Die Mediation bedingt eine eigene Fachsprache. Möglicherweise entwickelt sie sich sogar irgendwann einmal zu einer disziplinenvereinigenden, transdisziplinären Sprache weiter. Aktuell lässt sich die Sprache der Mediation auf Termini verschiedener Disziplinen ein. Sie übernimmt die Fachausdrücke anderer Disziplinen, verwendet sie jedoch im Kontext der eigenen Disziplin1 . Bedeutungsinhalte und Anwendungen werden verkannt. Es kommt zu Übersetzungsverlusten, die den Aussagegehalt und die Semantik der Sprache verändern. Nicht immer ist es dem Mediator geläufig, wie unterschiedlich die Begriffe gedeutet werden.

Weiß der Mediator was er den Parteien oder den anwesenden Anwälten vermittelt, wenn er erklärt, dass es in der Mediation maßgeblich auf die Interessen ankommt? Weiß der Jurist was der Psychologe versteht, wenn vom Verfahren die Rede ist?


Eine sprachliche Eindeutigkeit würde sicherlich dazu beitragen, Missverständnisse zu vermeiden. Sie würde helfen, die Mediation besser von anderen Verfahren und Vorgängen abzugrenzen und dazu beitragen, die Komplexität der Mediation zu bewältigen.

 Merke:

Eine einheitliche und übereinstimmend verstandene Terminologie ist der Garant für ein solides Fundament der Mediation! 2

Begriffliche Irritationen

In der Mediation sind viele Begriffe nicht nur doppelt besetzt, sondern auch mit unterschiedlichen Bedeutungszuschreibungen (Konnotationen) ausgestattet. Hierzu einige Beispiele:

Die Mediation

Schon der Begriff Mediation irritiert. Er ist mehrdeutig. Das Gesetz unterscheidet zwischen der Mediation als Verfahren und Methode, definiert die Mediation allerdings als ein Verfahren. Wenn der Gesetzgeber im §2 Mediationsgesetz vom Mediationsverfahren spricht, ignoriert er seine eigene Definition, sodass unklar ist wovon die Rede ist, wenn wir von der Mediation sprechen. Der Mediationsradius jedenfalls geht über die Mediation iSd Mediationsgesetzes hinaus.

In Presse und Politik wird der Begriff eher im Verständnis einer unspezifischen, friedlichen Konfliktbeilegung verwendet3 , die sich über das recht hinwegsetzen kann4 .

Schließlich wird die Mediation auch als eine "eigenverantwortliche Haltung" beschrieben, die der Konsument "als professionelle Dienstleistung ... wie selbstverständlich in Anspruch" nehmen soll5 . Diesem Ansinnen dürften bereits logische Hürden im Wege stehen, weil sich eine eigenverantwortliche Haltung schlecht als Dienstleistung nachfragen lässt, ganz abgesehen davon, dass eine solche Dienstleistung unattraktiv erscheint.

Der Mediator

Auch der Begriff Mediator hat ganz unterschiedliche Konnotationen. Nach §1 Abs. 2 Mediationsgesetz beschreibt der eine Person, die eine bestimmte Funktion im Verfahren wahrnimmt. Daneben wird der Mediator aber auch als Berufsbezeichnung verwendet, obwohl das berufliche Angebot eher einem Schlichter entsprechend über die bloße Anwendung einer Mediation hinausgeht. Dann wird der Begriff im Sinne eines Streitvermittlers verstanden.

Das Interesse

Der Begriff Interesse spielt in der Mediation eine wichtige Rolle. Auch er kann ganz unterschiedliche Konnotationen haben. Anwälte verstehen den Begriff gerne als das zu verfolgende Ziel, weshalb sie sich als Interessenvertreter begreifen. Mit dieser Konnotation entsprechen sie allerdings dem was in der Mediation die Position ist. Für die Mediation zutreffender ist es, wenn das Interesse als der zu erwartende Nutzen umschrieben wird. Der zu erwartende Nutzen ergibt sich aus dem Motiv.

Die Führung

Das Mediationsgesetz erwähnt in §1 Abs. 2 Mediationsgesetz, dass der Mediator die Parteien durch das Verfahren führt. Die Formulierung könnte mit der Rolle des Mediators kollidieren. Die Originalübersetzung der EU Direktive passt besser zu seiner Rolle. Dort ist davon die Rede, dass der Mediator eine Mediation auf wirksame, unparteiische und sachkundige Weise durchführt.

Die Streitvermittlung

Mediation ist eine Streitvermittlung, die sich von der Schlichtung abgrenzt, die ebenfalls eine Form der Streitvermittlung ist. Allerdings benennt der Gesetzgeber den Schlichter einer Verbraucherschlichtungsstelle Streitmittler.

Der Konflikt

Mit der Absicht einer sprachlichen Anpassung hat der Gesetzgeber alle Verfahren der Streitbeilegung als Konfliktbeilegungsverfahren bezeichnet. Damit verwischt der Unterschied zwischen Streit und Konflikt, sodass auch Streitigkeiten ohne emotionale Beteiligung als Konflikt erfasst und der Mediation zugeschrieben werden.

Die Sache

Eine Sache im juristischen Verständnis wird durch den Streitgegenstand definiert. Im faktenorientierten juristischen Verfahren erlaubte Streitgegenstand eine eindeutige Abgrenzung. Die Mediation ist hingegen ein emotionsorientiertes Verfahren (oder kann es zumindest sein), dass weniger den Streit als den dem Streit zugrunde liegenden Konflikt bearbeitet. Ihr Fokus ist umfassender und geht oft weiter als der Streit. Deshalb kommt es zu Abgrenzungsproblemen, wenn der Mediationsgegenstand mit dem Streitgegenstand gleichgesetzt wird.

Fachtermini

Welches sind die Fachbegriffe der Mediation?

Nehmen wir als Beispiel den Begriff des aktiven Zuhörens. Carl Rogers hat das aktive Zuhören erstmals als Werkzeug für die Gesprächspsychotherapie beschrieben. Gemeint ist die gefühlsbetonte (affektive) Reaktion eines Gesprächspartners auf die Botschaft eines Sprechers. Mit anderen Worten: das aktive Zuhören macht das Zuhören spürbar. der Begriff ist von verschiedenen Disziplinen adoptiert worden. Er wird inflationär verwendet. Manche sprechen von dem aktiven Zuhören ersten, zweiten und dritten Grades, wenn sie die Einbeziehung der Techniken des Paraphrasierens und des Verbalisierens umschreiben wollen. Warum verwendet man in der Mediation nicht den Begriff des Loopens? Das Loopen beschreibt die Technik der für die Mediation geforderten Rückmeldung umfassender und präziser.

Ein anderes Beispiel ist der Begriff des Streitvermittlers. Weil die Mediation ein Verfahren der Streitvermittlung ist, könnte man meinen, der Mediator sei ein Streitvermittler. Unglücklicherweise beschreibt das VSBG den Sachbearbeiter auf der Streit Schlichtungsstelle ebenfalls als Streitmittler. Damit wird der Begriff des Streit mittleres zu einem Fachbegriff der leicht mit dem des Streitvermittlers verwechselt werden kann.

Fachtermini der Mediation 

Maßnahmen zur Bereinigung

Eine klare Sprache ist eine gute Voraussetzung wenn es darum geht, das Fundament der Mediation zu errichten. Ungenauigkeiten führen zu vermeidbaren Abgrenzungsschwierigkeiten und Missverständnissen. um dies zu verhindern mögen sich die Mediatoren auf eine sprachliche Klarheit und Präzision einlassen.

Was ist zu tun?

  • Zunächst sollten die Fachbegriffe als solche erkannt und erfasst werden.
    Wiki to Yes gibt hierfür eine ideale Plattform, in dem es ein Fachwörterbuch zur Verfügung stellt, wo jedermann Fachbegriffe hinzufügen, ergänzen oder korrigieren kann.
  • Die Fachbegriffe sollten einzigartig (eindeutig) sein
    Begriffliche Doppelverwendungen sollten vermieden werden oder sich zumindest so unterscheiden, dass es keine Verwechslungsgefahren gibt. Auch wenn es darum geht ähnliche Begriffe herauszufiltern, ist das Fachwörterbuch bei Wiki to Yes eine sinnvolle Hilfe.
  • Demzufolge sollten die verschiedenen Arten und Vorkommnisse der Mediation systematisch unterteilt und Fachbegriffen zugewiesen werden, damit man weiß wovon die Rede ist, wenn von Mediation gesprochen wird. Es wird empfohlen, die Vorgaben und Zusammenführungen von Wiki to Yes zu verwenden und das dort vorgehaltene Fachwörterbuch zu ergänzen.
  • Die Definitionen der Fachbegriffe sollten abgestimmt sein
    Besonders wichtig ist es auch die Bedeutung, die mit dem Begriff verknüpft wird, abzustimmen. um dies zu erreichen sind bei Wiki to Yes alle Fachbegriffe mit einschlägigen Verlinkungen versehen.

Der erste Schritt für eine Klärung der Fachtermini besteht darin, die Fachbegriffe überhaupt erst zu erfassen. Die Watchlist enthält Hinweise, wo und welche Begriffe (neu) zu definieren sind. Die Fachbegriffe selbst finden Sie im Fachwörterbuch.