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Tips und Tricks

Der wohlsortierte Hinweis auf Kniffe und Kunstgriffe zur Bewältigung der Mediation


Viele Menschen möchten in der Mediation eine Wunderwaffe vermuten. Sie sehen den Erfolg und meinen, dass die Mediation ihnen den Trick offenbart, wie man den Menschen knackt. Sie lernen eine Technik nach der anderen und hoffen dadurch, ihre Kompetenz im Umgang mit Menschen oder den Streitparteien besser kontrollieren zu können. Man sollte vorsichtig sein mit solchen Erwartungen. Sie haben oft nicht mehr als einen Placeboeffekt1 und sind nicht mehr als eine irritierende Illusion2 .


Wer den Durchblick hat weiß, dass der erste ernstzunehmende Tipp für den Mediator lauten muss:

1.1. Keine Tricks

Zumindest nicht, wenn sie mit einer Täuschung verbunden sind. Es geht nicht darum, die Parteien in etwas hineinzutreiben. Der Mensch ist keine Nuss und muss auch nicht geknackt werden. Es geht auch nicht darum, etwas in ihn (in den Hut) hineinzutun oder herauszuholen. Es geht darum, zu erkennen was drinnen ist, damit die Parteien ihre Ressourcen nutzen können. Sicherlich kommt es dafür darauf an, dass der Mediator den Mensch innerhalb des Streitsystems korrekt (einschätzen) spiegeln kann.

1.2. Komplexität ist die Arena

Es wäre eine Illusion zu glauben, dass man einen lang geübten, eskalierten Konflikt mit einem Fingerschnippen lösen könnte. Zugegeben hat es manchmal den Anschein. Auch manche Mediatoren stellen ihren Erfolg so dar, als wäre es ihre schlaue Frage gewesen, die den Parteien die notwendigen Erkenntnisse gebracht hätte. Es wird übersehen, dass sich die schlaue Frage in einen komplexen Prozess einbettet, der von vielen Einflüssen geprägt wird und ein Window of Opportunity benötigt, um die beschriebene Wirkung zu erzielen. Der erste Zugriff auf die Komplexität ist das Verständnis der Systemik und damit einher gehend die Unterscheidung zwischen der Verfahrensebene und der Fallebene. Dimensionierungen helfen, die Komplexität zu ordnen. Es ist das Zusammenspiel, der Einflüsse, welche die Mediation in einer Art und Weise koordiniert, um aus ihr das zu machen, was sie ist: eine Verstehensvermittlung.

1.3. Einsicht ist der Schlüssel

Verstehen hängt mit Erkenntnis zusammen und Erkenntnis beruht auf Einsicht. Die allseitige Einsicht ist deshalb der Schlüssel zur Akzeptanz. Um eine Einsicht zu ermöglichen, gibt es sicherlich Kunstgriffe (Kniffe). Viele davon finden Sie im Interventionenverzeichnis. Sie werden Interventionen genannt. Einsicht kommt von innen. In der Mediation soll sie dazu führen, dass die Parteien selbst eine Lösung finden die wichtigste Frage für den Mediator ist deshalb, was geschehen muss, damit sich die Parteien auf den Suchprozes einlassen können.

1.4. Suche ist der Weg

Die Einsicht in den Weg ist die Bedingung für die Einsicht in die Lösung. Die Phase eins, also das Verfahrensritual und die Einstimmung auf das Ziel, einen konfliktfreien Zustand herzustellen spielen deshalb eine wichtige Rolle. Sie sollten in keinem Fall verkürzt werden. Nur wer das gleiche Ziel verfolgt, kann den gleichen Weg gehen. Nur auf dem gleichen Weg ist ein paralleles Denken möglich. Nur ein paralleles Denken führt aus dem Widerspruch heraus. Die Meilensteine auf dem Weg zu einer gemeinsamen Lösung sind die abgestimmten Erkenntnisse. Sie markieren die zurückzulegenden Schritte.

1.5. Erkenntnis ist der Meilenstein

Welche Erkenntnise zu erzielen sind, beschreibt die Mediation, wenn sie als ein Kognitionsprozess verstanden wird. Die Phasen repräsentieren die gedanklichen Dimensionen. Die Phasenlogik führt sie zusammen. Der Mediator weiß, dass die Lösung in der Mediation aus dem Prozess entsteht, nicht aus ihrer der Vorgabe. Die wichtigste Frage für den Mediator ist deshalb stets, wie es gelingt, Zugang zu den Menschen zu finden, um ihnen die Erkenntnisschritte zu ermöglichen, die auf dem Weg zur Lösungsfindung zurückzulegen sind. Die Haltung im Verständnis einer inneren Einstellung, Bereitschaft und Interesse sind dabei das wichtigste Kriterium.

1.6. Emotionen sind der Hinweis

Der Mensch macht nichts, was ihm keinen Nutzen bringt. Der Nutzen wird emotional beurteilt, sodass die Ausrichtung menschlichen Verhaltens stets ein gutes Gefühl ist. Für die Mediation sind zwei gute Gefühle herzustellen. Das eine ist auf das Verfahren gerichtet, das andere auf die Lösung. Die Herausforderung ist, dass im Zweifel weder das eine noch das andere bekannt ist, sodass sich für die Parteien zumindest aus der Erfahrung heraus kein Gefühl ableiten lässt3 . Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Erfahrung mit dem Gegner zeigt, dass ein Einsehen kaum denkbar ist. Zur Mediation gibt es meist keine Erfahrung außer der, dass eine Kooperation innerhalb der Konfrontation nicht denkbar ist. Hier muss der Mediator Brücken bauen. Die Mediation hilft ihm dabei. Sie nimmt (in Phase 3) das Denken aus dem Streit heraus und führt es in eine heile Welt, eine imaginär konfliktfrei Situation. Diese Vorgehensweise hilft, dass sich positive Gefühle und Gedanken entwickeln können. Der Mediator hilft dabei Wahrnehmungs- und Denkfehler zu korrigieren.

1.7. Interesse ist der Motor

Der Antrieb in diese Richtung zu gehen ergibt sich aus den Motiven. Die Motive ergeben eine Nutzenerwartung. Je wahrscheinlicher der Nutzen ist, umso mehr ist der Bereich Mensch bereitet sich darauf einzulassen. Die Mediation ist nutzenorientiert, wobei der Nutzen sowohl auf der Verfahrensebene wie auf der Fallebene herzustellen ist. Dementsprechend wird das Verfahrensmotiv vom Lösungsmotiv unterschieden.

Beispiel für den Nutzen auf der Verfahrensebene
"Stellen Sie sich vor wir finden eine Lösung die noch besser ist, mit der sie beide leben können, die den Konflikt beilegt und Nachhaltigkeit verspricht. Wäre das ein Ziel auf das sie sich einlassen konnten?"
Beispiel für den Nutzen auf der Fallebene
"Was es ihnen wichtig, damit sie mit der Lösung zufrieden sind?"

1.8. Denken ist die Chance

Es wird den Parteien schwer fallen, solche Gedanken aus ihrer Konfliktsituation und dem empfundenen Leid heraus entwickeln zu können. Sie werden im Ja-Aber-Modus denken. Der Mediator muss versuchen, dass die Parteien aus der Ablehnung herauskommen. Abgesehen von der Wirkung, die die Mediation durch die Phasenlogik aus sich selbst heraus ausübt, bedarf es der Interventionen wie zum Beispiel der Aber-weg-Technik, dem Zauberstab oder der Kontrastbildung. Es kommt darauf an, dass die Parteien Gedanken überhaupt erst einmal zulassen. Ablehnen können Sie sie immer noch. Deshalb ist es wichtig, dass sie in der Mediation frei und unbeschadet denken können. Die Vertraulichkeit soll dies sicherstellen. Die Mediation unterstützt das positive Denken, in dem sie das Denken an den Streit und die Positionen bzw. die Lösungen in eigenständige Phasen packt. Letztlich ergibt sich der Effekt an der (auch bei den Parteien) aufkommenden Neugier an dem Interesse.

1.9. Verstehen ist der Kern

Das Motiv des Mediators ist zu verstehen. Das allseitige Verstehen ist die Basis für die Lösung. Der Fokus ist also darauf gerichtet, ein allseitiges Verstehen zu ermöglichen. Der Mediator fragt also nicht was hinten rauskommt oder wer in der Vergangenheit was falsch gemacht hat. Er fragt, wie das Denken und Handeln der Parteien korrekt einzuschätzen ist. Er will die Bedeutung verstehen, damit die Parteien sie verstehen können. Die Bedeutung ergibt den Nutzen und eröfnet die Möglichkeiten.

1.10. Vertrau der Mediation

Der wohl wichtigste Kunstgriff in der Mediation besteht darin, die Mediation zur Wirkung zu bringen. Der Mediator muss die Parteien in die Mediation hineinführen und in ihr halten können. Sein Denken ist ausschließlich prozessorientiert. Er denkt nicht an die Lösung oder darin was als nächstes passiert oder zu tun ist. Er interessiert sich ausschließlich dafür was gerade passiert, wie die Aussagen und Handlungen der Parteien zu verstehen sind. Was er verstanden hat spiegelt er und ordnet es in das Verfahren ein. Die Benchmarks helfen ihm, den richtigen Weg zu verfolgen. Der Interventionenverzeichnis hilft ihm, die passende Intervention zu finden.

1.11. Vorschläge

Als erfahrender Mediator kennen Sie sicher auch einige Tricks und haben Tipps, wie man besser mit der ein oder anderen Situation in der Mediation zurecht kommen kann. Nutzen Sie die Gelegenheit, darüber zu berichten

Tipps und Tricks

Hinweise und Fußnoten

Alias: Tipps und Tricks, Tips, Tipps
Siehe auch: Durchblick
Diskussion: Forumsbeitrag Tipps und Tricks
Prüfvermerk: Arthur Trossen

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3 Vielleicht genügen die Beiträge bei Wiki to Yes um das Vertrauen in die Mediation herzustellen und ein gutes Gefühl für diese Art der Streitvermittlung zu wecken.
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