Wiki to Yes versteht sich als ein Metaportal, bei dem alle Informationen unabhängig von ihrer Herkunft oder Zugehörigkeit zusammengetragen werden. Die Zusammenführung und Vernetzung von Informationen, die nicht an Zielgruppen, Träger oder spezifische Sichten über die Mediation gebunden ist, zeichnet ein Bild, das wie eine Resonanz auf die bisherigen Bemühungen zur Implementierung der Mediation wirkt und Prognosen erlaubt.




Nr. 1
Der erste Wiki to Yes Mediationsreport


Ihnen liegt der erste Wiki to Yes Mediationsreport vor

Obwohl der ThinkTank von Wiki to Yes seit mehr als zwei Jahren bedient wird und obwohl das Mediationswiki inzwischen wohl die größte und umfassendste, frei zugängliche Datenbank über Mediation darstellt, wäre es vermessen, die hier zusammengefassten Erhebungen als repräsentativ zu bezeichnen. Trotzdem gewährt der Bericht interessante Einblicke. Er hilft, Eindrücke über den Umgang mit Mediation zu gewinnen und Trends erkennbar zu machen. Ihnen kommen die Philosophie des Portals und die zur Verfügung gestellte Wiki-und Kommunikationstechnik entgegen. Der konzeptionelle Hintergrund und der Anlass für die Erstellung des Wiki to Yes Mediationsreports wird in dem Beitrag Mediationsreport-Konzept erläutert1

Die Zielsetzung des Portals besteht darin, alle Informationen über Mediation im gesamten Mediationsradius zusammenzutragen und miteinander zu vernetzen2 . Die Informationen stehen also nicht mehr solitär und unidirektional in einem Raum. Sie werden zum Diskurs angeboten, miteinander vernetzt und einander gegenübergestellt.

Die multidirektionale Informationsverarbeitung erlaubt es den Besuchern des Portals, die Informationen zu ergänzen, zu erweitern, zu kommentieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Auch der Mediationsreport selbst kann diskutiert werden. Sie können den Onlinebeitrag kommentieren oder Diskussionsbeiträge im Forum Wiki to Yes Reports3 einbringen. Mithin erweitert sich die Informationsqualität mit der Bereitstellung des Wikis im Laufe der Zeit und abhängig vom Benutzerinteresse wie von selbst.

Die diesem Bericht zugrunde liegende Datenerhebung erfolgte noch hauptsächlich durch den Herausgeber und der Wiki to Yes Redaktion. Der Grund dafür liegt in der noch fehlenden Bekanntmachung. Zwar ist Wiki to Yes schon jetzt öffentlich zugänglich. Eine offizielle Einführung hat indes noch nicht stattgefunden. Auch haben sich in der zweieinhalbjährigen Erstellungsphase Veränderungen ergeben, die zwar zu einer optimierten Nutzung aber auch zu Datenverlusten geführt haben. So gingen beispielsweise in Folge einer Datenbankumstellung annähernd 800 Nachrichteneinträge verloren. Der Eindruck aus den Erhebungen ist jedoch geblieben.

Eine der herausragendsten Merkmale des Wikis ist der Umgang mit der Komplexität. Sie wird mit einer durchgängigen, über Jahre gewachsenen Struktur bewältigt. Sie spiegelt sich in den Mediationsreports, indem sie sich nicht nur auf einzelne, sondern auf alle Parameter erstrecken, die für eine Trendanalyse erforderlich sind und in die Tiefen des Portals verweist. Die Mediationsreports werden mit der Wiki-Technik erstellt. Sie können als PDF im A4-Format eingesehen, heruntergeladen, ausgedruckt und verbreitet werden. Die Optionen dafür finden Sie im Onlinereport4

Natürlich bedient sich die Zusammenfassung in den Wiki to Yes Mediationsreports zwangsläufig einer Selektion, indem Schwerpunkte gesetzt werden. Allerdings hat der Leser die Möglichkeit, sich selbst über die Quellen und die Verwertung der Daten zu informieren. Die ReportingConference erlaubt eine aktive Mitwirkung sowohl bei der Erhebung wie bei der Auswertung der gesammelten Daten.

Die Auswertung im ersten Mediationsreport 2019 kommt zu folgendem Ergebnis:

Zusammenfassung: Das Bild, wie die Mediation in der Öffentlichkeit und der Fachwelt vorgestelt wird, ist diffus. Bei den Bemühungen zur Implementierung der Mediation wird nach Lösungen und Erklärungen gesucht, die sich nicht auf ein abgestimmtes, gemeinsames Ziel beziehen lassen. Die Andersartigkeit der Mediation wird verkannt. Das Rad wird immer wieder neu erfunden, was ebenfalls zur Verwirrung beiträgt. Auch die Gesetzgebung und die Rechtsprechung tragen dazu bei, dass die Mediation mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird. Wie in der Mediation wäre es angebracht, sich zunächst über den allgemeinen Nutzen zu verständigen, den die Mediation in der Gesellschaft, im Markt und im Interesse der jeweiligen Berufe verwirklichen kann.


Der nachfolgende Bericht mag die thesenhafte Zusammenfassung erläutern.

Barometer

Ein Barometer ist ein Prognoseinstrument. Die aus der Metasicht zusammengetragenen Daten erlauben eine Prognose, zumindest geben sie einen Eindruck wieder, der die im Mediationsreport vorgestellten Trends nachvollziehbar macht.

Der Weg bis zur Veröffentlichung eines Mediationsreports ist ein langer. Er beginnt mit der Datenerhebung, ihrer Auswertung und Qualifikation. Alle Schritte und Quellen sind für die Benutzer und Leser transparent. Sie können im Wiki to Yes Barometer verfolgt werden. Besucher können sogar an der Entwurfsfassung mitwirken5 . Um die Resonanz der Mediation zu erfassen, wurden folgende Trendindikatoren herausgearbeitet:

  1. Presseschau: Die Mediation in der öffentlichen Darstellung und Meinung
  2. Statistik: Anhaltspunkte zur Verbreitung sowie zur Einschätzung von Angebot und Nachfrage
  3. Rechtsprechung: Das Verständnis und der Einfluss der Justiz in der Mediation
  4. Politik: Verwertung der Informationen durch den Gesetzgeber und politische Aktivitäten im Bereich Mediation
  5. Forschung: Wie die Forschung mit dem Thema umgeht und wo Schwerpunkte gesetzt werden
  6. Markt: Wie der Markt und das Marktverhalten einzuschätzen ist

Die Indikatoren werden im Wiki to Yes Barometer vorgestellt und zusammengeführt. Sie korrespondieren mit den Anknüpfungspunkten der Mediation, die mit den Wiki to Yes Abteilungen Wissen, Erfahrung, Werkzeuge, Praxis und Akademie vollständig abgebildet werden.

Presseschau

Die Presseschau stellt den ersten Trendindikator vor. Sie fasst die Nachrichten zusammen und versucht daraus abzuleiten, wie die Mediation in der Öffentlichkeit gesehen und vorgestellt wird. Erfasst wurden alle Nachrichten, die auf irgendeine Art im Internet aufgespürt werden konnten. Weil Nachrichten über Feeds eingefangen werden, dürfte die Auswertung der Zeitungen und Magazine, einschließlich der Fachpublikationen nahezu vollständig sein. Der Digest6 fasst lediglich die wichtigsten, aussagekräftigen Nachrichten zusammen und speichert die dazu führenden Links dauerhaft, sodass die daraus abgeleiteten Eindrücke und Auswertungen stets nachzuprüfen sind.

Um die so gesammelten Nachrichten einer Auswertung zugänglich zu machen, wurden folgende Kategorien herausgebildet:

  1. Allgemein: Nachrichten ohne spezifische Zuordnung
  2. Aufgeschnappt: Keine direkte Verwertbarkeit für die Mediation aber trotzdem berichtenswert
  3. Hinweis: Viele Presseartikel sind lediglich Hinweise auf die Mediation und haben nicht immer einen Nachrichtenwert. Die Häufigkeit der Hinweise und die Art und Weise ihrer Gestaltung geben jedoch Hinweise auf das Presseinteresse, das Wissen der Autoren und Journalisten und deren Einschätzung des Leserverhaltens.
  4. Fallinformation: Erstaunlicherweise informieren recht viele Artikel über Fälle, die entweder in einer Mediation bearbeitet werden, für die ein Mediationswunsch geäußert wird und die über den Verlauf und das Scheitern berichten. Auch hier zeigt die Art der Berichterstattung, welchen Stellenwert der Mediation zugewiesen wird und wie mit ihr umgegangen wird.
  5. Fachinformation: Der Nachrichtenüberblick erfasst auch eine Reihe von fachlich geprägten Informationen über Mediation oder von Informationen, die der Mediator fachlich verwerten kann. Sie wurden in erster Linie erfasst, um Mediatoren über Erkenntnisse zu informieren, die bei der Abwicklung von Mediationen hilfreich sein können.
  6. Meinung: Veröffentlichte Meinungen zu Themen mit Bezug auf Mediation
  7. Meldung: Nachrichten über Mediation oder Ereignisse mit Bezug auf Mediation, für die sich nicht nur Mediatoren interessieren dürften.
  8. Politik: Meldungen und Hinweise mit politischem Bezug und einem Bezug zur Mediation
  9. Werbung: Viele Pressemitteilungen dienen in erster Linie dazu, eigene Produkte und Angebote vorzustellen, die irgendwie mit der Mediation im Zusammenhang stehen. Weil diese Artikel trotz des geringen Informationsgehaltes den Löwenanteil ausmachen, wurde darauf verzichtet, sie in die Datenbank zu übernehmen. Beiträge in dieser Kategorie tragen also nicht zu einer statistischen Relation bei. Sie sollen lediglich exemplarisch verstanden. Literaturhinweise und Hinweise auf Veranstaltungen werden im Literatur- oder im Terminsverzeichnis erfasst.

Bei der Auswertung der Presseartikel fällt auf, dass der Begriff Mediation oft als Synonym für Vermittlung oder Einvernehmen schlechthin gewählt und nicht fachlich verstanden wird. Unglücklicherweise wird dabei auch auf Zitate von Prominenten zurückgegriffen. Beispiele werden in der Artikeln Dialog ja aber kein Vermittler und Anstoss für die Mediation aufgegriffen7 . Solche Beiträge tragen zur Ungenauigkeit und zum Missverständnis der Mediation bei.

Daneben gibt es viele Pressemitteilungen, die zwar die Mediation vorstellen, letztlich aber auf Anbieter und Angebote hinweisen wollen8 . Auch in diesen Fällen wird der Begriff eher unspezifisch verwendet. Wegen des geringen Informationsgehaltes werden solche Artikel je nach Schwerpunkt, unter der Kategorie Hinweis oder Werbung erfasst. Mitunter wird das positive Bild und das Interesse an der Mediation auch genutzt, um auf ein Gegenangebot hinzuweisen9 . Dieses Verhalten mag ein Indiz für die Verbreitung der Mediation verstanden werden. Sie belegen zumindest, dass der Mediation eine Aufmerksamkeit in der Bevölkerung unterstellt wird.

Mediatoren werden sich erinnern, dass es noch vor nicht allzulanger Zeit gar nicht so einfach war, der Presse einen Beitrag über Mediation zur Veröffentlichung anzubieten. Das hat sich inzwischen völlig geändert. Fast täglich erscheint bundesweit irgenwo ein Beitrag über Mediation. Die Präsenz im Web ist noch wesentlich größer.

Mehr zum Schmunzeln dient der Hinweis, dass der Begrifff Mediation inzwischen wohl auch in den Korrekturprogrammen angekommen zu sein scheint. Oft wird die Mediation sogar in Schlagzeilen erwähnt, wenn eigentlich eine Meditation gemeint ist. Jedenfalls sammeln die Feeds mehr und mehr Nachrichten zum Schlüsselwort Mediation, wo eine Meditation gemeint war.

Wenn auch die werblichen Informationen weit im Vordergrund stehen, sind häufig auch Nachrichten zu finden, die über Fälle informieren. Die Informationen betreffen sowohl gewünschte, wie gelungene und gescheiterte Mediationen. Auch finden sich Kommentare zu laufenden Mediationen darunter. Manchmal drängt sich der Verdacht auf, dass die Presse trotz der Vertraulichkeit von den Parteien benutzt wird, um nachzutreten oder den Gegner anzuschwärzen. Es gibt aber auch positive Beispiele10 , wo die Vertraulichkeit gewahrt bleibt.

Herrmann befasst sich im Beitrag zum Jahrbuch Mediation ausführlich mit der Darstellung der Mediation in der Öffentlichkeit. Er bezieht jedoch keine Pressemitteilungen in seine Untersuchung ein. Stattdessen konzentriert er sich auf Kino-, Film-, Fernsehbeiträge und die Darstellung in den Printmedien. Seine Untersuchung inkludiert auch Veröffentlichungen in den USA. Im Ergebnis hält er fest, dass die Medienpräsenz der Mediation zwar spärlich aber vorhanden sei. Die Darstellung der Mediation sei jedoch u.a. im Interesse der Einschaltquoten teilweise verfälscht, übertrieben oder sogar skandalisiert11 .

Sie können die Nachrichten selbst auswerten, indem Sie die Beiträge im Nachrichtenüberblick nach zuvor vorgestellten Kategorien herausfiltern.Bitte beachten Sie dabei, dass die Datenbank im Januar 2019 neu angelegt werden musste und bisher nur wenig Nachrichtenverweise erfasst. Die Relation dürfte sich aber dennoch erschließen.

Zusammenfassung: Die Präsenz der Mediation in der Presse und in Presseveröffentlichungen ist recht groß. Es gibt fast täglich mindestens eine neue Presseveröffentlichung zum Thema. Inhaltlich wird die Mediation oft falsch, im besten Fall wenig aussagekräftig und verkürzt dargestellt. Im Gegensatz zu früher ist die Presse aber ohne Weiteres bereit, Beiträge über Mediation zu veröffentlichen.

Statistik

Auch die Trendanalysen im Statistikbereich beruhen auf der Auswertung der in Wiki to Yes gesammelten Daten. Auf den Punkt gebracht könnte das statistische Verhältnis betreffend die Mediation im Jahre 2017 auf zwei Werte reduziert werden. 73% der Bevölkerung kennen die Mediation, aber nur 1% der Betroffenen (Streitparteien) fragt sie nach12 .

Laut dem ADR Report 201313 gaben 43% der befragten Unternehmen an, dass in ihrem Unternehmen von Verfahren der alternativen Streitbeilegung nie Gebrauch gemacht wurde. 19% meinten, dass dies nur selten der Fall sei. Nur 4% gaben zu, dass sie derartige Verfahren häufig einsetzten14 . 3% erklärten, dass ihnen die außergerichtliche und 37% gaben zu, dass ihnen die gerichtliche Mediation bekannt sei.

Die Umfrage der PWC-Studie15 , die über den Zeitraum von 2005 bis 2015 geführt wurde, belegt, dass auf Verfahren der Schlichtung und Mediation zwar deutlich häufiger, aber immernoch tendenziell eher zurückhaltend zugrgriffen wird. Das meist genutzte Verfahren zur Konfliktbeilegung in Unternehmen sei die Verhandlung16 .

Die Studie Streitkulturindex für Unternehmen und Organisationen in Deutschland17 kommt später, im Jahre 2018 zu ganz anderen Ergebnissen. Hier haben bereits ein Drittel der Unternehmen einen Mediator beauftragt. 44% nutzen Verhandlungen zur Konfliktbeilegung. 28% haben in eine Schlichtung eingewilligt. Lediglich 37% der Unternehmen haben noch keine Erfahrungen mit diesen und ähnlichen Verfahren gesammelt18 .

Es gibt Forschungen und Evaluierungen, die nicht oder wenig bekannt sind, aber dennoch einen guten Aufschluss über den Zustand der Mediation geben. Wiki to Yes versucht alle Forschungen zusammenzutragen. Sie werden im Kapitel Forschungsbeiträge aufgelistet. In dieser Zusammenstellung fällt der Beitrag Rebooting Mediation19 auf. Dabei handelt es sich um eine EU-weite Evaluierung aus dem Jahre 2014. Auffällig ist die Übereinstimmung mit den Erhebungen der Evaluierung des Mediationsgesetzes. Beide Forschungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Verbreitung der Mediation nur im 1%-Bereich liegt. Die im Mediationsgesetz vorgeschriebene Evaluierung wird bei Wiki to Yes aufwändig kommentiert und im Beitrag Das Signal zum Umdenken besprochen, sodass darauf verwiesen wird20 .

Die Evaluierung des Mediationsgesetzes ermittelte eine unveränderte Zahl nachgefragter Mediationen. Sie stellt diese aber nicht in Relation zu der Zahl der Angebote, die mit der stark zunehmenden Zahl an zusätzlich ausgebildeten Mediatoren angestiegen sein dürfte. Auch die Zahl der Gerichtsverfahren ist mit Aussagen zur jeweiligen Konjunktur und zur Veränderung der Bevölkerungszahl zu relativieren. Beides sind Faktoren, die auf die Nachfrage nach Gerichtsverfahren einwirken. Wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Mediatoren und mithin das Angebot gestiegen ist, wäre die Konstanz der Nachfrage reklatriv zum Angebot ein Rückgang.

Über die Zahl der Mediatoren und das Angebot gibt es nur Schätzungen. Die letzte bekannt gewordene, offiziele Schätzung wurde vom statistischen Bundesamt vorgenommen und im Entwurf zur ZMediatAusbV erwähnt21 . Dort wird von 7.500 Mediatoren mit einem jährlichen Zuwachs von 1.000 Mediatoren ausgegangen. Allein wenn man die Zahl der Ausbildungsinstitute der im Jahre 2012 durchgeführten Untersuchung der Stiftung Warentest22 ausgeht, gab es damals 298 Ausbildungsinstitute. Geht man davon aus, dass die Institute über 10 Jahre nur 10 Mediatoren pro Kurs ausgebildet haben, ergibt sich bereits eine Zahl von 29.800. Tatsächlich dürfte die Zahl noch wesentlich höher sein23 . Rechnet man diesen Wert bis heute hoch, ist von einem Bestand in Höhe von mindestens 44.700 Mediatoren auszugehen. Die ausgebildeten Mediatoren sind allerdings von den praktizierenden Mediatoren zu unterscheiden.

Es mag unterstellt werden, dass die Zahl der Ausbildungen nach dem Mediationegsetz gestiegen ist. Das ist eine beachtliche Größe, wenn davon ausgegangen wird, dass die Auszubildenden keine unrealistischen Vorsctellungen über eine mögliche professionelle Verwendung der Mediation haben. Mithin ist anzunehmen, dass das Intersse an der Ausbildung nicht zwingend darauf ausgerichtet ist, als Mediatoir tätig zu werden. Was wenn die Unternehmen ihgre Mitarebiter in die Ausbildung schicken um Konflikte zu vermeiden? Dann würde sich die Idee der Mediation und sicher auch ihre Anwendung verbreiten nicht aber die Nachfrage., Sie könnte sogar zurückgehen, wenn die Konfliktlotsen erfolgreich arbeiten. Für diese Annahme wurde kein statistischer Beleg gefunden.

Die Statistik interessiert sich auch für die Erfolgsquoten, ohne dass die Kriterien für den Erfolg definiert sind. Die Evaluierung von Neuert setzt sich beispielesweise ausführlich damit auseinander, wie sich die Zuffriedenheit als ein messbarer, mediativer Erfolg statistisch zu erheben ist. Viele Evaluierungen unterstellen, dass sich der Erfolg in der Abschlussvereinbarung realisiert. Gehen sie tiefer, wie etwa die Evaluierung wird deutlich, dass die Abschlussvereinbarung nicht mit der Konfliktauflösung einher geht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Abschlussquote zwar bei 76% liege. Der Erfolg habe sich aber in weniger als 50% der Fälle hergestellt24 . Vor der Evaluierung wurde die Abschlussquote in ähnlicher Höhe angegeben. Allerdings wurde die Quote als Erfolg der Mediation gegenüber dem Gerichtsverfahren gewertet. Dort ist die Anschlussquote statistisch 100% (jedes Verfahren komnt zu einem Ergebnis). Wenn der Erfolg im Obsiegen gemessen wird, kann er jedoch nur bei 50% liegen. Wenn der Erfolg in der Konfliktbeilegung gesehen wird, liegen keine Zahlen für die Gerichte vor. Wenn bei der Mediation die Erfolgsquote hinter der Abschlussquote zurückliegt, spricht dies dafür, dass die Mediation nur eine Vergleichqualität besitzt. Dieser Eindruck entspricht der von Moti beschriebenen Entwicklung25 . Wenn die in der Evaluiewrung festgestellte Abweichung zwischen Abschlussvereinbarung und Konfliktauflösung aber dem Mediationsauftrag entspricht, war sie dennoch erfolgreich. Dieses Detail wurde nicht abgefragt. Es ergibt sich aus der Konfliktanalyse. Das Erfolgskriterium ergibt sich aus der Mediation selbst.

Deshalb sind viele Statistiken sind lediglich Zählwerke, deren Fragen nicht präzise genug sind, um valide und belastbare Schlussfolgerungen zu erlauben. Die Frage beispielsweise, ob eine Mediation in einer Abschlussvereinbarung geendet hat, erlaubt nicht zwingend eine Aussage über deren Erfolg oder gar die Zufriedenheit der Konsumenten26 . Die Frage nach dem Interesse der Konsumenten erlaubt keine Rückschlüsse auf deren Bedarf.

Der Erfolg der Mediation wird stets an der Nachfrage von Mediationen iSd Mediationsgesetzes festgemacht. Abgesehen davon, dass sich nach der Evaluierung viele Verfahren gar nicht als reine Mediation gestaltet wurden, hat die Forschung erwiesen, dass ein Unternehmer die Mediation oder andere Formen der Konfliktvermeidung durchaus als eine Ressoruce nutzen kann, um sogenannte Konfliktkosten zu vermeiden. Sein Interesse an der Mediation bemisst sich deshalb nicht nur am Umsatz, den die Mediation einbringt, sondern an den Konflikten, die erst gar nicht auftreten. Würde es als ein Erfolg der Mediation zu verbuchen sein, wenn er seine Führungskräfte in Mediation schulen lässt, die dadurch schon in der Lage sind, die Kommunikation im Unternehmen so zu verbessern, dass erst gar keine Konflikte aufkommen? Die Statistik würde solche Fälle nicht erfassen und die Mediation als gescheitert sehen. Würde die Mediation gefragt werden, würde sie sich ale erfolgreich bezeichnen.

Um die statistische Relation zu vervollständigen lohnt soich auch ein Blick in den Streitatlas27 Dort wird ausgeführt, dass seit 2012, also dem Inkraftreten des Mediationsgesetzes, die Streitlust der Deutschen von 20,9 Streitfällen pro hundert Einwohnern auf 22,3 im Jahre 2014 gestiegen ist. Als Grund wird die zunehmende Informiertheit der Bürger über ihre Rechte angegeben. Sicherlich spielt auch eine Rolle, dass der Gang vor Gericht nicht mehr als Schande angesehen wird und die Unfähigkeit, sich zu einigen, kein Makel ist, wohl aber die mangelnde Durchsetzungsfähigkeit, die mit einem Versagen gleichgesetzt wird. Auffällig ist auch, dass die Streitlust in den Regionen mit hoher Einwohnerdichte befeuert wird. Interessant wäre es, das Streitverhalten mit dem Kommunikationsverhalten zu vergleichen.

Weitere Hinweise auf Statistiken, die für die Mediation relevant sein könnten, sind im Beitrag Statistik zusammengestellt28

Zusammenfassung: Die Statistiken belegen auf der einen Seite eine gesteigerte Nachfrage und gestiegenes Interesse, auf der anderen Seite belegen sie eine Stagnation wenn nicht sogar einen Rückgang. Sie erfassen die Nachfrage nach Verfahren im Sinne des Mediationsgesetzes, nicht wirklich die Verbreitung der Mediation als Kompetenz und Fähigkeit im Umgang miteinander oder als methodische Anwendung. Viele bei den Statistiken vorausgesetzen Fragen sind nicht hinereichend relativiert und erlauben kein aussagekräftiges Ergebnis. Die Gegenüberstellung der Statistiken erlaubt dennoch einen Eindruck und lässt den Trend erkennen, dass die Mediation nicht nur besser bekannt, sondern auch besser nachgefragt ist.

Rechtsprechung

Obwohl Wiki to Yes alle für die Mediation wichtigen Entscheidungen erfasst und bis zur legendären Entscheidung des LG Rostock 2 U 58/00 im Jahre 200129 zurückgeht, ist bei der Einschätzung eines Rechtsprechungstrends die Zäsur mit dem Inkrafttreten des Mediationsgesetzes zu beachten.

Generell fällt auf, dass viele Entscheidungen zur Mediation entweder einen Anwaltsmediator betreffen oder in einem juristischen Fallkontext stehen. Die Rechtsprechung verstärkt die juristische Sicht auf das Verfahren und entfernt sich von der Interdisziplinarität. Sie manifestiert den Eindruck, dass Anwaltsmediatoren einem anderen Berufsrecht unterliegen als Nur-Mediatoren. Dieser Eindruck wird durch zwei grundlegende Entscheidungen des BGH gestärkt:

Bei der einen wurde die Pflichtverletzung einer Mediatorin nicht über das Mediationsrecht, sondern aus dem Anwaltsrecht heraus begründet30 . Die Grenzen zwischen Mediation und Beratung sind nicht deutlich genug gezogen, weshalb heute viele Anwaltsmediatoren meinen, sie seien zur Rechtsberatung verpflichtet. Diese Rechtsprechung fördert die von Mironi beschriebene Entwicklung der Mediation, die er in Israel im letzten Stadium als den Untergang der Mediation beschrieben hat, nachdem einfache Vergleichsverhandlungen plötzlich als Mediation deklariert wurden, ohne eine Mediation zu sein25 .

Bei der anderen Entscheidung wurden Anwaltsmediatoren Nur-Mediatoren insoweit gegenüber begünstigt, weil sie Sozietäten eingehen dürfen, Nur-Mediatoren indes nicht. Mithin schreibt die Entscheidung des BGH, ohne dass darauf eingegangen wurde, ein unterschiedliches Berufsrecht fest31 .

Die Rechtsprechung zeigt auf der anderen Seite, dass sie die Mediation ernst nimmt und die Mediation als eine Form der Streitbeilegung anerkennt. Vermehrt finden sich Hinweise, dass eine abgelehnte Mediation zur Versagung von PKH und Milde führen32

Zusammenfassung: Das Recht wird zum dominanten Maßstab, der sich vom Wesen der Mediation entfernt und zur Zersplitterung der Mediation beiträgt. Die Dominanz des Rechts könnte dazu führen, dass die Mediation nur als ein anderer Begriff für Vergleichsverhandlungen etabliert wird.

Politik

Von den Zwecken, die der Begründung zum Mediationsgesetz mitgegeben waren, blieb nur die Förderung der Mediation übrig. Was genau darunter zu verstehen ist, obliegt der Deutung eines jeden Einzelnen. Manchen geht es um das Geschäft. Anderen geht es um die Verbesserung des Miteinanders. Es ist ein Grundsatz, dass nur wer ein gemeinsames Ziel verfolgt auch einen gemeinsamen Weg gehen kann. Die Einführung in einen Markt und die Verbesserung des gesellschaftlichen Miteinanders erfordern zwei unterschiedliche Wege. Die Mediation könnte beide Ziele erreichen und die Wege zusammenführen. Dazu müsste ihr Verständnis hinterfragt werden. Ohne diese Zusammenführung ist es schon ein Fortschritt, wenn das Eine nicht auf Kosten des Anderen geschieht, wofür es ebenfalls Anzeichen gibt. Dass die Mediation in ein Nullsummenspiel überführt wird, ist bei einem konkurrierenden Markt zu befürchten.

Im internationalen Vergleich wird die Entwicklung der Mediation oft an den gesetzgeberischen Maßnahmen festgemacht. Je mehr gesetzgeberische Eingriffe festgestellt werden, umso besser kümmert sich der Staat um die Mediation, scheint die Devise. Trotz der Evaluierung des Mediationsgesetzes, die zumindest keine wesentlichen gesetzgeberischen Eingriffe für erforderlich hielt, wird nach dem Gesetzgeber gerufen. Ein Beispiel ist die kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/3792)33 .

Leider hat sich die Evaluierung des Mediationsgesetzes nur auf die Vorschriften dieses Gesetzes konzentriert. Übersehen wird, dass die Anwendung der Mediation in einer rechtlichen Umgebung stattfindet. Sie sollte kompatibel sein und den Weg dorthin erleichtern. Damit wird nicht die Frage nach der verpflichtenden Mediation oder der Mediationskostenhilfe angesprochen. Beide Maßnahmen würden die Mediation nicht wirklich fördern. Zumindest bestehen ernst zu nehmende Bedenken. Erfahrungen im Ausland belegen, dass die Einführung der verpflichtenden Mediation nach Branchen, nicht nach der Falleignung unterscheidet. Wer an eine Mediationskostenhilfe denkt, müsste sie auf die forensische Mediation beschränken, damit die Mediationskostenhilfe nicht als Ersatz für nicht zu erlangende Erstattungen der Krankenkasse herangezogen werden kann. Auch muss er die Parteien daran erinnern, dass die Mediationskostenhilfe im Zweifel nur ein Darlkehen sein kann, sodass sich am Nachfrageverhalten kaum etwas ändern dürfte. Stattdessen ist zu befürchten, dass die Mediationkostenhilfe den Anlass für eine weiteren Diversifikation und Zersplitterung der Mediation beiträgt.

Die Landschaft der Konfliktbeilegungsverfahren ist mit der Einführung der ADR und dem Bedeutungswechsel eingeführter Begriffe34 noch schwerer zu durchschauen. Eine Systematik der Verfahren und eine begriffliche Konsistenz würden nicht nur dem Konsumenten helfen, das für ihn passende Verfahren herauszufinden. Die Mediation wird zwar exponiert. Ihre Einordnung in die Landschaft der Konfliktbeilegungsverfahren ist jedoch alles andere als eindeutig. Das gilt besonders dann, wenn es um die Abgrenzung zur Schlichtung oder zur Verbraucherschlichtung geht, wo ein Konfliktbeilegungsverfahren plötzlich zum Streitbeilegungsverfahren wird.

Es ist also nicht das Mediationsgesetz, das es zu evaluieren gilt, sondern das gesamte System der Konflikt- bzw. der Streitbeilegungsverfahren. Der Fokus verschiebt sich deshalb auf die Umwelt. in der die Mediation zu implementieren ist. Was die Gesetzgebung anbelangt, hat Wiki to Yes hat eine Watchlist eingeführt, um auf diejenigen Gesetze hinzuweisen, die mit der Mediation nicht wirklich kompatibel sind und die zur Förderung der Mediation angepasst werden sollten. Die Hinweise zur Gesetzgebung und dem Gesetzesänderungsbedarf werden kontextsensitiv erfasst. Die Watchlist35 stellt Gesetze heraus, die mit der Mediation nicht wirklich kompatibel sind oder im Interesse der Mediation optimiert werden könnten. Auffällig ist, dass es sich meist um Gesetze handelt, die nicht im Mediationsgesetz zu finden sind. Dazu zählt etwa die berufsrechtliche Angleichung im Rechtsdienstleistungsgesetz, die zu einem abweichende Recht für Anwaltsmediatoren führt und sie privilegiert.

Auf der Verbands- und Kammerebene haben sich bereits Zentren herausgebildet, die eigene Voraussetzungen für die Ausübung der Tätigkeit geschaffen haben. Zwar verhandeln einige Verbände um gemeinsame Standards. Die Bemühungen schließen jedoch nicht alle Interessenträger ein, sodass die Verbindlichkeit schon jetzt in Frage steht.

Zu den Umweltbedingungen, die zur Förderung der Mediation beitragen, zählt auch das gesellschaftspolitische Klima. Die Kanzlerin hat in Davos darauf hingwiesen, dass der Kompromiss nicht nur in der Politik einen schlechten Ruf habe36 . Der bereits erwähnte Streitatlass belegt die Zunahme an Streitigkeiten sogar in Folge des Mediationsgesetzes. Die Politik könnte dazu beitragen, die Kooperationsbereitschaft schlechthin zu fördern. Sie könnte selbst zum Vorbild werden. Auch wäre anzuraten, den Weg in die Kooperation zu ebnen, anstatt den Weg in die Nachfrage nach einer Dienstleistung vorzuschreiben, die sich dem Verwender nicht immer erschließt.

Zusammenfassung: Die Evaluierung des Mediationsgesetzes hat bereits herausgestellt, dass gesetzgeberische Maßnahmen nicht anzuraten sind. Die Politik sollte überlegen, welches Ziel mit der Mediation verfolgt wird. Gehrt es um die Einführung eines Produktes oder um die Verbesserung des gesellschaftlichen Klimas. Wenn es darum geht, sollte die Koopertation gefördert werden,. Die Mediation wäre die Folge.

Forschung

Wiki to Yes versucht alle Forschungen über die Mediation zu erfassen. Dazu gehören Beiträge über Forschungen und deren Ergebnisse, Hinweise auf Forschungsprojekte und auf einen möglichen Forschungsbedarf. Letzterer ergibt sich aus den Fragen, die bei der Abhandlung der Themen etwa in den Fachbüchern auftreten. Das Zusammenführen der Forschungsprojekte und die Gegenüberstellung der Forschungsergebnisse überwindet die Selbstreferenzialität. Die Darstellung im Wiki erlaubt es auch den Professionen und Disziplinen darauf zuzugreifen, obwohl sie zu einer Zielgruppe gehören, die das jeweilige Fachmagazin nicht adressiert. Die sicher noch am Anfang befindliche Beobachtung der Forschung bei Wiki to Yes lässt sich in folgende Thesen überführen:

Ausgangspunkt ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Mediation an und für sich. Die einschlägigen Theorien sind im gleichnamigen Beitrag37 zusammengestellt. Es fällt auf, dass mit einer Ausnahme, keine Theorie speziell für die Mediation entwickelt wurde. Anderseits greift die Mediation dank ihrer Komplexität und Interdisziplinarität auf unzählige Theorien zurück, die sie für sich vereinnahmt. Festzustellen ist also, dass es eine Vielzahl von Theoriefragmenten gibt, aber keine anerkannte Mediationstheorie, die die Funktionalität der Mediation in sich stimmig beschreiben kann. Die Folge sind Unklarheiten, die sich schon bei der Frage festmachen, wie und woran die Qualität der Mediation zu messen ist.

Nur ein theoretischer Ansatz verfolgt den Anspruch, die Mediation in ihrer Funktionalität präzise zu beschreiben und herzuleiten. Dieser theoretische Ansatz wird als Kognitionstheorie (der Mediation) beschrieben. Er setzt sich mit der Frage auseinander, was geschehen muss, damit die Parteien trotz ihres Konfliktes in der Lage sind, die zur Lösung führenden Erkenntnisse zu gewinnen und welchen Beitrag der Mediator dafür genau zu leisten hat.

Eine anerkannte Mediationstheorie würde dazu beitragen, dass die Verfahren präzise gegeneinander abgegrenzt werden können. Sie würde die Leistungsinhalte genau identifizieren und könnte dadurch die Grundlage für die Ermittlung der Ausbildungsstandards sein. Sie würde verhindern, dass die Mediation wie ein Bauchgefühl verwendet wird und könnte einen handwerklichen Maßstab liefern, an der sich auch Mediationsfehler ausmachen lassen38 . Die Kognitionstheorie erfordert einen wissenschaftlichen Diskurs in allen Disziplinen. Um diesen Diskurs anzuschieben, wurde die Theorie bei Wiki to Yes nicht nur als solche vorgestellt sondern in ein Forschungsprojekt überführt39 .

Die erwähnten Unklarheiten beginnen bereits bei der Terminologie. Die interdisziplinäre und interprofessionelle Verwendung von Fachbegriffen führt zu ganz unterschiedlichen Konnotationen. Der Begriff Verfahren im §1 Mediationsgesetz liefert dafür bereits ein Beispiel. Auch der Begriff Interesse wird nicht nur in den Disziplinen unterschiedlich gedeutet. Was für einen Anwalt ein Interesse ist, ist für einen Mediator eine Lösung. Die Idee, zumindest eine einheitliche Fachsprache zu ermöglichen, führte zur Anlegung eines noch abzustimmenden Fachwörterbuches40 .

Natürlich haben die Experten ein Interesse daran, ihre Beiträge in dem für Ihre Zielgruppe bekannten Magazin zu veröffentlichen. Leider wird ein interdisziplinärer Diskurs erschwert, wenn der Beitrag nur dort auffindbar ist. Auch wenn die Mediation als interdisziplinär beschrieben wird, ist der Umgang mit ihr eher multidisziplinär. Zwar werden Beiträge von Experten aus verschiedenen Professionen und Disziplinen vorgestellt. Oft werden sie nur aneinandergereiht statt sie miteinander zu verschmelzen. So kommt es zu Übersetzungsverlusten und Erkenntnisgewinnen, die nicht allgemein verfügbar sind41 .

Die Forschung möchte helfen, Probleme zu lösen. Das ist schwierig, wenn die Forschung als in sich nicht konsistent wahrgenommen wird. Bereits die Fragestellungen in den Evaluierungen lenken die Gedanken in eine bestimmte Richtung, die abhängig vom Mediationsverständnis divergiert. Deshalb erlaubt das statistische Material nicht immer die Schlussfolgerungen, die ihm zugeschrieben werden. Die Aussage im Roland Rechtsreport beispielsweise, wonach die Bedeutung der Mediation gestiegen sei, wird durch die Nachfrage nicht belegt. Zwar ist laut der dort durchgeführten Umfrage die Zahl der Menschen, die das Wort Mediation schon einmal gehört haben, gestiegen. Die Frage ist, in welchem Zusammenhang sie das Wort gehört haben. War es etwa in der Fernsehsendung .....?

Die Presseauswertung belegt, dass der Begriff zum Teil völlig falsch repräsentiert ist. Viele Fragen sich, wie es denn sein kann, dass die Mediation trotz ihrer Bekanntheit nicht nachgefragt wird. Vielleicht findet sich in dieser Beobachtung bereits die Antwort. Jemand, der davon hört, dass die Mediation ein Verfahren mit Kaffee und Keksen ist, hat sicher den Begriff gehört aber trotzdem nicht verstanden, worum es geht. Hinzu kommt, dass die Umfrage im Roland Rechtsreport nur das Bild einer forensischen Mediation spiegelt und schon mit der Fragestellung den Anwendungsradius einschränkt. Die Formulierung: "Wenn man bei einer rechtlichen Auseinandersetzung nicht mehr weiterkommt ..." suggeriert, dass die Mediation nur bei ausweglosen Rechtsangelegenheiten einschlägig sei, obwohl der Anwendungsradius wesentlich größer ist. Er verführt auch dazu, zunächst einmal den juristischen Weg einzuschlagen und die Mediation nur als eine Art Ultima Ratio zu verstehen.

Es zeichnet sich eine immer größer werdende Diskrepanz ziwschen Praxis, Theorie und Reglementierung ab. Wenn die Evaluierung davon ausgeht, dass kaum ein Mediator über Praxiserfahrung verfügt, fragt man sich, welchen Wert die Evaluationen überhaupt haben können. Es gibt viele Experten, die sich mit der Mediation theoretisch auseinandersetzen, aber nicht zwingend Praktiker oder gar Insider sind. Die Theorie bemerkt deshalb mitunter gar nicht, wie sie sich von der Praxis entfernt. Genauso wenig bemerkt die Praxis, wie sie sich von der Theorie ablöst.

Zusammenfassung: Die Forschung könnte einen wichtigen Beitrag zur Mediation leisten, wenn sie zu einem verbindenden Element wird. Sie leistet einen wertvollen Beitrag, wenn sie sich auf die Grundlagen der Mediation und das Mediationsverständnis bezieht und es ihr gelingt, sich interdisziplinär und interprofessionell aufzustellen.

Markt

Was nutzt es zu wissen, ob die Mediation iSd Mediationsgesetzes 1, 2 oder mehr %-Anteile am Markt eingenommen hat oder nicht? Ein Unternehmer würde an dieser Frage die Rentabilität seines Produktes messen. Er hätte, wenn er die Kosten der Implementierung mit dem Ertrag vergleicht, womöglich das Produkt lange eingestellt. Kennt er die Details, weiß er wo nachzubessern ist, wenn er seine Investition zu einem Erfolg führen will. Seinen Erfolg misst er am möglichen Gewinn, der sich aus der Diskrepanz zwischen Kosten und Ertrag errechnen lässt. Vor allem orientiert er sich am Kunden, nicht an den Interessen des Anbieters.

Die Forschung belegt, dass die Einsparung von Konfliktkosten und die Konfliktvermeidung einen ausreichenden Investitionsanreiz geben können. Allerdings setzt die Konfliktvermeidung möglicherweise auf der Methodik und Kompetenz der Mediation auf, ohne in die Zählstatistiken Eingang zu finden. Die Mediation ist also (wie auch das zunehmende Interesse der Unternehmen belegt) durchaus erfolgreich. Nicht allerdings so, wie erwartet.

Die Evaluierung erwähnt das Wort Mediationsmarkt, ohne zu definieren was der Markt überhaupt ist. Der Fokus liegt auf den forensischen Verfahren. Tatsächlich ist der außerhalb der Justiz liegende Markt wesentlich attraktiver und größer. Eine Definition, was genau zum Mediationsmarkt gehört fehlt. Die Klarheit darüber, wo und wie sich mit der Mediation Geld verdienen lässt, wäre sicher ein Motivationsfaktor. Wichtig wäre es auch, die Konkurrenz zur Mediation zu thematisieren. Es ist anzunehmen, dass viele Anwender ihren Markt durch die Mediation als gefährdet sehen. Die Mediation vermeidet Streit, sodass alle Professionen, die vom Streiten leben, eine natürliche Zurückhaltung, wenn nicht sogar eine Gegnerschaft entwickeln. Sie wird nicht offen zugegeben.

Statt zu analysieren, wie sich die Mediation im Markt etabliert, könnte man auch darüber nachdenken was passiert, wenn sie erfolgreich ist. Die EU hat als Ziel gesetzt, dass 50% der (forensischen) Fälle als Mediation abgewickelt werden. Würden die Berufe, wenn diese Vorgabe sich realisiert, noch einen profitablen Umsatz machen? Einzelne bestimmt. Aber was ist mit der Berufsgruppe? Lässt sich mit dem Streiten noch Geld verdienen, wenn Streit vermieden wird? Wenn es für diese Frage eine belastbare Analyse gibt, könnte sich möglicherweise eine Harmonisierung der Bemühungen um die Mediation ergeben. Zumindest wird klar, wer warum ein Interesse an der Mediation haben sollte. Wer versucht, dieser Frage nachzugehen, wird vergeblich nach einer Markt- oder Wohlfahrtsanalyse suchen. Die Evaluierungen betreffen stets den Status quo nicht den Plan.

Die Frage, warum die Mediation nicht hinreichend nachgefragt wird, unterstellt, dass der Konsument einen Bedarf für ein solches Verfahren hat. Die Frage ist, ob der Kunde den Bedarf überhaupt erkennt. Versetzt man sich in die Lage des Kunden, fällt auf, dass er sich für ein Verfahren entscheiden muss, wenn er den dazu passenden Dienstleister sucht. Der Konsument muss sich durch einen Verfahrensdschungel bewegen, den selbst Experten nicht durchdringen können. Wiki to Yes bemüht sich, die verschiedenen Verfahren einschließlich der Mediation zu erfassen, um den Dschungel, den der Konsument wie der Dienstleister zu durchdringen haben, aufzulichten. Aktuell erfasst die Datenbank 86 verschiedene Mediationsfomen (worunter nicht zwingend Mediationsvarianten sondern auch Mediationsbezeichnungen erfasst werden) und ca 40 andere Verfahren. Die Datenbank ist nicht enumerativ zu verstehen und wird ganz sicher noch erweitert. Brandon, ein amerikanischer Mediator schlägt eine SWOT-Analyse vor, allein um den passenden Mediator zu finden42 . Um die Übersicht zu erleichtern, führt Wiki to Yes auf eine international angepasste Systematisierung der Verfahren, einschließlich der Mediation ein43 .

Die Zusammenstellung der Bemühungen, die Mediation dem Konsumenten schmackhaft zu machen, lässt sich überwiegend auf den Appell zurückführen, dass eine Einigung besser sei als ein Streit und dass die Mediation dazu in der Lage sei, die Einigung herbeizuführen. Welches Ergebnis der Konsument zu erwarten hat, kann sie dem Kunden schon nicht mehr vermitteln44 .

Was also genau der Bedarf ist, den die Mediation dem Kunden deckt, ist zumindest aus der Kundensicht nicht wirklich klar. Ein Kunde kauft nur was er selbst nicht hat und was er sich nicht herstellen kann. Für Kaffee und Kekse muss er keinen Dienstleister beauftragen. Hinzu kommt, dass er bei einem hoch eskalierten Konflikt auch kein Interesse hat, mit dem Feind Kaffee und Kekse zu teilen. Sicher ist diese Darstellung reduziert und provokant. Sie soll verdeutlichen, welche Sicht der Kunde auf die Mediation hat und wie Mediatoren darauf eingehen könnten.

Wenn bei dem Konsumenten eine Gewinner - Verlierer Logik vorherrscht, findet die Mediation keinen Platz45 . Der philosophische Ansatz, dass der Streit nicht zielführend sei, mag der Kunde teilen. Ob er die Philosophie für sich im konkreten Fall in Anspruch nimmt, ist jedoch eine ganz andere Frage. Auf diese Frage gehen die Evaluierungen nicht ein. Deshalb ist die Frage, ob jemand sich vorstellen könnte, eine Mediation nachzufragen, nicht aussagekräftig. Sie würde anders beantwortet werden, wenn gefragt wird, ob man sich eine Mediation auch dann vorstellen kann, wenn die Selbstreflexion zu einem Verständnis für den Gegner führt, der nichts anders im Sinn hat, als der Partei zu schaden und sie zu vernichten. Um die Mediation dem Kunden erfolgreich anbieten zu können, sind sicherlich treffendere Argumente erforderlich.

Wiki to Yes befasst sich auch mit dem Thema Angebot und Nachfrage der Mediation und hat schon einige Gedanken zusammengetragen. Ein Kunde erwartet einen Vorteil, wenn er Geld für etwas bazahlen soll. Es ist zu bezweifeln, ob er einen Vorteil in den Verfahrensmerkmalen sieht, die so oft herausgestellt werden. Es dürfte ihm egal sein, wenn er, um zu obsiegen, Kontrolle über das Verfahren hat. Zumindest solange er davon ausgeht, dass sein Anwalt über ausreichende Kontrollmöglichkeiten im Gerichtsverfahren verfügt. Der Kunde will wissen, was sein Nutzen ist. Hier erweist es sich als kontraproduktiv, wenn die Mediation mit dem Gericht verglichen wird46 . Tatsächlich bewegt sich der Nutzen auf zwei Ebenen. Der Nutzen des Verfahrens orientiert sich am Nutzen des Ergebnisses. Der Beitrag Vorteile gibt eine Orientierungshilfe, wenn es darum geht, alle Nutzenerwägungen in Abgrenzung zu anderen Verfahren zu erkennen47 .

Die Komplexität der Mediation erschwert die Kundenkommunikation. Hier hilft ein angepasstes Marketing bei dem das Alleinstellungsmerkmal der Mediation herausgearbeitet wird. Der Kunde dürfte neugierig werden, wenn er erfährt, dass die Mediation eine Vorgehensweise ist, mit der die Parteien durch eine Verstehensvermittlung über alle relevanten Informationen verfügen, die es ihnen ermöglichen, eine am allseitigen Nutzen orientierte Lösung zu finden. Die Lösung lässt sich auf die gesamte Komplexität der zu klärenden Fragen ein und vergleicht die gefundene Lösung mit dem möglichen Ergebnis anderer Verfahren.

In dieser Botschaft sind die kundennahen Merkmale: die Nutzenausrichtung, der Umgang mit der Komplexität der Problemstellung, die volle Informiertheit und der Vergleich des Ergebnisses mit alternativen Lösungen. So beschrieben liefert die Mediation einen Rundumschlag, der sie von allen anderen Verfahren abhebt. Nicht, dass diese Gedanken in anderen Verfahren ausgeschlossen sind. Sie sind dort allerdings nicht zwingend vorgeschrieben.

Wegen der Schwierigkeit, die Mediation kundengerecht zu erläutern und um Wettbewerbsvorteile zu erlangen, bieten viele Mediatoren Spezialisierungen an. Es wird nicht immer klar, was der Unterschied zu anderen Mediationen ist. Aber gerade deshalb, bieten neu eingeführte Begriffe Raum für Assoziationen. Solange sich diese Neuerfindungen nicht systematisch einordnen lassen, tragen Sie zu einer weiteren Verwahrung des Marktes bei. Was für den einen ein Vorteil sein mag, ist für die generelle Nachfrage nach Mediation ein Hindernis. Die Verwirrung des Kunden ist das größte KO Kriterium für die Nachfrage.

Zusammenfassung: Um den Markt zu erkennen, fehlen vorausschauende Erhebungen einer Markt- und Wohlfahrtsanalyse. Bevor über Maßnahmen wie die Zwangsmediation oder über gesetztgeberische Eingriffe nachgedacht wird, sollten die Möglichlkeiten eines bedarfsgerechten Angebotes ausgeschöpft werden.

Auswertung

Die Trendindikatoren können nur Schwerpunkte setzen. Wenn Sie sich der Komplexität stellen, finden Sie im Wiki noch viel mehr Anhaltspunkte und Beiträge, die das Bild über die Mediation vervollständigen. Wiki to Yes bietet darüber hinaus eine Plattform, in der alle Informationen interaktiv zu ergänzen sind. Aus der dort nachzulesenden Beobachtung zeichnet sich ein äußerst amorphes Bild der Mediation ab. Die Vereinheitlichung erfordert eine wissenschaftliche Unterlegung und eine gemeinsame Zielausrichtung. Die Zielvorgabe macht klar, was mit der Einführung der Mediation genau gemeint ist und welchen Zweck sie verfolgen soll. Bereits diese Frage erfordert eine Auseinandersetzung, was Mediation überhaupt genau ist und sein soll. Auch wenn es so scheint, als seien diese Fragen mit dem Erlass des Mediationsgesetzes geklärt, zeigt die Praxis, dass dem nicht so ist. Das Wort Mediation wird zum Synonym für alles Mögliche. Die Vielfalt ist ein Teil der Mediation. Um damit umzugehen bedarf es einer systematischen Verortung und einer begrifflichen Klärung und Konsistenz. Wenn der Gesetzgeber etwas tun kann, ist es, diese Konsistenz im Gesetz abzubilden. Maßnahmen zur Förderung der Mediation sollten sich deshalb zunächst auf die Basics erstrecken, die zur Klarheit nicht nur in der Fachwelt beitragen.

Es mag sein, dass dieser Bericht nicht auf der Linie vieler Anwender und Funktionäre liegt, die sich engagiert um die Förderung der Mediation bemühen. Bitte sehen Sie diesen Bericht als eine Diskussionsgrundlage. Sie sind herzlich eingeladen, andere Erkenntnisse und Meinungen im Wiki to Yes einzubringen und auf eigene Aktivitäten, Erfahrungen und Forschungen zu verweisen, damit sich ein korrektes, vollständiges Bild über die Mediation herbeiführen lässt. Möglichkeiten zur Kommentierung und zur Diskussion ergeben sich im Fußzeilentext eines jeden Beitrages. Ein allgemein zugängliches Forum zur Diskussion über den Mediationsreport wird ebenfalls zur Verfügung gestellt48 .

Die Quellenangeben beziehen sich auf das Literaturverzeichnis49

Altenkirchen, den 29.1.2019
Arthur Trossen

2 Die Vernetzung erfolgt beispielsweise, indem eine Nachricht in der Übersicht erfasst wird. Ihre Verschlagwortung stellt sicher, dass sie im Kontext mit anderen Beiträgen gefunden werden kann. Die Nachricht selbst wird in den dadurch betroffenen Beiträgen referenziert, wobei es gegebenenfalls zur Anpassung des Beitrages kommt.
3 Das Diskussionsforum finden Sie hier: https://www.wiki-to-yes.org/forum39, den Onlinebeitrag finden Sie hier: https://www.wiki-to-yes.org/article1136-Wiki-to-Yes-Mediationsreport-2019
6 Der Digest kann hier eingesehen werden: https://www.wiki-to-yes.org/Digest
7 Siehe z.B. https://www.wiki-to-yes.org/article198 (Anstoss für die Mediation) und https://www.wiki-to-yes.org/article161 (Dialog ja aber kein Vermittler)
12 Die 73% ergeben sich aus dem Roland Rechtsreport, https://www.roland-rechtsschutz.de/media/rechtsschutz/pdf/unternehmen_1/ROLAND_Rechtsreport_2018.pdf und das 1% ergibt sich aus der Evaluierung zum Mediationsgesetz, https://www.wiki-to-yes.org/Mediationsgesetz-Evaluierung
16 Quast (Jahrbuch 2018) - 2019-01-28
21 Siehe offizielle Schätzung wurde vom statistischen Bundesamt vorgenommen und im Entwurf zur ZMediatAusbV erwähnt
23 Der BM Mediation wird auf „versichern privat“ zitiert im Beitrag: „Mediation statt Prozess – wer profitiert eigentlich wirklich davon?“, wo schon damals von 50.000 Mediatoren ausgegangen wurde Siehe
26 Mit dieser Frage hatte sich die Sozio-ökonomische-Analyse auseinandergesetzt
27 Siehe Die deutsche Streitlust nimmt weiter zu abgelesen am 2.8.2017
32 Siehe https://www.wiki-to-yes.org/article1138-VG-Schleswig-11-B-34-17 Konsequenzen einer abgelehnten Mediation
34 Beispiele: ADR heisst jetzt AKL. Die Schlichtung ist nicht mehr der Oberbegriff zur außergerichtlichen Strteitbeilegung, sondern ein konkurrierendes Verfahren
38 Sie finden ein Fehlerverzeichnis unter https://www.wiki-to-yes.org/Fehlerverzeichnis und die Auseinandersetzung mit der Qualität unter https://www.wiki-to-yes.org/Qualität, wo es auch einen Link zu Benchmarks gibt, https://www.wiki-to-yes.org/Benchmarks
41 z.B. die Frage in der Evaluierung ob die Mediation als Schlichtung oder Vermittlung durchgeführt wurde. Siehe Fragebogen zum Mediationsgesetz II
44 Siehe die Zusammenstellung der kundengerechten Darstellungsversuche https://www.wiki-to-yes.org/Darstellungen
45 Die strategischen Voraussetzungen für ihre Nachfrage werden in der Konfliktevolution von Schwarz zusammengefasst. Siehe https://www.wiki-to-yes.org/Konfliktevolution



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