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Seiten-ID: 1689 Das Verständnis der Mediation orientiert sich am Konzept 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Mediationskonzept

Mediationskonzepte Das Verständnis der Mediation

Die Frage, was eine Mediation ist scheint mit der Einführung des Mediationsgesetzes geklärt zu sein. Die Praxis belegt jedoch, dass der Schein trügt. Die Definition wirft Fragen auf, die letztlich nur über das Verständnis der Mediation zu beantworten sind.




Wie sich die Mediation verwirklicht
woran sie sich orientiert und wie sie sich verwirklichen sollte

Mediationsverständnis

Der Begriff Verständnis wird als die Fähigkeit definiert, sich in etwas hineinzuversetzen oder etwas zu verstehen. Er bezeichnet die innere Beziehung zu etwas.1 Im Fall der Mediation also die innere Beziehung zur Mediation. Gibt die Definition der Mediation in §1 Mediationsgesetz dafür einen Anhaltspunkt?

Auswirkungen

Je nach dem Verständnis der Mediation, ergeben sich ganz unterschiedliche Sichten und Anwendungen. Wer die Mediation auf ein Verfahren i.S.d. §1 Mediationsgesetz beschränkt, wird ihre Anwendiung außerhalb dieses Verfahrens oder in anderen Erscheinungsformen weder erkennen noch für möglich halten. Wer die Mediation als eine Haltung begreift, gibt ihr schon aus diesem Verständnis heraus eine größere Bedeutung und damit zusammenhängend einen größeren Anwendungsrahmen2 .

Systematik

Das Mediationsverständnis äußert sich in dem zugrunde liegenden Konzept der Mediation. Anders formuliert: Das Konzept ist eine Ausprägung des Mediationsverständnisses. In der systematischen Einteilung der Mediation steht das Konzept an oberster Stelle. Es folgt dem Wesen der Mediation und prägt ihren Charakter dementsprechend. Mit dieser hierarchischen Verortung wird deutlich, dass sich die grundlegenden Ausprägungen der Mediation aus dem zugrundeliegenden Konzept ableiten.

Praxis

Das Konzept beschreibt die Idee hinter der Mediation.3 Die Praxis scheint sich zwischen dem aus einem Bauchgefühl abgeleiteten Verständnis der Mediation als ein empathisches und durch Wohlwollen geprägtes Verfahren und einer wissenschaftlich fundierten Herleitung der Mediation zu bewegen. Die Spannweite der Meinungen lässt sich am Verhalten und den Erklärungsversuchen der Mediation ablesen. Sie entspricht den unterschiedlichen Ansätzen, wie die Mediation hergeleitet wird.4

Herleitung

Der wichtigste Orientierungspunkt für das Verständnis der Mediation ist ihre wissenschaftliche Herleitung. Sie kann dazu beitragen, die Mediation aus dem unbestimmten Bauchgefühl herauszuholen, indem sie ihre Zusammenhänge aufdeckt, die Grundsätze erläutert und eine Schritt für Schritt Anleitung ermöglicht. Im Idealfall ist sie in der Lage, alle Phänomene der Mediation aufzudecken und in einen Zusammenhang zu stellen.

Aktuell sind zwei unterschiedliche und sich ergänzende Herleitungenbekannt:

  1. Mediationen basierend auf dem Harvard-Konzept mit Theoriefragmenten
  2. Mediationen basierend auf der umfassenderen kognitiven Mediationstheorie

Auf den wissenschaftlichen Hintergrund angesprochen, wird meistens das Harvard-Konzept genannt. Auch andere Theorien werden angeführt. Bei genauem Hinsehen zeigt es sich jedoch, dass keine der üblicherweise genannten Theorien in der Lage ist, die Mediation vollumfänglich zu beschreiben und auf nachvollziehbare Formeln zurückzuführen.

Das Harvard-Konzept beispielsweise stellt keine Erforschung der Mediation dar, sondern des Verhandelns. Auch wenn seine Erkenntnisse vollumfänglich in die Mediation eingeflossen sind, kann es nur einen Bruchteil der Wirkungsweisen in der Mediation beschfreiben. Auch die anderen Theorien, die als Erklärungsansatz für die Mediation herangezogen werden, sind nur in der Lage, einzelne Phänomene zu beschreiben, die in der Mediation entweder vorkommen oder auf sie Einfluss nehmen. Eine Zusammenstellung der relavanten Theorien und Theoriefragmente finden Sie in der Abteilung Akademie unter dem Kapitel Theorien.

Theorien, Theoriefragmente und die Mediationstheorie 

Mediationstheorie

Wenn eine Herleitung nur einen Bruchteil der Mediation zu beschreiben vermag, liegt es auf der Hand, dass der nicht abzuleitende Teil der Mediation in einen spekulativen Raum fällt. Das erklärt das Bauchgefühl und die Tatsache, dass es bisher wohl Standards für die Ausbildung, nicht aber für die Mediation gibt.5

Im Idealfall beschreibt die wissenschaftliche Herleitung die notwendigen Elemente der Mediation und deren funktionales Zusammenspiel. Sie nimmt Einfluss auf die Methodik, die Konsistenz des Vorgehens, seine Steuerungsfähigkeit und den Anwendungsradius. Sie trägt dazu bei,. das Verständnis der Mediation zu prägen und zu festigen. Ein umfassendes Konzept der Mediation ergibt sich aus der kognitiven Mediationstheorie. Sie sieht in der Mediation in erster Linie einen kognitionsbasierten Prozess der Erkenntnisgewinnung.

Die kognitive Mediationstheorie 

Bedeutung für die Mediation

Jeder Mediator sollte sich im Klaren darüber sein, welches Verständnis der Mediation er seinem Wirken zugrundelegt und welches Konzept daraus abzuleiten ist. Die wissenschaftliche Herleitung wirkt sich auf das Mediationsverständnis, den Mediationsradius und die Qualität der Mediation aus.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Bearbeitungsstand: 2019-10-12 07:27 / Version 13.
Aliase: Mediationskonzept, Mediationsverständnis
Siehe auch: Erkenntnis, Theorien,
Prüfvermerk: -

3 Siehe zur Konnotation des Begriffs https://www.duden.de/rechtschreibung/Konzept
4 Einen Eindruck vermittelt der Beitrag Mediation und die dort aufgeführten Verweise. Auch der Mediationsreport-2019 äußert sich zum Verständnis der Mediation in der Praxis.
5 Ausnahme siehe Benchmarks, die aus der kognitven Mediationstheorie abgeleitet werden

© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Mediationskonzepte" (2019) unter Wiki-to-Yes.org/Mediationskonzepte
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Samstag Oktober 12, 2019 07:27:45 CEST von Arthur Trossen.