiele belegen:

Paradox ist auch:

  1. die Aufforderung sich doch mal langsam zu beeilen, oder
  2. die Aussage, dass der Vater seinen Sohn unverwandt anstarrt, oder
  3. die Frage, warum schlafen ein Tätigkeitswort ist.

Rhetorische Paradoxien sind:

  1. Weniger ist mehr
  2. Wir sind zur Freiheit verurteilt
  3. Wir kämpfen für den Frieden
  4. Wenn nichts mehr geht, geht die Mediation

Die Mediation vervollständigt die Liste der Beispiele, weil sie selbst paradox ist. Wie sonst lässt es sich erklären,

  1. dass die Lösung umso besser gefunden wird, je weniger man daran denkt3 ,
  2. dass die Freiwilligkeit ein Druck zur Einigung ist4 ,
  3. dass die Kooperation anzuwenden ist, nachem die Kooperation gescheitert ist5
  4. dass die Erfolgschancen der Mediation steigen, je unlösbarer das Problem ist6

Verwendung

Es würde der Paradoxie nicht gerecht, wenn sie lediglich als eine witzige, weil merkwürdige Aussage betrachtet wird. Das Beispiel "Wir kämpfen für den Frieden" zeigt, dass erst bei einem vertiefenden Nachdenken die ganze Tragweite der Aussage und ihr Widerspruch sichtbar wird.

Es ist deshalb gut nachvollziehbar, wennKannetzky die Paradoxie als ein Indikator für Probleme beschreibt, die durch Widersprüchlichkeit oder Zirkularität von Aussagen oder Anforderungen auf sich aufmerksam machen1 . Betont man die Aussage auf sich selbst aufmerksam machen, dann erschließt sich eine Ahnung, wie nützlich Paradoxien in der Mediation sein können.

 Merke:

Paradoxien sind ein wichtiges Medium der Reflexion. Sie helfen, den Gordischen Knoten zu lösen7

Merkmale

  1. Paradoxien gibt es nur, wo es gerechtfertigte Erwartungen gibt.
  2. Paradoxien sind ihrer logischen Form nach Widersprüche bzw. lassen sich als solche darstellen.

Paradoxien helfen, Konflikte zu lösen, indem wir uns in ein Verhältnis zu den Darstellungs-, Erkenntnis- und Handlungsformen setzen und zur Klärung von Konfliktfragen beitragen.

Paradoxe Intervention

Die in der Philosophie zum Verständnis von Verstand und Vernunft beitragenden Erkenntnisse macht sich auch die Psychologie zueigen, indem sie Paradoxien gezielt als Intervention einsetzt. Paradoxien wirken wie Denkfallen. Sie führen die Grenzen des Verstandes und der Logik vor Augen und regen zugleich zum Nachdenken an8 .

Der psychologische Effekt einer Paradoxie kann wie die Starttaste bei Windows wirken. Der Cache-Speicher wird gelöscht, die Programme werden neu eingeladen. Auf den Menschen bezogen bewirken sie die Durchbrechung von Mustern. Die Programme (Muster) laufen nicht mehr ab, wie gewohnt. Etwas ist anders. Man muss sich neu orientieren.

Paradoxe Interventionen in der Mediation sind z.B.

Beispiel Streiten: Die Parteien streiten. Der Mediator verlässt wortlos den Raum. Nach einer Zeit bemerken die Parteien erst seine Abwesenheit. Statt ihren Streit fortzusetzen, denken sie über das nach, was hier geschieht. Jetzt ist die Zeit für den Mediator gekommen, dabei zu helfen, seine Intervention korrekt zu verstehen.
Beispiel Argumentieren: Der Mediator zeigt sich immun gegen die Argumentationslinien: "Ich verstehe nicht, was Sie mir sasgen wollen". Die Bitte neu zu formulieren, damit der Mediator versteht was gesagt werden soll wird solange wiederholt, bis die Prteien die Langspielplatte beenden, weil sie merken, dass die Argumente keine Wirkung haben. Die Umformulierung bringt Ihnen Erkenntnisse ein.
Beispiel Ideen: Den Parteien fällt keine konstruktive Lösung ein in der 4.Phase. Der Mediator fragt: "Was muss geschehen, damit es noch schlimmer wird?". Der Kontrast zu den Antworten zeigt den Weg in die konstruktive Lösung

Bedeutung für die Mediation

Paradoxien helfen einerseits, die Mediation in ihrer Widersprüchlichkeit wahrzunehmen. In dieser Funktion tragen sie dazu bei, dass der Mediator die Mediation besser verstehen kann. Andererseits sind sie ein Werkzeug, mit dem sich der Konflikt besser begreiflich macht. In dieser Funktion tragen sie dazu bei, dass die Parteien den Konflikt besser verstehen.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-12-19 10:59 / Version 32
Alias: paradoxe Intervention, Paradoxien
Literaturhinweis: Kannetzky (Paradoxien)
Siehe auch: Entscheidungsprozesse
Prüfvermerk: Administrator

3 Argument: gedankliche Abtrennung der Phase 4. Siehe Kognitionsprozess
4 Argument: Die Freiwilligkeit des einen zwingt den anderen zur Rücksichtnahme. Siehe Selbstregulierung
5 Argument: Die Kooperationen haben unterschiedliche Formate. Siehe Konfliktevolution
6 Argument: Die Suchbereitschaft ist dann größer. Siehe Zweck
7 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation
8 Siehe Karrierebibel, https://karrierebibel.de/paradoxien/ dl. 26.8.2018 mit weiteren Beispielen für Paradoxien
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Paradoxie in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Paradoxie