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Seiten-ID: 418 Wirtschaftsmediation, Familienmediation & Co. Zusammenstellung der Fachmediationen 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Fachmediation

Fachmediationen

Die Vielfalt der Mediation zeigt sich auch an den Feldern, in denen sie vorkommt. Nicht immer ist die Unterscheidung zwischen Fachmediationen hilfreich. Nicht immer ist sie eindeutig. In welches Fach würden Sie beispielsweise einen Gegenstand legen, der in alle Fächer passt?




Mediationsfelder
Lässt sich die Mediation in Bereiche einteilen
und wer ist dann wofür zuständig?

Komplexität

Auch die Fachlichkeit begegnet der Komplexität. Eine Möglichkeit, sie in den Griff zu bekommen, ist das Schaffen einer Ordnung. Die Wissenschaft liefert eine Vorgabe, indem sie sich in Fächer (Disziplinen) einteilen lässt. Die Mediation lässt sich nicht eindeutig zuordnen. Sie fällt in den Wissensbereich verschiedener Disziplinen. Im Vordergrund stehen die Zuständigkeitsbereiche der Psychologie, der Rechtswissenschaft, der Soziologie und der Philosophie. Sicherlich lassen sich noch mehr Disziplinen aufzählen. Zu denken ist an die Kybernetik, die Medizin und die Biologie. Weil die Zuordnung zu einer einzelnen Disziplin eine Reduktion bedeutet, kommt es in der Mediation auf das Zusammenspiel der Disziplinen an, weshalb die Interdisziplinarität der Mediation herausgestellt wird.

 Merke:

Leitsatz 4097 - Die Interdisziplinarität ist ein Wesensmerkmal der Mediation, weil es schwer fallen würde, die Mediation nur aus einer Disziplin heraus zu beschreiben

Die Interdisziplinarität wirkt sich auch auf die Fachlichkeit bei der Anwendung der Mediation aus.
Auch hier fällt eine Abgrenzung schwer.

Zur Problematik der Fachlichkeit

Analog zu der Vorstellung, dass ein Facharzt von der Fachrichtung, für die er niedergelassen ist, mehr weiß als der Allgemeinmediziner und analog zu der Vorstellung, dass sich ein Fachanwalt für Familienrecht besser in der Scheidungsmaterie bewegen kann, als der nicht spezialisierte Anwalt, bildet sich die Meinung heraus, dass auch Fachausrichtungen in der Mediation erforderlich seien, um die Mediation auf bestmögliche Weise in den Branchen durchzuführen.

Die Einrichtung von Fachabteilungen ist nicht nur fachlich, sondern auch ökonomisch motiviert. Fachausrichtungen suggerieren eine Kompetenzerweiterung. Sie eignen sich deshalb dazu, die Nachfrage zu stimulieren. Ein Laie wird einem sogenannten Baumeditor in einer Bausache mehr Vertrauen entgegenbringen als einem allgemeinen Mediator. Er wird einem Fachanwalt für Baurecht den Vorzug geben, wenn es keinen Baumediator gibt. Dre Spezialist erscheint lösungsnäher. Auch mag davon ausgegangen werden, dass er in seinem Spezialgebiet erfahrener ist. Die Einschätzung ist aus folgenden Gründen nicht unbedenklich:

  1. Die Mediation ist prozess- nicht lösungsorientiert. Eine Unterscheidung etwa zwischen der Familien- und der Wirtschaftsmediation wäre fachlich nur dann geboten, wenn die Prozesse vom Fachgebiet abhängig anders (als interdisziplinär, also disziplinübergreifend) ablaufen. Das ist allerdings nicht der Fall. Die Mediation verläuft in allen Disziplinen nach dem bekannten Schema und in den vorgestellten Mediationsmodellen. Allerdings ändern sich die Themen, die Fragestellungen und die Kommunikation in Abhängigkeit davon, in welchem Feld die Mediation aufkommt .
  2. Es gibt Mediatoren, die behaupten, dass die fachliche Sicht eher zur Fachidiotie (also zu einer eingeschränkten Sicht) führt und die Wahrnehmung einschränkt, anstatt sie zu erweitern. Die Fachlichkeit wäre damit kontraproduktiv zur Mediation. Tatsächlich besteht die Gefahr, dass ein fachmann nicht mehr die so wirksamen naiven Fragen stellt, die der Mediation so oft weiterhelfen.
  3. Die Mediation behandelt schwerpunktmäßig Konflikte, nicht Themen. Konflikte orientieren sich nicht an Fachrichtungen.

Die Ausrichtung der Fachlichkeit

Als Argument für die Spezialisierung wird von Auszubildenden und Mediatoren oft angeführt:

Ich beschäftige mich lieber mit der Wirtschaftsmediation, weil ich mit den Emotionen nicht umgehen kann!


Die Aussage ist verdächtig, wenn die Wirtschaftsmediation im hier vorgestellten Umfang und Verständnis angesehen wird.1 Auch die Wirtschaft kommt nicht ohne Emotionen aus. Das beweist schon der Aktienmarkt. Aber auch ein innerbetrieblicher Konflikt oder einen Konflikt zwischen Gesellschaftern zeichnet sich oft durch eine besonders stark ausgeprägte Emotionalität aus. Der Umgang mit der Emotionalität ist allerdings anders als etwa in Familiensachen. Es fragt sich also, ob die Wirtschaftsmediation bei dieser Einschätzung nicht allzusehr reduziert wird.

Der Eindruck einer Spezialisierung mag generell eine fachliche Kompetenzerweiterung suggerieren. In der Mediation bedeutet ein Fachwissen aber nicht zwingend eine Erweiterung der meditativen Kompetenz. Die zur Andersartigkeit der Mediation passende Kompetenz könnte in der Fachlichkeit sogar verloren gehen.

Die Überlegungen führen leider auch beim Konsumenten zu der Notwendigkeit, genau hinzuschauen und zu überlegen, was sich im Einzelfall hinter der Fachbezeichnung verbirgt.

Die Fachbezeichnung

Leider teilt die Bezeichnung sogenannter Fachmediationen und damit auch der Fachmediatoren das Schicksal der Konfliktbenennung. Wie dort lassen sich Fachbezeichnungen einfach herbeiführen, indem zwei Substantive zusammengesetzt werden.

Beispiel - Weihnachtsmediation: Die Persiflagen von Medi & Ator2 verdeutlichen das Phänomen. Um sich hervorzutun behaupten die Hauptdarsteller einfach, sie hätten sich auf Konflikte spezialisiert, die typischerweise an Weihnachten auftreten. Also kombinieren sie die Begriffe Weihnachten und Mediation und erfinden die Weihnachtsmediation.


Abgesehen von den kreativen Wortkonstrukten orientiert sich die Fachlichkeit in der Mediation gerne an den juristischen Fächern. So wie es ein Familienrecht gibt, gibt es eine Familienmediation. So wie es ein Erbrecht gibt, gibt es eine Erbschaftsmediation so wie es ein Wirtschaftsrecht gibt, gibt es eine Wirtschaftsmediation usw. Die Interdisziplinarität der Mediation und ihre besondere Fähigkeit zur Bewältigung der Komplexität, die weit über das juristische Denken hinausgeht, wirft die Frage aus, ob und wann eine (am Recht orientierte) fachliche Ausrichtung wirklich sinnvoll und erforderlich ist. Der Konflikt jedenfalls lässt sich von Fachfragen kaum beeindrucken.

 Merke:

Leitsatz 4098 - Konflikte sind nicht auf eine reine Fachbehandlung zu reduzieren. Bei Fachmediationen ist deshalb stets zu prüfen, ob sie eine Erweiterung zur Mediation oder eine Einschränkung darstellen

Fachfragen spielen im Argumentations- und Lösungsbereich eine Rolle. Wenn sie in der Mediation dazu führen, dass die Konfliktbewältigung auf diese Bereiche reduziert wird, ist Vorsicht geboten. Die Mediation ist ein verstehensbasiertes Verfahren, dass eine sachliche Auseinandersetzung ermöglicht, aber dabei durchaus Emotionen und Beziehungen und nichtsachliche Aspekte einbezieht.

Dass Konflikte nicht auf eine reine Fach- und Sachbehandlung reduziert werden, ist ein besonderes Eigenschaftsmerkmal, das die Mediation von anderen Verfahren unterscheidet. Wenn eine Konfliktbewältigung angestrebt wird, sollte der Konflikt im Vordergrund stehen, nicht die Fachfrage. Für die Fachlichkeit in der Mediation kommt es also darauf an, ob das Konfliktgeschehen in einem speziellen Anwendungsbereich typische Merkmale aufweist und die Fachlichkeit zum Verständnis des Konfliktverhaltens und der Lösungsoptionen beiträgt.

Die Fachkompetenz

Die fachübergreifende Kompetenz ist ein wichtiges Kompetenzmerkmal des Mediators.

Beispiel - Unternehmensübergabe: Die Eltern vermieten ein Autohaus an den Sohn. Es kommt zum Streit mit dessen Ehefrau, der zum Entzug des Umgangs mit dem Enkel führt. Die Eltern verweigern die Verlängerung des Mietvertrages, weil sie keinen Kontakt mit dem Enkel haben. Bei dem Fall, der im Detail in der Fallsammlung3 geschildert wird, lässt sich die Bearbeitung nicht auf eine Wirtschaftsaneglegenheit reduzieren. Zwar gibt es einen Streit, der in diesen Bereich fällt. Der Konflikt hat jedoch einen familiären Ursprung. Welcher Mediator ist jetzt zuständig?


Der Beispielsfall zeigt, dass es nicht das Fach, sondern der Konflikt, genauer die Konfliktdimension ist, die bestimmt, welcher Mediator zuständig sein sollte. Ein Wirtschaftsmediator, der keine Familienkonflikte bearbeiten kann ist ebenso überfordert, wie ein Mediator, der keine Wirtschafskonflikte bearbeiten kann. Es gilt der Grundsatz:

 Merke:

Leitsatz 4099 - Der Konflikt ignoriert fachliche Grenzen!

Um zu erkennen, ob die Fachbezeichnung auch die am Konflikt orientierte, fachübergreifende Kompetenz des Mediators erfasst, müsste sich der Konsument mit der Ausbildung des Mediators auseinandersetzen. Die Ausbildungsverordnung geht auf die Fachlichkeit nicht ein. Auch geben die verwendeten Fachbezeichnungen nicht immer einen Hinweis auf die gebotene fachübergreifende Konfliktkompetenz. Die Auflistung der Fachmediatoren und der einzelnen Fachausrichtungen soll dazu beitragen, die Kompetenzanforderungen auszuloten.

Gegenstand, Herangehensweise und Kompetenz der Fachmediatoren

Das Fachwissen

Es gibt durchaus Meinungen, die den Standpunkt vertreten, ein Mediator solle am besten gar keine Fachkenntnisse besitzen, um die notwendige Unbefangenheit vorzuweisen und jede Vorbelastung zu verhindern. Andererseits muss er fachlich relevante Zusammenhänge kennen, damit er alle Aspekte der im Fach anzuwendenden Komplexität verstehen kann.

Beispiel - Fachkenntnisse: In einer Scheidungsangelegenheit kommt es sehr auf juristische Fragestellungen an, die teilweise zwingendes Recht ergeben. Ohne sie zu kennen, kommt am Ende gegebenenfalls ein nicht verwertbares Ergebnis heraus. Kennt der Mediator die rechtlichen Bedingungen, besteht andererseits die Gefahr, dass er eigene Gerechtigkeitslösungen der Partei nicht erkennt oder gar von vorneherein unterdrückt. Die Gerichtsentscheidungen übner Haftungsfäölle in der Mediation lassen sich fast alle auf dieses Phönomen zurückführen4 .


Es ist schwierig, die Frage nach dem notwendigen Fachwissen pauschal zu beantworten. Dass Wissen schädlich sein soll, macht nachdenklich. Das Argument, warum (zu viel) Fachwissen schädlich sei, ist eine verringerte Neugier und Voreingenommenheit, gegebenenfalls auch eine unangepasste Ausgewogenheit und ein (fachlich) dominierter Fokus. Es hängt also mehr vom einzelnen Fall als vom Themengebiet ab, welche Kenntnisse erforderlich sind, um die Parteien und den Fall vollständig verstehen zu können und welche nicht.

Beispiel - Fachwissen Bauschäden: Im Streit zwischen Architekt und Bauhherren wird ein Architekt als Mediator eingeschaltet, weil unterstellt wird, dass er die Zusammenhänge bei Bauschäden besser durchschaut. Weil dem so ist, erscheinen Sachverhalte klar, die der Bauherr aber nicht versteht. Aus der Sicht des Bauherren scheint der Mediator plötzlich auf der Seite des Architekten zu stehen.


Andererseits gibt es Zusammenhänge, die nur Insider erkennen können. Dann geht es mehr um das erfahrungsbasierte Insiderwissen als um Fachkenntnisse.

Beispiel - Fachwissen Personenschäden: Die Verhandlungen finden nicht zwischen Schädiger und Unfallopfer statt, sondern zwischen Anwälten und Versichereren unterschiedlicher Ebenen und Interessen. Wer das Zusammen- oder Gegeneinanderspiel nicht durchhschaut läuft Gefahr mit den falschen Personen und an den Ineteressen vorbei zu verhandeln


Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass ein Mediator so viel Hintergrundwissen braucht, um den Konflikt zu verstehen und auch in die Ecken blicken zu können, wo die Partei nicht hinschauen wollen oder können. Ideasl ist es, wenn der Beruf des Mediators sich aus den Ursprungsberufen löst und der Mediator eine Kernkompetenz besitzt, die er zur Durchführung einer Mediation benötigt. Eine Auseinandersetzung mit Fragen der Wissens- und Kompetenzvermittlung finden Sie im Zusammenhang mit den Ausbildungsanforderungen. Die Herleitung der Kernkompetenzen wird im Zusammenhang mit der Interdisziplinarität erörtert.

Ausbildungsinhalte Interdisziplinarität

Der Verfahrensschwerpunkt

Der Streitgegenstand orientiert sich immer an den Positionen, während sich der Konfliktgegenstand an den durch die Themen repräsentierten Konflikten ausrichtet. Der Mediationsgegenstand geht also über den Streitgegenstand hinaus. Die jeweils notwendige Bearbeitungstiefe ergibt sich aus dem zugrunde zu legenden Mediationsmodell. Die nachfolgende Auflistung versucht die durch Gegenstand, Themen und Konfliktdimensionen gekennzeichnete, tylische Bearbeitungstiefe herauszustellen.

Übersicht

Das Verfahren und wofür es gut ist


Fachmediationen erfassen

Helfen Sie, weitere Fachmediationen zu identifizieren. Es geht darum, dass die Liste möglichst vollständig ist. Das Ziel ist es alle fachmediationen zu kennen.

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Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-05-02 13:02 / Version 191.
Alias: Fachmediationenverzeichnis, Fachmediation, Mediationsfelder, Mediationsfeld, Fachkenntnisse
Siehe auch: Dienstleistung, Mediation
Diskussion: Forumsbeitrag Mediationskompetenzen

© Wiki to Yes: Trossen "Fachmediationen" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Fachmediationen
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen , Mediator und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Sonntag September 1, 2019 08:22:14 CEST von Arthur Trossen.