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Rituale Ritualisierungen in der Mediation

Der Begriff stammt vom Lateinischen ritualis ab und bedeutet, den Ritus betreffend oder rituell. Der Ritus ist eine in den wesentlichen Grundzügen vorgegebene Ordnung für die Durchführung zumeist zeremonieller Handlungen. Das Ritual ist demnach eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, meist formelle und oft feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt1 .

Psychologie

Auch unter psychologischen Gesichtspunkten wird das Ritual als eine starre Abfolge von Handlungsschritten beschrieben. Das Lexikon der Psychologie führt dazu aus: "Sie dienen einerseits der Überhöhung des Erlebens, andererseits der Stabilisierung und Festigung der Person und können als Gewohnheit in den Alltag integriert sein (z.B. Einschlafrituale, Tischrituale, Begrüßungsrituale). Auch Spielhandlungen haben oft den Charakter von Ritualen, d.h. sie werden in übersteigerter, manchmal auch bizarrer Form ausgeführt, was sich im Stimmduktus, in der Gestik und in übertriebenen Handlungen zeigt (Spiel). Oft zeigen sich Rituale aber auch als Krankheitssymptom, z.B. um bei Zwangsstörungen bedrohliche Gedanken abzuwehren (Entlastungsrituale)"2 .

Mediation

Rituale erleichtern Abläufe, stellen Inhalte sicher und exponieren Bedeutungen. Im hiesigen (psychologischen) Verständnis müssen sie keine zeremonielle, feierlich-festliche oder gar liturische Bedeutung haben. Trotzdem sind sie in der Mediation sinnvoll einzusetzen. Folgende Rituale sind hier angebracht:

Begrüßungsritual

Schon zu Beginn der Mediation kann der Mediator viele Fehler machen. Es empfiehlt sich deshalb schon bei der Begrüßung ein Ritual einzuführen und zu beachten. Wichtig ist, dass die Parteien absolut gleich behandelt werden. Das betrifft gegebenenfalls den Handschlag, den Small Talk Anteil, die Zuführung in das Mediationszimmer, die Offenbarung der Vorinformationen und die Platzzuweisung.

Vorkommen in der Mediation: 0.Phase, 1.Phase

Bereitschaftsritual

Schon in den Übungen erweist sich die Frage: "Wer fängt an?" als ebenso einprägsam wie lehrreich. Jedenfalls wird sie schnell nachgeahmt und ritualisiert eingesetzt. Das geschieht ganz unbewusst. Wenn die Parteien Vorschläge unterbreitet haben, wird darauf hingewiesen. dass es ihnen möglich war, sich zu einigen. Fängt einfach eine Partei zu reden an, wird sie unterbrochen um die Zustimmung der Gegenseite einzuholen. So lernen die Parteien, dass nicht in der Medfiation geschieht, ohne die Zustimmung der anderen Partei.

Alternativ könnte der Mediator bestimmen, wer anfängt. Welche Wahl trifft er aber? Wenn er die Entscheidung den Partreien überlässt erschöießen sich Beziehungs- und Verhaltensmuster. Es ist eine Information, auf die er nicht verzichten sollte.

Vorkommen in der Mediation: 1.Phase, 2.Phase, 3.Phase

Verfahrensritual

Ein anderes Ritual betrifft die Verfahrensinitialisierung, Das Verfahren ist auf gleicher Augenhöhe durchzuführen mit Regeln, auf die sich alle verständigt haben. Es ist oft das erste Einverständnis in einem Konfliktverlauf, so dass schon dieser Umstand ein Grund ist, festgehalten zu werden. Die Ritualisierung überhöhung das Erleben dieser Einführung.

Ein weiterer Effekt besteht darin, dass der Mediator die sich aus §2 Mediationsgesetz ergebende Pflicht, sich zu vergewissern, dass die Parteien den Ablauf und die Grundsätze des Verfahrens verstanden haben, in seine wahre Bedeutung überführt. Das Ritual bremst den Mediator aus und verhindert, dass er sich auf Mediationsordnungen bezieht oder die Erklärung, was Mediation ist, herunterrasselt wie ein Notar, der das zu beglaubigende Dokument in einer Art und Weise vorliest, die niemand wirklich versteht.

Vorkommen in der Mediation: 1.Phase

Parteirituale

Der Dialog zwischen den Parteien macht deutlich, dass auch die Parteien bestimmte Muster und Rituale ausleben, wenn sie miteinander streiten. In diesem Fall mag der Mediator sich das Ritual zu eigen machen, wenn es konstruktiv ist und den Parteien hilft, zu Erkenntnissen zu gelangen. Das wäre besonders bei Entlastungsritualen eine Möglichkeit, wenn sie die Eigenverantwortlichkeit der Partei fördert und nicht etwa ein Ritual ist das sie verhindert.

Vorkommen in der Mediation: nach Bedarf, wahrscheinlich hauptsächlich in der 3.Phase

Abschlussritual

Wenn die Parteien zu einem Ergebnis kommen, sollte auch dieser Erfolg entsprechend gewürdigt werden. Wieder ging das Ritual dazu, das erleben dieses Erfolgs zu überhöhen. Es gibt keine Regel das oder wie der Mediator das Abschlussritual durchführen soll. Die Empfehlung lautet, es nicht zu übertreiben. Sicherlich ist die Einigung eine Errungenschaft. Andererseits ist sie nicht so exzeptionell, dass deshalb mit Sekt angestoßen werden sollte. Die Fähigkeit sich zu einigen, sollte ein Standard sein und keine Besonderheit. Andererseits ist zu würdigen, wenn die Parteien einen schweren Weg hinter sich gebracht haben.

Vorkommen in der Mediation: 5.Phase

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-08 09:24 / Version 10.
Alias: Ritual, Verfahrensritual, Bereitschaftsritual, Abschlussritual
Siehe auch: Rahmenbildung, Arbeitsbündnis
Prüfvermerk: Administrator

© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Rituale in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Ritualisierung
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator und Arthur Trossen .
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