Lade...
 
Wiki to Yes, das Metaportal
Seiten-ID: 1047 Über die Verwendung der Mediation in Familiengerichtsverfahren 4-Inhalt »  (03) Mediation (Systematik) »  Fachmediation »  Familienmediation 3-Abteilung »  Archiv

Altenkirchener Modell

Über die Einbeziehung von Kompetenzen und die Kombination von Verfahren

Das sogenannte Altenkirchener Modell mag als der Ursprung der integrierten Mediation verstanden sein. Systematisch korrekt ist es ein Fall der gerichtsintegrierten Mediation. Es geht um die Verwendung der Mediation entweder als integrierte Methode oder als integriertes Verfahren in einem förmlichen Familiengerichtsverfahren.




Der Blick auf das Ganze

Anlass und Entstehung

Diplom-Psychologe Eberhard Kempf, Rechtsanwalt Ralf Käpelle und Richter Arthur Trossen haben sich zusammengetan, um Wege zu finden, wie hoch eskalierte Familienkonflikte für alle Beteiligten am schonendsten abgewickelt werden können. Die Mediation erreicht bei hoch eskalierten Konflikten ihre Grenzen und dennoch ist ihre Methode die am besten geeignetste, um solche Konflikte zu lösen. Es kommt maßgeblich darauf an, die Parteien in eine Kooperation zu führen und sie in ihr zu halten, damit die Mediation ihre Wirkung entfalten kann. In der Kombination der Kompetenzen des Psychologen, des Rechtsanwalts und des Richters hat sich schließlich ein Weg gefunden, auch solche Fälle mediativ zu lösen.

Aus- und Abgrenzung

Die Isolation der Mediation innerhalb der Konfliktlösung ermöglicht die strategische Ausgrenzung der Kooperation innerhalb einer Konfrontation. Diesem Vorteil steht der Nachteil gegenüber, dass die gerichtsnahe Mediation ein vom Verfahren unabhängiges Schicksal nehmen kann, das weder auf die Möglichkeiten oder die Kompetenzen des Gerichtsverfahrens zurückgreift, so wie das Gerichtsverfahren auch nicht die Möglichkeiten und Kompetenzen der Mediation nutzen kann.

Beispiel - Schnittstellen: Der Richter hat die Macht, die Anwesenheit der Parteien in einem Termin zu erzwingen, der Mediator nicht. Der Mediator analysiert den Konflikt und bewirkt eine Konflikteinsicht, die im Falle des Scheiterns der Mediation nicht mehr zur Verfügung steht. Der Richter könnte die Mediationsbereitschaft der Parteien herstellen und aufrechterhalten. Usw.


Würde man die Möglichkeiten zusammenführen, ergäbe die Summe der Teile mehr als das ansonsten anzunehmende Ganze. Es entstünde ein neues Verfahrensverständnis, wo Kompetenz und Wirkung im Vordergrund stehen.

Verantwortung

Eine weitere Besonderheit ist die geteilte Verantwortlichkeit, die sich in einem Teamverständnis niederschlägt. Statt als Gegner verstehen sich Gericht und Anwälte als ein Team, das sich gemeinsam für die konstruktive Lösung der Probleme in Familiensachen für zuständig erklärt.

Autorität

Glasl sagt, dass bei hoch eskalierten Konflikten eine Mediation nicht möglich sei, weil sie nicht die Autorität aufbringen kann, die notwendig ist, um die Parteien in die Kooperation zu führen und in der Kooperation zu halten. Mit der in die Mediation einbezogenen Einflussnahme des Gerichts lässt sich die Autorität zugunsten der Mediation nutzen.

Integration

Die Idee des Altenkirchener Modells besteht darin, die Verfahren (Methoden) ineinander zu integrieren, um so das Beste aus jedem Verfahren herauszuholen. Eigentlich wird das Gerichtsverfahren in eine virtuell vorzustellende Mediation integriert, indem die wesntlichen Bausteine gegenübergestellt und Differenzen ausgeglichen werden. Die Vorgehensweise entspricht der nachfolgenden Grafik.

Prinzip

Die Einbindung oder die Übernahme von Bausteinen der Mediation betrifft nicht nur die als Erkenntnisschritte anzusehnden Prinzipien. Sie erstreckt sich auch auf die Prinzipien, die Methoden und die Techniken. Ihre Zusammenführung erlaubt die annäherung oder gar die Herstellung einer methodischen Mediation, in der alle Elemente zusammenkommen.

Das Altenkirchener Modell bildete den Ursprung der Integrierten Mediation und ist heute eines von vielen Anwendungsbeispielen.

Vorgehensweise

Wenn es zur Verhandlung kommt, sind die Argumente und die Forderungen, mithin die Positionen bereits schriftsätzlich vorgetragen und zur Genüge ausgetauscht worden. Die Pahse zwei kann also weitestgehend als erledigt betrachtet werden. Lediglich die Frage, ob mit den Schriftsätzen alle Fragen (Konflikte) anbgesprochen wurden oder ob es sich nur um eine Schlacht in einem größeren Krieg handelt, ist noch offen. Mit diesem Wissen beginnt die Hauptverhandlung.

Der Richter fragt die Parteien: "Wie kann ich Ihnen helfen?"
Interesssanterweise bekam er stets die Antwort: "Wieso helfen? Sie müssen entscheiden!"
Der Richter hörte das Eingeständnis, dass die Parteien selbst keine Lösung finden können. Er sagte deshalb: "Wenn Sie hier gelandet sind, muss etwas schief gelaufen sein. Vielleicht kann ich helfen, dass es wieder richtig läuft?"
Die Parteien erklärten die Motive, warum es zur Gerichtsverhandlung kam. Der Riochter geht darauf ein und wendet die Technik des Loopens an. Faktisch ist er entweder in Phase eins, wo die Verfahrensmotive abgefragt werden oder in Phase drtei, wo die Konfliktmotive hinterfragt werden, was meist deckungsgleich ist. Als er bemerkt, dass die Parteien sich gedanklich mit den Fragen auseinandersetzen, fragt er: "Wie gefällt Ihnen das Gespräch (die Verhandlung)? Können Sie sich vorstellen, dass wir auf diesem Weg eine Lösung finden können, die besser ist als ein Urteil?". Wenn die Parteien diese Frage bejahen, geht der Richter zurück in Phase eins und sagt: "Dann ist es besser, wenn Sie mich nicht in der Rolle eines Enscheriders sehen, sondern in der Rolle eine Schlichters / Mediators". Er erklärt was das bedeutet und wie dann das Verfahren (Gespräch) weitergeht. Er geht zurück in Phase deri und erarbeitet zusmman mit den Partein die Motive aus denen er die Kriterien für eine Lösung ableitet. Von hier aus wickelt er die Mediastion nach den Regheln der Kunst weiter ab und führt in die Phase vier, usw.

Anders als in einer externen Mediation hat der Richter stets nur ein beschränktes Zeitkontingent. Deshalb konnte er diese Vorgehensweise oft nicht bis zur Lösungsfindung treiben. Die Parteien hatten jetzt aber eine gute Vorstellung, wie eine Mediation funktioniert und auch schon den halben Weg zum Ziel hinter scih gebracht. Wenn der Richter jetzt angeboten hat, die Mediation extern fortzuführen, gab es stets eine Zustimmung.

Bedeutung für die Mediation

Jahrelange Erfahrungen bei der Anwendung dieses Modells und Auseinandersetzungen mit der Frage, wo eine Mediation (methodisch) anfängt und nicht mehr zu realisieren ist, war die zentrale Frage, die sich die Protagonisten dieses Modells gestellt haben. Sie führte in die Entwicklung der kognitiven Mediationstheorie, die weniger auf Formalien, als auf Inhalte achtet.

Beispiel - Entscheidungsbefugnis: Dem Modell wurde stets entgegengehalten, dass es schon deshalb keine Mediation sein könne, weil der Richter entscheidungsbefugt sei. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass die Entscheidungsbefugnis kein wirkliches Hindernis war. Die Parteien haben sich edenfalls vor dem Richter geöffnet und sogar Dinge gesagt, die er weder hören wollte, noch sollte. Die daraus resultierende Erkenntnis war, dass es nicht die Angst vor der Enscheidung des Richters ist, sich zu öffnen, sondern das Vertrauen in seinen Umgang mit den Menschen und die Sorgfalt im Umgang mit den zur Verfügung gestellten Informationen. Die Übung führte zur Erkenntnis, dass das Interesse an den Parteien (Menschen) der Schlüssel ist, sich zu öffnen.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Bearbeitungsstand: 2019-10-12 07:08 / Version 18.
Alias: Familiengerichtsverfahren, Altenkirchener Modell
Siehe auch: Altenkirchener Modell: Ein-Beispiel , gerichtsintegrierte Mediation, integrierte Mediation
Prüfvermerk: -

© Wiki to Yes: Trossen, Arthur "Altenkirchener Modell" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/AltenkirchenerModell
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Samstag Oktober 12, 2019 07:08:28 CEST von Arthur Trossen.