Mediation im westlichen Modell umfasst Verfahren zur Konfliktbeilegung, bei denen ein neutraler Dritter ohne Entscheidungskompetenz die Konfliktparteien dabei unterstützt, selbst eine Lösung für ihr Problem zu finden (§ 1 Mediationsgesetz). Mit der zunehmenden Globalisierung von Informationen und weitreichender Mobilität von Menschen nimmt die Bedeutung von Mediationsverfahren, welche verschiedene Kulturen berücksichtigen, zu.

Meditation im Islam basiert, so wird es von den praktizierenden Islamkennern angepriesen, auf dem tiefen Glauben, dass in jedem Menschen ein Hauch von Allahs Geist liegt. Durch dieses höhere Wesen in uns sind wir fähig mit Gott zu kommunizieren. Weiter heißt es in Sure 49:10: Die „Gläubigen sind doch Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren beiden Brüdern“. Diese Grundprinzipien des ISLAM stehen in keinem grundsätzlichen Widerspruch zur Philosophie der Mediation. Dennoch bedarf es der Klärung, ob und inwieweit die Philosophie einer wertefreien Mediation mit islamischen Recht vereinbar ist.

Im Kern geht es darum, der Bedeutung von Religion in Konflikten wertfrei zu begegnen, um Mediations- und Konflikttransformationsprozesse voranzubringen. Ferner wird die Anpassung der Vorgehensweise bei einer interkulturellen Mediation untersucht, um in einem Konflikt verwickelten Akteure verschiedener Weltanschauungen zu helfen.

Folgende Fragen sind zu untersuchen:

  1. Ist Religion, im speziellen ISLAM, und die Philosophie der praktizierenden Mediation miteinander vereinbar oder prinzipiell Gegensätzlich?
  2. Ist eine einvernehmlich vereinbarte friedliche Koexistenz zwischen Islam und Mediation möglich?
  3. Ist eine Transformation der Grundsätze von integrierten Mediation in einen Kulturkreis mit islamischer Prägung (Internationale Mediation und Islam) möglich?
  4. Kann Mediation in asymmetrischen Beziehungen gelingen (Transformation der Grundsätze der integrierten Mediation in einen Kulturkreis mit islamischer Prägung (Internationale Mediation und Islam in IRAN)?
  5. Ist eine Anpassung der Vorgehensweise bei einer interkulturellen Mediation erforderlich, um in einem Konflikt verwickelten Akteure verschiedener Weltanschauungen zu begleiten?

Konfliktmanagement (KM) in ISLAM

Neben normativen, gesetzesgebundenen Verfahren, mit denen Konflikte in islamisch geprägten Ländern einer Lösung unterworfen werden, gibt es traditionelle Formen des Konfliktmanagements:

  • صلح (SOLH, Frieden)
  • میانجی گری (MIANJIGARI, Mediation)
  • بخشش (BAKHSHESH, Vergebung)
  • وساطت (WESATAT, Vermittlung)

SOLH, MIANJIGARI, BAKHSHESH sind institutionelle Formen des Konfliktmanagements im Sinne von Normen und Werten, gleichzeitig jedoch informell und verwurzelt. Die Wurzeln der Verfahren lassen sich bis weit in die vorislamische Geschichte zurückverfolgen und haben sich seit Jahrhunderten zum integralen Bestandteil der islamischen Kultur entwickelt. Diese Verfahren sind mit dem westlichen Modell der Mediation vergleichbar. Es sind Verfahren mit dem identischen Ziel einer konsensualen Einigung mit zwei wesentlichen Abweichungen:

  • Die Einbindung der sozialen Gemeinschaft und
  • Die Stellung und Entscheidungsfülle der Mediatoren.

Die Vermittlungsverfahren folgen strukturierten Abläufen der Aussöhnung von Konfliktparteien. Dabei geht es neben Schuldeingeständnis, Vergebung und (materieller) Entschädigung darum, Ehre und Würde aller beteiligten Seiten wiederherzustellen. Ziel ist es, die über einen Konflikt gespaltene Gemeinschaft (Familie, Dorf, Clan) wieder zusammenzuführen, Freundschaft anstelle von Feindschaft zu setzen.

In einem Konflikt zwischen Gruppen erfolgt die Einigung in drei Schritten:

  1. Inventur der Verluste (Ressourcen, Menschen)
  2. Entschädigung in Abhängigkeit zum Verlust (die Seite mit den geringsten Verlusten entschädigt die Seite mit den höchsten Verlusten)
  3. Aushandeln klarer Bedingungen zur Beilegung des Konfliktes

Der Kontext des islamischen Rechts

Das «islamische Recht» ist kein staatliches Recht, sondern wird je nach Kodifikation in den verschiedenen islamischen Ländern sehr unterschiedlich gelesen und angewandt. Eine Betrachtung der Entstehungsgeschichte ist für das Verständnis der Ausgestaltung und heutigen Funktion unabdingbar. Vorab werden zentrale Begriffe wie Scharia und Koran erläutert.

Scharia, Koran & Co, Mediation

Sinngemäß bedeutet das arabische Wort Scharia «Weg zur Tränke/Wasserquelle» und wird als Überbegriff aller aus dem Koran abgeleiteter Gesetze in einem islamischen Idealstaat, z.B. IRAN, verwendet, oft auch als islamisches Gesetz oder islamisches Recht übersetzt.

Die Scharia ist nicht einfach eine Gesetzessammlung, sondern vielmehr eine Methode zur Rechtsschöpfung. Sie ist dabei Gegenstand der islamischen Rechtswissenschaft. Hauptquelle der Scharia ist der Koran. Die Heilige Schrift des Islams besteht aus 114 Suren, welche nicht chronologisch, sondern der Textlänge nach geordnet und in sich wiederum in Verse aufgeteilt sind. Weitere Quelle der Scharia ist die Sammlung der Handlungsweisen des Propheten Mohammed.

Die islamische Mediation ist ein bewährtes Verfahren zur Lösung von Meinungsverschiedenheiten, bei denen ein unparteiischer Dritter (der Mediator) Menschen im Streit hilft, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Der folgende Vers aus dem Koran spricht über den Prozess der Vermittlung in einem Familienstreit:

“Islamic Mediation is a well-established process for resolving disagreements in which an impartial third party (the mediator) helps people in dispute to find a mutually acceptable resolution. The above mentioned verse from the Qur’an talks about the process of mediation in a family dispute" Al-Nisaa 4:35 If you fear a breach between them twain, appoint (two) arbiters, one from his family, and the other from hers; if they wish for peace, Allah will cause their reconciliation: For Allah hath full knowledge, and is acquainted with all things“. Al-Nisaa 4:35 Wenn ihr einen Bruch zwischen zweien fürchtet, nennt (zwei) Schiedsrichter, einen von seiner Familie und einen von ihrer Familie; Wenn sie Frieden wünschen, wird Allah ihre Versöhnung auslösen; denn Allah hat volle Kenntnis und ist mit allen Dingen vertraut.


In vielen Kulturen bedeutet, um Hilfe bitten, ein Zeichen der Schwäche besonders für Männer. Diese wollen nicht vor einem Imam oder Berater bzw. Mediator sitzen und zu ihren Fehlern auszusagen, vor allem in den Fällen, wo sie bei Ehepartnern und geliebten körperlich gewalttätig gewesen sind.

Bruch mit der Stammeskultur

Die im islamischen Recht niedergelegten Vorstellungen stellten zur Zeit ihrer Einführung (7. Jh. n.Chr.) einen Bruch mit den Traditionen der vorislamischen Gesellschaft dar. Dies betraf insbesondere das Familien- sowie das Strafrecht – auch heute noch die beiden Kernbereiche des islamischen Rechts. Den Frauen verschaffte das islamische Familienrecht teilweise eine bessere Rechtsstellung: So beschränkte der Koran zum Beispiel die Polygamie auf vier Ehefrauen und verlieh den Frauen (begrenzte) Erbrechte, was in gewissen vorislamischen Rechtskulturen nicht der Fall gewesen war. Das islamische Strafrecht brachte außerdem mit dem vereinheitlichten Strafrecht eine gewisse Rechtssicherheit , .

Mit dem Ende des 9. Jh./Anfang des 10. Jh. gilt das klassische islamische Recht als ausgeformt. Im 19. Jh. wurde das islamische Recht nach westlichen Expansionen und Eroberungen weitestgehend durch Kodifikationen europäischen Rechts ersetzt – mit Ausnahme des Familienrechts, welches damit auch zum Symbol islamischer Identität wurde. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. führte die Abgrenzung zu den früheren Kolonialmächten in zahlreichen Staaten (etwa Iran, Libyen, Pakistan, Sudan) zu einer Re-Islamisierung der Gesetze und Verfassungen7,8.

Islamic Mediation

Islamic Mediation basiert auf folgenden Grundsätzen:

  • Der Prozess muss fair gegenüber allen Parteien mit gleicher Vertretung von jeder Seite sein
  • Der Prozess braucht eine kollaborative Problemlösung zwischen Streitfragen
  • Jede Anstrengung, um eine "Win/Win"-Situation zu erreichen, die für alle Parteien akzeptabel ist
  • Ein Fokus auf die Zukunft, mit Schwerpunkt auf den Wiederaufbau von Beziehungen oder die Anerkennung, dass ein widersprechen auch akzeptabel ist, aber in einer zivilisierten Weise
  • Die Achtung von allen Beteiligten muss an der Spitze aller Diskussionen und des Handelns stehen
  • Die vergangenen Themen können Teil der Diskussion sein, ohne die Schuld dafür zu verurteilen, was in der Vergangenheit passiert ist
  • Die Glaube, dass die Anerkennung von Gefühlen sowie Tatsachen den Teilnehmern erlauben, ihre Wut loszulassen und voranzukommen
  • Den Glauben bejahen, dass Allah alles beobachtet


Prophet Mohammad ermutigt alle Parteien:

  • Denken Sie an einen gesunden Menschenverstand, um ihre Probleme zu lösen, die für alle, einschließlich der Familien und der Gemeinschaft, von Vorteil sind
  • Gehen Sie einen Schritt zurück und schauen Sie nach innen auf eigene Verhalten mit dem Beitrag, darüber nachzudenken, wie sie die Situation richten könnten
  • Mit eigenen praktischen Lösungen aufwarten, die allen Seiten zugutekommen
  • Ermöglicht es den Menschen, Beziehungen zusammenzubauen, während sie zusammenarbeiten, um einen gemeinsamen Grund für die Lösung zu finden
  • Erreiche eine Vereinbarung, die ihre eigenen ist.

Mediation

Eine außergerichtliche Einigung auf einer Win-Win-Basis – so könnte man die Mediation auch beschreiben. Der Mediator ist dabei weder Anwalt noch Richter, sondern eher Moderator in einem Konfliktlösungsprozess. Neutralität ist oberstes Gebot! Das bedeutet: Ein Mediator vertritt nicht die Interessen einer Partei, sondern hat dabei alle Beteiligten und ihre Bedürfnisse im Blick. Ziel ist es, gemeinsam mit zwei oder mehreren Konfliktpartnern konstruktiv und effizient eine Lösung zu erarbeiten.
Grundlage ist dabei ein klar strukturiertes und im Mediationsgesetz geregeltes Verfahren, durch das der Mediator die Beteiligten zielführend begleitet. Der Mediator ist die personifizierte Metaebene. Ganz wichtig dabei ist der Respekt vor den Wünschen jedes Einzelnen und die Würdigung seiner Interessen sowie die gleichwertige Wahrnehmung der Sichtweisen aller Konfliktpartner. Eine wichtige Voraussetzung für die Mediation ist die Bereitschaft der Konfliktparteien, sich auf den Prozess der Mediation freiwillig einzulassen und die Begleitung durch den Mediator.

Die Ausgestaltung der Mediation

Die Grundformen der Mediation unterscheiden sich als ein Verfahren der Positionen und der Interessen. In der Praxis sind diese Formen fließend und ineinander übergehend.

Die facilitative, evaluative, transformative und narrative Mediation sind als Grundformen mediativen Vorgehens zu verstehen. Sie bilden die wichtigsten und charakteristischsten Ausgestaltungen der Mediation und beschreiben ihre Vielfalt und positionieren die Mediation eher als ein entweder sachliches oder als ein eher konfliktbezogenes Verfahren:

Die facilitative Mediation (facilitativ = vereinfachen, erleichtern)
Bezieht sich auf Konflikte auf der sachlich-intellektuellen Dimension • Eignet sich für Konflikte auf der sachlich-intellektuellen Konfliktdimension.
• Der Mediator befragt die Parteien nach den Interessen hinter den Positionen.
• Die Parteien sollen das Ergebnis auf der Basis von Information (Informiertheit) und Verständnis erwirken.
• Je weiter sich die Ausarbeitung der interessenorientierten Vorschläge von den Positionen entfernt, desto mehr nähert sich diese Form der Mediation der transformativen Mediation an.

Die evaluative Mediation
(evaluativ = wertend, bewertend)
Sie entspricht dem juristischen Procedere am Meisten.

  • Diese Form der Mediation verstärkt die Einflussnahme des Mediators. Sie korrespondiert mit einem gerichtsanhängigen Prozess und nimmt dessen Ergebnis vorweg.
  • Der Mediator unterstützt die Parteien, indem er die Schwachpunkte ihres Falles (ihrer juristischen Argumentation) herausarbeitet.
  • Der Mediator macht formale Empfehlungen hinsichtlich des (juristischen) Ergebnisses (Fallausgang).
  • Der Mediator orientiert sich eher an der rechtlichen Lage als an den Interessen und Bedürfnissen der Parteien. Methodisch wendet er das Caucus oder die Shuttle diplomacy an.
  • Der evaluative Mediator ist meist selbst ein Jurist.
  • Die evaluative Mediation kann sich in zwei unterschiedliche Richtungen bewegen. Sie kann sich eher an den Positionen oder eher an den Interessen ausrichten. Im letzten Fall geht sie, je nachdem wie stark die Emotionen einbezogen werden, in eine facilitative oder transformative Mediation über.


Die narrative Mediation
(narrativ = erzählend, erzählerisch)
betroffen. Destruktive Konfliktwirkungen sind hier wahrscheinlich. • Das Verfahren lehnt sich an die narrative family therapy an: Es gibt keine einzige Wahrheit, auf die man sich verständigen muss.
• Die Sachverhalte sind wie Geschichten, die nicht mehr sind als der Ausdruck einer Sichtweise, die sich der Bewertung durch den Mediator entzieht.
• Die Persönlichkeiten der Parteien werden über ihre persönlichen Geschichten konstruiert. Der Erkenntnisprozess beim Klienten wird durch die veränderte Sichtweise ermöglicht.

Die transformative Mediation
(transformativ = umformend, umgestaltend)
Die sozio-emotionelle Dimension bezieht sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Emotionen der Konfliktparteien während der Ausübung von Sachkonflikten • Die transformative Mediation eignet sich für die Bearbeitung von Konflikten der sozio-emotionalen Dimension.
• Das Verfahren setzt auf die Fähigkeiten der Parteien und versucht diese zu verstärken und nutzbar zu machen.
• Sie ermöglicht die Anerkennung der hinter dem Streit verborgenen Bedürfnisse.
• Das Lösungspotenzial besteht darin, die Beziehung der Parteien im Laufe der Mediation zu verbessern.

Die Integrierte Mediation (integriert = einschließend)

  • Integrative Mediation ist eine Methode der Prozessbegleitung. Im Zentrum steht dabei das klassische Phasenmodell der Mediation.
  • Die empathische Gesprächsführung.
  • Die Vorgehensweise integriert individuell die unterschiedlichsten Verfahren der Gesprächsführung zur Entwicklung von Potentialen oder aber zur Lösung von Aufgaben, Problemen und Konflikten zu einem schlüssigen, auf die Aufgabenstellung zugeschnittenen System.

Ablauf des Verfahrens


Phase 1: Vorbereitung und Vertrag
Nach einem Vorgespräch über Erwartungen und Ziele der Mediation wird mit den Parteien der Ablauf des Verfahrens besprochen. Über die vereinbarten Verhaltensregeln, Vertraulichkeit, Freiwilligkeit etc. wird ein Mediationsvertrag abgeschlossen.

Phase 2: Themensammlung
Die Beteiligten stellen den Konflikt aus ihrer Sicht dar und bestimmen, in welcher Reihenfolge welche Konfliktthemen bearbeitet werden sollen.

Phase 3: Interessensklärung
Der Kernpunkt der Mediation. Durch Klärung, welche Interessen und Bedürfnisse hinter den vertretenen Positionen stehen, wächst das gegenseitige Verständnis und bildet dadurch im Idealfall die Grundlage für eine gemeinsame Lösungsfindung.

Phase 4: Gemeinsame Ideenfindung zur Konfliktlösung
Ohne Bewertung werden in dieser Phase Ideen und Lösungsmöglichkeiten gesammelt und von den Beteiligten nach ihren Prioritäten geordnet.

Phase 5: Umsetzung der Optionen
Gemeinsam werden Lösungskonzepte zur Streitbeilegung erarbeitet und durch eine abschließende Vereinbarung festgelegt. Diese Vereinbarung wird von den jeweiligen Rechtsvertretern der Parteien überprüft und erst dann unterzeichnet. Auf Wunsch der Beteiligten kann die Vereinbarung auch notariell beurkundet werden.

Phase 6: Evaluation
In der Praxis hat sich gezeigt, dass eine gemeinsame Überprüfung der vereinbarten Lösungsoptionen nach ca. einem halben Jahr von Vorteil ist.

Interkulturelle Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation bezeichnet in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften eine soziale Interaktion von Akteuren aus unterschiedlichen Kulturen .
Diese Akteure können Individuen, soziale Gruppen, Organisationen, Gemeinden, Gesellschaften oder Staaten sein.
Die besondere Bedeutung der interkulturellen Kommunikation liegt darin, dass einige Aspekte von interkultureller Kommunikation eine höhere Bedeutung haben als bei der Kommunikation innerhalb einer Kultur. So können etwa Missverständnisse entstehen durch Ausdrucks-, Darstellungs- und Handlungsweisen wie Lautstärke, Tonfall, Mimik, Gestik, Grad der Höflichkeit und Grad der Freundlichkeit.
Innerhalb der interkulturellen Kommunikation können besonders Vorurteile zu Problemen führen. Vorurteile sind im Gegensatz zu Stereotypen immer negativ besetzt und führen daher oft zu Missverständnissen.

Zum Verstehen des kulturell Anderen ist die Überwindung von Ethnozentrismus notwendig. Ethnozentrismus ist ein primär psychologischer, aber auch in unterschiedlichsten sozialwissenschaftlichen und politikwissenschaftlichen Untersuchungen gebrauchter Begriff, der die Voreingenommenheit eines Individuums gegenüber fremden Gruppen bezeichnet .

Kultur und Interkulturalität

„Interkulturalität bezieht sich auf Kontakte zwischen Menschen, die unterschiedlichen, homogen gedachten Kulturen angehören. Dieses Konzept unterstellt, dass es in den zwischenmenschlichen ‚inter’-kulturellen Begegnungen Verständigungsprobleme und Konflikte gibt. Wissenschaftliche Forschungen zu Interkulturalität unterstehen demzufolge dem gesellschaftlichen Alltag, das gegenseitige Verstehen zu verbessern und dadurch ein konfliktfreieres Zusammenleben zu ermöglichen“ .

Kultur:
Denkt man an andere Länder und deren Kultur, dann wird Kultur mit einer Nationalkultur oder einer Ethnie in Verbindung gebracht. Kultur manifestiert sich auch in Religion oder Sprache.
Im interkulturellen (Abb. 02) Bereich spricht man von subjektiver und objektiver Kultur11:

Die objektive Kultur
Der Bereich der Alltagskultur

Die subjektive Kultur
Der „unsichtbare oder nicht bewusste“ Bereich

Streitkultur, Organisationskultur, Gesprächskultur usw.
Verhaltensweisen, Werte und Normen einer Kultur, die in der interkulturellen Kommunikation sehr wichtig sind.
Auf dieser Ebene kommt es zu interkulturellen Konflikten.

Bewältigungs-Strategien:
• Verbesserte Selbst- und Fremdwahrnehmung
• Reflexion des eigenkulturellen Selbstbildes
• Sensibilisierung des Einfühlungsvermögens
• Entwicklung eines kulturellen Bewusstseins
• Zurückgreifen auf soziale Unterstützung durch andere Personen

Interkulturelle Mediation

Mediation ist ein klar strukturiertes Verfahren mit erlernbaren rhetorischen Strategien, das sich zudem im intrakulturellen Kontext schon vielfach bewährt hat .

Bei der interkulturellen Mediation ist das Aufgreifen und Berücksichtigen der Verschiedenheit von nonverbalen Kommunikationen bedeutsam . Nonverbale Kommunikation, die oft auch als nonverbales Verhalten oder Körpersprache bezeichnet wird, ist eine Form der Informationsvermittlung, die mithilfe von Mimik, Gestik, Berührungen, Körperbewegungen, Haltung, Körperinszenierung (Kleidung, Schmuck, Frisur, Tätowierungen und so weiter) und sogar mithilfe von Tonfall, Klangfarbe und Lautstärke der Stimme umgesetzt wird. Nonverbale Verhaltensweisen machen etwa 60 bis 65 Prozent der gesamten zwischenmenschlichen Kommunikation aus. Nonverbale Kommunikation kann die wahren Gedanken, Gefühle und Absichten einer Person offenbaren. Aus diesem Grund werden nichtsprachliche Verhaltensweisen manchmal auch als Tells bezeichnet: Diese sagen etwas über die wahre Gemütsverfassung eines Menschen aus). Weil man sich normalerweise der Tatsache nicht bewusst ist, dass man auch mit nonverbalen Mitteln kommuniziert, ist Körpersprache in der Regel authentischer als verbale Äußerungen, die der Sprecher bewusst formuliert, um bestimmte Ziele zu erreichen .

Handlungsfelder der interkulturellen Mediation

Eine Besonderheit der interkulturellen Mediation ist das Aufeinandertreffen von verschiedenen Wertesystemen.
Im Rahmen der Mediation sind folgende Erfordernisse und Eigenheiten des Vorgehens zu beachten:
1. Die Differenzen achtenden Dialog zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Kulturen.
2. Bei unterschiedlichen Kulturen sind nicht nur Nationen oder Religionen gemeint, aber auch Kulturunterschiede zwischen Sportvereinen, Arbeitenden, Unternehmern.
3. Das Einbringen bildsprachlicher Elemente, um auch den häufigen Verständigungs-Schwierigkeiten durch die Laut- und Schriftsprache bei Menschen unterschiedlicher Interessenslagen zu begegnen.
4. Mehr Beispiele, die konkret aufzeigen, wie Missdeutungen zu handfesten Konflikten führen können.

Existierende Modelle interkultureller Mediation

In Ausbildungskontext wird ein vollständiger Kanon gelehrt, zu dem die interkulturelle Kommunikation nicht gehört. In der Ausbildung geht es darum Interventionen zu trainieren, die auf eine bestimmte Wirkung zielen und erwartbares Verhalten zur Folge haben .
In der Mediations-Literatur und in Erfahrungsberichten zur Mediation wird das Modell Co-Mediation, insbesondere in Beiträgen zur Familien- bzw. Trennungs- und Scheidungsmediation berichtet. Dabei werden immer folgende Vorteile einer Zusammenarbeit zweier Mediatoren angeführt :
• kollegiale Austausch
• Entlastung von schwierigen Mediationen
• Methodenvielfalt; u.a. die Möglichkeit Methoden einzusetzen, die 2 Personen benötigen (z.B. das Reflecting Team)
• Modellwirkung einer gelingenden Kommunikation für die Konfliktparteien
• Erleichterung der Allparteilichkeit
• Größeres Identifikationsangebot auf der Seite der Medianten (Geschlechterbalance, wenn ein Mediator und eine Mediatorin gemeinsam die Mediation durchführen).

Das Modell Co-Mediation wird von Seiten der Praktiker für die interkulturelle Konfliktbearbeitung als Vorteilhaft angesehen. Mit Blick auf interkulturellen Kontext, fußt das Modell der Co-Mediation auf der Zusammenarbeit zweier Mediatoren aus unterschiedlichen Ländern, die gemeinsam eine Mediation durchführen. Allerdings gibt es weder empirische noch theoretische Untersuchung für die Bestätigung als geeignetste Lösung16.

Eine binationale Co-Mediatorenteam steht vor verschiedenen, wichtigen Fragen, die die interkulturelle Zusammenarbeit auf professioneller Ebene betreffen:
• Das Verständnis der Mediation?
• Das Vorgehen im Rahmen der Mediation?
• Die Bedeutung der interkulturellen Situation?
• Das Wissen über die beteiligten Kulturen?
• Die Erfahrungen verbunden mit dem eigenen und fremden Land?

„Das erste und gemeinsame Ziel der Moderatoren im Rahmen einer binationalen Co-Mediation sollte sein, ein gutes Vorbild an Kooperation für das zerstrittene Paar zu bilden“ .
„Interkulturelle Interaktion kann durch die Mediatoren modellhaft vorgelebt werden, in dem sie bewusst als Co-Mediatoren aus verschiedenen Kulturen zusammenarbeiten und Aspekte, welche sich daraus ergeben, angemessen transparent und wahrnehmbar machen" .

Zusammenfassung

Folgende Fragen wurden Eingangs als Motivation zur Reflektion aufgeführt:

Ist Religion, im speziellen ISLAM, und die Philosophie der praktizierenden Mediation
Es wird postuliert, dass Religion und Mediation in letzter Konsequenz eben nicht kompatibel sind, weil es zum Kern der institutionalisierten Religion gehört, zu glauben statt zu fragen und bestimmte Fragen zu verbieten.
Konflikte mit einer religiösen Dimension erscheinen aufgrund der nicht verhandelbaren Natur religiöser Identitäten und Themen als besonders schwer bis nicht lösbar. Mediationsprozesse könnten jedoch in solchen Konfliktkonstellationen Verhandlungen erleichtern. Dabei wird vorausgesetzt, dass es spezifische Faktoren berücksichtigt werden: Lösungsvorschläge sollten praxisorientiert und mit den Welt- und Wertvorstellungen der verschiedenen Seiten kompatibel sein. Zudem sollten Mediatoren auf eine Bewertung der religiösen Weltanschauungen verzichten. Eine einvernehmlich vereinbarte friedliche Koexistenz zwischen Islam und Mediation erscheint nicht möglich zu sein. Die Frage, Ob eine Transformation der Grundsätze von integrierten Mediation in einen Kulturkreis mit islamischer Prägung (Internationale Mediation und Islam) konnte nicht abschließend beantwortet werden und müsste näher untersucht und erprobt werden.

Transformation der Grundsätze der integrierten Mediation in einen Kulturkreis mit islamischer Prägung (Internationale Mediation und Islam in IRAN).
Kann Mediation in asymmetrischen Beziehungen gelingen?
Die Möglichkeit gewaltfreie Ansätze zur Bearbeitung von lokalen Konflikten in IRAN sehe ich nicht als gegeben. Die Gründe liegen in Machsystem des Landes auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene.
Die traditionale hierarchische Kultur im Staat, dem zentrale demokratische Grundlagen fehlen (Korruption, inkompetente staatliche Organe, fehlende Justiz, fehlende Sicherheit, Einfluss der Religiöse Institutionen, etc.) in Verbindung mit sehr dominanten Strukturen der Religion stehen im Widerspruch zu den Prinzipien der Autonomie und Partizipation, wie sie der Mediation zugrunde liegen.

Mediation im interkulturellen Kontext und besondere Merkmale
Die Mediation (binationale Co-Mediatorenteam) bietet die Möglichkeit, konfliktbehaftete Beziehungen in intrakulturellen sowie in interkulturellen Kontexten zu verbessern. Unterschiedliche Sichtweisen, Kommunikations- und Handlungsgewohnheiten im interkulturellen Kontext können Konfliktsubstanz darstellen.
Die Universalität Mediationsprinzipien und Techniken ist allerdings zu hinterfragen, denn es bedarf u. U. einer Anpassung an den jeweiligen kulturellen Kontext.

Im Rahmen der Mediation sind folgende Erfordernisse und Eigenheiten des Vorgehens zu beachten:

  • Die Differenzen achtenden Dialog zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Kulturen.
  • Bei unterschiedlichen Kulturen sind nicht nur Nationen oder Religionen gemeint, aber auch Kulturunterschiede zwischen Sportvereinen, Arbeitenden, Unternehmern.
  • Das Einbringen bildsprachlicher Elemente, um auch den häufigen Verständigungs-Schwierigkeiten durch die Laut- und Schriftsprache bei Menschen unterschiedlicher Interessenslagen zu begegnen.
  • Mehr Beispiele, die konkret aufzeigen, wie Missdeutungen zu handfesten Konflikten führen können.