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Seiten-ID: 245 Ad hoc Mediation, institutionalisierte Mediation und Institutionalisierung der Mediation 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Mediationsformat

Die Institutionalisierung der Mediation

In der Schiedsgerichtsbarkeit gibt es die Unterscheidung zwischen einer sogenannten ad hoc und einer institutionalisierten Schiedsgerichtsbarkeit. Unglücklicherweise wurden diese Begriffe in die Mediation übernommen. Die beiden unterschiedlichen Formate werden also auch für die Mediation definiert. Jeder Mediator und vor allem die sich der Institutionalisierung bedienenden Institutionen müssen sich damit auseinendersetzen.




Festigung oder Orientierung

Die institutionelle Mediation steht mit der Institutionalisierung der Mediation im Zusammenhang. Und doch ist es etwas anderes. Um die Unterschiede zu erkennen, sind begriffliche Abgrenzungen erforderlich und eine systematische Verortung.

Systematik

In der Systematik der Mediation werden die Ad-hoc-Mediation und die institutionalisierte Mediation als Mediationsformate angesehen, die nach dem Zugang zur Mediation unterscheiden. Damit wird deutlich, dass es sich dabei weder um ein Mediationkonzept, noch um eine Mediationsart handelt.

Mediationsformate 

Ad-hoc-Mediation

Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „für diesen Augenblick gemacht“ oder „zur Sache passend“. Ad hoc bedeutet keinesfalls eine spontan oder "aus dem Stand heraus" durchgeführte, unüberlegte oder ungeplante Mediation. Der Begriff bezeichnet vielmehr, dass die Mediation nicht auf vorgefertigte Formate zurückgreift und stets individuell zu verhandeln ist. In der Praxis relativiert sich der Begriff, denn auch ein selbstständiger Mediator wird auf vorgefertigte Musterformulare zurückgreifen. Er wird diese aber stets als Entwürfe und nicht unbedingt als Teil einer Institution einführen, in deren Rahmensetzung er sich einbindet.

Formulare 

Die institutionalisierte Mediation

Die institutionalisierte Mediation grenzt sich von der Ad Hoc Mediation ab, obwohl die Unterscheidung zwischen der Ad-hoc-Mediation und der institutionalisierten Mediation im Bereich der Mediation ganz und gar nicht ungefährlich ist. Sie wirft die Frage auf, ob ein informelles Verfahren überhaupt institutionalisiert (formal vordefiniert) werden kann.

Hintergründe

Als Grund für die Institutionalisierung werden Qualitätsanforderungen und Zugangserleichterungen genannt. Institutionalisierte Mediationen finden wir bei den Verbänden und Kammern wieder. Die Mediation wird mit einem Qualitätsanspruch verbunden und mit einem erweiterten Service angeboten. Der Zugang zur Mediation soll erleichtert und die korrekte Durchführung soll abgesichert werden. Die institutionalisierte Mediation umfasst in der Regel folgende Leistungen:

  1. die Zuführung zur Mediation
  2. die Auswahl (Vorschlag) eines Mediators
  3. vordefinierte Qualitätsanforderungen bzw. -kontrollen, denen die Mediation unterworfen wird
  4. gegebenenfalls auch eine Nachbearbeitung.

Abgrenzungsbedarf

Der beschriebene Leistungsumfang verdeutlicht, dass der Service verschiedene Leistungen umfasst. Die Gefahr liegt in der Vermischung der jeweiligen Leistungen. Werden die Leistungen nicht sorgfältig gegeneinander abgegrenzt, gefährden sie die Mediation eher als dass sie ihre Qualität sichern. Die folgende Grafik stellt die angesprochenen Dienstleistungsanteile gegenüber:

Dienstleistung

Die Mediation bildet eine (strategische) Exklave1 . Sie ist deshalb eine isolierte Leistung, die sich von den vor- und nachbereitenden sowie den begleitenden Dienstleistungen zu unterscheiden hat. Oft werden bei der institutionalisierten Mediation das Verfahrensauswahl, die Auswahl und Zuführung zur Mediation, die Mediation selbst, die Kontrolle der korrekten Durchführung der Mediation und die Nachbereitung zusammengefasst, obwohl nicht alle Leistungen mediationskompatibel sind2 .

Vorgaben

Es gibt einen konservativen Trend, der sowohl den Mediatoren wie den Medianden zumindest die äußere Organisation des Verfahrens vorgibt. Die Vorgaben werden in Standards oder so genannte Mediationsordnungen verpackt. In beiden Fällen ist darauf zu achten, dass

  1. die Vorschriften nicht automatisch gelten, sondern vertraglich eingebunden werden müssen, damit sie wirksam werden können
  2. die Vorschriften müssen dem Wesen der Mediation entsprechen (oder entsprechend abgegrenzt sein, dass der Kern der Dienstleistung Mediation als solcher erhalten bleibt und die Prinzipien geachtet werden).
  3. die Institutionen müssen ihre eigenen Interessen von denen der Mediation zwischen den Parteien offenlegen und abgrenzen. Der Mediator ist nach §3 Abs. 1 MediationsG ohnehin verpflichtet, alles was seine Neutralität und Unabhängigkeit in Frage stellt zu offenbaren.

Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können die Versuche zur Institutionalisierung einen aktiven Beitrag zur Förderung der Mediation darstellen.

Herausforderungen

Wenn sich die Mediation bzw. das Mediationsangebot an eine Organisation bindet, wird die Organisation versuchen, ihren Einfluss auf die Mediation auszuweiten. Das ist auf der einen Seite lobenswert wenn dadurch Ausbildung zum Qualitätsmerkmale geschaffen werden, die über die „normale" Mediation hinausgehen. es ist beklagenswert wenn der Einfluss so groß ist, dass er der Mediation die Luft nimmt und aus dem informellen ein formelles Verfahren macht. Die Organisation wird bemüht sein, für ihre Mediation ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, dass die Nachfrage rechtfertigt. Der Grundsatz lautet:

 Merke:

Leitsatz 5107 - Je mehr die Mediation geregelt wird umso mehr verliert sie den Charakter eines informellen,. selbstbestimmten Verfahrens.

Es ist eine Gratwanderung, das richtige Verhältnis von äußeren und inneren Regeln zu finden. Die Faustregel könnte lauten:

 Merke:

Leitsatz 5108 - Äußere (vorgegebene) Regeln sind nur insoweit zulässig, als sie die Mediation in ihrem Wesen garantieren. Innere (in der Mediation zu vereinbarende) Regeln beschreiben, wie der Mediator und die Parteien die Mediation gestalten.

Vor dem Hintergrund, dass die Mediation nur eine hinkende Dienstleistung ist, ist die Bereitstellung von zusätzlichen Leistungen durchaus sinnvoll. Aber nur dann, wenn sie die Mediation an und für sich als Dienstleistung erhält. Das bedeutet: das Verfahrensritual muss ebenso gewahrt sein wie die Unabhängigkeit des Mediators. Alle Prinzipien müssen beachtet werden. Hierzu zählt, dass die Parteien den Mediator wählen, dass die Vertraulichkeit gewahrt bleibt und dass die Parteien die Möglichkeit haben, IHREN Weg in die Lösung zu finden.

Die Institutionalisierung der Mediation

Laut Duden bedeutet die Institutionalisierung, etwas in eine gesellschaftlich anerkannte, feste Form bringen.3 Das Bemühen um die Einführung der Mediation wird deutlicher, wenn der Begriff Institution nachgeschlagen wird. Der Duden bietet dazu zwei Bedeungszuschreibungen an4 :

  1. Institution ist die einem bestimmten Bereich zugeordnete gesellschaftliche, staatliche, kirchliche Einrichtung, die dem Wohl oder Nutzen des Einzelnen oder der Allgemeinheit dient
  2. Institution ist eine bestimmten stabilen Mustern folgende Form menschlichen Zusammenlebens

Die zweite Deutung kommt der Mediation entgegen. Die Mediation bietet ein stabiles Muster für einen Entschdiungsprozess an. Es verwirklicht sich zunächst in der formellen Mediation als Verfahren aber auch im erweiterten Mediationsradius als Kompetenz. Folgt man der kognitiven Mediationstheorie, liegt das Muster (des nutzenorientierten Denkens und des vermittelnden Kommunizierens) auf der Hand.

Die Frage ist, wie sich dieses Muster in einer Gesellschaft integrieren und etablieren lässt. Die Mediationslandschaft bedient sich der konventioneller Strategien. Es werden Systeme geschaffen, die als Repräsentanten der Mediation in Erscheinung treten. Eines dieser Systeme ist die Etablierung des Verfahrens der Mediation. Andere Systeme sind die Verbände, die sich als Repräsentanten der Mediation vorstellen. Die Gefahr, sich in Machtstrukturen einzubinden, die dem Charakter der Mediation nicht entsprechen, ist groß. Sie prägen die Mediationslandschaft und die Art und Weise ihrer Implementierung. Ob und wie die zu Entwicklung zur Stärkung der Mediation beitragen kann, ist das Thema von Beiträgen, die sich mit der Implementierung der Mediation auseinandersetzen.

Implementierung 

Bedeutung für die Mediation

Die Mediation ist anders!. Der Umgang mit der Mediation sollte sich dieser Andersartigkeit stellen und sie in sich aufnehmen. Die Mediation verwirklicht sich aus sich selbst heraus, wenn jede Maßnahme, die Mediation betreffend an den Grundsätzen der Mediation zu messen ist. Wenn die Institutionalisierung der Mediation eine Orientierungshilfe darstellt, kommt sie der Mediation entgegen. Das Gleiche gilt, wenn sie das mediative Denken verfestigt. Eine Festlegung des Verfahrens könnte dem Charakter der Mediation widersprechen.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Bearbeitungsstand: 2019-09-07 09:26 / Version 35.
Alias: institutionalisierte Mediation, Ad hoc Mediation, Ad-hoc-Mediation, institutionalisierte Mediation, Institutionalisierung,
Siehe auch: Mediationsordnung, Implementierung, Die Stärkung der Mediation
Prüfvermerk: Administrator

2 Ein Beispiel für die Überschneidung der Leistungen und die Verwischung des Verfahrens ist die Mediationsordnung der IHK München Verfahrensordnung des Mediationszentrums.pdf abgelesen am 3.7.2014
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Institutionalsierung der Mediation" (2019) unter Wiki-to-Yes.org/Verfestigung
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Samstag September 7, 2019 09:26:04 CEST von Arthur Trossen.