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Seiten-ID: 1194 Die Zukunft wird durch die (jeweilige) Gegenwart gestaltet 3-Abteilung »  Wissen 7-Organisation »  Institutionen »  Unternehmen »  Übersicht

Zukunftsgestaltung

Die Zukunft liegt hinter dem Problem
Die Mediation gestaltet die Zukunft, nicht die Vergangenheit

Oft ist zu hören, der Zweck der Mediation sei eine Einigung. Besser ist es davon zu sprechen, der Zweck sei es, eine Lösung zu finden auf die man sich verständigen kann. Die Mediation an und für sich ist schon eine Einigung und setzt auch ein Einigsein über den Weg (das Verfahren) voraus. So gesehen ist die Mediation auch eine Folge der Einigung.

Es geht um eine Gestaltung

Die gefundene Lösung bekommt mit der Einigung eine Gestalt. Mit der Gestaltung lässt sich die Mediation auf einen kreativen Schaffensprozess ein, bei welchem durch die Arbeit des Gestaltenden eine Sache (ein materielles Objekt, eine Struktur, ein Prozess, eine Situation, ein Gedankengut usw.) verändert wird1 . Bei der Mediation ist die Gestaltung ein bewusster Eingriff in das Konfliktgeschehen, mit dem Ziel, die durch den Konflikt aufgeworfene Frage, die in der 2.Phase festzulegen ist, in eine bestimmte Richtung zu verändern. Wo die Gestaltung anzusetzen hat, ist eine Frage der Bearbeitungstiefe.

Was wird gestaltet?

Als Faustformel könnte man sagen, die Mediation gestaltet die Zukunft. Zukunft ist die Zeit, die subjektiv gesehen der Gegenwart nachfolgt2 . Denken wir an das Chaos, wird schnell bewusst, dass sich die Zukunft nicht wirklich gestalten lässt. Auch Dalai Lama hat gesagt:

Es gibt zwei Tage im Jahr an denen man nichts machen kann:
Gestern und Morgen


Genau betrachtet werden also Bedingungen in der Gegenwart gestaltet, die sich auf die Zukunft auswirken.

 Merke:

Leitsatz 5986 - In der Mediation wird der Fokus auf die Zukunft gerichtet, NICHT auf die Vergangenheit. Gestaltet werden die Chancen in der Gegenwart als Ausgangsbedingung für die Zukunft.

Gegenstand der Gestaltung sind Beziehungen, worunter auch Rechtsbeziehungen zu subsummieren sind oder Situationen und Verhältnisse, die diese Beziehungen prägen. Weil sich eine Vergangenheit nicht umgestalten lässt, ist der Blick auf die Zukunft gerichtet. Mithin sollen die Beziehungen in der Gegenwart so gestaltet werden, dass sie einen positiven Einfluss auf die Zukunft nehmen. Wo die Zukunft aus Interaktionen gebildet wird, geht es darum, einen Rahmen und Bedingungen herzustellen, damit Aktionen und Reaktionen in die gewünschte Richtung gehen und eine neue Interpunktion in der Kommunikation zwischen den Parteien möglich wird.

Herausforderung

Der Mediator und die Parteien sollten sich bewusst darüber sein, dass die Zukunft in einem chaotischen System nicht vorhersehbar ist und deshalb nur bedingt gestaltet werden kann.

Die Mediation will Lösungen finden, die nachhaltig und umsetzbar sind und dazu beitragen, eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Wie kann das geschehen und wie muss die Abschlussvereinbarung gestaltet werden, wenn die Zukunft gar nicht planbar ist? Die Behauptung, die Mediation regele die Zukunft, bedarf deshalb der Präzision. Genau betrachtet bietet die Mediation eine Lösung an, auf deren Grundlage sich die Zukunft neu oder anders gestalten lässt. Damit das möglich ist, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  1. Die Grundlage (das Verständnis) auf das die Zukunft aufgesetzt werden soll, muss abgestimmt sein, damit alle Parteien vom gleichen Ausgangspunkt ausgehen. Das gleiche Verständnis ist ein Ergebnis der Verstehensvermittlung.
  2. Das Ziel, das sich in dem zu erreichenden Nutzen ausdrücken soll, muss abgestimmt sein, damit alle Parteien in die gleiche Richtung gehen können und wissen, worauf es ankommt.
  3. Der Rahmen (also der Weg) in dem sich die Parteien bewegen können / sollen muss ebenfalls abgestimmt sein.
  4. Schließlich müssen die Meilensteine (Kontrollmarken, Kriterien) festgelegt werden, anhand derer die Parteien erkennen / überprüfen können, ob sie sich noch auf demselben Weg befinden und das Ziel im Blick haben.

Die Mediation regelt also nicht die Zukunft. Sie regelt aber die Bedingungen (Anfangsbedingung), den Weg und das Ziel, damit eine vorgestellte Zukunft möglich wird. Im Idealfall3 nimmt die Abschlussvereinbarung diese Eckdaten in sich auf.

Konsequenzen

Um den Weg in die Zukunft frei zu machen, kann es erforderlich sein, die Vergangenheit abzuschließen. Ohne einen Zukunftsbezug sind die auf die Vergangenheit bezogenen Warum-Fragen aber kaum als ein mediatives Werkzeug zu verstehen.

Beispiel - Vergangenheitsbezug: Die Partei fragt danach, warum sich die Gegenpartei von ihr getrennt hat. Die Frage betrifft die Vergangenheit. Sicherlich hilft sie, die Vergangenheit besser zu verstehen. Wenn sie jedoch für die Zukunftsgestaltung irrelevant ist, ist sie kein Thema, mit dem sich die Mediation befassen sollte. Der Mediator könnte also fragen: "Was haben Sie davon, wenn diese Frage geklärt ist?". Antwortet die Partei: "Dann komme ich mit der Gegenpartei in Zukunft besser zurecht", fließt die Frage in das Thema "Beziehung mit der Gegenpartei" ein.


Um die optimalen Bedingungen in der Gegenwart für die Zukunft zu gestalten, sollte der Mediator mit den Parteien hertausfinden, welche Faktoren Einfluss auf die Zukunft nehmen. Geht man davon aus, dass die Zukunft aus den Interaktionen, also aus den Aktionen und Reaktionen gebildet wird, womit sich die Mediation zu befassen hat.

Die Fragen zur Konfliktbeilegung beziehen sich also darauf, was man braucht (was notwendig ist), um zweckgerichtete Aktionen und Reaktionen zu ermöglichen oder um ungewollte Reaktionen zu verhindern.

Beispiel - Fragen zur Konfliktbeilegung: Der Mediator fragt sich (und die Parteien), was sie brauchen, damit sie ihre Motivation verlieren, den Konflikt weiter zu schüren oder positiv formuliert, was sie brauchen, um sich konfliktbefreit fühlen zu können


Die zu findende Lösung muss sicherstellen, dass dieser (emotionale) Zustand hergestellt werden kann.

Bedeutung für die Mediation

Die kommunikative Interpunktion der Parteien orientiert sich an Bedingungen, die in der Vergangenheit gesetzt wurden. Die Mediation bietet die einmalige Chance für einen Neuanfang, wenn sie es schafft, ein neue Anfangsbedingung für die Kausalität der Zukunft zu setzen.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-12-03 21:36 / Version 16.
Alias: Zukunftsgestaltung
Siehe auch: Chaos, Abschlussvereinbarung, Lösung
Prüfvermerk: -

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Seite zuletzt geändert: am Dienstag Dezember 3, 2019 21:36:23 CET von Arthur Trossen.