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Seiten-ID: 584 Mediationsmodell: Integrierte Mediation 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Mediationskonzept

Mediationsmodelle: Die unterschiedlichen Herangehensweisen (Arten) der Mediation.

sondierend evaluativ facilitativ transformativ integriert Übersicht

Integrierte Mediation

Die Auseinandersetzung mit der Integrationskompetenz der Mediation


Der Begriff integrierte Mediation steht sowohl für das Konzept1 , ein Modell2 und ein Anwendungsformat der Mediation. Schließlich muss der Begriff auch für den Namen eines internationalen Mediatorenverbandes herhalten. In diesem Beitrag geht es um die inhaltlichen Aspekte der integrierten Mediation. Der Beitrag setzt sich deshalb mit folgenden Fragen auseinander:




Das Maximum ermöglichen
Warum weniger, wenn mehr möglich ist?

Der Begriff integrierte Mediation ist historisch zu begründen. Er wurde eingeführt, weil die Gründer3 der Integrierten Mediation Wirkungsweisen und Anwendungsformate beschrieben hatten, die zumindest zur Gründungszeit von anderen Verbänden nicht für möglich gehalten wurden. Tatsächlich ist die Integrierte Mediation nichts anderes als Mediation. Der Unterschied liegt in ihrer Herleitung. Die Herleitung begründet ein umfassendes Mediationsverständnis, das die Komplexität der Mediation und ihre Vielfalt zu würdigen weiß. Die Integrierte Mediation führt die Mediation auf die kognitive Mediationstheorie zurück, die sich auf das Verständnis, die Systematik und die Methodik auswirkt.4

Der Bedarf für einen erweiterten Ansatz

Ausgangspunkt der Überlegungen zur Begründung der Integrierten Mediation war einerseits die Beobachtung, dass die Mediation oft nur als ein formales Verfahren von anderen Verfahren abgegrenzt wurde und auch noch wird, obwohl die Mediation auch legal nicht nur als Verfahren5 , sondern auch als Methode anerkannt wird6 . Dass der Mediator nur deshalb eine Schlichtung durchführt, weil er einen Vorschlag unterbreitet, war ebensowenig nachvollziehbar, wie die Tatsache, dass er trotz identischer Herangehensweise keine Mediation durchführt, nur weil ihm das Verfahren formal eine andere Rolle zuschreibt. Mit dieser Beobachtung kam die Frage auf, was genau Mediation ist, was sie ausmacht und welches Vorgehen der Mediation zur Wirkung verhilft und als ein Mediieren verstanden werden kann.

Andererseits fiel auf, dass die Verfahren zur Konflikt- oder Streitbeilegung oft nur unvollständige Konfliktlösungen anbieten. Gemessen am Streitkontinuum, das eine Bearbeitung auf vier Dimensionen als vollständig erachtet, lassen sich die gängigen Verfahren meist nur auf zwei Dimensionen ein7 . Weil sich die Verfahren als umfassend verstehen und im Falle eines Verfahrenswechsels nicht aufgreifen, was in anderen Verfahren bereits erledigt wurde, kommt es zu Endlosprozessen mit konträren Dienstleistungsansätzen, die einer Kooperation im Wege stehen.8

Auch die Mediation deckt nicht zwingend alle Dimensionen ab. Welche Dimensionen des Streitkontinuums abgedeckt werden, ergibt sich aus dem zugrunde liegenden Mediationsmodell. Schließlich kann die Mediation den Dienstleistungsbedarf nur unvollständig innerhalb einer Kooperation bis zur Entscheidungsfinding abdecken.9 Obwohl die Kompetenz der Mediation dazu in der Lage wäre, enthält eine formale Sicht auf das Verfahren keine Elemente vor, um hocheskalierte Konflikte abzuwickeln oder die nicht-mediationsbereite Gegenpartei innerhalb einer Konfrontation in eine Mediation (als Verfahren) zu führen.

Der erweiterte Lösungsansatz

Ein perfektes Verfahren zur Konfliktbeilegung wäre in der Lage, all diese Defizite zu überwinden. Es wäre in der Lage, alle Dienstleistungen zu inkludieren, auf ein gemeinsames Ziel auszurichten und alle Dimensionen des Streitkontinuums zu erfassen. Weil die Verfahrenslandschaft ein solches Verfahren nicht vorsieht, kann sich das perfekte Verfahren nur virtuell herstellen, indem es die vorhandenen Verfahren mit Kombinationen oder Ergänzungen anreichert. Die Integrierte Mediation geht davon aus, dass sich Elemente des perfekten Verfahrens zumindest teilweise in allen Verfahren wiederfinden. Der Grundsatz lautet:

 Merke:

Leitsatz 5070 - Alles ist ein Teil vom Ganzen. Das perfekte Verfahren bezieht sich auf das Ganze, wo alle zur Konfliktlösung und Konfliktbewältigung notwendigen Elemente zusammengeführt werden können.

Wird die Mediation nicht als Verfahren (im juristischen Verständnis), sondern als ein Prozess des Verstehens10 betrachtet, weist sie alle Merkmale eines perfekten Verfahrens auf. Das ist der Ansatzpunkt der Integrierten Mediation. Mit der, aus der Integrierten Mediation heraus entwickelten, kognitiven Mediationstheorie11 lassen sich die unterschiedlichen Funktionsweisen der Mediation aufdecken. Sie erlauben es, die Mediation als Verfahren, als Methode und sogar als einen vom Verfahren gelösten Gedankengang begreifen.

Verortung

Ausgehend von dem Verständnis der Mediation als ein Verfahren, erfolgt der erste Zugriff auf die Frage, wie sich die Verfahren gegeneinander abgrenzen und wo sie gegebenenfalls überlappen, aus dem Streitkontinuum selbst. Davon ausgehend, dass ein Konflikt nur dann vollständig gelöst werden kann, wenn alle Dimensionen abgedeckt werden, muss das perfekte Verfahren darauf abzielen, sich über alle Dimensionen zu erstrecken und diese bedarfsgerecht einzubringen. Die Mediation erfüllt diese Voraussetzung. Bei einer formellen Sicht auf die Verfahren jedoch nur so weit, wie das Verfahren reicht. So kommt auch die Mediation im konventionellen Verständnis schnell an ihre Grenzen.

Beispiel - Der Verfahrenbezug: Mit dem Argument "Wir machen hier Politik und keine Mediation" oder "Wir sind hier im Gericht und nicht in der Mediation" werden aggressive Gedanken und konfrontative Strategien gerechtfertigt, die in einer Mediation nicht zum Tragen kommen. Um sich dem mediativen Denken zu entziehen, muss nur darauf hingewiesen werden, dass ein Mediationsverfahren nicht verabredet war.


Die nachfolgende Grafik zeigt, wo sich die Verfahren im Streitkontinuum verorten und wie sich die integrierte Mediation dort einfügt.


Die integrierte Mediation kann sich situationsbedingt auf die Fakten, die Emotionen, die Beziehungen, die Positionen, die Interessen und die Bedürfnisse einlassen, um sie in jedem beliebigen Prozess zu verwirklichen. Sie nimmt sogar Einfluss auf die zeitliche Dimension. Das der Integrierten Mediation am nächsten kommende Mediationsmodell wäre die sogenannte blended Mediation. Sie kann die verschiedenen Mediationsweisen miteinander kombinieren. Die Integrierte Mediation geht weiter, indem sie auch Elemente anderer Verfahren einbeziehen und andere Verfahren kombinieren kann.

Container

Die Sicht auf das Verfahren bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für das Verständnis der Integrierten Mediation. Nach ihrer Auffassung bildet das Verfahren lediglich den formalen (rechtlichen) Rahmen, in dem sich die Verfahrensteilnehmer bewegen können. Es gibt ein Verhalten vor, das sich in verfahrenstypischen Methoden verwirklicht und spezifische Werkzeuge wie eine Toolbox zur Verfügung stellt.12 Wer aber sagt, dass die Werkzeuge innerhalb dieses Rahmens limitiert sind?

Beispiel - Verfahrensrahmen: Ohne weiter darüber nachzudenken, wird auch in einem juristischen Verfahren die Methode der Logik, der Mathematik, der Abstraktion usw. angewendet. Was spricht dagegen, auch die Methode der Mediation anzuwenden, wenn der Rahmen groß genug ist?


Die Mediation wird auch als die Lehre der vermittelnden Kommunikation beschrieben.13 Sollte die Vermittlungsfähigkeit tatsächlich nur auf ein einziges Verfahren begrenzt sein?

Eine Bedingung, dass die Verfahren mit Methoden angereichert werden, dass sie sich kombinieren und ergänzen lassen, ist die Größe des zur Verfügung gestellten Rahmens und die Fähigkeit sich zu öffnen. Auch dieser Gedanke ist den Verfahren nicht fremd.14 Sie wird möglich, wenn das Verfahren als ein Container betrachtet wird, der sich nicht nur auf die verfahrenstypischen Methoden begrenzt. Die von der integrierten Mediation entwickelte Containertheorie erklärt, wie sich Verfahren und Methoden optimal kombinieren lassen. Ausgangspunkt der Überlegung ist die Vorstellung, dass jedes Verfahren in seinem formellen Verständnis wie ein rahmenbildender Container anzusehen ist. Der Container kann mit einem Methodenbehälter verglichen werden. Jeder Container ist in der Lage, Methoden aufzunehmen.

Container

Sind die Container groß genug, dass die Mediation als Methode hineinpasst, sind die Voraussetzungen für die integrierte Mediation erfüllt. Anders ausgedrückt: Die integrierte Mediation ist in diesem Fall eine Methodenanwendung, wobei die Summe der angewendeten Methoden in ihrer spezifischen Kombination eine vollständige Mediation im methodischen Verständnis erfüllt. Geben die Verfahren keinen Raum für eine derart umfassende methodische Inklusion, kommt es nur zur Anwendung von Techniken. In dem Fall wäre zu prüfen, ob sich die Methodik der Mediation durch die Kombination von Verfahren wie in einem Containerbahnhof verwirklichen lässt.

Maßstab

Um zu erkennen, wo welche Methoden ergänzend einzubringen sind, hilft wieder die Sicht auf die Mediation und die von der Integrierten Mediation zugrunde gelegte Systematik. Wenn die Mediation als ein Erkenntnisprozess im Sinne der kognitiven Mediationstheorie verstanden wird, orientiert sich ihre Methodik an den Erkenntnisschritten. Jeder Erkenntnisschritt findet sich in einer Mediationsphase wieder. Jede Phase entspricht einer ihr zugeordneten Methode. Wenn diese Erkenntnismatrix über die Verfahren gelegt wird, zeigt es sich, welche methodischen Schritte gegebenenfalls fehlen. Die sich in einem mediativen Erkenntnisprozess verwirklichende Mediation wird so zu einem Maßstab, an dem sich die Mediation selbst, ebenso wie auch andere Verfahren messen lassen.

Verfahrensstruktur


Die methodischen Defizite ergeben sich aus einer Differenzrecherche. Die vorstehende Grafik zeigt das Prinzip. Davon ausgehend, dass jede Phase eine Methode repräsentiert und davon ausgehend, dass jede Methode die erforderlichen Arbeitsschritte beschreibt, weist die Mediation alle Arbeitsschritte aus, die notwendig sind, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Werden die vollständigen Verhandlungsschritte der Mediation in einem groben Raster aufgelistet, ist es möglich, deren Aufkommen oder Fehlen in anderen Verfahren nachzuweisen.

 Merke:

Leitsatz 5075 - Durch die Deklination der Mediation in Methoden und den dadurch möglichen Methodenabgleich wird die Mediation zu einer Schablone, an deren Matrix sich alle anderen Verfahren messen lassen, einschließlich der Mediation selbst

Die Herleitung der Möglichkeiten

Es wird nicht immer möglich sein Phasen der Mediation in ein anderes Verfahren zu implementieren. Auch hätte die Mediation keinen unmittelbaren Vorteil. Ihr würde es helfen, kleinere Bausteine aus anderen Verfahren verwerten zu können. Kleinere Bausteine würden es auch erleichtern, die Arbeitsschritte der Mediation in anderen Verfahren zu reproduzieren. Die Grundannahme lautet deshalb:

 Merke:

Leitsatz 5077 - Erweiterungen und Kombinationen sind möglich, wenn es gelingt, die Bausteine der Verfahren entweder anders zusammenzusetzen oder stimmig zu erweitern

Auf der Suche nach den verwertbaren Bausteinen hilft die Herleitung der Mediation aus dem zugrunde liegenden Kognitionsprozess. Die kognitive Mediationstheorie beschreibt, welche Bausteine, Maßnahmen und Erkenntnisschritte notwendig sind, damit die Parteien ein wechselseitiges Verstehen erfahren können, aus dem sie die Lösung entwickeln.

Bausteine

Die Integrierte Mediation definiert die Bausteine der Mediation als sogenannte functional Units. Sie hat erkannt, dass die Bausteine alleine keine Wirkung entfalten. Es kommt auf das Zusammenspiel an. Die Identifikation der mediativen Bausteine wird möglich, wenn die Mediation als ein Erkenntnisprozess begriffen wird. Wenn es darum geht, Erkenntnisse zu erwirken, müssen die Bausteine, die einen solchen Prozess ermöglichen von kognitiver Natur sein. Damit bewegt sich die Integrtierte Mediation in den Bereich des Denkens.15

Diese grundlegende Feststellung hilft nicht nur bei der Identifikation der funktionalen Bausteine. Sie erlaubt es auch, sich in einer Gedankenwelt zu bewegen, die immer dann verfügbar ist, wenn Denk- oder Entscheidungsprozesse stattfinden. Das einzige reale Werkzeug, das zur Verarbeitung der Bausteine erforderlich ist, ist der Verstand.

Ausrichtung

Die Bausteine der Mediation sind nicht beliebig und können auch nicht beliebig verwendet werden. Wie bei einem Hausbau müssen die Bausteine korrekt aufeinandergesetzt werden, damit sie nach der Baufertigstellung ein standfestes Haus ergeben. Auf die Mediation bezogen, ist es also wichtig, die Natur der Bausteine zu erkennen und zu wissen, wie sie aneinanderzufügen sind.

Der erste grobe Baustein ist die Ausrichtung der Gedanken und des Handelns. Es geht darum, eine strategische Kooperation einzugehen, um eine Lösung zu finden. Die Lösung wird nicht aus dem Streit (konträres Denken) sondern aus der Gemeinsamkeit (paralleles Denken) entwickelt. Der Fokus wird nicht auf das Problem, sondern auf die problembefreite Zukunft gerichtet.

Methoden

Die Mediation wird oft als eine Methode beschrieben. Tatsächlich verbergen sich in ihr verschiedene Methoden. Die Methode beschreibt, wie das in Etappen zu gliedernde Verfahrensziel zu erreichen ist. Das Ziel der Mediation ist das Finden einer Lösung. Der Weg dorthin besteht aus mehreren Schritten, die bei der Integrierten Mediation als Etappenziele beschrieben werden. Die Etappenziele werden in der Mediation durch die Phasen vorgegeben. Jede Phase gibt dem Mediator den Auftrag, was im Einzelfall zu tun ist.

Dimensionen

Ein weiterer Gedankenbaustein ergibt sich aus der Dimensionierung. Die Dimensionen ergeben sich aus den Metainformationen. Sie fungieren als gedankliche Anhaltspunkte, mit denen die Informationen qualifizieret, vergleichbar gemacht und miteinander vernetzt werden. Der Mediator benutzt die Dimensionen zur Strukturierung der Gedanken. Je nach Konstrukt führen Sie in die eine oder die andere Richtung.

Informationen

Der Grundbaustein der Mediation ist die Information. Nach dem Konzept der Integrierten Mediation werden die Informationen anhand der Metainformation qualifiziert, um daraus den Bausteincharakter abzuleiten, der wiederum die Verarbeitungsweise definiert.

Auf die Kybernetik kommt es an

Die Bausteine zu kennen, heißt noch nicht zu wissen, wie sie miteinander interagieren. Die Funktionalität erschließt sich, wenn die miteinander korrespondierenden Gedankenbausteine zu funktionalen Einheiten zusdammengefasst werden, denen jeweils ein Erkenntnisgewinn zugeordnet werden kann. Die systemische Sicht legt es nahe, zwischen der Verfahrensebene und der Fallebene zu unterscheiden.

Fallebene

Die Gleichsetzung von Phasen und Erkenntnisschritten erlaubt es, die mechanisch vorgegebene, monochrone Logik zu verlassen und einer Erkenntnislogik zu unterwerfen.

phasenlogik-345


Im Kern besteht die Erkenntnislogik aus nur 3 Schritten, die sich in den Phasen 2,3 und 4 der Mediation wiederfinden lassen.

  • 1. Schritt (Phase 2):
    Der Streit wird identifiziert, um das Thema zu finden, für das eine Lösung zu suchen ist. Gedanklich befinden wir uns in der "kaputten Welt".
  • 2. Schritt (Phase 3):
    Das Defizit weist auf die Bedürfnisse hin, aus denen sich Motive ableiten lassen, die den Fokus in eine "heile Welt" umleiten. Die Gedanken werden auf die imaginäre Situation mit dem unterstellt gelösten Konflikt gerichtet. Die Sichten der Parteien werden angeglichen. Gemeinsamkeiten (Schnittmengen) werden herausgestellt.
  • 3. Schritt (Phase 4):
    Wenn der Nutzen geklärt ist, sind die Kriterien bekannt, an denen die nunmehr erst zu suchende Lösung zu messen ist. Es werden mehrere Wege gesucht, wie die Parteien das für sie zuvor ermittelte Idealziel erreichen können.

Der integrierte Mediator achtet in allen Angelegenheiten darauf, dass diese Denkschritte eingehalten werden. Er stellt stets die aus Motiven zu erschließende, individuelle Nutzenerwartung fest, um die dann erst zu suchende Lösung daran zu messen. Er kann diese Gedankenfolge in jeder Art von Verhandlung herstellen.

Beispiel: In einer Verhandlung streiten die Parteien immer vehementer. Der Mediator erkennt, dass es sich bei dem Streit um einen Disput um Lösungen handelt. Er erkennt auch, dass die Kriterien (Motive) zu Bewertung der Lösung noch nicht erarbeitet wurden. Also meldet er sich zu Wort: "Es gibt schon eine Menge Ideen, wie das Problem gelöst werden könnte. Mir ist noch nicht ganz klar, welcher Nutzen damit erzielt werden soll". Mit dieser Frage werden die Gedanken in die noch fehlende Phase drei gelenkt.

Verfahrensebene

Die Bausteine auf dieser Ebene beziehen sich auf die Frage, wie der Prozess zu steuern ist, damit die zuvor beschriebenen Erkenntnisschritte möglich werden. Die Interventionen zielen darauf ab, ein offenes Gespräch über den Konflikt zu ermöglichen. Dazu bedarf es nicht nur einer entsprechenden Zielausrichtung, sondern auch eines besonders geschützten Gesprächsrahmens. Eigentlich ist es ein Gedankenraum, also ein Ort wo es möglich ist einmal "laut zu denken", um zu sehen, wie sich Gedanken anfühlen und welche Wirkung sie haben. Der Raum soll es ermöglichen, out of the box zu denken. Bei einem konfliktfreien, inspirierenden Gespräch ist es ohne weiteres möglich, die Gedanken einmal "fliegen zu lassen", um Lösungen auszutesten. Vor einem Konflikthintergrund ist das fast unmöglich. Die Bedingungen für ein solches Gespräch müssen erst hergestellt werden. Das geschieht in der Phase eins. Hier kommt es darauf an, einen soliden Rahmen herzustellen, in dem das Gespräch ablaufen kann. Mit dem Rahmen wird zugleich eine während des gesamten Lösungsvorganges (Verfahrens) präsente Meta-Ebene sowohl für den Vorgang selbst wie für die Fallösung eingerichtet.

phasenlogik


In diesem Verständnis ist die Abschlussvereinbarung nicht das Ziel, sondern nur ein Teil des Rahmens. Sie schließt den geschützten Gesprächsraum und schafft die Bedingung, dass die Parteien in Zukunft ohne den von außen eingerichteten Rahmen kommunizieren können. Die Abschlussvereinbarung dient also dazu, die gewonnenen Erkenntnisse und die gefundene Lösung zu manifestieren. Sie ist nicht das Ziel, sondern seine Umsetzung.

Gesamtebene

Die Integrierte Mediation sieht in der Mediation kein isoliertes Verfahren. Ihre systemische Sicht, die stets das Ganze im Blick hat, legt es nahe, auch die Umweltbedingungen für die Durchführung einer Mediation im Blick zu haben. Die Konfliktanalyse umfasst deshalb auch die außerhalb des Streites stehenden Konfliktparteien und die parallel oder konkurrierend verlaufenden Verfahren, mit denen die Parteien ihre Konfliktstrategie verwirklichen.

Systemik 5

Die Umsetzung

Die zuvor nur grob umrissenen Herleitungen, ergeben drei unterschiedliche Anwendungsformate. Sie erlauben die Beschreibung eines meditativen Konzeptes, die Erweiterung der Mediationsmodelle und die Einführung eines meditativen Formates.

Konzept

Konzept

Das Konzept beschreibt die Mediation als einen virtuellen Gedankenprozess, dessen Aufgabe es ist Erkenntnisgewinne bei den Parteien zu produzieren die eine andere und bessere Lösung ermöglichen mit dem Fokus auf die der Entscheidung zugrunde liegenden Erkenntnisse, lassen sich nicht nur die einzelnen Verfahren optimieren. Die Methode erlaubt es auch, überflüssige Verfahren oder Verfahrensschritte und Wiederholungen in anderen Verfahren zu vermeiden. Der integrierte Mediator erkennt das Zusammenspiel der mediativen Bausteine und kann sie als funktionale Einheiten extrahieren und gegebenenfalls auch in anderen Settings reprodizieren. Die funktionalen Einheiten beschreiben prozessuale Schritten, die sich überall auffinden oder herstellen lassen und nur noch zu koordinieren sind. Wo immer sie vorkommen, können sie zu einem prozess-, phasen- und themenlogischen Vorgang verbunden werden, der in seiner Summe wieder einer Mediation entspricht.

Konzept-übergreifend


Die Logik eines Kognitionsprozesses lässt sich über Verfahrensgrenzen hinweg anwenden. Kognition setzt Erkenntnis voraus, diese wiederum das Denken. Das Denken ist nicht an ein Verfahren gebunden. Es setzt lediglich eine Metaebene voraus, die sich unter den unterschiedlichsten Bedingungen herstellen lässt.

Modell

Das Mediationsmodell ergibt den Bearbeitungsschwerpunkt bezogen auf das Streitkontinuum. In der Praxis lassen sich diese Modelle nicht immer konsequent durchführen.

Beispiel: Bei den Parteien handelt es sich um ein in Trennung befindliches Ehepaar, das zusammen GBR einen Bauernhof betreibt. Die optimale Lösung wäre es, wenn die Parteien ihre Beziehung insoweit reparieren, dass sie auf dem Bauernhof zusammenarbeiten können, obwohl sie getrennt sind. Die transformative Mediation ist für diesen Fall das passende Modell. In der Mediation stellte sich heraus, dass die Parteien in gar keinem Fall mehr zusammenarbeiten wollen. Sie möchten an der Restaurierung ihrer Beziehung auch nicht weiter arbeiten. Jetzt ist ein Modellwechsel angesagt, der den Fokus mehr auf die Sachfragen als auf die Klärung der Beziehung ausrichtet.


Die Notwendigkeit für einen Modellwechsel ist in der Mediation nicht unbekannt. Die sogenannte eclectic Mediation plant deshalb den Modellwechsel in ihrem Konzept ein. Auch die Idee der integrierten Mediation geht von einer flexiblen Handhabung der Modelle aus. Sie erlaubt es allerdings auch Elemente aus mediationsfremden Verfahren einzubinden. So ist es z.B. möglich, auch hoch eskalierte Konflikte abzuwickeln, für die die Mediation selbst nicht genügend autoritäre Elemente zur Verfügung stellt.

Format

Werden Elemente der Mediation in andere Verfahren eingefügt, handelt es sich um die sogenannte verfahrensintegrierte Mediation. Das zugrunde liegende Verfahren wird methodisch angereichert. Es ist wichtig zu wissen, dass die verfahrensintegrierte Mediation nicht lediglich eine Anwendung von Techniken ist.

Vorgehen

Der integrierte Mediator versucht stets, die gedanklichen Schritte der Mediation verfahrensunabhängig und vollständig zu verwirklichen. Sein wichtigstes Werkzeug ist das eigens zu dem Zweck entwickelte präzise Zuhören. Damit gelingt ihm nicht nur die Navigation durch den Prozess, sondern auch die Abbildung und Verarbeitung der gesamten Komplexität der hinter dem Problem liegenden Fragestellungen.

präzises Zuhören

Die Anwendungsmöglichkeiten

Die integrierte Mediation schöpft den gesamten Mediationsradius aus. Indem sie sich von dem Verfahren löst, kann sie auch die Methoden in anderen Prozessen benutzen, um daraus ein nutzen- und konsensorientiertes Verfahren zu gestalten. Der Fokus geht über das einzelne Verfahren (einschließlich der Mediation) hinaus.

Metaebene

Perspektivisch wird der Fokus aus der Metaebene, besser gesagt aus den Metaebenen gebildet. Die Integrierte Mediation bildet Metaebenen zum Fall, zum Verfahren und zur Konflikt- und zur Verfahrenslandschaft.16 Sie sieht die Verfügbarkeit der Metaebenen als die unbedingte Voraussetzung für die Durchführung und das Gelingen der Mediation an.

Es bedarf nicht immer einer neutralen Dritten Person, um die Metaebene abbilden zu können. Nach der Auffassung der Integrierten Mediation kann eine neutrale dritte Person sogar gar keine Mediation durchführen, wenn sie nicht in der Lage ist, die erforderlichen Metaebenen herzustellen. Die Fähigkeit, eine Metaebene abzubilden und sich auf ihr zu bewegen, ist deshalb das zentrale Haltungsmerkmal des Mediators im Verständnis der Integrierten Mediation.

Nun ist es durchaus möglich, die Metaebene innerhalb einer Person herzustellen. Die Reflexionsfähigkeit ist dem Menschen nicht fremd. Nur im Konflikt kann sie eingeschränkt sein. Gelingt es den Parteien also in einer dialogischen Situation die Metaebene abzubilden und die Erkenntnismechanismen der Mediation abzuarbeiten, wüerde sich materiell eine Mediation verwirklichen, formell jedoch nicht. Die Integrierte Mediation verfolgt deshalb einen erweiterten Mediationsradius, der auf das Mediieren abstellt und Fallkonstellationen einbezieht, bei denen es keine neutrale, dritte Person gibt.17

Migrationsstrategie

Wenn der Fokus über das Verfahren der Mediation hinausgeht, hat er auch den Zugang und den Nachgang im Blick.

Die konventionelle Mediation erwartet, dass sich die Parteien vor Beginn der Mediation für eine Mediation entscheiden. Dass zwei im Streit befindliche Parteien dasselbe wollen, ist ein eher untypisches Konfliktverhalten. Es ist ein Zeichen des Konflikes, wenn die Parteien (noch) nicht (oder nicht mehr) bereit sind, sich übereinstimmend auf ein kooperatives Verfahren einzulassen. Abgesehen davon, dass die Parteien im Konflikt dazu neigen, Vorschläge der Gegenseite abzulehnen, verhindert die Konfrontationsstrategie jede Art der Kooperation. Das wechselseitige Einverständnis zur Mediation müsste die konfliktbedingte Ablehnungshaltung also ebenso überwinden wie die Konfrontationsstrategie.

Die integrierte Mediation geht davon aus, dass die Mediation selbst die Verhandlungsbereitschaft herstellt. Die dazu erforderliche Kompetenz ist also innerhalb der Mediation verfügbar. Wenn es gelingt, diese Kompetenz in ein anderes Verfahren oder in den Verfahrensvorlauf zu implementieren wird es möglich, eine Motivation zur Durchführung der Mediation oder eines konsensorientierten Verfahrens zu etablieren. Dabei werden die strategischen Weichenstellungen nicht innerhalb der Mediation sondern in dem aktuellen Verfahren (Personalgespräch, Beratung, Disput) gesetzt, in dem der Weg in die Kooperation erleichtert der Weg in die Konfrontation erschwert wird. Wie das im einzelnen geschieht, beschreibt die Migrationsstrategie.

Migrationsstrategie

Spielwechsel

Das Prinzip der fehlenden Entscheidungsbefugnis wird von der Integrierten Mediation lediglich als ein Prinzip (also eine Verfahrensbedingung) und nicht als eine Eigenschaft der Mediation gesehen. Die durch das Prinzip zu sichernde Eigenschaft beschreibt das zugrunde liegende Kommunikationsmodell. Es kommt darauf an, dass der Mediator unbeeinflussbar ist. Die Verwirklichung des Kommunikationsmodells kommt bei der Integrierten Mediation im Prinzip der Indetermination zum Ausdruck.

Es gibt durchaus Fallgestaltungen, bei denen das Merkmal der fehlenden Entscheidungsbefugnis für die Durchführung der Mediation erforderlich ist. Der Grund liegt aber in strategischen Erwägungen, weniger in der Frage der parteilichen Bereitschaft, sich gegenüber einem Entscheider zu öffnen. Der strategische Grund liegt in der Kooperationsfähigkeit.

Mitunter besteht ein Hindernis einfach von der Konfrontation die Kooperation zu wechseln. Unter dem Gesichtspunkt der Konfrontation ist ein Kooperationsangebot schon suspekt. Eine strategische Möglichkeit, die Kooperation dennoch zu ermöglichen, bietet der Spielwechsel.

Spielwechsel

Spiel der Spiele

Im Streit kommt es vor, dass die eine Partei gerne kooperieren würde, die andere aber nicht. Was ist zu tun wenn eine Partei den Krieg will. Es wäre naheliegend, sich dem Kriegswunsch zu beugen. Es ist die einzige Option wenn zwischen Krieg und Frieden zu entscheiden ist. Die Fragestellung ändert sich in dem Moment, wo eine dritte Option hinzu kommt. Die dritte Option ergibt sich aus einer Ebene die über dem Widerspruch zwischen Krieg und Frieden liegt und beides im Blick haben kann. Wenn der Krieg das eine Spiel ist und der Friede das andere, wäre diese Ebene das Spiel der Spiele.

Killerphrasen

Wenn einer ganz normalen Verhandlung eine Partei plötzlich Killerphrasen anwendet, ist es ein Zeichen dass der Zweck der Diskussion nicht abgestimmt ist. Statt auf die Killerphrase zu erwidern kommt das Verfahren (Diskussionszweck) hinterfragt und gegebenenfalls neu etabliert. So lassen sich Killerphrasen benutzen um daraus in ein meditatives Denken zu überführen.

Killerphrasen

Das Ganze

Der Begriff Integrierte Mediation legt es nahe, zu glauben, die Mediation werde in ein anderes Verfahren integriert. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Integration heißt Herstellung eines Ganzen. Wenn die Mediation als das Konzept eines idealen und vollständigen Vorgehens innerhalb der Konfliktbeilegung angesehen wird, gibt sie den Maßstab vor, an dem sich die Verfahren (einschließlich das Mediationsverfahren) messen lassen. Indem die Verfahren mit den Elementen des mediativen Erkenntnisprozesses angereichert werden, wird das von der Mediation bestimmte Ganze hergestellt. Die Integration erfolgt also in Richtung der Mediation, nicht in Richtung der Verfahren.

Verfahren werden in die Mediation integriert


Lenkt man den Blick über die Verfahren hinaus, ist das Ganze die Summe der Elemente und Bedingungen, die einen Erkenntnisprozess ergeben. Mithin ist ein vollständiges Verfahren so vollständig, wie der Vorgang des MediierensError: Tag not found in any previous footnote.

Konzept-integrierte Mediation

Anwendungsbeispiele

Das bekannteste, evaluierte Anwendungsbeispiel ist zugleich der Ursprung der Integrierten Mediation. Gemeint ist das sogenannte Altenkirchener Modell. Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich etwa im Unternehmen bei der Bearbeitung von Mobbingfällen durch den Personalchef, , bei der Beratung, im Alltag oder in allen Entscheidungsprozessen. Eine Parallelentwicklung basierend auf dem Harvard-Konzept ist die kooperative Praxis.

Bedeutung für die Mediation

Jahrelange Erfahrungen bei der Anwendung des Altenkirchener Modells haben Erfahrungen im Schnittstellenbereich der Mediation ermöglicht und Auseinandersetzungen mit der Frage vorangetrieben, wo eine Mediation (methodisch) anfängt und wo sie weder formell noch materiell noch oder nicht mehr zu realisieren ist. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage führte in die von Trossen entwickelte kognitive Mediationstheorie, die weniger auf Formalien, als darauf abstellt, wie sich die Mediationslogik verwirklichen lässt. Gerade wegen dieser Auseinandersetzung und dem damit verbundenen Tiefgang bei der Beurteilung der Mediation, ist die Integrierte Mediation ein Konstrukt, mit dem sich jeder Mediator auseinandersetzen sollte.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Bearbeitungsstand: 2019-10-12 07:13 / Version 132.
Alias: integrierte-Mediation, integrierte Mediation
Siehe auch: in-Mediation, Das vollstandigste Verfahren
Prüfvermerk: Arthur Trossen

1 gemeint ist die die Herleitung als Kognitionsprozess
2 gemeint sind die Anwendungsformen als Mediationsmodell und Mediationsform
3 Arthur Trossen, Eberhard Kempf, Ralph Käppele
6 Siehe z.B. § 278 Abs. 5 ZPO
7 Siehe Kontinuum und die Aufstellung der Verfahren im Verfahrensverzeichnis
8 Siehe Wettbewerb
9 Die Mediation (als Verfahren) bietet nur eine unvollständige Beratung und keine Hilfe bei der Abwicklung an. Sie ist auf die Konfliktbegleitung bezogen eine unvollständige Dienstleistung. Siehe Dienstleistung.
10 also als ein Kognitionsprozess im Sinne der kognitiven Mediationstheorie
11 Arthur Trossen ist der Begründer dieser Theorie
14 Der Richter ist beispielsweise von Gesetzes wegen gehalten, in jeder Lage des Verfahrens auf eine Einigung hinzuwirken. Mithin öffnet sich das Gerichtsverfahren für eine Schlichtung.
15 Das ist der Grund, warum der Verband sagt: "Für uns ist die Mediation eine Art des Denkens und eine Art Philosophie"
16 Siehe Systemik
17 Ein ähnliches Modell verfolgt die kooperative Praxis
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Integrierte Mediation" (2019) unter Wiki-to-Yes.org/integrierteMediation
Erstellt von Arthur Trossen. Letzte Änderung: Samstag Oktober 12, 2019 07:13:27 CEST by Arthur Trossen.