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Seiten-ID: 1567 Das Verfahren als Gespräch 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  Verfahren »  Verfahrenskriterien

Das Verfahren als Gespräch

Was für den Mediator ein Verfahren ist, fühlt sich für die Parteien wie ein Gespräch an, vielleicht wie eine Krisensitzung. Nicht immer werden sowohl der Gesprächsbedaf wie die Erfolgschancen eines mediativen Gespräches korrekt eingeschätzt.




Miteinander reden
Das informelle Gespräch

Die Gesprächsführung und die Art und Weise der Kommunikation sind Ausprägungen der Handhabung, anhand derer sich die Verfahren unterschieden. Auch die Gesprächsführung trägt dazu bei, den Verfahrenscharakter zu bestimmen. Die Kommunikation ist deshalb ein sekundäres Verfahrenskriterium.

Gesprächsbedarf

In der Regel versuchen die Parteien selbst ihr Anliegen in einem Gespräch zu klären. Dabei machen sie auf die Erfahrung, dass dies (meist wegen des Konfliktgegners) nicht ist. Wenn ein Gespräch nicht möglich ist sucht man andere Wege. Der Grundsatz lautet:

 Merke:

Leitsatz 4119 - Ohne miteinander zu reden ist es schwierig, ein Einvernehmen herzustellen. Ohne ein Einvernehmen ist es schwierig eine Entscheidung herbeizuführen, die von beiden Seiten akzeptiert werden kann. Ohne dass beide Seiten die Entscheidung akzeptieren, wird es schwierig sein, eine Lösung zu realisieren.

Die Mediation verfügt, selbst in ausichtslos erscheinenden Fällen, über Mechanismen, ein Gespräch wieder in Gang zu bringen. Die Parteien werden erfahren, dass es möglich ist bei Mediator Dinge anzusprechen, die bei anderen Gelegenheiten sofort zur Eskalation führen.

Der Gesprächscharakter

Jeder erfahrene Verhandler weiß, dass ich die Lösungen eher nicht am Konferenztisch ergeben. Es sind die informellen Gespräche, in denen sich Beziehungen und tolle Ideen herstellen. Nicht ohne Grund werden deshalb geschäftliche und politische Treffen mit einem Arbeitsessen verbunden. Der persönliche Austausch im Hintergrund, etwa in einem Telefonat oder bei einem Spaziergang hilft Meinung zu bilden und Übereinstimmung zu finden. Hier finden die Verhandlungspartner eine Ebene, wo sie gesichtswahrend und "rein menschlich" miteinander reden können.

informelle Kommunikation

Gesprächsrahmen

In einer Debatte, einer öffentlichen Auseinandersetzung oder gar einem Krieg steht ein derartiger (Informations-) Kommunikationsraum nicht ohne weiteres zur Verfügung. Er muss erst geschaffen werden. Die informelle Kommunikation erwartet eine Kooperation, die schon aus strategischen Gründen bei einer (hoch eskalierten) Konfrontation nicht möglich ist. Manchmal braucht es deshalb eines abgegrenzten, besonders geschützten Gesprächsrahmens, in dem das möglich wird.

 Merke:

Leitsatz 4120 - Die Mediation ist ein Verfahren das die informelle Kommunikation ermöglichen soll und auf einer informellen Kommunikation basiert.

Damit der informelle Charakter weitest möglich erhalten bleibt, sollten sich Regulierungen, die die Mediation betreffen, lediglich darauf beschränken, diesen Rahmen abzusichern und zur Verfügung zu stellen. Der rechtliche Rahmen des Gesprächs ergibt sich aus dem zugrunde liegenden Rechtsverhältnis, das den Anlass für das Gespräch gegeben hat.

Der rechtliche Rahmen als Container

Gesprächsvorgaben

Die informelle Kommunikation hat den Charakter einer linearen Kommunikation. Eine assoziationsbasierte, lineare Kommunikation riskiert stets, dass man das Thema aus dem Auge verliert. Das Gespräch beginnt mit einem Gedankenaustausch über die Reise und endet mit einer Diskussion über das Wetter. Jetzt bedarf es einer Kontrolle, die darauf achtet, dass das Gespräch nicht ausufert.

Nur wer ein gemeinsames Ziel hat, kann einen gemeinsamen Weg gehen. Deshalb sollte die Zielvereinbarung jedem Gespräch vorausgehen. Weil die Mediation lösungsoffen ist, kann das Ziel nur darin bestehen, eine Lösung zu FINDEN, mit der alle zufrieden sind.

Zielvereinbarung

Gesprächsstruktur

Die zu klärenden Fragen und die Lösungskriterien werden bei der Mediation in eigenständige Gedankengänge unterteilt. Die an dem mediationstypischen Erkenntnisprozess auszurichtende Struktur führt in eine Phasenlogik, bei der die zur Konkretisierung des Ziels zu klärenden Fragen in der 2.Phase erörtert werden. Die zusammenzutragenden Lösungskriterien werden in der 3.Phase ermittelt.

Die Bedeutung der Struktur in der Mediation

Gesprächskontrolle

Bei der Mediation geht es um die Bewältigung eines Konfliktes. Damit steigen die Anforderungen an eine Gesprächskontrolle.

Damit das Gespräch und sein Verlauf reflektiert werden kann, bedarf es einer Metaebene. Die Metaebene stellt eine Reflexionsebene dar, die dazu beiträgt, die Qualität des Gesprächs zu überwachen.

Die Metaebene ist von der operativen Ebene zu unterscheiden. Wenn sich beide Ebenen in einer Person wiederfinden besteht die Gefahr, dass die operative Ebene die Metaebene verdrängt. Wenn der Gesetzgeber also in §2 Abs. 1 Mediationsgesetz davon spricht, dass der Mediator die Parteien durch das Gespräch führt, gibt es ihm einen operativen Auftrag. Es bleibt zu hoffen, dass der Mediator dabei die Metaebene nicht aus dem Blick verliert. Letztlich ist es eine Stilfrage wie der Mediator die Gesprächskontrolle verwirklicht. Die EU-Vorlage des Mediationsgesetzes enthält eine mediationsgerechtere Formulierung, wenn geschrieben steht, dass der Mediator mit den Parteien die Mediation durchführt.

Metaebene

Gestaltungsmöglichkeiten

Die Konzeption eines informellen Gespräches bietet den Parteien eine größtmögliche Flexibilität. Idealerweise passt sich die Mediation an die Gegebenheiten an und gestaltet das Gespräch in einer Art und Weise, dass trotz - oder gerade wegen - der ihr innewohnenden Freiheiten, eine größtmögliche Effizienz gewährleistet wird.

Auf der operativen Ebene bietet die Formalisierung des Gesprächs Möglichkeiten, das Gespräch zu kontrollieren. Wenn jeder darauf los redet, besteht die Gefahr in eine lineare Kommunikation zu verfallen, die gerne ausufert. Aus der Sicht der Parteien gibt es einfach Dinge, die aus ihrer Sicht gesagt werden müssen. Nicht immer tragen sie zur konstruktiven Entwicklung bei. Die formale Kommunikation kann Grenzen setzen. Sie birgt allerdings die Gefahr, dass Informationen verloren gehen. Die Mediation will eine informelle Kommunikation ermöglichen. Deshalb sollte sich der Mediator mit Formalisierungen zurückhalten. In der Regel wird versucht, das Gespräch über die Einführung von Gesprächsregeln zu kontrollieren.

Die Gesprächsregeln sind von den Regeln der Mediation zu unterscheiden. Letztere sind zwingend zu vereinbaren, erstere nur, wenn dafür ein Anlass besteht. Es gilt der Grundsatz:

 Merke:

Leitsatz 4403 - Die Regeln der Mediation betreffen die Struktur, den Ablauf und die Prinzipien der Mediation. Die Gesprächsregeln sollen sicherstellen, dass sich die Regeln der Mediation im Gespräch verwirklichen.

Die Praxis zeigt, dass Mediatoren mit der Einführung von Gesprächsregeln ganz unterschiedlich umgehen. Wichtig ist stets, dass ihre Einführung und die Regeln selbst dem Wesen der Mediation enstprechen. Wegen der Bedeutung von Gesprächsregeln in der Mediation ist ihnen ein eigener Beitrag gewidmet.

Gesprächsregeln in der Mediation

Gesprächsgrundsätze

In einem konstruktiven (mediativen) Gespräch ist jeder Gesprächpartner (der Mediator) ein Vorbild für die Gesprächsführung. Wenn sich das Gespräch der Kooperation verschrieben hat und nach Lösungen sucht, sollten folgende Grundsätze beachtet werden:

  1. Ausreden lassen!!! (jede Frage, jeder Einwurf verändert den Gedankengang beim Gesprächsprtner)
  2. Langsam und deutlich im natürlichen Redefluss sprechen.
  3. Darauf achten, dass das Gegenüber zuhört (zuhören kann).
  4. Nach jedem Gedanken eine Pause machen (von 20 bis 23 zählen), damit sich der Gedanke setzen kann.
  5. Keine Frage ohne Loop (wenn sie eine Reaktion auf das Gesagte des Gesprächspartners ist)
  6. Jede Frage wird nur einzeln gestellt und nur, wenn sie erforderlich ist. Die Antwort wird abgewartet, ehe eine neue Frage gestellt wird.
  7. Tilgungen und Verallgemeinerungen sind zu vermeiden oder aufzudecken.
  8. Fragen orientieren sich am WOZU nicht am WARUM

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-12-03 19:38 / Version 20.
Alias: Gesprächführung, Gesprächsbedarf, Gespräch, Gesprächsrahmen, Gesprächsgrundsätze
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© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Gesprächsführung" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Gesprächsführung
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Dienstag Dezember 3, 2019 19:38:07 CET von Arthur Trossen.