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Scheidungszyklus

Wie die Scheidung abläuft und warum die Scheidungsphasen ein paralleles Denken verhindern

Ein Beitrag zum Facharchiv und zum Konfliktarchiv


Die Scheidung stellt sich als ein langwieriger Prozess heraus, der durchasus 5 Jahre und sogar länger dauern kann. Es gibt verschiedene parallel laufen Prozesse:

  1. die juristische Scheidung
  2. die psychologische Scheidung
  3. die wirtschaftliche Scheidung
  4. die soziale Scheidung.

Alle müssen irgendwie in Einklang miteinander gebracht werden, obwohl sie unter verschiedenen Bedingungen und Zeiträumen ablaufen. Im psychosozialen Erleben können folgende Phasen unterschieden werden:

  1. Vorscheidungsphase
  2. Scheidungsphase
  3. Nachscheidungsphase.

Die Scheidungsphasen sollen im nachfolgenden kurz vorgestellt werden:

Vorscheidungsphase

Es wäre müßig, den Beginn des Trenungsprozeses genau lokalisieren zu wollen. Meist ist der erste Anlas eine Unzufriedenheit mit der Beziehung, die für sich gesehen wieder verschiedene Gründe haben kann. Meist vollzieht sich die Verschlechterung der Beziehung allmählich. Möglicherweise wird sie den Parteien nicht einmal wirklich bewusst. Erst ihre Permanenz führt in einen Konflikterleben hinein. Neue Partner sind nicht unbedingt der Auslöser, sondern eher die Folge von dieser erlebten Unzufriedenheit und eine mangelnde Kompetenz mit dem anderen Ehepartner dies verhindert sich auf die Bedürfnislage einzulassen ist der Katalysator. Gemäßigte Trennungsgedanke aufdrängt, umso mehr entsteht ein Entscheidungszwang. Je nach der Ehedauer und dem Grad der Arbeitsteilung zwischen den Eheleuten ist es eine existente existenzielle Entscheidung, die das gesamte Leben verändert. In keinem Fal ist es eine Entscheidung die einem der Ehegatten leicht fällt es kommt zu einem hin und her, einem Ja und nein und einem auf und ab, was der Volksmund als emotionale Achterbahn beschreibt und was die Literatur als Ambivalenzsphase bezeichnet. In dieser Phase ist es der Partei kaum möglich eine verbindliche Entscheidung zu treffen. Sie befindet sich in einem Dilemma, einem inneren Konflikt der möglicherweise sogar dazu bei trägt, dass die Ambivalenzsphase endlos dauert.

Scheidungsphase

Die Scheidungsphase beginnt mit der Trennung. Juristisch gesehen bedeutet die Trennung das Ende der Versorgungsgemeinschaft. Faktisch gesehen verlässt eine der Parteien die eheliche Wohnung, wobei eine Trennung auch innerhalb der Wohnung erfolgen kann. Markant ist das jede der Partei von nun an ihren eigenen Weg gehen will. Die Bindungen werden aufgelöst. Wie das geschieht hängt stark davon ab wie die Trennung erfolgt. Es macht einen Unterschied ob sie nach langen Diskussionen und Streitereien oder plötzlich und unerwartet erfolgt. Emotional ist diese Phase von Schmerz, Trauer, emotionaler Erstarrung, Selbstmitleid, Depressivität, Hoffnungslosigkeit, Angst, Unsicherheit, Wut, Hass, Verbitterung, Rachegefühlen, Aggressivität, Minderwertigkeitsgefühlen, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen geprägt. Symptomatisch macht sich diese Phase bemerkbar durch Schlafstörungen, Erschöpfung, Apathie, Nervosität, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, erhöhtem Alkohol- und Nikotingenuss und Depressionen, um nur Beispiele zu nennen. Je nach dem Verlauf der Trennung haben aber auch positive Gefühle eine Chance. So ist die Trennung eine Chance, den Selbstwert wiederzufinden die innere Kraft zu entdecken und neue Beziehungen aufzubauen. Oft haben die Parteien auch durchaus noch positive Gefühle füreinander sodass der Umgang mit dem anderen Ehegatten für die Trennungsgestaltung eine wichtige Rolle spielt.

Nachscheidungsphase

Auch nach der Scheidung bleiben Gefühle wie Angst schuld, Unsicherheit, Minderwertigkeit noch erhalten. Es kann bis zu vier Jahre dauern bis diese Gefühle schließlich vollständig abklingen und es hängt von der Lebenssituation ab, wie das gelingt. Die Parteien vergleichen ihre Situation und achten sehr genau darauf wer aus der Trennung für sich welche Vorteile in Anspruch nehmen kann. Neid kommt auf und Schuldzuweisungen. Auch hier hängt es davon ab wie es den Eheleuten gelingt ein autonomes Leben mit gleichen Chancen wieder aufzubauen.

Phasenverschiebung

Ein markantes Problem bei Ehescheidungen ist die Phasenverschiebung. Wir müssen uns bewusst darüber sein, dass mit der Scheidung verschiedene Prozesse ablaufen, die oft in keiner Weise miteinander koordiniert sind. Eine Grafik soll das Problem verdeutlichen:
Scheidungsprozesse

Bedeutung für die Mediation

Der Mediator muss die gesamte Komplexität der Trennung Entscheidungsprozesse überschauen können. Es ist wichtig, diese Prozesse miteinander zu koordinieren und aufeinander abzustimmen.

Wenn sich die Parteien in der Ambivalenzphase befinden, ist es ihnen unmöglich, eine finale, zukunftsändernde Entscheidung zu treffen. Möglich sind temporäre Entscheidungen und Entscheidungen, die den Weg bestimmen und das endgültige Ergebnis offenlassen. Juristisch gesehen kommt den Trennungsjahr diese Bedeutung zu. Die Ambivalenzsphase zeichnet sich durch ein dafür und dagen aus. Heute wäre es ein Ja, morgen ein Nein. Was sich herausfinden (oder herstellen) lässt, ist ein Trend. Die Parteien sollen Gelegenheit haben, diesen Trend für sich zu erkennen. Der Mediator kann dabei helfen.

Die Phasenverschiebung ist Ausdruck des Beziehungskonfliktes. Eine Beziehungsklärung sollte deshalb die Grundlage für alle weiteren Fragestellungen sein. Die transformative Mediation ist das dafür geeignete Mediationsmodell.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Alias: Scheidungszyklus, Ambivalenzphase, Vorscheidungsphase, Scheidungsphasen, Nachscheidungsphase
Bearbeitungshinweis: Textvollendung erforderlich.
Archiv: Ein Beitrag zum Facharchiv und zum Konfliktarchiv
Siehe auch: Scheidung, Der Scheidungszyklus
Literaturhinweis: Textor (Scheidungszyklus) S. 13-94.
Prüfvermerk: -

An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Donnerstag April 27, 2017 16:45:56 CEST von Arthur Trossen.