Loading...
 
page id: 774 Den richtigen Moment der Mediation abpassen Inhalt »  Methodik »  Verstehensvermittlung »  Denken Abteilung »  Archiv


Der nachfolgende Beitrag beschreibt eine Mediationstechnik. Die Techniken werden als Werkzeuge erfasst. Sie müssen einer Methode zugeordnet werden. Bitte informieren Sie sich über die Werkzeugsystematik. Details zum konkreten Werkzeug finden Sie im Datenbankeintrag. Werkzeuge helfen bei der Verwirklichung der Mediation. Es ist also wichtig, sie im Einzelnen zu kennen und korrekt anzuwenden.

Zur Werkzeugsystematik Zusammenstellung aller Werkzeuge Zum Datenbankeintrag

Den richtigen Moment erkennen

Der "richtige" Moment wird als das Window of Opportunity beschrieben. Es handelt sich um ein Werkzeug der Mediastion, wenn es darum geht, den Moment zu erkennen. Die Werkzeuge helfen bei der Verwirklichung der Mediation. Es ist also wichtig, sie im Einzelnen zu kennen und korrekt anzuwenden. Damit die Werkzeuge ihre Wirkung entfalten können, kommt es entscheidend darauf an, den passenden Zeitpunkt für die richtige Intervention, Maßnahme oder Entscheidung zu erkennen.

Abgrenzungen

Es gibt viele Momente in der Mediation, die voneinander zu unterschieden sind.

Entscheidungsreife
Im Juristischen wird von der Entscheidungsreife gesprochen, wenn alle Fakten vorliegen, um eine Entscheidung zu treffen. In der Mediation liegt die Entscheidungsreife erst vor, wenn sich aus den Verhandlungen eine Lösung herausbildet, die den zuvior erarbeiteten Kriterien entspricht. Entscheidungsreife bedeutet jetzt, dass die Parteien die Abschlussvereinbarung unterzeichenn können.
Verhandlungsreife
Der Entscheidungsreife geht in der Mediation die Verhandlungsreife voraus. Die Verhandlungsreife ist gegeben, wenn alle Nutzenkriterien für die Lösung herausgearbeitet wurden, die in der Lage sind, den Konflikt zu überwinden und die von allen Parteien verstanden und akzeptiert werden.
Momentreife
Die Mediation besteht allerdings nicht nur aus den groben Verfahrensmarken, die den nächsten Schritt ankündigen. Es gibt viele kleine Momente und Gelegenheiten, die Maßnahmen und Entscheidungen erfordern, mit denen sich der Prozess überhaupt erst in eine Verhandlungsreife oder eine Entscheidungsreife entwickeln kann. Auch bei diesen Maßnahmen und Entscheidungen kommt es darauf an, dass sie im richtigen Moment vorgenommen werden. Dieser Moment wied als Gelegenheitsfenster oder als das Window of Opportunity bezeichnet und auch mit dem Kairos gleichgesetzt. Kairos ist ein Begriff aus dem Altgriechischen. Er lässt sich mit dem rechten Maß oder mit der guten Gelegenheit übersetzen. Laut Wikipedia wird Kairos in biblischen Texten für einen von Gott gegebenen Zeitpunkt, eine besondere Chance und Gelegenheit, den Auftrag zu erfüllen, verwendet.1

Gelegenheitsfenster

Die Mediation ist ein Prozess der gesteuerten Erkenntnisgewinnung.2 In diesem Prozess fällt auf, dass dieselbe Frage, dieselbe Maßnahme, dieselbe Intervention ihre Wirkung verfehlt, wenn sie im falschen Moment eingebracht wird. Anders formuliert ermöglicht sie nicht die gebotene Erkenntnis, wenn ihre Grundlage fehlt.

Beispiel 11806 - Zwei Schwertkämpfer stehen sich gegenüber. Der eine hebt das Schwert über seinem Kopf, um es von oben auf den Kopf des anderen zu schlagen. Der andere sieht, wie der eine Schwertkämpfer das Schwert über seinen Kopf hebt. Er weicht aus. Der Schwertkämpfer sieht die Ausweichbewegung und korrigiert die Schlagrichtung. Die Ausweichbewegung war im falschen Moment. Sie war zu früh gewählt. Wird sie zu spät gewählt trifft das Schwert den Kopf. Nur wenn sie im richtigen Moment stattfindet, erzielt sie die gewünschte Wirkung.


Das Prinzip, für alles den richtigen Moment zu finden, gilt besonders in der Mediation. Hier ist nur die Frage, wann der richtige Moment wofür ist und wie der Mediator das Window of Opportunity erkennen kann.

Erkennbarkeit

Es ist nicht leicht, in einem derart komplexen Verfahren wie die Mediation, diesen Moment zu finden. Dementsprechend schwierig ist es auch, ihn zu beschreiben. Anhaltspunkte ergeben die Phasenlogik und das Verständnis des Kognitionsprozesses. In der Mediation arbeiten wir mit Gedanken nicht mit Schwertern. Die Gedanken werden wie Bausteine aufeinander aufgesetzt. Fehlt das gedankliche Fundament (die Phasenlogik), bricht das Gedankengebäude zusammen. Bestenfalls ist es instabil. Auf dem Fundament wird ein Gedanke auf dem nächsten aufgesetzt. Jetzt kommt es also darauf an, dass der Mediator und die Parteien die gleichen Bausteine verwenden. Der Mediator synchronisiert also nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Gedanken.

Gedanken müssen sich entwickeln. Das braucht Zeit. Sie müssen in den Kopf der Parteien passen und sich mit ihren Erfahrungen decken. Wenn dieser Zustand erreicht ist ergibt sich das Window of Opportunity für den nächsten gedanklichen Baustein.

Bedeutung für die Mediation

Was man nie vergessen darf, ist die Anforderung der Mediation, dass die Parteien die Lösung finden sollen. Also müssen die dazu führenden Gedanken und Erkenntnisse in deren Köpfen entstehen. Nicht nur das, sie müssen auch gleichförmig entstehen, weil nur so ein Ergebnis gefunden werden kann, das auf dem Verstehen aller aufsetzt.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen

Bearbeitungsstand: 2022-05-18 05:56 / Version 25.

Alias: Window of Opportunity
Siehe auch: Aikido und die Mediation, Werkzeuge, Zusammenstellung, Technikenverzeichnis, Verhandlungsreife
Prüfvermerk:


Last edited by Arthur Trossen , based on work by Administrator , Bernard Sfez , ArthurTrossen and StrobelG .
Page last modified on Wednesday May 18, 2022 05:56:58 CEST.
Durchschnittliche Lesedauer: 3 Minuten